Lernen Sie die Menschen im UNIONHILFSWERK noch besser kennen, ihre Geschichten, ihre besonderen Engagements oder ihren ungewöhnlichen Weg in die Sozialbranche.
Mario Jahnke wartet schon auf mich im Empfangsbereich des Pflegewohnheimes. Er wirkt mit seiner Umgebung sehr vertraut und führt mich sicher in einen gemütlichen, kleinen Raum mit großen Polstersesseln, in den sich auch Bewohnerinnen und Bewohner zurückziehen können.
„Je schwieriger was ist, desto mehr knie ich mich rein.“
Bei den Freiwilligenkoordinatoren im Hospizdienst, Celine Calvét und Stephan Mente, sowie bei den Mitarbeitern im Pflegewohnheim wird Mario Jahnke ganz besonders geschätzt. Er findet oft auch in krisenhaften Situationen einen Zugang zu den Bewohnern. Im Pflegewohnheim in der Venusstraße in Alt-Glienicke, das inzwischen geschlossen ist, betreute er beispielsweise eine Frau, die ununterbrochen laut rief.
Hier in der Fidicinstraße besucht er eine Bewohnerin, die nach dem Einzug in eine tiefe Depression fiel und die ihm inzwischen vergnügt auf dem Flur begegnet.
Ich frage ihn also, wie er es immer wieder schafft, Menschen zu helfen, die Schweres erlebt haben. Ein Rezept kann er mir nicht nennen. Stattdessen berichtet er, was ihm die Besuchten sagen: „Herr Jahnke, bei ihnen kann ich sein, wie ich bin.“ Oft sind die alten Menschen einfach froh und dankbar, dass er da ist und Zeit mit Ihnen verbringt.
Mario Jahnke mag es, in schwierigen Situationen herausgefordert zu werden. Er bietet Hilfe an und findet gemeinsam mit den Bewohnern Lösungen.
„Berlin ist meine Stadt“
In Berlin geboren, erlebte Mario Jahnke seine Kindheit bis etwa zum 9. Lebensjahr blühend und schön. Das änderte sich, als sein Vater aus der DDR in den Westen flieht und er selbst danach mehrmals zu fliehen versucht. Die Folgen waren Heimunterbringung, Berufsverbot und Repressalien.1998 schrieb er zunächst für seine Kinder seine Lebensgeschichte „ Dreimal Mauer und zurück“ auf, die er später unter seinem Pseudonym Martin Jansen veröffentlichte. Aus gesundheitlichen Gründen und nach einer Nierentransplantation musste der heute 63-Jährige seine Berufstätigkeit 2007 aufgeben.
„Wenn ich was mache, dann mache ich es richtig“
Nach dem Eintritt in den Ruhestand hat er sich zunächst erfolgreich dem Malen gewidmet und seine Bilder neben professionellen Künstlern ausgestellt. Über eine Zeitungsanzeige hat er von der Ausbildung zum Lebens- und Sterbebegleiter erfahren. Er hat sich diese Aufgabe zugetraut, denn er hatte zuvor seine Großmutter beim Sterben begleitet. Bei den monatlichen Praxisanleitungen mit den Freiwilligenkoordinatoren des Hospizdienstes fehlt er nie, denn da nimmt er immer wichtige Impulse mit.
Als mich Mario Jahnke zur Tür begleitet, spricht ihn eine Bewohnerin an: „Das ist doch nicht ihr Tag heute. Heute ist doch Donnerstag!“ Und er erklärt ihr, dass er für unser Gespräch außerhalb der Reihe ins Haus kam. Nachdem wir uns verabschiedet haben, geht er auf den Wohnbereich zurück und macht das, was er gerne und mit großem Talent macht: Menschen besuchen und ihnen unaufdringlich, authentisch und mit viel Humor nahe sein und Kraft schenken.
Am 17. Januar 2019 beginnt ein neuer Vorbereitungskurs für Lebens- und Sterbebegleiter. Informieren Sie sich unverbindlich, am 10. Januar 2019, im Rahmen eines Info-Abends, von 17 bis 19 Uhr, im Pflegewohnheim „Am Plänterwald“, Neue Krugallee 142, 12437 Berlin.
Was genau machen Sie da?
Während meiner Arbeit ist es mir das Wichtigste, das die Menschen, zu denen ich fahre, um sie zu versorgen, Freude haben, dass sie lachen.
Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Beruf?
Drei Dinge:
1. Auto fahren
2. Den Tourenplan, auf dem steht, wem ich aktuell helfen kann.
3. Freude bereiten, das Leben erleichtern, ein Lachen ins Gesicht zaubern und die Sorgen vertreiben – zumindest für einen Moment.
Was wollten Sie werden als Sie klein waren? Pferdewirt
Was ist das Schrägste, was Ihnen bisher in Ihrem Berufsleben passiert ist?
Wenn alte Damen mich nicht als Pfleger, sondern als (jungen) MANN sehen…und ich morgens beim Wecken mit einem verschmitzten Lachen und dem Lied, „komm unter meine Decke“, begrüßt werde – und die Decke dabei aufgeschlagen wird…
Welche Tätigkeit beherrschen Sie neben dem Job so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?
