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  • Die Freiwilligen im Unionhilfswerk zu Gast bei der Bundespressekonferenz

    Wenn man als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Unionhilfswerks und ohne näheren journalistischen Bezug vom Projektleiter Freiwilligenmanagement eine Einladung zum Besuch der Bundespressekonferenz bekommt, dann staunt man über ein hochmodernes, attraktives Gebäude am Schiffbauerdamm mit Blick auf den Reichstag und das Regierungsviertel und hat Fragen über Fragen: „Was ist das? Wer ist der Gründer? Wer hat dort Zutritt…?“

    Die Geschichte und der Ablauf der Bundespressekonferenz

    Fritz Madorf (rechts) verfolgt die Bundespressekonferenz aufmerksam.

    Die Bundespressekonferenz ist ein eingetragener Verein mit dem Zweck, Pressekonferenzen abzuhalten – und das seit 1949. Anders als in anderen Staaten wird die Regierungspressekonferenz in Deutschland nicht vom Staat, sondern durch die Journalisten selbst organisiert. Sie wählen auch ihren ehrenamtlichen Vorstand und sind mit dieser Selbstständigkeit einmalig auf der Welt.

    Normalerweise tagt die spezielle „Regierungspressekonferenz“ dreimal wöchentlich. Am 22. Januar 2025 waren wir dabei. Sie wird von einem der Vorstandsmitglieder geleitet, in unserem Fall von Angela Wefers. Der Ablauf ist so organisiert, dass der oder die Vorsitzende die Fragethemen bündelt, damit diese zeitsparend und abschließend behandelt werden können. Auf dem Podium und in der zweiten Reihe nehmen die Sprecherinnen und Sprecher aller Bundesministerien Platz. Nur bei besonderen Anlässen erscheinen Minister bzw. Staatssekretäre persönlich, nach Haushaltsberatungen beispielsweise der Finanzminister.

    Die Bundespressekonferenz hat nicht nur einen Sitz in Berlin, sondern auch eine Außenstelle in Bonn – genauso wie einige Bundesministerien, z. B. das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Bundesministerium für Umwelt. Es gibt jedoch Stimmen, die der Auffassung sind, dass diese Zweigstellen inzwischen entbehrlich seien.

    Die Themen der Konferenz

    In der nun folgenden Konferenz können die anwesenden Pressevertretenden Fragen stellen, auf die die Vertreter der Ministerien unverzüglich zu antworten haben.

    Vor unserem Besuchstermin hatte es keine Kabinettssitzung gegeben, über die sonst berichtet worden wäre. Daher gingen die Pressevertreter naheliegenderweise auf die Unklarheiten nach dem ersten Auftritt des neuen amerikanischen Präsidenten ein und versuchten, diese zu klären.

    Hier war hauptsächlich der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Sebastian Fischer, die meistgefragte Person. Aber wie man sich natürlich denken kann, konnten die Fragen nach Zöllen, Klimaschutz, dem Einfluss der amerikanischen Milliardäre auf die künftige Politik, der weiteren Politik in Bezug auf Waffenlieferungen an die Ukraine und der Haltung der USA dazu nicht abschließend beantwortet werden. Bekräftigt wurde die unveränderte Haltung der deutschen Regierung zum engen Bündnis mit Amerika.

    Eine Rolle spielten auch die erfolgten Verhandlungen zur Rückführung der Geiseln durch die Hamas an Israel und ungeklärte Fragen zur weiteren Entwicklung dieses Konfliktes. Ernst zu nehmen ist die Zerstörung von Kabeln auf dem Meeresboden der Ostsee. Es wurde über eingeleitete Maßnahmen berichtet. Der Hinweis vom Podium beinhaltete eine klare Botschaft: „Wenn ein Schiff über 100 km einen Anker auf dem Meeresboden hinter sich herzieht, kann das nur an mangelhafter Ausbildung der Besatzung liegen, oder die Besatzung war besoffen, oder es war Vorsatz. Sie können sich einen Grund aussuchen.“ Zur Frage standen auch Ungereimtheiten bei der Präsidentenwahl in Georgien und die Haltung Deutschlands dazu.

    Individuelle Gespräche und Ausblick

    Erfreulicherweise hatten wir Gelegenheit, uns anschließend mit der Leiterin der Bundespressekonferenz zu individuellen Fragen der Geschichte des Hauses und dem üblichen Ablauf der Konferenz auszutauschen.

    Wir danken der Bundespressekonferenz e. V. im Namen der Freiwilligen im Unionhilfswerk sehr herzlich für die Möglichkeit der Teilnahme.

    Weitere Veranstaltungen finden Sie auf unserer Internetseite.

  • Eine Frau der leisen Stärke

    Der Raum im Selbsthilfezentrum Reinickendorf, in dem ich Bärbel Bette zum Gespräch treffe, ist schlicht, aber einladend. Hier treffen sich regelmäßig Gruppen pflegender Angehöriger, die Bärbel Bette ehrenamtlich betreut. Sofort fällt ihre ruhige, freundliche Ausstrahlung auf.

    Empathie und Respekt waren und sind ihre Leitlinien

    Mit 69 Jahren hat sie viel erlebt. 45 Jahre lang arbeitete Bärbel Bette als Krankenschwester und Stationsleiterin, insbesondere in der Onkologie und der Herzchirurgie. „Ich versuche immer, die Menschen zu sehen und ihnen vorurteilsfrei zu begegnen.“ Empathie und Respekt waren ihre Leitlinien. Doch sie spricht auch offen über die Belastungen: Überstunden, Unterbesetzung und den damit verbundenen Druck, der oft zulasten ihres Privatlebens ging. Seit dem Tod ihres Mannes vor 20 Jahren sorgte sie allein für den Lebensunterhalt ihrer damals neun und zwölf Jahre alten Kinder. Ohne Dramatik, aber mit Klarheit schildert sie, wie diese Zeit sie prägte und ihr den Wert von Resilienz lehrte.

    Heute im Ruhestand leitet Bärbel Bette ehrenamtlich zwei Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige der Kontaktstelle PflegeEngagement Reinickendorf, ein Projekt des Unionhilfswerks.

    Die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit

    „Als ich vor zwölf Jahren nach Berlin-Reinickendorf gezogen bin, da war ich so glücklich, dass ich gedacht habe, es geht mir so gut, ich könnte ja Zeit spenden“. Die Gruppen bieten Angehörigen Raum, um über ihre Ängste und Belastungen zu sprechen. Für Bärbel Bette ist diese Arbeit eine sinnvolle Fortsetzung ihres Berufslebens. Sie weiß, wie viel Kraft es kostet, sich um andere zu kümmern. Sie ist überzeugt, dass das Ehrenamt eine tragende Säule der Gesellschaft ist. „Ohne ehrenamtliche Arbeit würde der Staat weniger funktionieren“, sagt sie. Besonders in der Pflege sind Angehörige oft auf sich allein gestellt. Sie fordert mehr Anerkennung für die enorme Arbeit, die pflegende Angehörige leisten: „Ohne die Pflege zu Hause wären unsere Krankenhäuser und Heime überfüllt. Der Staat könnte das gar nicht leisten.“ Bärbel Bette ist sich sicher, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nur durch gegenseitige Unterstützung gelingen kann. Mit bescheidener Zurückhaltung erwähnt sie, dass sie für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt wurde.

    Handeln, das andere inspiriert

    Zum Ende unseres Gesprächs betont sie, dass es ihr trotz ihrer Verpflichtungen wichtig ist, Zeit für sich selbst zu haben. Sie ist sportlich aktiv, besucht kulturelle Veranstaltungen und verbringt Zeit mit Freunden und ihrer Enkeltochter. „Ich bin zufrieden und glücklich mit meiner Lebenssituation“, sagt sie. Bärbel Bette verkörpert eine leise Stärke, die durch Bescheidenheit und Empathie geprägt ist. Eine Frau, die durch ihre lebensbejahende Einstellung und ihr Handeln inspiriert und zeigt, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein.

  • Jung, ehrlich, mutig: Drei junge Autorinnen schreiben über das Lebensende und erhalten unseren Sonderpreis.

    Clara Christ erhielt den 1. Platz für ihren Text, „Der Tod und mein Musiklehrer“.

