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Equal Pay Day: Gleichstellung im UNIONHILFSWERK

Der internationale Equal Pay Day – zu Deutsch Tag der gleichberechtigten Bezahlung – setzt ein symbolisches Ausrufezeichen gegen die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau. 2018 liegt der Aktionstag in Deutschland auf dem 18. März. Bis zu diesem Tag haben Frauen im Jahr 2018 im Durchschnitt „umsonst gearbeitet“, während Männer seit dem 1. Januar bezahlt werden.

Der Equal Pay Day thematisiert die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau.
Der Equal Pay Day thematisiert die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau.

Wir nehmen diesen Tag zum Anlass, bei der Geschäftsführung nachzufragen: Wie steht es mit der Gleichberechtigung im UNIONHILFSWERK? Ulrike Hinrichs ist Geschäftsführerin der Unionhilfswerk Sozialeinrichtungen gGmbH und gibt einen Einblick.

Frau Hinrichs, gibt es im UNIONHILFSWERK Unterschiede in der Bezahlung zwischen Mann und Frau?

Nein, die Geschlechter werden gleichbehandelt und gleich bezahlt.  Die Bezahlung im UNIONHILFSWERK richtet sich nach der konkret ausgeübten Tätigkeit, für die eine bestimmte Qualifikation Voraussetzung ist. Sie ist bezogen auf die Bruttovergütung völlig unabhängig vom Geschlecht – vorausgesetzt, dass die gleichen Ausgangsbedingungen zu Grunde liegen (z.B. gleiche Berufsjahre oder Arbeitszeit).
Trotzdem haben Frauen oft weniger im Portemonnaie, also eine geringere Nettovergütung als der männliche Kollege mit gleichen Ausgangsbedingungen. Hier spielt das „Steuerklassenthema“ eine Rolle: Paare müssen aushandeln, ob sie gleich besteuert werden wollen oder Unterschiede akzeptieren, darauf hat der Arbeitgeber keinen Einfluss.

Was glauben Sie: Warum verdienen Frauen oft weniger als Männer?

Es ist gut und notwendig, dass es den Equal Pay Day gibt. Geschlechterspezifische Unterschiede sind bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation nicht zu akzeptieren! Der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Verdienstunterschied von rund 21 % berücksichtigt allerdings wesentliche Faktoren nicht:
Zu den wichtigsten Unterschieden gehört die zwischen weiblichen und männlichen Arbeitnehmern unterschiedlich ausfallende Berufs- bzw. Branchenwahl. Es klingt klischeehaft, legt den Finger jedoch in eine Wunde, wenn wir an die Spannweite zwischen Piloten und Friseuren denken. Im Durchschnitt aller beobachteten Wirtschaftszweige arbeiteten etwa 13 % der Männer in Deutschland in einer leitenden Funktion, aber nur rund 7 % der Frauen. Bei den Ungelernten kehrt sich dieses Verhältnis um: Rund 8 % ungelernte Arbeitnehmerinnen stehen etwa 5 % ungelernten Arbeitnehmern gegenüber. Frauen sind also öfter in schlechter bezahlten Berufen tätig und unterbrechen länger und häufiger ihre Erwerbstätigkeit, um Kinder zu erziehen oder Angehörige zu pflegen. Sie arbeiten häufiger als Männer in Teilzeit. Werden diese Faktoren – Berufswahl und weniger Führungspositionen, Teilzeitarbeit – herausgerechnet, beträgt der Gehaltsunterschied bei gleicher Qualifikation und Stelle immer noch knapp 7 %, eindeutig zu viel, hier muss sich etwas ändern!

Was tut das UNIONHILFSWERK, damit Mitarbeiter Karrierechancen und Familienplanung vereinbaren können?

Von den aktuell 795 Angestellten in der Unionhilfswerk Sozialeinrichtungen gGmbH sind – für die Gesundheits- und Sozialbranche nicht ungewöhnlich – 68 Prozent weiblich. Ihr Anteil an Führungspositionen liegt bei 77 %. Die Geschäftsführung ist seit 2017 mit zwei Frauen besetzt, von denen eine während ihrer Tätigkeit im UNIONHILFSWERK zwei Kinder bekommen hat und die andere in Teilzeit arbeitet.