Menschen auf anderen, besonderen Wegen heilen durch klassische Homöopathie, unter anderem verbunden mit geistigen Heilmethoden.
Am Wochenende mache ich am liebsten…?
Ähhh…welches Wochenende???!!
…aber wenn ich frei habe, mache ich Sachen, bei denen ich mich für die Welt einsetze – z.B. für Gerechtigkeit, indem ich an Friedensfestivals teilnehme.
Was ist Ihr Lieblingsplatz/-ort?
Es gibt einige – auf dem Pferderücken im Wald oder auf einer Plastiktüte im Schnee bergab oder im Meer.
Auf welchen Luxus könnten Sie verzichten? Fernseher.
Sie dürfen drei Gegenstände mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche wären das?
Ein Pferd (weiblich), ein Pferd (männlich) und meinen Freund.
Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, zu welcher Zeit hätten Sie gern gelebt? 500 Jahre in der Zukunft – 2518
Was sollte jeder Mensch einmal im Leben getan haben?
Einen Dienst an der Welt, für die Gesellschaft leisten – sei es in der Missionsküche Essen an Obdachlose ausgeben, oder sei es für die Umwelt auf die Straße gehen.
Welche Superkraft hätten Sie gern: Unsichtbar sein können, Gedanken lesen oder fliegen? Hellsehen können – dann wäre es mit dem Heilen viel einfacher.
Zum Schluss: Wen möchten Sie bei der Gelegenheit grüßen? Die Superreichen dieser Welt: „Hallo, Eure Tage sind gezählt!“
Das Projekt Kiez trifft Kiez des Vereins Aussichtsreich e.V. war zum dritten Mal zu Gast in der Zuverdienstwerkstatt und lud zum Selbermachen ein. Die im Vorfeld angemeldeten Gäste konnten an dem Tag der offenen Tür zwei Dinge in der Werkstatt erlernen. Entweder einen Einkaufbeutel selber zu nähen oder ein Schreibtisch-Utensilo aus einem Buch anzufertigen. Das Besondere dabei: Die Beschäftigten der Zuverdienstwerkstatt nahmen bei der Anleitung die Rolle der Profis ein und brachten den Besuchern das Nähen an der Maschine bei. Es bildeten sich Zweiergruppen, in denen eifrig erklärt, zugehört, beobachtet und erfolgreich angeleitet wurde. Die Besucherinnen und Besucher hatten anschließend große Freude an ihren selbstgenähten Beuteln. Sie konnten diese sogleich kostenlos mit nach Hause nehmen und nach Lust und Laune auch mit tollen, gekauften Produkten aus der Zuverdienstwerkstatt befüllen.
Beschäftigte wie Besucher waren stolz auf die tollen Ergebnisse
Eine Anleiterin des Nachmittags war die Beschäftigte Frau Kerstin H. Sie beschreibt den Nachmittag so: „Erst war ich sehr aufgeregt. Doch nachdem ich meine anfängliche Scheu, in Kontakt zu der Besucherin zu treten, überwunden hatte, hat es großen Spaß gemacht, ihr das Nähen beizubringen. Die Atmosphäre war locker und ungezwungen aber auch ganz schön trubelig. Als die Besucherin ihren Beutel fertig hatte, waren wir beide stolz.“
Auch im nächsten Jahr wird es wieder einen Abend des Selbermachens in der Zuverdienstwerkstatt geben, an dem sich Besucherinnen und Besucher nach Herzenslust ausprobieren können. Wir freuen uns darauf!
Meine Chefin, die Pflegedienstleitung Corinna Lange, begleitete mich persönlich zur ersten Tour. An den ersten zwei Tagen fuhren wir gemeinsam mit dem Fahrrad zu einer Reihe von Patienten. Corinna stellte sie mir eingehend vor und begann mit der richtigen Aussprache der Patientennamen. Für mich war das nicht einfach, weil ich aus Asien komme. Sie zeigte mir alle Einzelheiten bei der Arbeit. In der Pause teilte sie mit mir ihr mitgebrachtes Essen, was in Deutschland eher unüblich ist. Sie zeigte mir auch die Fotos ihrer drei Kinder. Das älteste ist 13, das jüngste erst 3 Jahre alt. „Das Kleinste ist noch in der Kinderkrippe. Jeden Morgen bringe ich es mit dem Fahrrad dort hin und muss mich beeilen, um pünktlich meine Tour zu den Patienten zu starten,“ erzählte sie mir strahlend. Nach zwei Tagen lobte sie: „Ich bin sehr zufrieden mit dir und deiner Pflege der Patienten. Der nächste notwendige Schritt ist, die deutsche Sprache gut zu lernen“, gab sie mir als Rat mit auf den Weg.