    Sie ist 16 Jahre alt, geht in die 11. Klasse und wohnt in Suhl in Thüringen. Neben dem Schreiben tanzt sie Ballett, liest und häkelt gern.

    Wie kamst Du zum Schreiben?
    Meine Liebe zum Schreiben ist vor allem durch das Lesen entstanden. Ich habe Kinderbücher immer geliebt und es ist mein großer Traum, irgendwann eigene zu schreiben. Was ich am Schreiben liebe, ist die Suche nach den richtigen Worten, mit denen man ganze Welten neu erschaffen und jeden Augenblick ewig festhalten kann.

    Was hat Dich dazu inspiriert, diesen Text zu schreiben?
    Der Hintergrund von meinem Text ist eine persönliche Erfahrung: Die merkwürdig distanzierte Trauer, die man beim Verlust einer Person empfindet, die man nicht ganz und nicht gar nicht kannte. Jene, bei der man sich nicht sicher ist, ob man zur Trauerfeier gehen sollte und bei der man sich fragt, ob man überhaupt das Recht hat, zu trauern. Ein solches Erlebnis hat mich dazu gebracht, über einige Zeit ein wenig intensiver über den Tod und das Altern nachzudenken. All die Fragen, die Widersprüche und die Hoffnungsschimmer, die mir dabei begegnet sind, wollte ich festhalten und aus diesem Prozess ist der Text entstanden.

    Wie ging es Dir mit dem Thema Lebensende?
    Es ist mir nicht schwergefallen, mich damit zu beschäftigen, im Gegenteil – es war fasst befreiend, meine Gedanken auf Papier zu bringen! Allerdings habe ich mir hinterher schon Sorgen gemacht, ob der Text nicht zu roh ist. Denn das Thema Lebensende hat den Ruf, man dürfe es nur mit Samthandschuhen anfassen, man müsse sensibel sein und melancholisch lächeln, wenn man darüber spricht. Und natürlich ist es wichtig, keine Grenzen zu überschreiten, aber ich glaube, dass Ehrlichkeit im Gespräch über den Tod auch eine große Bedeutung hat. Frustration, Fragen und Verwirrung haben eine Berechtigung und es kann tröstend sein, sie zu akzeptieren. Das habe ich versucht, mit meinem Text zum Ausdruck zu bringen.

    Ein Blick in die Zukunft – welche Rolle wird das Schreiben in Deinem Leben haben?
    Eine große hoffentlich! Ich hoffe, dass mich das Schreiben immer begleiten wird. Mein Traum ist es, irgendwann Bücher zu veröffentlichen – am liebsten Kinderbücher.

    Wie hat Dir die Preisverleihung in Berlin gefallen – was wird dir davon besonders in Erinnerung bleiben?
    Der Abend in Berlin war für mich wundervoll! Es war großartig, so viele tolle Menschen kennenzulernen und ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut. Besonders werden mir die Beiträge der anderen Preisträger*innen in Erinnerung bleiben, die alle wirklich sehr bewegend, interessant und inspirierend waren.

    Auszug aus der Jurybewertung:
    Diese Kurzgeschichte überzeugt schon mit dem Titel und dem ersten Satz. Der Schreibstil überzeugt durch Witz, Überraschung, Absurdität und vielen Bildern, sodass die Lesenden gar nicht abschweifen können. Der Inhalt rechnet mit Floskeln ab und wirft einige Fragen auf, die nachhaltig ins Nachdenken bringen. Er beäugt kritisch unseren Umgang mit und vor allem unsere Bewertung des Sterbens. Er ermutigt dazu, das Leben zu wertschätzen und bewusst wahrzunehmen. Eine tiefgreifende und höchst unterhaltsame Erzählung.

     

    Anouk Hillebrand erhielt den 2. Platz für ihren Text, „Die drei weisen Männer“.

    Sie ist 15 Jahre alt, geht in die 10. Klasse und wohnt in Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Ihre Hobbies sind Reiten und Bouldern.

    Wie kamst Du zum Schreiben?
    Ich schreibe seit dem Grundschulalter, da ich schon immer sehr viel gelesen habe und irgendwann eigene Geschichten erfinden wollte.

    Was hat Dich dazu inspiriert, diesen Text zu schreiben?
    Natürlich hat der Wettbewerb eine wichtige Rolle gespielt. Ich fand das Thema direkt interessant, weil es wichtig ist, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Mir hat es besonders Spaß gemacht, diese Gedanken dann in eine Geschichte zu verpacken.

    Wie ging es Dir mit dem Thema „Lebensende“?
    Die Preisverleihung hat mir gezeigt, wie komplex das Thema ist und das es auch zu sehr schwierigen Lagen kommen kann. Trotz allem habe ich auch daraus gelernt, jeden schönen Tag und mir wichtige Menschen wertzuschätzen und dass unsere begrenzte Zeit jeden Moment kostbar macht.

    Ein Blick in die Zukunft – welche Rolle wird das Schreiben in Deinem Leben haben?
    Ich werde auf jeden Fall weiterhin schreiben. Mein Ziel ist es, eines Tages ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Ob ich das Schreiben später zu meinem Beruf machen möchte, weiß ich allerdings noch nicht. Als wichtiges Hobby wird es jedoch bestehen bleiben.“

    Wie hat Dir die Preisverleihung in Berlin gefallen – was wird Dir davon besonders in Erinnerung bleiben?
    Die Preisverleihung war eine total spannende Erfahrung. Alle Beiträge waren sehr beeindruckend und auch wenn es um ein eher schweres Thema ging, war die Stimmung trotzdem angenehm. Nicht zuletzt deshalb, weil alle Anwesenden dort super nett und offen waren.

    Auszug aus der Jurybewertung:
    Anouk Hillebrand hat mit ihren 15 Jahren ein sehr sicheres Gespür für Sprache und Formulierungen. Ihre Erzählung ist auf den Punkt und schlüssig, wenngleich vom Stil her eher klassisch (Fabel/Märchen). Inhaltlich spannender Twist: Die oft glorifizierte Unsterblichkeit wird von der jungen Autorin in wenigen Sätzen ausgehebelt, in dem sie aufzeigt, wie wenig wünschenswert Unsterblichkeit in der Endkonsequenz ist. Simpel, aber sehr schlauer Gedanke – in die passende Erzählform gegossen.

     

    Ida Schwarzenberger erhielt den 3. Platz für Ihren Text, „Zu jung“.

    Sie ist 17 Jahre alt, geht in die 11. Klasse und wohnt in Bamberg in Bayern. Neben dem Schreiben von Prosa und Gedichten zählen Klettern, Singen, Psychologie und Netflix schauen zu  ihren Leidenschaften.

    Wie kamst Du zum Schreiben?
    Ich schreibe schon seit ich ein Kind bin. Meine Eltern haben mir immer Geschichten erzählt und das habe ich dann übernommen. In der Grundschule habe ich meinen Klassenkameraden immer in der Pause Geschichten über unsere Klasse erzählt.

    Was hat Dich dazu inspiriert, diesen Text zu schreiben?
    Ich hatte Lust, mich tiefergehend mit dem Thema Tod und Alter auseinanderzusetzen, um reflektierter damit umgehen zu können. Als ich den Juniorpreis entdeckte, sah ich dies als eine gute Chance, vor allem, da ich damit auch einen neuen Anlass zum Schreiben hatte.

    Wie ging es Dir mit dem Thema „Lebensende“?
    Ich finde, es war ein schwieriges Thema, da ich bis jetzt noch nicht viel damit in Berührung gekommen bin. Aber genau deshalb hat es mich gereizt, darüber zu schreiben, zu versuchen, mich in andere Perspektiven hineinzuversetzen und mein Blickfeld zu erweitern. Denn es ist ohne Zweifel ein wichtiges Thema.

    Ein Blick in die Zukunft – welche Rolle wird das Schreiben in Deinem Leben haben?
    Klar wäre es mein Wunsch, ein Buch zu veröffentlichen, aber ich versuche die Zukunft realistisch zu betrachten. Auf jeden Fall wird es jedoch weiterhin meine Art sein, meine Anliegen und Emotionen auszudrücken und meine Art, mit diesen umzugehen.

