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Gedenken aufrechterhalten: Stolperstein für Alice Scheidemann

Vis á vis der UNIONHILFSWERK-Hauptverwaltung in der Richard-Sorge-Straße wird ein Stolperstein für Alice Scheidemann vor ihrem ehemaligen Wohnhaus, damals noch Tilsiter Str. 73, verlegt, um uns an sie und an ihr Schicksal zu erinnern. Die Verlegung findet am 19. März um 11.20 Uhr statt.

Stolpersteine erinnern an ermordete Opfer der NS-Zeit
Stolpersteine erinnern an ermordete Opfer der NS-Zeit

Stolperstein-Verlegungen gibt es in der ganzen Stadt. Die Stolpersteine erinnern an Menschen, die in der NS-Zeit unter grauenhaften Begleitumständen ums Leben gekommen sind. Das ist uns allen bekannt und sollte nie vergessen werden. So sollte auch Alice Scheidemann nicht vergessen werden.

Wer ist Alice Scheidemann?

Man weiß sehr wenig über Alice Scheidemann. So wissen wir auch nichts über Ihre Familie, Eltern, Geschwister. Bekannt ist, dass sie als Alice Samuel am 6. Mai 1896 in Dölitz (früher Westpommern, heute Polen) geboren wurde und dass sie verheiratet war mit Leo Scheidemann aus Bublitz – heute Polen. Mit ihm bezog sie die kleine Wohnung in der Tilsiter Straße 73, heute Richard-Sorge-Straße 73 in Berlin-Friedrichshain, im Parterre rechts. Später trennten sie sich.

1942 kam die Gestapo, 1943 die Deportation

Am 01. Oktober 1942, ihr Mann lebte schon nicht mehr dort,  kam die Gestapo. Der Befehl lautete: “…in Verbindung mit dem Erlass des Führers und Reichskanzlers über die Verwertung des eingezogenen Vermögens von Reichsfeinden vom 29.5.1941 – RGBI.IS303…“ das gesamte Vermögen der Alice „Sara“ Scheidemann zugunsten des Deutschen Reiches einzuziehen. Alice Scheidemann musste eine Inventarliste erstellen und abgeben. Sie war eine einfache Frau – der geschätzte Wert ihrer Wohnung betrug 584,40 Reichsmark. Ihr Schicksal war nicht aufzuhalten: Man vermutet, dass sie bis dahin Zwangsarbeit leistete, wie viele andere Jüdinnen und Juden in Berlin. Auch ihre Arbeitskraft wurde damals nicht mehr gebraucht, die Deportation nach Auschwitz wurde unvermeidlich.

Am 12. Januar 1943 deportierte die Gestapo sie als Nr. 571 auf der Transportliste mit 1190 weiteren jüdische Mitbürgern mit dem 26. Osttransport nach Auschwitz. Sie verließ am 13. Januar an der Rampe in Auschwitz den Zug – der Weg von der Rampe zur Gaskammer waren die letzten Minuten ihres Lebens.  Sie wurde nur 46 Jahre alt.

Wir als UNIONHILFSWERK werden bei dieser Stolperstein-Verlegung zugegen sein und Alice Scheidemann gedenken.  Wir freuen uns auf möglichst viel Unterstützung und Teilnehmer.