Leiterin Corinna Lange mit einem Patienten | Foto: UNIONHILFSWERK
Das Besondere an den Menschen sehen und annehmen
An den folgenden Tagen fuhr ich mit meiner Kollegin Katja im Auto zu den Patienten. Sie ist eine lebhafte, fröhliche Kollegin und versteht es, den Erlebnissen während der Arbeit immer das Besondere und Positive abzugewinnen. „Bei diesem Beruf kann man viele bewegende, aber auch lustige oder gar komische Geschichten erleben“, erzählte Katja, „wie beispielsweise über Frau Bayer*, die allein in ihrem dicht bewachsenen Sträuchergarten lebt. Sie wollte, dass ich für sie ihre Glühlampen repariere, so wie ein Hausmeister, und Brot mit vier Seiten kaufe. Wenn dem Brot eine Seite fehlte, wollte sie es nicht essen.“ Nur eine liebevoll zugewandte Kollegin kann genug Geduld aufbringen, um einer alten Frau, einst Sozialforscherin, die Wärme und das Verständnis entgegenzubringen, das sie braucht, weil sie wegen ihrer Krankheit langsam die Vorstellung von Raum und Zeit verliert.
Katja erzählte mir von der Persönlichkeit und den Vorlieben jedes einzelnen Patienten. Es gibt stille, wortkarge Patienten, andere sind sonderbar oder eigen. Jeder alte Mensch hat seinen eigenen Charakter. Wenn wir ihn gut verstehen und auf ihn eingehen, ist auch unsere Arbeit leichter, weil sie sich verstanden wissen.
Manchmal kommt man an die eigenen Grenzen. Trotz meines Engagements und meiner Geduld sind alte Menschen manchmal reizbar oder verärgert. Verständlicherweise ist man wegen Krankheit und Einsamkeit nicht so fröhlich wie Menschen, die noch aktiver im Leben stehen können.
Der Reichtum in einer besonderen Währung
Die Mehrzahl der Senioren, zu denen wir fahren, hat keine Kinder oder die Kinder leben weit weg von ihnen. Andere wiederum gehen intensiv anderen Dingen und Tätigkeiten nach und haben deshalb wenig Zeit für ihre Eltern. Ich wollte mit meiner Kollegin einen Spaß machen und sagte: „Oh, du und ich, wir sind doch glücklicher und reicher als viele andere.“ Sie war irritiert: „Was heißt das?“ „Jede von uns hat zwei Kinder. Wenn jedes Kind ein Diamant ist, dann haben wir mehr als 50 Kilo Diamanten“, antwortete ich. Katja verstand es und lachte laut: „Ich bin reicher, meine zwei Kinder wiegen jetzt jeweils über 60 Kilo“. Nachdem wir zwei Wochen mit viel Spaß gemeinsam gearbeitet hatten, gab mir Katja am letzten Tag ihre private und auch die dienstliche Nummer. „Ab Morgen musst du allein auf die Touren gehen. Aber allein bedeutet nicht einsam. Wann immer du Hilfe brauchst, ruf mich an. Mach dir keine Gedanken, du wirst es gut schaffen, davon bin ich überzeugt.“
Sprache, der Schlüssel für eine neue Kultur
Unser Büro ist klein, aber sehr gut organisiert – und jeder hat ein eigenes Fach, das mit dem Namen versehen ist. Jeden Morgen schauen wir nach, ob wir Briefe oder Fax haben, manchmal liegt da auch eine Postkarte oder Schokolade von jemandem, der Geburtstag hat. Eines Tages öffnete ich mein Fach und fand zusätzlich zu den üblichen Dokumenten eine kleine Broschüre, zweisprachig: „Deutsch-vietnamesisches Wörterbuch zur Kranken – und Pflegeversicherung in der Bundesrepublik Deutschland“. Ich war überrascht, ahnte aber sofort, von wem das kam. Es konnte niemand anderes sein als meine Chefin, die mich immer wieder ans Deutschlernen erinnerte. Mal direkt, mal über einen Notizzettel mit dem Hinweis auf einen Deutschkurs, verbunden mit dem Rat, daran teilzunehmen.
Eine universelle Sprache, die der Liebe und des Teilens
Katjas Erfahrungen sind tatsächlich exzellent: Wenn wir den Charakter und die Bedürfnisse von jemandem verstehen, wird der Umgang viel einfacher und unkomplizierter. Die Sprachbarriere erscheint zunächst riesig, aber sobald man die Zuneigung und das Vertrauen des Patienten hat, entsteht eine andere, eine neue Sprache: die Sprache der Liebe und des Teilens.
Und ich genieße das Wunder dieser Sprache sehr. Nun habe ich keine Sorge, keine Nervosität, keine Anspannung mehr, wenn ich zur Arbeit gehe. An manchen Wochenenden vermisse ich meine Klienten sogar und grüble, ob die Schmerzen von Frau Sommer* nach dem Sturz in der Mitte der Woche gelindert sind oder ob Frau Becker* nach vier Wochen im Krankenhaus wegen einer Lungenentzündung vollständig genesen ist.