    Wie hat Dir die Preisverleihung in Berlin gefallen – was wird Dir davon besonders in Erinnerung bleiben?
    Ich sage es so: Einen besseren letzten Abend meines 17. Lebensjahres hätte ich mir nicht vorstellen können. Nicht nur, dass die Location und das Ambiente sehr schön waren – es waren vor allem all die Begegnungen mit freundlichen und inspirierenden Menschen, die mir in Erinnerung bleiben werden. Ich durfte so viel Anerkennung und Freundlichkeit erfahren. Ich habe mich einfach sehr wohl gefühlt.

    Auszug aus der Jurybewertung:
    Der Beitrag ist sehr weise geschrieben, mit einem Fazit, das man sich gern laminieren möchte: „Alter (war) die Anzahl aller Tage, in denen man die Chance hatte, neu zu beginnen.“ Zudem überzeugt Ida Schwarzenberger mit einer authentischen und berührenden Schreibe sowie einem klaren Ziel.

     

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    @Agentur Baganz

     

  • Von Krk nach Istanbul: Christophers zweite Etappe auf dem Weg um die Welt

    Lieber Christopher, für die zweite Etappe deiner inkrementellen Weltreise standen einige Länder auf dem Programm. Von Kroatien aus wolltest du ins Landesinnere in Richtung des Schwarzen Meeres und dabei Bosnien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und die Türkei durchqueren. Verlief die Fahrt wie geplant?

    Im Großen und Ganzen verlief es zumindest länderübergreifend wie geplant. Leider musste ich aus zeitlichen Gründen auf das Schwarze Meer verzichten, um Griechenland noch besuchen zu können.

     

    Wie viele Kilometer hast du diesmal zurückgelegt – und was waren deine Highlights?

    Geplant waren eigentlich etwa 2000 km, am Ende wurden es 2378,35 km.
    Meine Highlights waren unter anderem, wie zu erwarten, die Burg Bran (Draculas Schloss), wo ich auch einen Rundgang gemacht habe, sowie die größte Burg Rumäniens, Burg Hunedoara. Besonders beeindruckt haben mich auch einige Hauptstädte, wie Belgrad in Serbien, die als schönste Stadt auf dem Balkan gilt. Die Brücke, die den östlichen vom westlichen Teil Belgrads trennt, ist extrem bemerkenswert. In den rumänischen Karpaten, nachdem ich den höchsten Punkt erreicht hatte, konnte ich 100 km bergab bis in die Hauptstadt Bukarest fahren. An diesem Tag stellte ich auch meinen persönlichen Tagesrekord auf: 165 km.

    Es gab aber auch erschreckende Szenen, zum Beispiel die zerstörten Dörfer an der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien, Minenfelder mitten im Wald in Bosnien oder die verwahrlosten und oft aggressiven Hunde und Katzen, die mir in mehreren Ländern begegneten.

    Überraschende Highlights, die ich nicht eingeplant hatte, gab es ebenfalls: Ein Fluss in Griechenland mit so starker Strömung, dass ich fast ausgerutscht wäre – riskant, aber auch abenteuerlich! Oder ein Fernsehturm in Russe, Bulgarien, der wie eine kleinere Version des Berliner Fernsehturms aussieht. Istanbul war ebenfalls überwältigend – so riesig, dass ich mich selbst als Berliner wie aus einem Dorf kommend fühlte.

     

    Ich kann mir vorstellen, dass die Begegnungen mit den Menschen besonders bereichernd waren?

    Absolut! Die Begegnungen waren in jedem Land sehr positiv. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Menschen im südlichen Bulgarien. Dort hatte ich mitten in einem Dorf meinen ersten Platten. Die Bewohner halfen mir sofort, flickten meinen Schlauch, gaben mir Essen und Trinken und fuhren mich am Ende sogar mit dem Auto zu einem Bike-Shop in der nächsten Stadt. Diese Hilfsbereitschaft war unglaublich!

    Unterwegs traf ich auch wieder andere Fahrradfahrer*innen aus verschiedenen Teilen Europas und sogar einen Läufer, der quer durch Europa nur mit einem Rucksack unterwegs ist. In der Türkei, etwa 70 km vor Tekirdağ, wurde ich nachts von zwei Dorfbewohnern vor einem aggressiven Hund gewarnt und sicher mit einem Moped zu einem Hotel eskortiert. Die Menschen in allen Ländern waren durchweg freundlich und hilfsbereit.

     

    Du bleibst nie lange an einem Ort, sitzt viele Stunden am Tag auf dem Rad. Hast du dich manchmal einsam gefühlt?

    Eine interessante Frage, aber die Antwort ist: Nein. Ich lernte jeden Tag neue Menschen kennen, sei es auf der Straße oder an den Übernachtungsorten. Ich habe nach den Reisen immer viele neue Kontakte in meinem Telefonbuch und auf Social Media.
    Und dank moderner Technik kann ich jederzeit Kontakt zu meinen Liebsten halten. Natürlich gibt es Momente, in denen man sich einsam fühlen könnte, etwa abends, wenn man in der Hängematte liegt. Aber sobald ein neuer Tag beginnt, überwiegt die Freude auf das nächste Abenteuer.

     

    Was nimmst du aus der zweiten Etappe für die Vorbereitung der dritten mit? Hast du diese schon geplant oder brauchst du erst einmal eine Pause?

    Ich habe viele wichtige Erfahrungen gesammelt, die ich auf künftigen Etappen berücksichtigen werde. Zum Beispiel werde ich nie wieder über eine Landesgrenze ohne offiziellen Checkpoint fahren. Das ist mir in Serbien passiert, als ich nach Rumänien einreisen wollte. Ich wurde von der Grenzpolizei gestoppt und musste einen 40 km langen Umweg machen, um einen offiziellen Übergang zu nutzen.

    Auch würde ich nicht empfehlen, entlang von Grenzen zu fahren, da dies unnötige Probleme mit Grenzbeamten verursachen kann. Das habe ich in Bulgarien an der Grenze zur Türkei erlebt, wo ich zurückeskortiert wurde.

     

    Worauf freust du dich bei der nächsten Etappe am meisten?

    Definitiv darauf, endlich das Schwarze Meer zu sehen! Außerdem möchte ich ein Land besuchen, das bei uns oft negativ dargestellt wird: den Iran. Einer der Gründe für diese Reise ist, den Menschen zu zeigen, dass die Bevölkerung eines Landes oft viel gastfreundlicher ist, als es durch die politische Berichterstattung erscheint.

     

    Und hier gibt es einige Impressionen der Reise:

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    Christophers Reise bleibt spannend, und wir freuen uns schon auf den nächsten Teil seines Abenteuers!
    HIER können Sie übrigens nochmal den Artikel zu Christophers erster Etappe lesen.

    Liebe Kolleg*innen: Schreiben Sie Ihre guten Wünsche für Christophers nächste Etappe gern in die Kommentare. Oder haben Sie Fragen?

  • Ich vergesse meine Sorgen, Schmerzen und Einsamkeit und tausche sie gegen fröhliche Momente

    Jeden Dienstag um 10 Uhr zieht es mich zum Stricken und zum Plauderstündchen ins Seniorenzentrum des Unionhilfswerks. Dort treffen sich Menschen wie du und ich, Frauen aller Gesellschaftsschichten, Ältere, Jüngere, mehr oder weniger krank, verschiedenste Charaktere. Uns alle eint: wir sind nette, aber oft einsame Menschen. Viele verbindet eine Leere und Einsamkeit, trotz des Lebens in einer Großstadt.
    Manche sind verwitwet oder leben getrennt. Ihre Familien – im hektischen Alltag selbst gefangen – haben nur wenig Zeit. Wir, die wir uns in der Singerstraße treffen, suchen Gemeinschaft und Kommunikation.

     

    Gesellige Momente im Seniorenzentrum

    Das Unionhilfswerk bietet regelmäßig ein buntes Programm. Besonders beliebt sind beispielsweise das Frühlingsfest und der Tanz in den Mai sowie Grillfeste, die Faschingsfeier, das Oktoberfest und die Adventsfeiern. Aber es gibt auch viele Kurse zur geistigen Anregung und körperlichen Ertüchtigung: Gehirnjogging, Kreativkurse, Bingo und Diavorträge sowie Lesungen. Die meisten Angebote sind gratis, für einige ist ein kleines Eintrittsgeld zu zahlen. Das reduziert sich bei Vereinsmitgliedern des Unionhilfswerk Landesverband Berlin e. V., die monatlich 3 €  Mitgliedsbeitrag zahlen, auf nur einen Euro.

