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„Arrivederci, Patrizia Di Tolla“ – die Regionalleiterin der Psychosozialen Dienste Neukölln und Treptow geht in den (Un)-Ruhestand

Seit Jahrzehnten ist sie in der sozialen Psychiatrieszene Berlins und weit darüber hinaus fast schon eine Institution. Bevor sie vor rund 10 Jahren zum UNIONHILFSWERK kam, war sie lange Jahre Psychiatriereferentin beim Paritätischen Berlin. Jetzt verabschiedet Patrizia Di Tolla sich in den Ruhestand….

Patrizia Di Tolla verabschiedet sich in den Ruhestand. Arrivederci!

…Ruhestand!?

Wer sie kennt und beim UNIONHILFSWERK als Regionalleiterin für die Psychosozialen Dienste für Neukölln und Treptow erlebt hat, wer mit ihr zusammengearbeitet hat, von ihr psychologisch oder einfach menschlich-kollegial begleitet wurde, weiß, dass der nächste Lebensabschnitt bei ihr sicher nichts mit den Rentner-Stereotypen zu tun hat!

Warum?

Die Antworten darauf geben Kolleg*innen, Wegbegleiter*innen unter anderem aus dem UNIONHILFSWERK. Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erzählen sie, was für sie das Besondere in der Zusammenarbeit und den Begegnungen mit ihr war oder noch ist.

„Solidarität, Gradlinigkeit….Herzlichkeit“ 

Patrizia ist 1981 der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (DGSP) beigetreten und seit dem Jahr 2010 Mitglied des Gesamtvorstandes. Insbesondere durch ihren konsequenten Einsatz für die Rechte der Menschen in psycho-sozialen Krisen oder mit einer psychischen Erkrankung trägt sie sehr zu einer menschenrechtsbasierten Arbeit der DGSP bei. Ihr Engagement ist durch Solidarität, Gradlinigkeit und im kollegialen Austausch durch Herzlichkeit geprägt.

Richard Suhre, ehemaliger Geschäftsführer der DGSP

 

„Basta,…… ich habe fertig“

…so oder so ähnlich hast Du, liebe Patrizia, vielleicht auf den letzten Arbeitstag reagiert. 1988 haben wir zusammen beim Paritätischen Berlin in einem ABM-Projekt angefangen. Du wolltest die Überzeugungen von Franco  Basaglia und das Soteria-Konzept in Berlin umsetzen und warst „auf dem Weg in die Gemeinde“. Kurz darauf wurde die ganze Stadt umgekrempelt und in unserem gemeinsamen Büro trafen sich Kolleginnen und Kollegen aus dem Ostteil der Stadt, um mit Deiner Unterstützung den Verein für Kommunale Psychiatrie zu gründen.  Wir haben viel zusammen erlebt und ich könnte so viele Anekdoten erzählen. Einen Aufbau von Billy-Regalen, die wir für unser gemeinsames Büro angeschafft hatten, muss man mit Dir einfach erlebt haben! Wo auch immer wir unseren Standort hatten, in der Landesgeschäftsstelle, in der Kantstraße oder im Haus der Parität in Prenzlauer Berg, wir haben viel gelacht, aber auch viel gearbeitet. Nicht selten waren wir spät abends beide noch im Büro anzutreffen und fast hätten wir uns T-Shirts mit dem Aufdruck Paritätische Nachtschwester angeschafft. Für mich bist Du eine wunderbare, tolle Kollegin gewesen! Immer hilfsbereit und kollegial und voller Ideen und hilfreicher Tipps. Ich bin gespannt, was Dich nun erwartet. Renteneintrittsalter? Was ist das? Ich wünsche Dir noch viele Abenteuer! Deine Ex-Kollegin

Heike Drees, Der Paritätische Berlin, Fachreferentin Suchthilfe, HIV/Aids, Gesundheit

 