Schalkauer Straße: Nachdem ich eintrat, wurde ich mit einem fröhlichen Lächeln empfangen: „Oh, wo warst du letzte Woche? Ich habe die ganze Zeit auf dich gewartet.“ „Ja, die Kinder waren krank, ich musste zuhause bleiben und mich um sie kümmern“, erwiderte ich, „was sind meine Aufgaben für heute?“ „Langsam, Langsam, lege bitte ab und setz‘ dich. Ich möchte mich nach deinen Kindern erkundigen. Ist deine Mutter in deiner Heimat wieder gesund? Erzähle bitte zuerst etwas.“
Ein anderes Mal in der Zechliner Straße: Nach dem Baden und Reinigen des Hauses für Frau Müller*, sagte sie zu mir: „Wenn du frei hast, dann bring bitte deine Kinder zu mir zum Spielen. Ich liebe Kinder sehr. Mein Mann und mein Sohn sind schon verstorben. Jetzt habe ich nur noch die Schwiegertochter und Enkelkinder. Sie sind sehr lieb, aber sie haben immer wenig Zeit. Sieh mich bitte als deine Oma an – jederzeit. Wenn du Hilfe brauchst, komm‘ einfach vorbei. Jetzt hast du in Berlin zusätzlich eine Verwandte und brauchst keine Angst mehr vor Traurigkeit zu haben.“ Ich war sehr berührt und wusste in diesem Moment nicht, was ich sagen soll. Ich schaute liebevoll in die Falkenaugen der 83-jährigen alten Dame. Bevor ich ging, wartete ich am Türrahmen, um mich von ihr zu verabschieden. Ihre Hausschuhe schienen wie festgeklebt auf dem Teppich, schwere und kleine Schritte folgten. Fest hielt ich ihre Hand und sagte „Tschüss“. Die kleine, alte Frau mit stark gekrümmtem Rücken umarmte mich und sagte: „Denk‘ bitte daran. Dies ist das Versprechen eines 83-jährigen Menschen“ und rieb ihren Kopf an meiner Schulter. Als ich mich abwandte, spürte ich plötzlich eine wohltuende Wärme.
Ein schwerer Entschluss
Eines Tages stand ich vor einer schweren Entscheidung. Die Sorgen um meine einsame und kranke Mutter in der Heimat beherrschten meine Gedanken vollständig. Ich kam nicht zur Ruhe, schlief aus Sorge nachts kaum und hatte zu wenig Energie für einen neuen Arbeitstag. Das Fahrradfahren wurde langsamer und schwerer für mich. Überlegungen und Abwägungen und ein schwerer Entschluss: Kehre ich in die Heimat zurück und gehe dort einer leichteren Arbeit am Computer in klimatisierten Büroräumen nach oder bleibe ich bei dieser sinnvollen, aber teilweise harten Arbeit.
Die glückliche Rückkehr
Ich war hin und her gerissen, als ich entschied, zu meiner alten Arbeitsstelle zurückzukehren. Was werden die Leute über mich denken? Wie werden sich meine Kolleginnen verhalten? Werde ich ihre große Zuneigung spüren können, wie zuvor? Aber meine Sorgen waren überflüssig. Ein warmer Händedruck Corinnas wie am ersten Tag, das freundliche Lächeln von Dagmar, von Mary wie in der alten Zeit, und auch das sehr starke Schulterklopfen von Kerstin beim ersten Tag des Wiedersehens. Dann wurde mir in der folgenden Woche ein neuer Arbeitsvertrag persönlich übergeben, obwohl die Dame aus der Personalabteilung plötzlich krank war. Eine Kollegin sprang für sie ein.
„Ich arbeite schon seit fast 25 Jahren im UNIONHILFSWERK“, verriet mir meine sehr nette Kollegin Carmen . Jetzt verstehe ich, warum sie so lange und ausdauernd diese Arbeit verrichten kann. Ja, jetzt glaube ich an die Geschichte meiner Kollegin Carmen sowie an das Versprechen von Oma Müller* und denke an die süße Umarmung am Türrahmen damals – und daran, dass ich an meine Rückkehr glaubte.
Was hat eine Frau erlebt, die 1916, im ersten Weltkrieg, auf die Welt kam, die den zweiten Weltkrieg miterlebte, zur Zeit des Mauerbaus und Mauerfalls in Berlin lebte? Und: wie schafft sie es, ein so hohes Alter zu erreichen und dabei noch immer so mobil und rege zu sein?
Fragen über Fragen an Hildegard Lehmann. Interessante und bewegende Antworten gibt die rüstige fröhliche Dame bei unserem Treffen in ihrer Charlottenburger Wohnung. Eine Begegnung, die gar nicht so einfach zustande kommt – in Hilde Lehmanns vollem Terminkalender gibt es kaum Lücken. Denn neben ihrer Mitgliedschaft im Bezirksverband Charlottenburg des Unionhilfswerk Landesverband Berlin e.V. ist sie in vielen anderen Bereichen aktiv. Sie geht unter anderem zu den „Zeitzeugen“, um vor allem jungen Menschen die Geschichte, persönlich erlebt, näher zu bringen. Regelmäßig nimmt sie an den Stadtrundgängen des Charlottenburger Bürgermeisters teil, seit 70 Jahren ist sie Mitglied in der Freien Volksbühne und fast genau so lange im SCC, dem Sport-Club Charlottenburg.
SCC, UHW… Klingt verdächtig!
Umtriebig war sie schon, als Berlin noch geteilt war. Und bei einem ihrer Besuche in Ost-Berlin kontrollierte ein Grenzsoldat ihren Kalender und entdeckte viele „verdächtige“ Abkürzungen. Es waren die abgekürzten Namen ihrer Mitgliedsvereine und Aktivitäten, wie SCC oder UHW. Der Soldat riet ihr, dieses „konspirative“ Büchlein beim nächsten Besuch lieber zuhause zu lassen.