     

    Die Ehrenamtler*innen sind unsere „fleißigen Engel“

    Sie sind immer höflich, mitfühlend, freundlich und erfüllen fast alle Wünsche, oft sogar ungefragt. Nur mit dem Einsatz und der Power dieser ehrenamtlich und freiwillig Engagierten ist es möglich, solch tollen Angebote für uns umzusetzen.

     

    Gegen die Einsamkeit

    Dieser Text soll ein Appell an alle Menschen sein, die sich einsam fühlen oder einfach nur mal einen Rat brauchen, mal lachen und tanzen oder für wenige Cent einen Kaffee trinken und plaudern wollen. Immer dienstags bis freitags ab 13:30 Uhr findet das Kaffeestübchen statt. Eine tolle Gelegenheit, sich mal zu trauen!
    Ich gehe mittlerweile seit über zwei Jahren regelmäßig mit meinem Rollator ins Seniorenzentrum. Nach einem mühseligen und anstrengenden Weg bin ich doch jedes Mal aufs Neue froh, die lieben Menschen dort sehen zu können. Ich vergesse meine Sorgen, meine Schmerzen und die Einsamkeit  – und tausche sie gegen fröhliche Momente.

     

    Gedankenaustausch, Lachen und Herzlichkeit

    Man macht Bekanntschaften, oft entstehen sogar Freundschaften. Wir schauen mal über den eigenen „Tellerrand“ hinaus und inspirieren uns gegenseitig. Wir sind im Austausch, weinen und lachen miteinander. Wir sind füreinander Ansprechpartner*innen für viele Fragen des Lebens. Wir sind ein „bunter Haufen“ und begrüßen gern neue Besucher*innen, die mit uns gemeinsam der Einsamkeit im Alter den Kampf ansagen- übrigens auch gerne männliche Tanzpartner.
    Jeder von uns hatte sein aktives Leben, hat viele schöne Erinnerungen und vielleicht noch Wünsche. Teilt eure Ideen mit uns, eure Erlebnisse, lasst uns zusammen basteln, Kultur genießen oder einfach nur Kaffee und Kuchen!

    Ich bin Ute, 78 Jahre alt, ehemalige Krankenschwester, habe dreimal den Krebs besiegt und danke dem Unionhilfswerk und seinen Helfer*innen für die gemeinsame schöne Zeit. Ich freue mich darauf, jede „Neue“ und jeden „Neuen“ kennenzulernen.

  • „Wenn Frau Mönke geht, dann geh ich auch“ – 25 Jahre Engagement in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln

    Die Zuverdienstwerkstatt (ZVW) Neukölln – Ein Ort der Vielfalt und Entwicklung

    Die Zuverdienstwerkstatt ist ein Ort, an dem Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen die Möglichkeit erhalten, einer sinnstiftenden Beschäftigung nachzugehen, Neues zu lernen und soziale Kontakte zu knüpfen. Mit verschiedenen Arbeitsbereichen wie Holz-, Näh-, und Montagewerkstatt sowie einem Wäschedienst bietet die Einrichtung vielseitige Aufgabenfelder. Die Zuverdienstwerkstatt ermöglicht den Beschäftigten, in ihrem eigenen Tempo und nach ihren individuellen Fähigkeiten zu arbeiten, und schafft so eine positive und unterstützende Atmosphäre.

     

    25 Jahre in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln: Ein Gespräch mit Monika Mönke

    Frau Mönke, Sie sind 25 Jahre in der Zuverdienstwerkstatt. Was macht die Arbeit für Sie dort so besonders?

    „Dass ich etwas mit den Händen machen kann und dabei Menschen kennenlerne. Anfänglich war ich in der Holzwerkstatt tätig – Blaumann anziehen, schleifen und werken – das war toll! Später habe ich das Nähen gelernt und viele andere Bereiche ausprobiert. Es macht mir Freude, Neues zu lernen, und ich stehe für die Abwechslung und das Zusammensein mit unterschiedlichen Menschen gern jeden Morgen auf.“

     

    Monika Mönkes Weg in die Zuverdienstwerkstatt Neukölln

    Wie sind Sie zur Zuverdienstwerkstatt gekommen und wie hat dieser Ort Ihr Leben bereichert?

    „Nach einem Klinikaufenthalt bekam ich über meine Ergotherapie einen Flyer der ZVW. Ich habe mich eines Tages getraut, mich vorzustellen, und seitdem weiß ich, wofür ich morgens aufstehe. Die Arbeit gibt mir Struktur und Freude. Auch nach 25 Jahren lerne ich immer noch dazu – das finde ich großartig. Meine Menschkenntnis hat sich dabei enorm weiterentwickelt. Solange ich körperlich und seelisch kann, bleibe ich der ZVW treu.“

     

    Lieblingsaufgaben in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln: Holz, Nähen und mehr

    Welche Aufgaben gefallen Ihnen besonders?

    „Die Arbeit in der Holzwerkstatt hat mir viel Spaß gemacht. Nach einigen Jahren habe ich das Nähen für mich entdeckt. Es war spannend, zu sehen, was ich mit meinen Händen alles schaffen kann. Ich habe auch in der Montage gearbeitet, wo wir früher Klingelknöpfe für die Telekom hergestellt haben – das war etwas ganz Anderes, aber genauso interessant.

    Heute übernehme ich Telefondienste, bin Sprecherin der Zuverdienstwerkstatt und vermittle bei Anliegen zwischen Beschäftigten und Anleitenden. Seit Kurzem unterstütze ich auch im historischen Archiv des Unionhilfswerks. Dort ordne ich Flyer und Broschüren und bereite sie für das Archiv vor. Das ist wieder etwas Neues für mich, und ich finde es spannend!“

     

    Entwicklung der Zuverdienstwerkstatt Neukölln: Ein Blick auf 25 Jahre

    Wie haben sich die Werkstatt und Ihre Arbeit in den letzten 25 Jahren entwickelt?

    „Als ich angefangen habe, war die Werkstatt kleiner und vieles im Aufbau. Ich war damals eher zurückhaltend, habe wenig gesprochen und mich mehr auf die Aufgaben konzentriert. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich mich öffnen und mutiger werden kann. Heute ist die Zuverdienstwerkstatt gewachsen: Es gibt mehr Bereiche, mehr Leute und neue Ideen. Praktikant*innen bringen frischen Wind, und wir haben sogar Produkte auf Märkten vorgestellt und verkauft. Das war eine tolle Erfahrung.

    Auch während der Coronazeit haben wir uns weiterentwickelt. Ein Laden kam hinzu, in dem wir unsere Produkte verkaufen. Ich finde es schön, wie offen und lebendig alles geworden ist.“

     

    Kreative Projekte in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln: Ein Highlight

    Gib es ein Projekt, an das Sie sich besonders gern erinnern?

    „Über die Jahre hinweg gab es viele Projekte. Doch eins davon bleibt mir besonders im Gedächtnis: Anlässlich der „Woche der seelischen Gesundheit“ haben wir gemeinsam zwei lebensgroße Puppen aus Pappmaché gestaltet. Mit dem Thema „Mut haben zum anders sein“ wollten wir aufzeigen, wie wichtig Zusammenhalt und Vielfalt sind. Es war toll, als Team gemeinsam etwas Kreatives zu schaffen und das Ergebnis auszustellen.“

     

    Tipps für neue Beschäftigte in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln

    Was raten Sie neuen Beschäftigten in der Zuverdienstwerkstatt?