“…mit ihrer Fröhlichkeit ….so bleiben, wie sie ist“

„Frau Di Tolla hat uns bei vielen Aktivitäten begleitet und unterstützt. Sei es bei der Gründung der Theatergruppe, sei es als Chefin bei der Inklusions-Hilfe. Da konnten wir am inklusiven Englisch-Kurs der Volkshochschule mitmachen. Den gibt´s immer noch. Und vieles mehr. Sie war wie eine Mutter, die sich um alles kümmert. Dafür sei ihr gedankt. Wir hörten schon ihr schallendes Lachen aus der Ferne. Immer ein Lächeln im Gesicht, sie ist `ne gute Seele. Mit ihrer offenen und zugewandten Art und mit ihrer Fröhlichkeit soll sie so bleiben, wie sie ist.“

„dat Inge“ aus der Beschäftigungstagesstätte Neukölln

 

„Hartnäckig geblieben, als es mir nicht gut ging“

„Frau Di Tolla ist freundlich, entgegenkommend und hilfsbereit. Sie setzt sich engagiert für psychisch kranke Menschen ein. Ich erinnere mich daran, dass sie, als es mir nicht sehr gut ging, hartnäckig geblieben ist. Das hat mir geholfen. Heute geht es mir gut und ich freue mich jedes Mal, wenn ich in der Donaustrasse Frau Di Tolla treffe, und wir ein Schwätzchen halten Das ist das was ich zu Frau Di Tolla sagen möchte.“

Ines Hoffmann, wird seit dem 01.06.2010  vom Unionhilfswerk betreut, bis zum 01.10.2018 in der Therapeutischen WG für Frauen, Kannerstrasse, seitdem in einer Trägerwohnung in der Flughafenstrasse. Sie ist seit vielen Jahren im Zuverdienst in der Donaustrasse tätig.

 

„…ein Phänomen“

Ja, Patrizia di Tolla ist ein Phänomen, voll bis oben hin mit Wissen und Kompetenz, Vermittlungsbedürfnis, Humor und Ernsthaftigkeit, durchdrungen von ständig präsenten Gedanken an Inklusion von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Sie hat mich sehr geprägt in der Umsetzung von einer Versorgungs- zu einer Teilhabehaltung. Sie ist auch eine Perfektionistin. Ich erinnere eine Situation. Eine Veranstaltung in der Woche der seelischen Gesundheit, wir wollten einen Psychose-Film zeigen und darüber mit den Teilnehmer*innen diskutieren. Sie hatte die DVD vergessen, musste nochmal zurück und sie holen. Es hat sie sehr und lange gewurmt, dass ihr das passierte. Sie war nicht zu trösten.

Sie gab einem, mir das Gefühl wichtig zu sein, präsent zu sein. Als ich 2014 einen schon lang geplanten und längeren Urlaub in Neuseeland antrat, hatte ich kurz vorher mit geringen Stunden auch die gerade vakante Stelle der Leitung der Beschäftigungstagesstätte übernommen. Sie übergab mir ein Reisebuch mit den Worten, sie befürchte, dass ich nicht wiederkäme, sondern in Neuseeland bliebe. Ein untröstlicher Gedanke, oder? Ein schönes, wertschätzendes Gefühl, das bis heute anhält!

Klaus Körner, Einrichtungsleiter Neukölln

 

…. einige liebe Worte zum Abschied – wegen Corona noch nicht persönlich

Liebe Patrizia, was ich Dir unbedingt sagen möchte ist, dass ich sehr dankbar auf die vielen schönen Erinnerungen und unsere gemeinsame Zeit zurückblicke. Ich bewundere Dein großes Wissen, das Du aus dem Stehgreif abrufen kannst, Deine Genauigkeit und Detailversessenheit, die Schnelligkeit, mit der Du komplexe Sachverhalte sofort erfassen und in einen Plan umsetzen kannst. Jetzt kann ich es Dir ja sagen – so manches Mal kam ich nicht so schnell hinterher, um Dir zu folgen.

Mir werden die Diskussionen im Leitungskreis fehlen – manchmal von Deiner Seite sehr emotional aufgeladen und temperamentvoll geführt. Oft waren wir beide auf gleicher Wellenlänge.  Man konnte sich mit Dir streiten ohne, dass Du jemals nachtragend warst.