Sport – ein wichtiger Teil in ihrem Leben.
Über 37 Jahre lang war sie im SCC aktiv. Sie engagierte sich als Übungsleiterin für Kinder, die im SCC Rollschuh und später Schlittschuh liefen. „Wenn die Frau sich dreht, hat sie einen Schirm um sich herum, “ staunten die Kinder damals fasziniert über den Faltenrock ihres Sportdresses im Stil der Zeit. Auch heute noch ist sie Mitglied im SCC, in der Eislaufabteilung und der Seniorensparte.
Auf die Frage, was sie so fit gehalten hat, gibt Sie eine klare Antwort: Sie hat nie geraucht, nie getrunken, der Vater sorgte dafür, dass Hilde und ihre Brüder sich viel bewegten. Die Kinder gingen während der kompletten Saison mit ihrer Dauerkarte regelmäßig ins Freibad. Zu Fuß war das für die Kinder ein sehr langer Weg, den sie laufen mussten. Die meisten Kinder von heute würden bei der Strecke streiken, damals gab es keine Alternative.
Hildes Vater sorgte nicht nur für Sport und viel Bewegung für seine Kinder, „mein Vater wollte mir zeigen, wie ein Schraubenzieher angewendet wird, meine Mutter meinte, das bräuchte ich als Mädchen nicht zu wissen,“ erinnert sich Hilde Lehmann an Situationen ihrer Kindheit. Der Vater hat für die Kinder im Garten Sandkasten, Schaukel und Reckstange gebaut, drinnen für seine Tochter ein Puppenhaus. „Mein Vater war Eisenbahner, wir Kinder hatten immer den Eindruck, dass er alles wusste, dabei kam er aus einem sehr kleinen Dorf bei Falkenberg/Elster. Aber er war immer interessiert und offen für Neues, da bin ich meinem Vater sehr ähnlich.“
Das behielt sie bei, als sie im Krieg als Mitarbeiterin der Generalverkehrsdirektion nach Warschau ging, um dort am Fernschreiber zu arbeiten. Im Laufe ihres langen Berufslebens arbeitete sie unter anderem auch als Näherin und später lange als Verkäuferin bei Wertheim.
„Lass Dir Deine Wünsche nicht ausreden“
Hilde Lehmanns Rat an die jungen Frauen von heute: „Mach das, worauf Du zuerst Lust hast und lass es Dir nicht ausreden.“ Für sie war dieses Motto aber auch damit verbunden, Verantwortung zu übernehmen – sei es für die Kinder, die sie als Übungsleiterin im SCC betreute oder natürlich vor allem auch für Ihre Tochter Sabine, die 1944, in einer schwierigen Zeit zur Welt kam. Sie vermittelte auch ihrem Kind die Neugierde am Leben und weckte das Interesse an der Welt. Als ihre Tochter noch sehr klein war, setzte sie sie einfach auf dem Rad in einen Korb und zeigte und erklärte ihr alles, was sie sahen.
Ernst, geradezu entsetzt ist Hilde Lehmann, wenn sie ihre Eindrücke von den jungen Eltern heute schildert, die sich mehr um ihre Smartphones kümmern, als um ihre kleinen Kinder. „Die Kinder bekommen überhaupt keine Aufmerksamkeit mehr von ihren Eltern. Wie sollen sie ihre Umwelt kennenlernen?“
Tipp für das Alter – trotzdem machen – auch wenn man sich mal nicht so gut fühlt
Hört man Hilde Lehmann länger zu, so bekommt man nach und nach eine Idee davon, was sich hinter ihrem Geheimnis für ein überaus langes und erfülltes Leben verbirgt. So auch bei ihren Empfehlungen für das Alter, wenn sie resümiert, „in Bewegung bleiben und die Pläne trotzdem machen, auch wenn man sich mal nicht so gut fühlt und man denkt, dass es nicht geht. So war das auch früher bei mir, ich konnte nie krank sein – wer hätte dann die Kinder trainiert?“ … und so gilt es noch heute!
Auf Roll- oder Schlittschuhen – hauptsache in Bewegung. Hier auch mit Tochter Sabine.
Ich treffe Mohamed im Büro unseres Wohnverbundes in Neukölln. Er ist ein 19jähriger junger Mann, der mich zurückhaltend begrüßt. Er spricht leise, aber deutlich. Sein Blick ist neugierig.
Keine leichte Interview-Situation. Er soll mit mir – einer für ihn unbekannten Person – über seine Fluchtgeschichte und seine aktuelle Situation sprechen und ich muss Fragen stellen, die mit Sicherheit auch schmerzhafte Erinnerungen in ihm wachrufen werden.
Ich bitte ihn, dass wir ganz offen miteinander sprechen. Er solle mir einfach sagen, wenn er eine Frage nicht beantworten möchte.
Arne Bäcker, der Sozialarbeiter des Teams in Neukölln, der auch die Idee zu diesem Interview hatte, sitzt bei uns und hilft dabei, die Situation aufzulockern. Es gelingt uns – wir führen zu dritt ein angenehmes, wenn auch emotionales und teilweise sehr trauriges Gespräch.