    „Ich sage ihnen immer, dass sie in ihrem eigenen Tempo arbeiten können. Es ist wichtig, die anfängliche Anspannung zu lösen und zu zeigen, dass man sich hier Zeit lassen darf. Ich versuche, sie zu unterstützen und ihnen Mut zu machen, genauso wie ich damals unterstützt wurde. Heute als eine der Sprecher*innen der ZVW helfe ich gern, wenn es schwierige Themen gibt, auch wenn es manchmal herausfordernd ist. Mir macht diese Aufgabe viel Freude, weil ich sehe, wie sich Menschen entwickeln.“

     

    Die Bedeutung der Zuverdienstwerkstatt Neukölln für psychisch kranke Menschen

    Angebote wie die Zuverdienstwerkstatt sind von unschätzbarem Wert für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Sie bieten nicht nur die Möglichkeit, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen, sondern schaffen auch Struktur, soziale Einbindung und Raum für persönliche Entwicklung. Monika Mönkes Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie wichtig eine solche Unterstützung ist: Durch die Arbeit in der ZVW konnte sie Selbstvertrauen aufbauen, neue Fähigkeiten erlernen und Teil einer Gemeinschaft werden. Solche Einrichtungen sind unverzichtbar, um Menschen zu helfen, ihre Stärken zu entdecken und ein erfülltes Leben zu führen.

    Monika Mönke ist ein Vorbild und herausragendes Beispiel dafür, wie Engagement, Neugier und Zusammenhalt in der Zuverdienstwerkstatt einen positiven Unterschied machen können. Ihr Weg zeigt, dass persönliche Entwicklung und gegenseitige Unterstützung Hand in Hand gehen. Wir gratulieren Monika Mönke herzlich zu ihrem Jubiläum und bedanken uns für ihr langjähriges Engagement!

     

  • Weihnachtslieder: Begleiter durch emotionale Zeiten

    Weihnachtslieder berühren die Seele – selbst nach einem schweren Leben oder in Zeiten von Krankheit. Sie erinnern uns daran, dass die Weihnachtszeit ein Versprechen birgt, das viele tief in sich tragen.

     

    Die Macht der Musik zur Weihnachtszeit

    Weihnachtslieder sind mehr als nur Melodien – sie sind Brücken in die Vergangenheit. Für viele Menschen wecken sie Erinnerungen an die Kindheit. Dabei spielt es keine Rolle, ob die damaligen Erfahrungen gut oder schlecht waren. Das gemeinsame Singen zu Weihnachten bleibt in vielen Köpfen lebendig. Die Lieder wecken nicht nur Erinnerungen, sondern häufig auch Gefühle, die oft mit Weihnachtsdüften, Stimmungen und Bildern verbunden sind.

     

    Weihnachten im Wandel der Zeiten

    Foto: privat

    Für viele der heute alten Menschen war Weihnachten eine Zeit des Mangels. Krieg und Armut bestimmten oft das Leben, und eine festlich geschmückte Umgebung war die Ausnahme. Dennoch versuchten Familien, an Weihnachten etwas Freude zu schenken – sei es mit einem besseren Essen, kleinen Geschenken aber auch Weihnachtsliedern.

    Ein eindrückliches Beispiel dafür ist das Bild der kleinen Elke Mania aus dem Jahr 1946, die sich in der kargen Berliner Nachkriegszeit über eine handgeschnitzte Holzente freute. In diesen schwierigen Zeiten spendeten Weihnachtslieder Trost und schufen ein Gefühl von Zusammengehörigkeit.

     

    Vertraute Klänge als Anker für die Seele

    Heute bieten Weihnachtslieder in Pflegeheimen, Wohngemeinschaften oder in der Häuslichkeit eine besondere Art von Trost, vor allem für Menschen mit Demenz. Vertraute Melodien schaffen Verbindungen zur Vergangenheit und bieten ein Gefühl von Sicherheit in einer oft verwirrenden Umgebung. Diese Lieder helfen, den Schmerz und die Einsamkeit des Alters für einen Moment zu vergessen und erinnern die Menschen an bessere Zeiten.

     

    Trost und Frieden im Altenheim

    An Heiligabend sind viele Einrichtungen unterbesetzt, und die Atmosphäre ist oft von Stress geprägt. In solchen Momenten können Weihnachtslieder mehr bewirken als jede Dekoration oder jedes Geschenk. Es sind die vertrauten Klänge, die den Raum füllen und Erinnerungen an vergangene Weihnachten wecken. Für viele alte Menschen, die heute oft alleine sind, schaffen diese Lieder eine Verbindung zu früheren Zeiten, in denen sie mit der Familie um den Baum saßen und gemeinsam sangen. Sie spenden Trost und Frieden, wenn sonst nur Einsamkeit herrscht.

     

    Lieder, die Vergänglichkeit und Hoffnung verbinden

    Weihnachtslieder thematisieren oft auch das Unaussprechliche – die Vergänglichkeit des Lebens. Viele alte Menschen sehen dem Tod entgegen und fragen sich, wie viele Weihnachten sie noch erleben müssen. Lieder wie „Es kommt ein Schiff geladen“ oder „Ich steh an deiner Krippen hier“ ermöglichen es, über den Tod nachzudenken und Frieden mit der eigenen Sterblichkeit zu finden.

     

    Die heilende Kraft des gemeinsamen Singens

    Das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern hat eine besonders heilende Kraft. Vor allem in der Begleitung von sterbenden Menschen oder Menschen mit Demenz kann ein vertrautes Weihnachtslied Nähe und Geborgenheit vermitteln. Es braucht oft keine Worte. Gerade in der Pflege und Seelsorge ist das Singen, auch das Summen – eine wertvolle Ressource. Es schafft Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint und das Leid für kurze Zeit in den Hintergrund rückt.

    An Weihnachten sollten wir daher nicht zögern, Weihnachtslieder zu singen, sei es im familiären Kreis, in der Pflegeeinrichtung oder am Krankenbett. Weihnachten ohne Lieder – das wäre ein Verlust, denn sie sind es, die Freude und Trost in die Dunkelheit bringen.

     

    Kleiner Nachtrag vom Redaktionsteam:

    Liebe Leserinnen und Leser unseres Unionhilfswerk.Blog! Wir danken Ihnen von Herzen für Ihr Interesse an unseren Geschichten, für jeden Ihrer Kommentare, Ihre konstruktive Kritik, Rückmeldungen und Hinweise.
    Unseren Kolleginnen und Kollegen danken wir für die Geschichten, Inspirationen und Gastbeiträge, von denen unser Blog lebt – und die auch uns immer wieder berühren und mit Stolz erfüllen. Lassen Sie uns auch 2025 gemeinsam viel Gutes bewirken, Menschen auf ihren Wegen begleiten und hier im Blog darüber berichten.
    Ihnen allen wünschen wir von Herzen eine besinnliche Weihnachtszeit, Momente der Ruhe und einen gelungenen Start in ein friedvolles und gesundes neues Jahr.

    Ihr Redaktionsteam

     

  • Richard-von-Weizsäcker-Journalistenpreis: „Die bewegendste Preisverleihung, die ich bisher erlebt habe“

    Auszeichnungen für Beiträge über Sterben, Tod und Trauer

    Mit dem Ziel, die tabuisierten Themen Sterben, Tod und Trauer stärker in den öffentlichen Diskurs zu bringen, werden alle zwei Jahre herausragende journalistische Arbeiten ausgezeichnet.

    Der mit 10.000 Euro dotierte Richard-von-Weizsäcker-Journalistenpreis stand in diesem Jahr unter dem sehr aktuellen Motto des assistierten Suizids und des damit verbundenen Grundrechts auf selbstbestimmtes Sterben: Das Bundesverfassungsgericht hatte 2020 entschieden, dass jeder Mensch dieses Grundrecht besitzt. Die gesetzlichen Regelungen dazu bleiben jedoch umstritten. Die diesjährigen Beiträge setzten sich intensiv mit den rechtlichen, ethischen und persönlichen Aspekten dieses Themas auseinander.

    Zum 20-jährigen Jubiläum vergab die Unionhilfswerk-Förderstiftung in diesem Jahr zusätzlich einen Sonderpreis in Höhe von 2.000 Euro speziell für junge Autor*innen im Alter von 15 bis 20 Jahren. Dieser Preis sollte auch junge Menschen dazu zu ermutigen, sich kreativ und reflektiert mit den Themen Tod und Sterben auseinanderzusetzen – mit Erfolg, so die einhellige Meinung der Jury.