Möglich wird das durch flexible Arbeitszeitmodelle, die je nach Einrichtung bedarfsgerecht gestaltet werden. Viele Mitarbeiter wollen – oft auch nach einer Elternzeit – in Teilzeit arbeiten und erhalten diese Möglichkeit. In der Betreuung von Menschen müssen Dienste am Wochenende oder in der Nacht angeboten werden, um unseren Auftrag zu erfüllen. Das Ziel ist jedoch, die Dienste zu ungünstigen Zeiten auf das erforderliche Maß zu beschränken und bevorzugt diejenigen einzusetzen, die sich freiwillig melden. Wo möglich, können Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nach Absprache zu Hause arbeiten. Das hilft Eltern, familiäre und berufliche Anforderungen besser in Einklang zu bringen.

Das Thema der Qualifizierung ist uns sehr wichtig. Und das nicht nur im Sinne der Kompetenzerweiterung für die alltäglichen Herausforderungen, sondern auch im Hinblick auf die Vorbereitung für leitende Tätigkeiten. Etliche Kollegen qualifizieren sich nebenberuflich, die Palette reicht von grundständigen Ausbildungen zur Fachkraft bis hin zu Studienabschlüssen.

Frau Hinrichs, gemeinsam mit Kathrin Weidemeier sind Sie die ersten weiblichen Geschäftsführerinnen im UNIONHILFSWERK. Glauben Sie, dass Sie als Frau bestimmte Themen insbesondere vorantreiben?

Nein, unsere Themen und Akzente sind nicht zwangsläufig frauenspezifisch. Wir fühlen uns gleichermaßen den Interessen aller unserer Kunden verpflichtet: Menschen, für die wir „Wegbegleiter“ sind ebenso wie unseren Auftraggebern sowie nicht zuletzt unseren Mitarbeitern.
Das „Wie“ unterscheidet sich, schon alleine dadurch, dass die Verantwortungsbereiche bei einer „Doppelspitze“ klar abgegrenzt sein müssen und die Anforderung besteht, sehr gut kommunizieren und kooperieren zu können. Das sollte sich im Idealfall auf alle Hierarchieebenen übertragen. Daran arbeiten wir gemeinsam mit unseren (Fach-) Bereichsleitern.

Wenn Sie sich wünschen, wie die Situation für Frauen im beruflichen Umfeld in 10 Jahren aussieht: Welches Bild wäre das?

Mädchen und junge Frauen sind ihren männlichen Mitschülern, Auszubildenden oder Studierenden bezogen auf die Abschlüsse oft überlegen.  In 10 Jahren sollte sich das in den Statistiken widerspiegeln: Ich sähe gerne mehr Frauen in höher qualifizierten Berufen bzw. in leitenden Positionen. Dazu gehören entsprechende Bildungsangebote wie (Wieder-) Einstiegsszenarien, die die Vereinbarkeit von Familie und Karriere stärker als bisher ermöglichen und befördern. Wir brauchen ein größeres Angebot an horizontalen Entwicklungsmöglichkeiten, da nicht jeder die „Karriereleiter“ hochsteigen will.

Ich wünsche mir eine weitreichendere Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen. Hier müssen auch gesetzliche Grundlagen entwickelt werden.  Das Arbeitszeitgesetz ist eine Errungenschaft, die den Anforderungen an eine zunehmend digitalisierte Arbeitswelt und den Bedürfnissen der Arbeitnehmer der jüngeren Generationen nicht ausreichend gerecht wird. Vorrausetzung sind gesicherte und zugängliche Betreuungsmöglichkeiten für Kinder sowie die Unterstützung und Entlastung bei der Pflege von Angehörigen. Auch eine gleichmäßige Aufteilung der Familien- und Hausarbeit wäre wünschenswert wie überfällig. Nicht nur die Politik und Arbeitgeber wie Betriebsräte müssen Rahmenbedingungen schaffen, auch Lebensgemeinschaften sind gefragt, wenn es um die gleichberechtigte Verteilung von Chancen geht.

Vielen Dank für die Einblicke, Frau Hinrichs!

Der Equal Pay Day fand erstmalig 1966 in den USA statt. Weitere Informationen zum Aktionstag gibt’s hier.

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