Als 16-jähriger floh Mohamed mit seinem jüngeren Bruder aus Syrien
Mohamed stammt aus Aleppo in Syrien und floh Ende 2015, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, aus dem Kriegsgebiet. Über die Türkei, Griechenland, Serbien und Kroatien waren die beiden insgesamt mehr als 4 Wochen lang auf der Flucht und begegneten dabei immer wieder Menschen, die ihre Not ausnutzten und sie mit falschen Versprechungen in die Irre führten. Vier Wochen voller Angst und Unsicherheit.
Erschöpft kamen die beiden schließlich im November 2015 mit einem Bus in Hamburg an. Der dritte und älteste Bruder wohnte zu dieser Zeit bereits seit 4 Jahren in Berlin und schickte die Zugtickets, die die beiden in die Hauptstadt brachten.
Viele Ämtergänge standen nach einer kurzen Erholungszeit auf dem Programm. Da beide zu diesem Zeitpunkt minderjährig waren, war die Jugendhilfe zuständig.
Sie konnten in ein Heim für Jugendliche der Johanniter ziehen. Anfangs wohnten 20 junge Menschen in dem Haus, innerhalb einer Woche waren es bereits 50 Jugendliche.
Mohamed und sein Bruder teilten ein Zimmer mit 7 anderen Jungen und wohnten insgesamt ein Jahr lang in dieser Einrichtung. Dann konnten beide in eine betreute Wohngemeinschaft umziehen, mit 9 Mitbewohnern, aber einem eigenen Zimmer für jeden.
In dieser Wohngemeinschaft wohnt Mohamed seit zwei Jahren und fühlt sich dort wohl. Es sind erste Freundschaften entstanden, das Vertrauen zueinander ist gewachsen. In der großen Gemeinschaftsküche kocht jeder mal für die anderen.
Der Berliner Dialekt war eine Herausforderung beim Deutsch lernen
Mohamed besucht seit zwei Jahren das Oberstufenzentrum in Schöneberg. Er hat Deutsch gelernt und sich dabei auch den Herausforderungen des Berliner Dialektes gestellt. „Das Wort ‚Kieken‘ habe ich anfangs gar nicht verstanden“, erzählt er lachend.
Gerade hat er sein Abschlusszeugnis für die Berufsbildungsreife (BBR) erhalten – die wiederum ist die Grundlage für eine nun mögliche Ausbildung. In den letzten zwei Jahren hat er zahlreiche Praktika absolviert und dabei in sehr unterschiedliche Berufsfelder hineingeschnuppert.
Er hat in einer Kita gearbeitet und alte Menschen versorgt, hat sich als Koch probiert und auch bereits als Anlagen-Mechaniker. Diese Erfahrungen waren wichtig und er konnte für sich herausfinden, dass er gern mit Menschen und im sozialen Bereich arbeiten möchte.
Zum ersten Mal Kontakt zu Menschen mit einer psychischen Erkrankung
Das Praktikum in unserem Wohnverbund in Neukölln unterstrich diese Tendenz für ihn noch einmal. Obwohl er das erste Mal in seinem Leben Kontakt zu Menschen mit einer psychischen Erkrankung hatte, fand er schnell Zugang zu ihnen und die Arbeit machte ihm Spaß.
„Mohamed hat sich am ersten Tag alles angesehen und ist einmal ‚mitgelaufen‘. Bereits am zweiten Tag musste man gar nicht mehr viel sagen oder erklären. Er hat mitgedacht und ganz schnell Aufgaben übernommen und erledigt. Er hatte auch einen guten Draht zu den Klienten, die ihn sofort akzeptiert haben“, berichtet Arne Bäcker. Und Mohamed ergänzt: „Die Kollegen hier im Team haben mich toll unterstützt. Ich fühle mich hier inzwischen fast wie zuhause. Vielleicht sollte ich einfach hier einziehen…“. Er sagt das mit einem Schmunzeln im Gesicht. Und doch ist ihm anzusehen, wie ernst die Lage für ihn gerade ist. Durch seine Volljährigkeit haben sich Zuständigkeiten geändert und er muss aus seiner Wohngemeinschaft ausziehen – bereits jetzt im Juli.
Mohamed benötigt dringend eine Wohnung und wünscht sich weiterhin Unterstützung. Gerade die bürokratischen Angelegenheiten und Ämtergänge traut er sich alleine noch nicht zu.
Er wartet nun auf Vorschläge vom Jugendamt.
Wir möchten diesen Blog-Beitrag auch als Aufruf nutzen. Wer kann helfen oder hat eine Idee?
Schreiben Sie dazu gern an die Blog-Redaktion.
Ich treffe Waseem (26) aus Aleppo, Syrien und Jonas (31) aus München in einer kleinen Kneipe in Berlin-Friedrichshain. Es sind über 30 Grad, die Sonne scheint und ich freue mich sehr auf die beiden. Jonas und Waseem kennen sich seit über 1,5 Jahren und heute möchte ich mit ihnen gemeinsam auf diese Zeit blicken.
