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Blockade im System. Betreutes Wohnen und Wohnungsnot

Wohnungsmangel und steigende Mieten bestimmen seit Monaten öffentliche Debatten in Berlin. Wenn Otto-Normalverdiener schon kaum mehr eine freie und bezahlbare Wohnung findet, wie ist es dann für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, die nach intensiver Betreuung wieder alleine wohnen könnten?

Junger Mann und junge Frau sitzen neben Umzugskartons und sehen verzweifelt aus.
Nicht nur der Wohnungsmangel sondern auch Vorbehalte von Vermietern machen es Menschen mit psychischen Erkrankungen zusätzlich schwer, wieder in die Selbstständigkeit zurückzukehren

Die Überschrift deutet möglicherweise auf ein technisches Problem hin. Gemeint ist auch ein Technisches – aber vorrangig ein Menschliches. Die Begleitung von Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen in der Eingliederungshilfe in den Berliner Bezirken gestaltet sich aufgrund der Wohnraumproblematik schwieriger als früher – eigentlich zunehmend dramatisch.

Die Menschen, die bei uns in Therapeutischen Wohngemeinschaften oder auch in sogenannten Trägerwohnungen (von uns angemietete Wohnungen mit ambulanter Betreuung) wohnen und betreut werden, sind natürlich überwiegend froh, dass sie „ein Dach über dem Kopf haben“ und begleitet werden. Es gibt unter diesen Menschen aber auch Männer und Frauen, die eigentlich gar keine oder weniger Betreuung brauchen. Diese Bewohner könnten also wieder selbstständig in einer eigenen Wohnung wohnen. Doch es gibt sie nicht, die „passende Wohnung“. Passend heißt fast ausschließlich „eine preiswerte Wohnung”. Passend heißt aber auch, eine Wohnung im gewohnten Umfeld mit den bekannten Strukturen und Menschen. Hinzu kommt, dass es leider in Zeiten wie diesen immer noch zu viele Vorbehalte von Vermietern gibt, Menschen mit psychischen Problemen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Wohnungsmangel gefährdet gute Versorgung

Das führt dazu, dass Menschen mit weniger Betreuungsbedarf gar nicht in der Lage sind, den Schritt in die vollständige Unabhängigkeit zu nehmen. Die Folge für uns als sozialen Träger: Unsere Wohnungen sind belegt und neue Klienten, die einen höheren Unterstützungsbedarf haben, kommen nicht in das System der für sie notwendigen Unterstützung.

Deswegen setzen wir uns zusammen mit Dachverbänden der Freien Wohlfahrtspflege (Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin und Gesamtverband) und weiteren Initiativen (z.B. Gesundheitsstadt Berlin e.V.) für städtebauliche Konzepte ein, die es ermöglichen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen und mit wenig Einkommen in die Lage versetzt werden, an Wohnungen heranzukommen – selbst wenn Betreuungsbedarf durch uns Träger besteht.

Auch intern ist der Fachbereich aktiv. Seit einem Jahr gibt es eine „AG-Wohnen“ mit überregionalen Teilnehmern in unseren Schwerpunktregionen. Zu den bisherigen Aufgaben zählten die Identifizierung möglicher Kooperationspartner und die Erstellung eines Anschreibens, einer Mustervorstellungsmappe unseres Unternehmens sowie Rechenbeispiele für Miethöhen für mögliche Kooperationspartner bzw. Wohnungseigentümer. Also im Grunde das Herausarbeiten der „Top-Gründe“, warum man an uns vermieten sollte und wie man davon profitiert.

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