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“Wir leihen unsere Hand” – Ingrid Kamm engagiert sich seit über 20 Jahren als Freiwillige

Ingrid Kramm engagiert sich seit vielen Jahren als Freiwillige – und das gleich in drei Projekten des UNIONHILFSWERK. "Völlig normal", findet sie.

Ingrid Kramm trifft Manuela Kasper-Claridge im Café.

Es ist ein wintergrauer Spätnachmittag. Wir treffen uns in einem kleinen Café in Berlin Mitte. Ingrid Kramm bestellt Tee, an den kleinen Tischen sitzen meist junge Menschen und tippen in ihre Laptops. Die 72- jährige freut sich über den gemütlichen Ort und setzt sich entspannt auf eine Holzbank. Ingrid Kramm lacht viel und man spürt, dass es ihr gut geht. Dabei hat sie schwierige Aufgaben übernommen. Seit über 20 Jahren engagiert sie sich als Freiwillige, arbeitet mit Menschen, die an Multiple Sklerose erkrankt sind oder an Demenz leiden und berät Angehörige. „Wir helfen bei allem, was um den Tod herum geregelt werden muss“, erzählt sie. Da geht es um die Suche nach Hospizplätzen oder um Informationen zur sterbebegleitenden Medizin, der Palliativmedizin und natürlich auch um Patientenverfügungen in denen genau festgelegt wird, welche medizinische Behandlung sich ein Mensch wünscht, wenn er oder sie nicht mehr selbst entscheiden kann.

Es macht Spaß

„Die Menschen wollen Selbstbestimmung“, betont Ingrid Kramm nachdrücklich und ist froh, dass sie in einem „tollen Team“ arbeitet. Träger der Beratungsstelle am Neuköllner Hermannplatz ist das UNIONHILFSWERK. Es gibt anderthalb feste Stellen und Freiwillige wie Ingrid Kramm. „Wir leihen unsere Hand“, erzählt sie stolz und strahlt über das ganze Gesicht. Sie kann individuell ihre Termine festlegen, oft macht sie auch Hausbesuche. Danach erstellt sie die Patientenverfügung in enger Absprache mit den Betroffenen. „Mir macht es Spaß, ich werde gebraucht und tue etwas Nützliches“, erzählt sie. In Schulungen wurde sie vom UNIONHILFSWERK auf die Freiwilligenarbeit vorbereitet.

Maschinenbauingenieurin liebt Herausforderungen

Eigentlich ist die 72-jährige Maschinenbauingenieurin, nach dem Fall der Mauer arbeitete sie in einer Partnervermittlung, machte sich selbständig. In der Abendschule besuchte sie Kurse in Psychologie. „Das war eine schöne Herausforderung“, sagt sie und ihr war schon damals klar, dass sie am liebsten mit Menschen arbeitet. Nach der Pensionierung fehlte ihr zunächst die Struktur im Leben, die Arbeit als Freiwillige gab ihr diese wieder zurück. Sie begann ihr Engagement an einem Pflegestützpunkt in Wilmersdorf. Dort werden Menschen betreut, die an multipler Sklerose erkrankt sind. Ingrid Kramm ist seit vielen Jahren dabei. Die Schicksale rühren sie, aber auch die Kraft, mit der die Betreuten diese annehmen. „Manchmal müssen wir den Erkrankten erst vorsichtig die Finger geradebiegen, wenn sie etwas trinken wollen, aber unser Austausch und unsere gemeinsamen Veranstaltungen geben auch mir Kraft.“ Gemeinsam geht es auch mal in ein Restaurant oder auf eine Dampferfahrt. Einmal im Quartal begleitet sie in der Kontaktstelle PflegeEngagement auch eine Freizeitgruppe für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

Eine schöne Belohnung

„Ich finde mein Engagement völlig normal“, beton Ingrid Kramm und erzählt, wie sie als eine von sechzehn Berliner Freiwilligen vom Bundespräsidenten zum Bürgerfest nach Hannover eingeladen wurde. Es gab einen Empfang beim Oberbürgermeister der Stadt, eine große Festveranstaltung und einen Empfang durch den damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

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