     

    Gespräche über das Lebensende vorantreiben

    Den passenden und festlichen Rahmen für die bewegende Preisverleihung am 19. November 2024 bildete die Bertelsmann Hauptstadtrepräsentanz in der historischen Mitte Berlins. Die Preisträger*innen wurden für ihren Mut und ihre Offenheit ausgezeichnet, sich mit einem der schwierigsten Themen des Lebens auseinanderzusetzen. „Wir hoffen, dass diese herausragenden Arbeiten dazu beitragen, das Gespräch über das Lebensende in unserer Gesellschaft voranzutreiben“, sagte Wolfgang Grasnick, der Vorstandsvorsitzende der Unionhilfswerk-Förderstiftung.

     

    Die Preisträger*innen des Journalistenpreises 2024

    1. Platz: „Sterbehilfe: Harald Meyer kämpft um seinen Tod“, Tina Soliman (NDR)
    Laudatorin: Christine Richter, Sprecherin des Berliner Senats

    2. Platz: „Nicht die Krankheit bestimmt, wann Schluss ist, sondern ich“, Catrin Boldebuck / Ingrid Eißele (Stern)
    Laudatorin: Georgia Tornow, Journalistin

    3. Platz: „Ich sage also heute schon Tschüss“, Marius Elfering (Deutschlandfunk)
    Laudatorin: Nancy Fischer, Journalistin und Preisträgerin 2018

    „Die journalistischen Beiträge dieses Jahres zeichnen sich durch Tiefgang und Einfühlungsvermögen aus. Sie helfen uns, Tod und Sterben mit anderen Augen zu betrachten – als etwas, das untrennbar zum Leben gehört und dem wir mit Würde begegnen sollten. Mit dem Gegenstand des assistierten Suizids wird ein umstrittenes Thema breit beleuchtet und öffentlich gemacht – im besten Sinne vor Gott und der Welt“, äußerte sich der Juryvorsitzende Bischof Dr. Christian Stäblein.

     

    Die Gewinner*innen des Sonderpreises

    1. Platz: „Der Tod und mein Musiklehrer“, Clara Christ
    Laudatorin: Leah Weigand, Spoken Word Künstlerin und Autorin

    2. Platz: „Die drei weisen Männer“, Anouk Hillebrand
    Laudator: Georgia Tornow, Journalistin

    3. Platz: „Zu jung“, Ida Schwarzenberger
    Laudatorin: Christine Richter, Sprecherin des Berliner Senats

     

    Bischof Dr. Christian Stäblein würdigte die Arbeiten: „Es beeindruckt mich zutiefst, wie offen und weise junge Menschen über das Ende des Lebens schreiben. Ihre Perspektiven zeigen, dass das Thema Tod keine Altersgrenze kennt. Diese Arbeiten sind nicht nur kreativ und mutig, sondern eröffnen uns allen einen wertvollen, neuen Blick auf das Nachdenken über das Lebensende.“

     

    „Vergessenslücken“ von Leah Weigand

    Jurymitglied Leah Weigand, sie ist Spoken Word-Künstlerin und Autorin sowie Botschafterin der Herzenswünsche-Kampagne im Jubiläumsjahr der Unionhilfswerk-Förderstiftung vermittelte mit ihrem Text, „Vergessenslücken“ eine bewegende Idee davon, wie sich eine Alzheimer-Erkrankung für die Betroffenen anfühlen kann. Ein ergreifender Perspektivwechsel, der das Publikum zutiefst berührte.

     

    Rückmeldungen von Gästen

    Wie bewegend die Preisverleihung auch von den Gästen empfunden wurde, zeigen einige Rückmeldungen, die uns nach der Veranstaltung erreichten:

     „Ihnen möchte Ihnen zu dieser besonders eindrucksvollen Veranstaltung gratulieren: Sehr qualifizierter Moderator, ein verständlicher theologischer Einstieg, einfühlsame und konzentrierte Laudator*innen mit kurzen, aber prägnanten Interviews, schön vorgetragene Auszüge der Preisträgerinnen – es wurde wirklich überaus deutlich, worum es geht und wie sehr das Thema bisher unterbelichtet oder zu vereinfachend/polarisierend behandelt wird. Und das alle Generationen angesprochen sind – das war mit den Sonderpreisen besonders hervorgehoben. Ich habe selbst an unzähligen Preisverleihungen teilgenommen – diese war mit Sicherheit eine der besten.“

    „Die bewegendste Preisverleihung, die ich bisher erlebt habe.“

     „Der inhaltliche Tiefgang dieser bewegenden Veranstaltung war wirklich sehr außergewöhnlich für eine Preisverleihung. Die Würdigung dieser schweren Themen hätte einfühlsamer nicht sein können.“

     

    Alles in allem hinterließ diese Veranstaltung im Jubiläumsjahr der Unionhilfswerk-Förderstiftung tiefe, einzigartige Eindrücke.

     

     

  • Zusammen wachsen: Vielfalt und Generationen im Fokus

    Vielfalt im Unionhilfswerk

    Der Workshop knüpfte an die große Auftaktveranstaltung im April 2024 an, bei der allen Führungskräften im Unionhilfswerk die Vielfaltsdimensionen vorgestellt wurden. Mit dem Ziel, eine starke und inklusive Unternehmenskultur zu fördern, wurden damals erste Weichen gestellt. Die Botschaft: Vielfalt ist nicht nur ein gesellschaftliches Ideal, sondern auch ein unverzichtbarer Bestandteil einer zukunftsorientierten Organisation.
    Die einzelnen Gesellschaften des Unternehmensverbunds verabredeten damals, in Folgeveranstaltungen tiefer in selbstgewählte Vielfaltsdimensionen einzutauchen und sich weiter damit auseinander zu setzen. Für die Unionhilfswerk Ambulante Pflege gGmbH stand in diesem Jahr das Thema „Alter“ im Fokus.

     

    Herausforderungen und Chancen im Generationendialog

    Der Workshop begann mit einer offenen Erwartungsrunde. Im Mittelpunkt standen die Themen Zusammenarbeit von Jung und Alt, gegenseitiges Verständnis und der Wunsch nach konkreten Impulsen für den Arbeitsalltag. Die Gespräche offenbarten dabei sowohl Gemeinsamkeiten als auch deutliche Unterschiede zwischen den Generationen.

    Die Teilnehmenden erarbeiteten unter anderem, wie sich Arbeitsweisen von Mitarbeitenden und deren Werte und Einstellungen im Laufe der Zeit gewandelt haben. Ein zentraler Punkt war dabei die Balance zwischen Selbstfürsorge und beruflicher Verpflichtung – ein Spannungsfeld, das auch in der Pflege deutlich spürbar ist.
    Jüngere Kolleg*innen wachsen mit anderen Sozialisationserfahrungen auf und bringen neue Perspektiven ein. Ältere Mitarbeiterinnen haben häufig eine starke Arbeitsmoral entwickelt, die von Pflichtbewusstsein und einer hohen Belastbarkeit geprägt ist. Diese Generation zeichnet sich oft durch ein hohes Maß an Engagement und Einsatzbereitschaft aus.
    Gleichzeitig wird deutlich, dass viele jüngere Kolleg*innen besser darin sind, klare Grenzen zu setzen, auf eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu achten und Selbstfürsorge zu betreiben. Diese Unterschiede führen mitunter zu Missverständnissen, können aber bei gezielter Moderation auch große Chancen für Synergien bieten. So können die Generationen voneinander lernen und womöglich ist es, wie so oft im Leben, ein Mittelweg, der dazu führt, dass Kolleg*innen ihre Arbeit engagiert und verantwortungsbewusst als auch lange und gesund ausüben können.

     

    Babyboomer und Generation Z – wie gelingt die Zusammenarbeit?

    Generation Z (oft abgekürzt mit Gen Z), umfasst die Personen, die zwischen ca. 1997 und 2012 geboren wurden. Sie folgt der Millennial-Generation (Gen Y) und hat durch ihre spezifischen Eigenschaften und Prägungen erhebliche Auswirkungen auf Arbeitskulturen, Bildung und Gesellschaft.