Integrationspaten im UNIONHILFSWERK
Die beiden kennen sich durch unser Patenschaftsprojekt „Integrationspatenschaften“ der Stiftung Unionhilfswerk Berlin. Das Projekt stellt Kontakte zwischen Geflüchteten und Alt-Eingesessenen her. Nach einem gemeinsamen Kennlerngespräch treffen die Tandems sich wöchentlich und arbeiten an einem selbstgesteckten Ziel. Als Projektkoordinatorin ist es meine Aufgabe, die beiden zusammenzubringen und sie dann in ihrer gemeinsamen Zeit zu begleiten. Am meisten freue ich mich dann immer über ihre Berichte aus der gemeinsamen Zeit, so wie heute.
Waseem geht es so wie vielen anderen jungen geflüchteten Männern auch. Er hat Syrien verlassen und ist nun alleine in Berlin. Mühsam tappt er sich durch das Behördendickicht von Berlin, stöhnt über all die Briefe, die unübersichtliche Anzahl an Beratungsangeboten, die schwere deutsche Sprache und versucht sich in Deutschland Stück für Stück eine Perspektive aufzubauen. Im Herbst 2016 hat er sich dann mit dem Wunsch nach einem Integrationspaten bei mir gemeldet. Integrationspaten sind Freiwillige, die in besonders viele Rollen schlüpfen: sie sind Lehrer, Eltern- bzw. Geschwisterersatz, Freund und manchmal auch Coach. Aber vor allem sind sie Brückenbauer und Brückenbauerinnen! Sie öffnen Türen und ermöglichen Geflüchteten Zugang zu ihren privaten Kreisen und Kontakt zu „normalen“ Deutschen.
Freiwillige, die sich darauf einlassen, bekommen oft einen intensiven Einblick in die arabische Welt, die Sprache, die Kultur, die Religion und vor allem das Essen. Sie nehmen teil am gemeinsamen Fastenbrechen, an Hochzeiten und Geburtstagen. Sie bekommen aber auch einen wertvollen Außenblick auf unsere Kultur, unser System und geraten dadurch auch in Diskussionen über Werte und Moral.
Aus regelmäßigen Treffen werden oft Freundschaften
Ich freue mich immer, zu sehen wie es zwei Menschen mit so unterschiedlichen Hintergründen gelingt, doch gemeinsame Interessen zu finden und ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Auch bei Waseem und Jonas scheint das der Fall zu sein: Seit sie sich im Dezember 2016 kennengelernt haben, haben sie sich mind. 1x im Monat getroffen. Zu Beginn wöchentlich und dann, zu heißen Phasen, auch mehrmals wöchentlich. Dabei waren sie gemeinsam bei Behörden, beim Jobcenter, bei Wohnungsbaugenossenschaften und haben gemeinsam für Deutschprüfungen gelernt. Zwischendurch haben sie auch immer wieder schöne Dinge unternommen, so sind sie zusammen Rad gefahren, Schwimmen gegangen, haben Tischtennis gespielt und verschiedene Restaurants ausprobiert. Heute, 1,5 Jahre später, hat sich die Patenschaft in eine Freundschaft entwickelt. Waseem ist inzwischen aus der Unterkunft des UNIONHILFSWERK in eine eigene Wohnung gezogen und hat begonnen, Arabisch an der Volkshochschule zu unterrichten. Er steht jetzt kurz vor seiner C1 Sprach-Prüfung und auf die Frage, welches der schönste gemeinsame Moment war, antwortet Waseem sofort: „alle Momente mit Jonas sind schön, jedes Treffen, Jonas ist wie mein Bruder.“ Ich grinse über die arabische Floskel und da wird Waseem ernst und fügt leise hinzu „meine Brüder haben wirklich blonde Haare, aber die sind in Aleppo.“
Jonas kann die echten Brüder nicht ersetzen, aber er kann mit seiner Zeit, seiner Freundlichkeit und seiner Offenheit Mut machen und eine Stütze sein auf dem langen Weg in ein selbstständiges Leben in Deutschland.
Sie haben sich eigentlich nicht für die Special Olympics qualifiziert. Sie konnten trotzdem starten?
Auf einmal kam der Anruf, dass Schwimmer abgesprungen sind. Herr Weimann hat mich dann angerufen, ich soll doch meine Sachen für die Special Olympics packen. Da war ich erst einmal perplex, aber dann dachte ich, das könnte sogar funktionieren.
Und wie es funktioniert hat. Haben Sie besonders hart trainiert?
Nein, ich hatte für das Training ziemlich wenig Zeit. Ich hatte einen geschwollenen Fuß und musste das Training erst einmal ausfallen lassen.
Wo kamen dann Kraft und Schnelligkeit her?
Auch von meiner Mutter. Sie ist im April 2017 leider gestorben. Ich wollte ihr endlich mal beweisen, dass ihre Kinder es besser können. Danke an meine Mutter im Himmel, die von oben auf ihren Schützling geguckt hat. Aber auch von Herrn Weimann. Er hat gute Arbeit geleistet. Herr Weimann versucht immer die Klienten zu motivieren. In Kiel war er nicht vor Ort. Da hat dann Herr Just die Motivation übernommen.
