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Heißer Dank für die engagierte Kältehelfer

Bei der aktuell hochsommerlichen Hitze fällt es schwer, sich an die frostigen Minusgrade des vergangenen Winters zu erinnern. Eine wunderschöne Veranstaltung half hier nach: das „Dankeschön“-Fest für die Unterstützer der Kältehilfe des UNIONHILFSWERK in der Flüchtlingsunterkunft Lichtenberg. Denn pünktlich zum Start der Kältehilfe im Hangar 4 des ehemaligen Flughafens Tempelhof, am 15. Dezember 2017, waren sie bereit: Rund 70 UNIONHILFSWERKER aus allen Bereichen des Unternehmensverbundes hatten sich als Helfer gemeldet.

Einige Helferinnen und Helfer der Kältehilfe. Von links nach rechts: Hubertus Böer, Bennett Plewnia, Antje Rücker, Ralf Freihöfer, Andreas Stolz

Bis Ende April fanden anfangs in einem, später in zwei Hangars bis zu 200 obdachlose Menschen einen warmen Schlafplatz, Duschen und frische Kleidung aber auch ein warmes Abendessen sowie Frühstück vor. Dank der unkomplizierten Hilfsbereitschaft und Tatkraft aller Beteiligten trug das Projekt überaus erfolgreich dazu bei, die große Not der vielen Wohnungslosen in Berlin zu lindern.Wie ist es, wenn man im Alltag mit ganz anderen Themen beschäftigt ist, weil man in der Personalverwaltung, im Controlling oder als Betreuer arbeitet bzw. bereits pensioniert ist? Einige der Kolleginnen und Kollegen, die im Hangar des ehemaligen Flughafen engagiert waren, blicken auf ihre Erlebnisse und Erfahrungen zurück.

Hubertus Böer, Rentner

Nach über 20 Jahren als Betreuer für psychisch kranke Menschen im UNIONHILFSWERK habe ich gedacht, ich wäre auf alles vorbereitet und hätte eine gute Menschenkenntnis. Aber bei der Arbeit in der Kältehilfe passte mein „Schubladendenken“ überhaupt nicht. Einige der Übernachtungsgäste sahen so aus, als seien sie in einer Bank angestellt. Ich war verwundert, dass es andererseits Gäste gab, die gar nicht das Ziel haben, eine Wohnung zu bekommen, sondern sich auf der Straße wohlfühlen. Die Einsätze haben mich insgesamt sehr bewegt und auch zu Hause habe ich mich noch gefragt, was die Gäste aus Hangar 4 jetzt wohl gerade machen…

Anica Breulmann arbeitet im Controlling

Für mich war es eine Herausforderung. Projekte dieser Art habe ich bisher noch nie begleitet, aber es war wirklich eine gewinnbringende Erfahrung. Ich bin absolut stolz, was wir in so kurzer Zeit auf die Beine stellen konnten, wie viele interessante Leute man kennenlernen durfte und wie viel Dankbarkeit man zurückbekommen hat. Die guten und weniger guten Erlebnisse vor Ort, die Erfahrungsberichte und die Atmosphäre werden mich sicherlich noch lange begleiten.

Alica Lange arbeitet in der Personalabteilung

Am meisten hat mich die riesige Dankbarkeit der Obdachlosen berührt, sei es über die kleinsten Hilfen oder über das gesamte Projekt. Dadurch hat man diese Aufgabe, die durchaus eine Herausforderung war, gerne immer wieder angenommen. Einer der Obdachlosen schenkte uns Helfern des Öfteren Schokolade als Dank – das macht schon etwas mit einem, wenn dieser Mensch doch eigentlich selbst gar nix hat…!

Andreas Stolz, Betreuer im Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, Joachim-Fahl-Haus

Das Klischee von den Obdachlosen, die ihr ganzes Hab und Gut im Einkaufswagen bei sich haben, hat sich fast gar nicht bestätigt. Erschüttert hat mich der extrem verwahrloste Zustand eines Obdachlosen mit gesundheitlichen Problemen, den wir erst mal geduscht haben. Die Sanitäter, die ihn brachten, waren unkooperativ und gingen sehr gleichgültig mit ihm um. Ich war überrascht über den hohen Anteil an Gästen aus Osteuropa, als würde es sich herumsprechen, wo man unterkommen kann. Die vielen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen des UNIONHILFSWERK kennenzulernen, war super, interessant und hilfreich.

Antje Rücker, Betreuerin im Joachim-Fahl-Haus

Ich war überrascht über den hohen Frauenanteil unter den Gästen und die schlimmen Schicksale, die teilweise dahinterstecken. Viele von ihnen sahen überhaupt nicht so als, als müssten sie dort unterkommen. Eine Frau allerdings ist allen in Erinnerung geblieben: sie kam regelmäßig mit sehr viel Gepäck im Einkaufswagen und Pelzmantel.
Toll war die Professionalität der Projektleitung, Nicole Klecha. Das zeigte sich unter anderem auch bei der Überwindung von Sprachbarrieren, wenn sie sich ruckzuck um Dolmetscher kümmerte. Schlimmeres wurde so verhindert, als zum Beispiel bei einem Gast vorher nicht entdeckt worden war, dass er eine schwere Gehirnerschütterung hatte. Trotz der immer neuen Teamzusammensetzung lief die Arbeit Hand in Hand – eine tolle Erfahrung! Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Wir sagen noch einmal: Liebe Kolleginnen und Kollegen, danke für euren Einsatz!

 

Annica Breulmann (links) und Alicia Lange

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