Einsamkeit hat viele Gesichter
Eine volle U-Bahn, belebte Straßen, Cafés und Parks voller Menschen – und trotzdem fühlen sich viele Berlinerinnen und Berliner allein. Einsamkeit ist längst kein Randthema mehr. Sie betrifft Menschen jeden Alters und unterschiedlichster Lebenssituationen. Nach dem Verlust nahestehender Menschen, nach einem Umzug, im Alter oder auch mitten im Berufsleben kann das Gefühl entstehen, nicht mehr dazuzugehören.
Dabei bedeutet Einsamkeit weit mehr, als allein zu sein. Sie entsteht dort, wo Beziehungen fehlen, die Halt geben, zuhören und das Gefühl vermitteln: Ich gehöre dazu.
Gerade deshalb gehört das Thema für das Unionhilfswerk zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Jeden Tag begleiten unsere Mitarbeitenden und Freiwilligen Menschen in Berlin – in der Pflege, der Eingliederungshilfe, der Kinder- und Jugendhilfe, in Nachbarschaftseinrichtungen und vielen weiteren Angeboten. Dabei erleben wir immer wieder, wie wichtig soziale Beziehungen und Teilhabe für Lebensqualität und Gesundheit sind.
Gemeinschaft entsteht nicht zufällig
Einsamkeit lässt sich nicht einfach „wegreden“. Sie braucht Räume, in denen Menschen sich begegnen können – ohne Hürden, ohne Erwartungen und möglichst regelmäßig. Solche Orte gibt es im Unionhilfswerk bereits an vielen Stellen: in Gruppenangeboten, beim Ehrenamt oder bei Freizeitaktivitäten.
Mehr als ein Sportangebot
Wie wertvoll solche Begegnungen sein können, zeigt eine Sportgruppe in unserem F1 Stadtteilzentrum am Mehringplatz.
Seit 13 Jahren treffen sich dort jeden Dienstag rund 15 Menschen zwischen 60 und 85 Jahren. Viele von ihnen leben allein oder haben Menschen verloren, die ihnen nahestanden. Gemeinsam verbringen sie zunächst eine Stunde mit Bewegung. Danach sitzen sie oft noch mehrere Stunden bei Kaffee und Kuchen zusammen, feiern Geburtstage oder grillen gemeinsam. Selbst wenn der Sporttrainer einmal verhindert ist, fällt der Dienstag nicht aus – die Gruppe trifft sich trotzdem. Denn längst geht es um weit mehr als Sport.
Als die Teilnehmenden gefragt wurden, was ihnen dieser Dienstag bedeutet, waren die Antworten eindeutig:
„Der Dienstag bedeutet mir sehr viel. Da freue ich mich die ganze Woche drauf.“
„Ich bin nicht mehr so allein.“
„Wir machen Bewegung und haben jemanden zum Reden.“
Diese Aussagen zeigen eindrucksvoll, worauf es ankommt: Verlässlichkeit, Gemeinschaft und das Wissen, Teil einer Gruppe zu sein. Oft sind es genau diese regelmäßigen Begegnungen, die Einsamkeit wirksam entgegenwirken.
Gemeinsam mehr Wir
Unter dem Motto „Gemeinsam mehr Wir“ zeigen wir während der aktuellen Woche der Einsamkeit, was in vielen unserer Einrichtungen bereits geschieht, um Einsamkeit vorzubeugen oder zu lindern: Menschen kommen zusammen, hören einander zu und erleben Gemeinschaft. Gleichzeitig wissen wir, dass noch immer viele Menschen von diesen Angeboten nicht erreicht werden oder bislang kein passendes Angebot finden. Deshalb wollen wir bestehende Angebote sichtbarer machen und dort neue Zugänge schaffen, wo Menschen bislang noch nicht erreicht werden.
Wir haben auf unserer Website eine neue Informationsseite eingerichtet, auf der wir Hintergründe zu Einsamkeit, Unterstützungsmöglichkeiten und Beispiele aus unserer Arbeit vorstellen. Begleitend dazu erzählen wir auf unseren Social-Media-Kanälen Geschichten von Menschen, Projekten und Begegnungen – ganz konkret und mitten in Berlin.
Die Aktionswoche markiert dabei den Auftakt zu einer langfristigen Initiative, mit der wir das Thema Einsamkeit stärker in den öffentlichen Fokus rücken möchten. Ziel ist es, neue Zugänge zu schaffen und Menschen zu ermutigen, Unterstützung anzunehmen oder selbst Teil einer Gemeinschaft zu werden.
Denn Einsamkeit ist kein individuelles Versagen. Sie ist eine gesellschaftliche Herausforderung – und wir können ihr nur gemeinsam begegnen.
Begegnung beginnt mit einem offenen Miteinander
Gemeinschaft wächst dort, wo Menschen einander Zeit schenken, zuhören und sich willkommen fühlen. Dafür engagieren wir uns im Unionhilfswerk – jeden Tag, in ganz Berlin.
Die Woche der Einsamkeit erinnert uns daran, wie wichtig solche Orte sind. Und daran, dass manchmal schon ein regelmäßiger Dienstag genügt, damit aus einem „Ich“ wieder ein „Wir“ wird.