    Gen Z ist mit digitaler Technologie aufgewachsen, insbesondere mit Smartphones, sozialen Medien und dem Internet. Sie ist technisch versiert und erwartet, dass digitale Tools intuitiv funktionieren. Gleichzeitig wird über eine hohe Bildschirmzeit diskutiert, die Einfluss auf mentale Gesundheit und soziale Interaktionen hat.

    Gen Z legt Wert auf Authentizität, Diversität und soziale Gerechtigkeit. Themen wie Umwelt- und Klimaschutz sowie Gleichberechtigung stehen hoch im Kurs. Zu Generation Z gehörende Personen haben klare Erwartungen an Unternehmen: ethisches Verhalten, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung sind zentrale Kriterien.

    Für Gen Z ist eine ausgewogene Work-Life-Balance essenziell. Sie strebt ein erfülltes Leben an, das nicht ausschließlich von Arbeit bestimmt wird. Sie setzt auf Flexibilität, flache Hierarchien und eine offene Kommunikationskultur im Job. Gen Z tendiert dazu, sich selbstbewusst abzugrenzen und „Nein“ zu sagen, wenn etwas ihren Vorstellungen nicht entspricht. Die jungen Menschen hinterfragen klassische Arbeitsmodelle und Hierarchien stärker.

    Teilweise wird diese Generation als „oberflächlich“ oder „wenig teamfähig“ wahrgenommen, da ihre Individualität und ihr Fokus auf eigene Interessen betont sind. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Gen Z frischen Wind in Arbeitswelt und Gesellschaft bringt. Ihr Sinn für Innovation, soziale Verantwortung und Selbstbestimmung bietet große Chancen. Um diese Chancen nutzen zu können, müssen Organisationen sich flexibel zeigen und Verständnis für neue Arbeits- und Lebensmodelle aufbringen.
    Hier ist neben den Teams und Kolleg*innen immer auch die Unternehmensführung gefragt.

     

    Wertschätzender Umgang miteinander

    Ein bewusster Dialog zwischen den Generationen kann helfen, Potenziale besser zu nutzen und ist essenziell, um Vorurteile abzubauen und einen wertschätzenden Umgang miteinander zu fördern.

    Um genau dies herauszuarbeiten, führte das Moderationsteam eine Übung mit den Teilnehmenden durch. Es wurde gesammelt: Was kann die Generation Z gut und wo braucht sie Unterstützung? Was können die Kolleg*innen der Babyboomer-Generation (geboren 1946-1964) gut und worin brauchen diese Unterstützung? Beim Übereinanderlegen der Ergebnisse zeigte sich, dass Babyboomer und Gen Z sehr gut voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen können.

     

    Praktische Impulse, Übungen und kreative Ansätze

    Der Workshop bot nicht nur Raum für Diskussionen, sondern auch für konkrete Impulse.
    Auch diese Übung hatte Kerstin Richter für die Teilnehmenden vorbereitet:

    Die „Bedürfnispyramide“ basiert auf der Maslowschen Bedürfnishierarchie und dient dazu, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Generationen zu reflektieren. Die Teilnehmenden identifizierten in fünf Ebenen, Grundbedürfnisse bis Selbstverwirklichung, ihre Prioritäten und tauschten sich in Gruppen aus. Dabei wurden Unterschiede sichtbar, wie z. B. der Fokus der Älteren auf Sicherheit und Anerkennung versus dem Wunsch der Jüngeren nach Selbstverwirklichung.
    Durch die gemeinsame Visualisierung entstanden Verständnis und Ansätze für eine bessere Zusammenarbeit. Die Übung zeigte, dass trotz unterschiedlicher Prioritäten gemeinsame Werte und Ziele verbinden können.

    Gemeinsam wurde geübt, wie wir einander Erwartungen und Wünsche mitteilen oder auch unangenehme Themen besprechen können. Mit dem 4-Ohren-Modell zur Vorbereitung des Gesprächs und einer Methode der gewaltfreien Kommunikation ermöglicht man eine wertschätzende Gesprächsführung, entwickelt Verständnis füreinander und kommt zu schnellen und nachhaltigen Ergebnissen.

    Kreative Impulse, wie die Idee einer „rosaroten Brille zum Tag der Pflege“ oder der Einsatz einer farbenfrohen „Rosa Wand“ in Pausenräumen, zeigten, wie wichtig es ist, auch Leichtigkeit und Humor in den Arbeitsalltag zu integrieren. Selbstfürsorge-, Anti-Ärger- und Entlastungs-Strategien wurden als zentrale Elemente für ein gesundes Arbeitsleben vorgestellt und anhand zahlreicher Beispiele erklärt.

     

    Gesund arbeiten – auch im Alter

    Die Altenpflege gehört zu den anspruchsvollsten Berufen, die es gibt. Sie erfordert körperliche Belastbarkeit, mentale Stärke und eine hohe emotionale Bindung zur Arbeit. Für Pflegekräfte, die bis ins Alter gesund und leistungsfähig bleiben möchten, sind gezielte Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden unerlässlich. Auch dieser Aspekt der Vielfaltsdimension „Alter“ wurde gemeinsam beleuchtet.
    Was können wir individuell, im Team oder auch als Unternehmen tun, um älter werdende Kolleg*innen zu unterstützen?

    Um langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben, ist individuelle Selbstfürsorge von entscheidender Bedeutung. Dazu gehört, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und sich regelmäßig Zeit für Regeneration zu nehmen. Eine bewusste Balance zwischen Arbeit und Erholung, gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und gezielte Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, den hohen Anforderungen des Berufsalltags standzuhalten. Ebenso wichtig ist es, persönliche Grenzen zu setzen, Überlastung zu vermeiden und bei Bedarf Unterstützung einzufordern.
    Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern eine notwendige Investition in die eigene Gesundheit – und letztlich auch in die Qualität der Pflege, die den betreuten Menschen zuteil wird.

    Aber auch Kolleg*innen, Vorgesetzte und die Unternehmensführung sind gefragt, Strukturen zu schaffen und zu stärken, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeitenden fördern.

    Das Unionhilfswerk als Arbeitgeber hat bereits vielfältige Maßnahmen eingeführt. Den Mitarbeiter*innen steht beispielsweise ein spezielles Beratungsangebot zur Verfügung: die individuelle und anonyme Mitarbeiter*innen- und Führungskräfteberatung des Fürstenberg Institut.
    Mitarbeitende – und auch deren Angehörige –  können sich bei persönlichen, beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Fragestellungen in Einzelgesprächen beraten lassen. Dabei kann es um Herausforderungen mit Teammitgliedern, um private Themen oder um ganz andere Fragen gehen.

    Arbeitszeitmodelle mit einem 2-3-Schichtsystem sollen Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen, so beispielsweise der  „Eltern-freundliche-Dienst“.

    Zusätzlich investiert das Unionhilfswerk in die Gesundheit seiner Mitarbeitenden durch Zuschüsse zu Gesundheitskursen, Fahrrad-Leasing-Modelle und weitere Maßnahmen.

    Die Herausforderungen des Personalmangels bleiben bestehen, doch das Unionhilfswerk setzt auf eine Kultur der Wertschätzung und Anerkennung. Gemeinsam arbeiten wir daran, bestehende Strukturen und Angebote weiterzuentwickeln und stärker in den Arbeitsalltag zu integrieren.

    Die gemeinsame Erkenntnis: Es bedarf durchaus einer individuellen Selbstfürsorge, allerdings auch struktureller Maßnahmen, um eine nachhaltig gesunde Arbeitskultur zu schaffen.

     

    Vielfalt ist eine Bereicherung

    Der Workshop zeigte: Vielfalt, insbesondere im Hinblick auf Generationen, ist sicher teilweise herausfordernd, aber auch eine Bereicherung. Entscheidend ist, wie Organisationen und Teams damit umgehen. Die Teilnehmenden wünschten klare Strategien und Handlungsansätze, um den Herausforderungen des demografischen Wandels aktiv zu begegnen – und bekamen im Lauf des Tages zahlreiche Übungen, Impulse und Anwendungsbeispiele für ihren Arbeitsalltag.

