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“Liebe, Sex und sone Sachen”

In unserem Fachbereich „Menschen mit Behinderungen“ ist eine Broschüre entstanden, die das Thema Sexualität in Leichter Sprache behandelt. Ein innovatives Projekt, an dem im Besonderen auch die Klientinnen und Klienten beteiligt waren.

Diese Illustration entstand im Rahmen des Wettbewerbs, der eigens für das Deckblatt der Broschüre ins Leben gerufen wurde

Jeder Mensch soll wichtige Informationen verstehen können. Denn dies ist die Grundlage, um sich eine Meinung bilden und Entscheidungen treffen zu können.
Um selbstbestimmt leben und verantwortungsbewusst mitentscheiden zu können, sind Menschen mit Lernschwierigkeiten unter anderem auf Texte in Leichter Sprache angewiesen. Leichte Sprache vereinfacht ihnen den Zugang zu Texten und Informationen.
Auch Menschen mit weniger Deutsch- oder geringeren Lese- und Schreibkenntnissen profitieren von dieser Form der Barrierefreiheit. Selbst älteren Menschen, denen die Zunahme von englischen Begriffen Schwierigkeiten bereitet, nutzt die Leichte Sprache.
Und letztlich hilft eine leicht verständliche Sprache doch allen Menschen – hat nicht jede*r von uns schon einmal vor einem amtlichen Schreiben gesessen und sich einfachere Formulierungen gewünscht?

In den letzten Jahren hat sich viel getan. Es gibt inzwischen zahlreiche Informations-Broschüren zu den unterschiedlichsten persönlichen und gesellschaftlichen Themen in Leichter Sprache.

Wissen und Verstehen stärkt

In unserem Fachbereich für “Menschen mit Behinderung” ist jetzt eine ganz besondere Broschüre entstanden. Mit dem Titel „Liebe, Sex und sone Sachen“ behandelt das 45 Seiten umfassende Heft das Thema Sexualität in Leichter Sprache. Zahlreiche Illustrationen und Bilder helfen den Leser*innen dabei, die Informationen und Inhalte noch besser zu verstehen.

Der Ursprung für diese Idee war das sexualpädagogische Konzept, das der Fachbereich 2018 vorstellte. Schon bei der Arbeit an diesem Konzept war klar, dass es nicht eingleisig nur von den Mitarbeiter*innen umgesetzt werden soll, sondern vor allem von den Klientinnen und Klienten verstanden werden muss. Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Sexualität, Intimsphäre und Selbstbestimmung sowie auf Schutz vor Gewalt jeder Form. Hier ist Präventionsarbeit und Aufklärung gefragt, denn Wissen und Verstehen stärkt.

Die wichtigsten Inhalte des Konzeptes wurden von Astrid Goeke, Koordinatorin in der Eingliederungshilfe, übersetzt. Dabei mussten die Richtlinien der Leichten Sprache beachtet werden. Prüfgruppen kontrollierten und diskutierten im Anschluss jeden einzelnen Satz – wo nötig, gab es nochmal Anpassungen.
Die Teilnehmenden der Prüfgruppen waren Christian Frania aus der besonderen Wohnform „Wohnheim Wilmersdorf“, Jenny Grabowski und Michael Lange aus der besondere Wohnform „Wohnheim Nordufer“ sowie Franziska Keil, die Frauenbeauftragte aus dem Betreuten Einzelwohnen Mitte und Michel Han, der Männerbeauftragte.
Franziska Keil mochte den Austausch innerhalb der Gruppe und sagt: „Spannend war für mich, die schweren Texte in leichte Sprache umzuwandeln. Da steckt viel Arbeit drin und ich freue mich über das, was ich hier geleistet und beigetragen habe.“

Das richtige Bild zum Text kann viel zum Verständnis beitragen

Gemeinsam mit der Prüfgruppe suchte Astrid Goeke im Anschluss die Bebilderung aus. Teilweise war es gar nicht so leicht, ein passendes Bild zu finden, das zum Textverständnis beiträgt.

Für das Titelbild der Broschüre riefen die Verantwortlichen einen Kunstwettbewerb ins Leben. Alle Klient*innen der Fachbereiche „Menschen mit Behinderung“ und „Menschen mit psychischer Erkrankung“ konnten ihre Kunstwerke zum Thema Sexualität einreichen. So kam es, dass nicht nur auf dem Titel eine eindrucksvolle Illustration zu sehen ist, sondern auf den letzten Seiten der Broschüre weitere Kunstwerke gezeigt werden.

Damit die Broschüre auch tatsächlich das „Leicht Lesen“-Siegel erhalten konnte, durchlief sie das standardisierte Prüfverfahren von Capito. Auch von dieser Prüfstelle gab es nochmal zahlreiche Anmerkungen und Hinweise, die berücksichtigt und umgesetzt wurden.

Und jetzt liegt sie druckfrisch vor, die neue Broschüre „Liebe, Sex und sone Sachen“ und alle Beteiligten sind sich einig: Die Arbeit dafür und der lange Weg über die verschiedenen Prüfgruppen hat sich gelohnt.

Jetzt werden die Broschüren verteilt und alle Klient*innen des Fachbereichs „Menschen mit Behinderung“ erhalten ein Exemplar. Begleitend dazu führen die Bezugsbetreuer*innen Gespräche. Bereits 2020 waren 2 Fortbildungen in Leichter Sprache zu dem Thema Sexualität geplant. Diese mussten wegen Corona leider ausfallen, werden in diesem Jahr aber erneut angeboten.
In den kommenden Jahren soll es weitere Fortbildungen für Klient*innen zu diesen Themen geben. Um aufzuklären – um zu stärken.

Hier geht es zur Broschüre „Liebe, Sex und sone Sachen“.

Bei Fragen rund um die Broschüre wenden Sie sich bitte an Astrid Goeke.

Ein Kommentar zu ““Liebe, Sex und sone Sachen””

  1. Gerolf Kaßbaum |

    Meiner Meinung nach eine ziemlich gelungene Broschüre, die viele der wichtigen Themen rund um Sexualität angemessen einfängt.
    Einziger Kritikpunkt ist, dass bei den angedeuteten Darstellungen zweier Menschen, die in irgendeiner Form Sex haben, keine homosexuellen Varianten vorkommen. Diese werden im Text (natürlich) benannt; ich denke allerdings, dass Betroffene, die ja in der Regel, wenn sie auf die einfache Sprachdarstellung angewiesen sind, weniger abstrahieren können, es als unterstützend und wertschätzend erleben, wenn es auch ein schwules und auch ein lesbisches Paar in dieser vorsichtigen Darstellung gegeben hätte (ein lesbisches Paar gibt es “immerhin” in einer alltagsnah zärtlichen Situation). Es wirkt auf mich ein bisschen vermeidend und das ist genau das, was Betroffene häufig als schmerzvoll weil latent ausgrenzend empfinden, da rede ich auch aus eigener Erfahrung…
    Aber, wie gesagt, empfinde ich ansonsten die Broschüre als angenehm klar, offen und auch warmherzig.

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