Was ging in Ihnen vor, als Sie wussten, dass sie die erste Goldmedaille gewonnen haben?
Ich habe im Wasser gejubelt. Ich war ziemlich überrascht, weil es sehr knapp war. Ich habe gedacht: „Jetzt habe ich es endlich geschafft.“
Und bei der zweiten?
Bei den 50-Meter-Brust hatte ich einen ziemlichen Vorsprung. Da wusste ich, dass ich das Ding machen könnte. Da brach der Jubel im Wasser schon früher aus. Aber so richtig realisiert man das erst bei der Siegerehrung.
Wären Sie denn auch ohne Nachnominierung nach Kiel gefahren?
Ja, um meine Mannschaft zu unterstützen.
Haben Sie schon gefeiert?
Ja, im Auto. Aber die, die Medaillen gewonnen haben, wollen sich noch mal treffen und mit Herrn Weimann und anderen vom UNIONHILFSWERK feiern.
Was machen Sie mit den Goldmedaillen?
Erst einmal nehme ich sie mit zur Arbeit und dann bekommen sie von mir zu Hause an der Wand einen Ehrenplatz.
Wie wichtig ist Sport für Sie?
Sport steht bei mir an erster Stelle. Ich gehe regelmäßig schwimmen. Außerdem nehme ich an Vorbereitungstreffen für die nächsten Special Olympics teil, die vielleicht in Berlin stattfinden werden.
Seit wann nehmen Sie an Schwimmwettkämpfen teil?
Seit der Schule. Da hatte ich auch schon riesen Erfolge. Beim Brustschwimmen bin ich schon damals vorne weggeschwommen.
Macht es Ihnen auch Spaß?
Ja, klar und ich bleibe fit.
Wie geht es jetzt weiter?
Ich freue mich auf die nächsten Special Olympics. Ich bin jetzt sehr motiviert und trainiere immer weiter. Ich bin gespannt, welche Zeiten in vier Jahren geschwommen werden. Ich bin dann die Gejagte. Ich bin aber auch bei anderen Wettkämpfen dabei.
Beruf: studierte Sozialarbeiterin und stellvertretende Leitung der Flüchtlingsunterkunft Konrad-Wolf-Straße
Was genau machen Sie da?
Ich bin verantwortlich für die Strukturierung und Anleitung des Sozialteams und der Kinderbetreuung, kümmere mich um das Personalmanagement und Projekt-/Vernetzungsarbeit und natürlich um die Sozialarbeit mit den BewohnerInnen.
Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Beruf?
Ich mag es mit Menschen zu arbeiten, das Zwischenmenschliche im Umgang mit den BewohnerInnen und MitarbeiterInnen und die Arbeit im Team sind mir dabei am Wichtigsten.
Was wollten Sie werden als Sie klein waren?
Als ich klein war wollte ich immer Polizistin werden, da diese für Gerechtigkeit sorgen.
Was ist das Schrägste, was Ihnen bisher in Ihrem Berufsleben passiert ist?
Beim Firmenlauf letztes Jahr bin ich völlig außer Puste ins Ziel gekommen. Ich war knallrot im Gesicht und habe nach Luft geschnappt. Meine Mitläufer (Team und ein paar Bewohner) haben sich erschrocken und dachten, ich würde gleich umkippen.
Welche Tätigkeit beherrschen Sie neben dem Job so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?
Georgisch-Deutsch dolmetschen kann ich sehr gut. Aber ich kann auch sehr gut organisieren und könnte Veranstaltungs- und Eventmanagement machen. Viel Spaß hätte ich bestimmt als Hochzeitsplanerin.
Am Wochenende mache ich am liebsten…?
Mit anderen zusammen etwas unternehmen: Tanzen gehen, Ausflüge innerhalb Berlins und nach Brandenburg und die multikulturelle Küche Berlins genießen.
Was ist Ihr Lieblingsplatz/-ort?
In Berlin liebe ich den Schlosspark Charlottenburg sehr, v.a. den hinteren Teil; in Georgien zieht es mich in die Kaukasischen Berge und in Athen auf den Berg Lycabettus, von dem Sie eine tolle Aussicht auf die Stadt haben.
Auf welchen Luxus könnten Sie verzichten?
Ich brauche kein eigenes Auto
Sie dürfen drei Gegenstände mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche wären das?
Ein Fotoalbum mit den Menschen, die ich liebe, ein Messer und ein Kommunikationsgerät wie Handy oder Funkgerät.
Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, zu welcher Zeit hätten Sie gern gelebt?
In den goldenen 20ern in Berlin. In dieser Zeit nach dem Krieg haben die Menschen exzessiv gelebt, es gab viel Glamour, Spaß, Theater und eine rege intellektuelle Auseinandersetzung.
Was sollte jeder Mensch einmal im Leben getan haben?
Jeder Mensch sollte in mindestens ein anderes Land gereist sein und eine ganz andere Kultur und Tradition kennengelernt haben.
Welche Superkraft hätten Sie gern: Unsichtbar sein können, Gedanken lesen oder fliegen?
Fliegen. Dann könnte ich um die Welt fliegen und alles kennen lernen.
Zum Schluss: Wen möchten Sie bei der Gelegenheit grüßen?