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Kältehilfe: Eine freiwillig Engagierte und ein Wohnungsloser erzählen

Seit Dezember bietet das UNIONHILFSWERK Kältehilfe in der Notunterkunft in Alt-Moabit 82b im Bezirk Mitte mit rund 120 Schlafplätzen an. Bis Ende April versorgen hauptamtliche und freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohnungslose Menschen mit dem, was am Nötigsten ist. Neben einem Schlafplatz gehören eine warme Mahlzeit, Duschmöglichkeiten und Kleidung dazu. Eine freiwillig Engagierte und ein Betroffener erzählen von ihren Erfahrungen.

Eine freiwillig Engagierte und ein Wohnungsloser sprechen über Obdachlosigkeit.
Heike Unger engagiert sich freiwillig in der Kältehilfe des UNIONHILFSWERK. Matthias Peters ist obdachlos und hat hier einen Schlafplatz gefunden.

Es ist 20 Uhr. Draußen sind es minus sechs Grad. Eine Dame steht vor der Tür und raucht. Drinnen ist es angenehm warm. Musik ist zu hören. Einige Gäste sitzen vor der Essensausgabe im Erdgeschoss, stärken sich mit einer Suppe oder unterhalten sich. Die anderen sind auf den Zimmern, die sich auf zwei Etagen verteilen. Fast alle Plätze sind belegt. Daran merken die Helferinnen und Helfer, dass es kalt geworden ist. In der Unterkunft herrschen Regeln: keine Gewalt, kein Alkohol, keine Drogen, keine Zigaretten und keine Waffen.

Etwas tun, das tatsächlich ankommt

Heike Unger engagiert sich, wie schon in der vorigen Saison, freiwillig beim UNIONHILFSWERK in der Kältehilfe. „Ich möchte etwas tun, das konkret ist, tatsächlich ankommt und mit meinem Leben vereinbar ist“, sagt die Physiotherapeutin, die seit langem ein Herz für Menschen ohne Obdach hat. Daher ist sie froh, dass sie sich in der Kältehilfe engagieren kann.

Man bekommt viel zurück

Die gesellschaftliche Entwicklung mache sie dennoch wütend, erzählt Heike Unger. „Ich habe eine Mutter mit zwei Kindern kennengelernt, die auf der Straße leben muss, weil sie die hohe Miete nicht mehr bezahlen konnte. Das darf doch nicht sein.“ Schicksale wie diese bestärken die Mutter eines 17-jährigen Sohnes zu helfen. Sie gebe aber nicht nur, betont sie, sie bekomme auch viel zurück. „Viele sind dankbar und freuen sich darüber, dass man ihnen Beachtung schenkt.“

Obdachlosigkeit begann vor 30 Jahren

Das weiß auch Matthias Peters zu schätzen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr freundlich und hilfsbereit“, sagt der 62-Jährige. Der gelernte Krankenpfleger und Dachdecker kommt jeden Abend in die Notunterkunft, um dort zu übernachten. Mit vier weiteren teilt er sich ein Zimmer. Das findet Matthias Peters in Ordnung. In die Obdachlosigkeit rutschte er erstmalig vor rund 30 Jahren. Der einstige leidenschaftliche Boxer wurde damals wegen Körperverletzung zu einer Haftstraße verurteilt, die er aber erst nicht antrat. Er suchte bei Freunden Unterschlupf oder lebte auf der Straße, war dann aber erleichtert, als die Polizei ihn ausfindig machte. „Seitdem habe ich keinen festen Wohnsitz“, so Peters.

Wohnungssuche war frustrierend

Die Suche nach einer eigenen Wohnung war für Matthias Peters lange Zeit aussichtslos. Bei einem Träger erhielt er zwar eine Wohnung, allerdings befristet auf zwei Jahre. Eine frustrierende Erfahrung. In einigen Wochen könnte es mit den eigenen vier Wänden aber endlich klappen. Als nächstes will er sich um seine Gesundheit kümmern. Matthias Peters ist aufgrund einiger Schlaganfälle in der Mobilität und im Sehen eingeschränkt.

Der größte Wunsch: Ruhe

Mittlerweile ist es 22 Uhr. Matthias Peters unterhält sich noch eine Weile mit der Sanitäterin. Er hat bald Geburtstag. Nachdem er jahrzehntelang ein unstetes Leben geführt hat, wünscht er sich vor allem eines: Ruhe. Heike Unger verlässt die Notunterkunft. Sie hat Feierabend. Ihr Tag war wieder lang. Erst arbeitete sie in ihrer Praxis, dann in der Kältehilfe. Ruhe kann daher zwar auch die freiwillig Engagierte gebrauchen. Sie geht aber mit dem guten Gefühl nach Hause, geholfen zu haben.

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