Liebe Patrizia, so viele schöne Erinnerungen bleiben mir, besonders beeindruckend natürlich die Exkursionen nach Florenz mit der kleinen Wohnung mitten in der Stadt, aber auch Friedrichstadt, Magdeburg…, die vielen persönlichen Gespräche in Restaurants, Cafés … wo natürlich auch viel Privates ausgetauscht wurde :-). Ich war sehr gerne mit Dir zusammen.

Hoffentlich werden wir uns weiterhin von Zeit zu Zeit im UNIONHILFSWERK sehen.

Dein Terminkalender wird hoffentlich nicht mehr ganz so eng getaktet sein. Geh‘ es entspannter an! Bleib vor allem gesund und hab viel Spaß in deinem neuen Lebensabschnitt! Bis bald, Deine Conny Thießen

Conny Thießen, Einrichtungsleiterin/Regionalleiterin Kreuzberg

 

„Komme nicht mit Problemen, komme mit den Lösungen zu mir und wir entwickeln das gemeinsam weiter…“

Ich kenne Patrizia Di Tolla schon mehr als 20 Jahre, begonnen als Anerkennungspraktikantin beim PARITÄTISCHEN. Ich musste mich erst an sie gewöhnen: Dieses italienische Temperament, immer in Bewegung, immer was zu sagen und immer schnell. Ich gestehe, manchmal ist sie mir auf die Nerven gegangen!  Ich kam da nicht mit und es dauerte mir viel zu lange – immer Geschichten drum herum. Es hat mich aber auch sehr beeindruckt und ich habe unglaublich viel gelernt. Inzwischen sind wir sehr gut befreundet und ich war jetzt fast 10 Jahre ihre Chefin.
Ein Satz war für mich und vermutlich alle Lernenden an ihrer Seite am prägnantesten: „Komme nicht mit den Problemen, komme mit den Lösungen zu mir und wir entwickeln das gemeinsam weiter.” Ich habe die Zusammenarbeit mit Patrizia Di Tolla sehr geschätzt. Sie begegnet neuen Ideen immer interessiert, immer mit dem Gedanken der Umsetzung und hat selbst sehr viele. Sie gibt den Menschen sehr viel, ist warmherzig und niemals böse, immer in erster Reihe, Konflikte und Auseinandersetzungen zu lösen. Sie kann mit Kritik umgehen, überprüft ihr Handeln und stellt sich um.  Ich wünsche ihr viele neue Ideen und eine schöne Zeit im spannenden nächsten Lebensabschnitt, immer temperamentvoll und erlebnisreich.

Sabine Jeschke, Fachbereichsleiterin Einrichtungen für Menschen mit psychischer Erkrankung

 

„Gestritten wie die Kesselflicker – immer für die Sache und niemals nachtragend“

Etwa 30 Jahre kenne ich Patrizia Di Tolla – seit ich Anfang der 90er Jahre als Fachbereichsleiter für unsere ambulanten psychiatrischen Einrichtungen häufiger im Paritätischen Wohlfahrtsverband auftauchte – insbesondere in der Fachgruppe und zahlreichen weiteren Arbeitskreisen – begann unsere Zusammenarbeit. Diese intensivierte sich Ende der 90er, als wir uns beide – gemeinsam mit einer Reihe weiterer Kolleg*innen in der mittlerweile fast legendären „AG 93“ trafen, um im Dialog mit Vertreter*innen der Senatsverwaltungen für Gesundheit und Soziales (dem Psychiatrie- und Entgeltreferat) die Novellierung des Bundessozialhilfegesetzes im Land Berlin umzusetzen. Ziel war es, gruppenvergleichbaren Hilfebedarf in landeseinheitlichen Leistungstypen zu beschreiben und ein Hilfebedarfs-Erhebungssystem zu schaffen und zu vereinbaren.

Es war eine sehr intensive und wirklich tolle Zusammenarbeit, teilweise sind langjährige Freundschaften zwischen den handelnden Personen daraus erwachsen. Mit Patrizia habe ich teilweise gestritten wie die sprichwörtlichen „Kesselflicker“ – das kann man wirklich gut mit ihr und ihrem italienischen Temperament! Das Tolle ist: Niemals ist sie nachtragend, es geht ihr einfach um die Sache, sie will keinen verletzen mit ihrem leidenschaftlichen Engagement – ist aber selbst auch nicht beleidigt oder gekränkt, wenn die Diskussion hohe Wellen schlägt…

Die Menschen, um die es geht, liegen ihr einfach ungeheuer am Herzen – für diese will sie das Beste rausholen. Immer denkt sie aber gleichzeitig auch die Strukturen der Versorgung mit, kennt die Realität vor Ort in den Bezirken – weiß, dass auch die besten ausgedachten Regelungen lebbar sein müssen im Alltag. Insoweit habe ich dann auch später sehr gerne „zugegriffen“, als klar war, das Patrizia sich noch einmal beruflich verändern wollte und plante beim Paritätischen Wohlfahrtsverband als Referentin auszusteigen.

Sie war beim UNIONHILFSWERK in Neukölln dann viele Jahre eine allseits geschätzte Leiterin unserer psychiatrischen Dienste und mit ihren Ideen, ihrem Engagement und ihrer Identifikation weit über die bezirklichen Grenzen hinaus wirksam – wir werden Sie alle sehr vermissen! Wie ich diese „Power-Frau“ kenne, wird sie aber auch in Zukunft noch eine Reihe interessanter Vorhaben planen und umsetzen – da darf man sicherlich gespannt sein! Ciao, Patrizia und arrivederci! Von Herzen alles Gute.

Norbert Prochnow, Vorstandsvorsitzender Stiftung Unionhilfswerk Berlin

 

2 Kommentare zu “„Arrivederci, Patrizia Di Tolla“ – die Regionalleiterin der Psychosozialen Dienste Neukölln und Treptow geht in den (Un)-Ruhestand”

  1. Tilla Eichenauer |

    Liebe Patrizia,

    in der kurzen Zeit mit Dir war mir eines sehr deutlich – Du liebst, was Du tust und das gefällt mir!
    Vielen Dank für Deine formvollendete Einarbeitung. Ich habe von Dir gelernt und tue es noch.
    Ich folge Deinen großen Spuren und mache hier weiter.
    Auch in Deinem Sinne.

    Tilla Eichenauer

  2. Patrizia Di Tolla |

    Liebe (Ex)Kolleg*innen, liebe Freund*innen,
    ich komme erst jetzt nach 5 Wochen nach meinem ersten “Rentenurlaub” in meinem neuen Wohnprojekt auf La Palma-Kanarische Insel zurück. Ich freue mich sehr über die liebevoll aber auch ehrliche Charakterisierung meiner Person und die wunderbare Darstellung in Blog. Beim Lesen kamen mir die Tränen.
    Ich habe mich in UNIONHILFSWERK mich immer sehr wohl gefühlt. Manchmal war ich auch kritisch, aber das dürfte ich auch, weil die Geschäftsführerinnen und der ehemalige Geschäftsführer immer offen waren und sind für sachlich vorgetragene Kritik. Sehr besonders finde ich in dem Blog, dass auch zwei Besucherinnen unserer Einrichtungen sich wunderbar beteiligt haben. Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen für die schöne zutreffende Beschreibung unserer Zusammenarbeit und bei der Öffentlichkeitsarbeit für die kreative Umsetzung. Meine Hoffnung ist, dass wir uns Mitarbeiter*innen und Klient*innen aus Neukölln im Sommer (vielleicht alle schon geimpft) zusammen im Garten der KBS zum letzten persönlichen Abschied treffen können. Ich würde Sie/Euch gerne alle einladen, da ich traurig finde, dass zurzeit den Abschied nur schriftlich, auch wenn in dieser wunderschönen Form stattfinden konnte.
    Eine der vielen Geschenken meiner Mitarbeiter*innen ist ein Button mit der Aufschrift: “Ich bin in Rente, aber sonst wie neu”. So fühle ich mich auch und wünsche mir und uns allen im Sommer ein “Arrivederci im Garten”.
    Patrizia Di Tolla

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