    Mit diesem Workshop hat die Unionhilfswerk Ambulante Pflege gGmbH einen wichtigen Schritt unternommen. Der Blick ist nach vorn gerichtet – mit der festen Überzeugung, dass gegenseitiges Verständnis und kreative Lösungen der Schlüssel zu einer starken und inklusiven Unternehmenskultur sind. Weitere Workshops sind geplant.
    Wir freuen uns auf die nächsten Schritte und darauf, die gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.

     

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  • Cozonac: Der fluffige Hefekuchen, der Wintermomente versüßt

    Cozonac ist ein traditionelles, süßes Hefegebäck aus Rumänien und Moldawien, welches vor allem an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern zubereitet wird. Er ähnelt anderen europäischen Festtagsbroten wie dem italienischen Panettone oder dem deutschen Stollen – gehört aber zu einer ganz eigenen Kategorie von Leckereien.

    Ich komme gleich zur Sache und werde Sie, liebe Lesende, nicht wie andere Rezeptautor*innen mit meiner halben Lebensgeschichte behelligen, bevor es an die Zutaten geht. Meine Anekdoten können Sie schließlich auch während des Knetens und Backens genießen – in der zweiten Folge unseres Podcasts „Wintermomente im Unionhilfswerk“.

    Einen nachhaltigen Hinweis gebe ich aber noch vorab: Bis auf Eier können alle tierischen Produkte nach Belieben durch pflanzliche Zutaten zu ersetzt werden. Ich selbst verwende Hafermilch und vegane Butter.

     

    Rezept für zwei Kastenformen Cozonac (30x10cm)

    Vorteig
    50g Frische Hefe
    (2 Päckchen Trockenhefe)
    2 EL Zucker
    100 ml Warme Milch

    Die Frischhefe mit dem Zucker in einer Schüssel flüssig rühren. Langsam die warme Milch zugeben und verrühren. Vorsicht: Die Milch darf nicht zu heiß sein! Temperaturen über 40°C zerstören die Hefekultur und der Teig geht nicht auf.
    Nun lässt man den Vorteig 10 – 15 Minuten an einem warmen Ort stehen, bis sich an der Oberfläche kleine Bläschen gebildet haben.
    Ähnlich verfährt man mit Trockenhefe. Nur wird hier das Zucker-Hefe-Gemisch nicht flüssig.

    Teig
    700g Mehl
    4 Eigelb
    150g Zucker
    2 Päckchen Vanillezucker
    2 TL Salz
    200ml Warme Milch
    Abgeriebene Schale einer ganzen Bio-Zitrone

    In einer großen Schüssel zunächst das Mehl sieben. In der Mitte wird eine kleine Mulde für die flüssigen Zutaten vorbereitet. In einer separaten Schüssel Eigelb, Salz und Zucker mit dem Handrührgerät (oder Küchenmaschine) 3-5 Minuten schaumig rühren. Dann die Zitronenschale und die warme Milch hinzugeben. Auch hier sollte die Temperatur von 40 °C nicht überschritten werden. Nach kurzem Rühren wird die flüssige Mischung in die vorbereitete Mehlmulde gegeben. Ebenso unser Hefevorteig, der inzwischen kleine Blasen gebildet hat. Mit dem Knethaken oder den Händen wird nun von außen nach innen geknetet und alle Zutaten zu einem homogenen Teig vermengt. Hartnäckige Klümpchen werden im nächsten Schritt weggezaubert.

    Simsalabim
    200g Butter (flüssig, nicht heiß)

    Die wahre Magie heißt hier Chemie: Die warme, flüssige Butter wird nach und nach zum Teig gegeben und kräftig durchgeknetet. Je länger, desto besser. Zum einen verbindet sich so das im Mehl enthaltene Gluten zu einem elastischen Eiweißnetzwerk. Zum anderen werden die Gase der gärenden Hefe eingefangen, die den Teig später gut aufgehen lassen.
    Elektrische Küchenmaschinen sollten 8-12 Minuten lang rühren. Menschliche Küchenmaschinen freuen sich über ein kleines 20-Minütiges Workout. Und dem herrlichen Gefühl fluffig-weichen Teiges, der sich leicht klebend von den Fingern löst.  Die Schüssel mit dem durchgekneteten Teig wird nun mit einem oder mehreren Küchentüchern gut abgedeckt. An einem warmen Ort (neben der Heizung oder im Backofen bei max. 50°C Umluft) lässt man nun die Hefe ungestört 1,5 Stunden „ihr Ding“ machen. Am Ende sollte der Teig sein Volumen mindestens verdoppelt haben.

     

    Die Wartezeit clever füllen

    Walnuss, Mohn, Rosinen oder Kakao – die traditionellen Cozonac-Füllungen sind so vielfältig wie die rumänische Kultur selbst. Vor allem Kinder lieben die bunten, geleeartigen Zuckerwürfel, die hier Türkischer Honig, Turkish Delight oder einfach Lokum genannt werden. Die Süßigkeit stammt ursprünglich aus dem Nahen Osten, vor allem aus der Türkei (wie der Name unschwer vermuten lässt).

    Nicht alle wissen, dass die Fürstentümer Rumäniens vom 15. bis zum 19. Jahrhundert in unterschiedlichem Maße unter osmanischer Oberherrschaft standen. In dieser Zeit vermischten sich die Kulturen und tauschten nicht nur Zutaten, sondern auch ihre Sprache und Begriffe aus. Heute isst man in Rumänien täglich „Ciorba“ und „Pilaf“. Und lobt die traditionellen Rezepte bis hin zum „Tavan“.

     

    Meine Top 3 Cozonac-Füllungen

    1. Mohn
    200g Gemahlener Blaumohn
    100g Puderzucker
    50g Zucker

    Die Zutaten gut vermischen und beiseite stellen.

    2. Rosinen
    500g Sultaninen

    Vorher etwa 1 – 2 Stunden quellen lassen, gut abtropfen und beiseitestellen.

    3. Walnuss
    400g Walnüsse (gehackt oder gemahlen)
    150 – 200g Zucker
    Abgeriebene Schale einer ganzen Bio-Zitrone

    Die Zutaten gut vermischen und beiseite stellen.

     

    Aus- und Einrollen

    Nach 1,5 Stunden hat der Hefeteig sein Volumen verdoppelt und ist bereit für den nächsten Schritt: das Formen und Füllen. Dazu wird der Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche gelegt und vorsichtig in zwei gleich große Portionen geteilt. Jede Portion wird nun mit einem Nudelholz zu einem Rechteck von ca. 30 x 40 cm ausgerollt.

    Die gewünschten Zutaten gleichmäßig auf dem Rechteck verteilen, dabei an den Rändern ca. 2 cm Abstand lassen, damit die Füllung beim Aufrollen nicht herausquillt. Für gewagte Geschmackskombinationen können die Füllungen auch gemischt oder geschichtet werden. Nun kommt der entscheidende Moment: Der Teig wird von der Längsseite her vorsichtig und möglichst straff zu einer Rolle aufgerollt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Enden gut verschlossen sind, damit die Füllung beim Backen nicht ausläuft. Dieser Vorgang wird mit der zweiten Teighälfte wiederholt. Die beiden Rollen werden anschließend in gefettete oder mit Backpapier ausgelegte Kastenformen (30×10 cm) gelegt. Falls die Rollen etwas zu groß erscheinen, können die Enden vorsichtig eingeklappt werden.

     

    Backen und Ruhen

    Die Kastenformen in den auf 160 °C Umluft vorgeheizten Backofen schieben und für 45–50 Minuten backen. Ob die „Cozonaci“ durchgebacken sind, lässt sich mit dem altbewährten Zahnstochertest überprüfen: Mit einem Holzstäbchen in die Mitte des Kuchens stechen und wieder herausziehen. Bleibt kein Teig kleben, ist der Cozonac fertig. Nach dem Backen ist allerdings etwas Geduld gefragt. Die Hefestrudel müssen mindestens 1-2 Stunden in der Form auskühlen und ruhen. Erst dann entfalten sie ihren vollen Geschmack. Meine Oma pflegte zu sagen: „Sie müssen noch mit dem lieben Gott reden“.

     

    Teilen und Genießen

    Bei Zimmertemperatur ist Cozonac normalerweise 3-4 Tage haltbar. Wenn man Verwandte und Bekannte einlädt, verkürzt sich diese Zeit auf weniger als eine Stunde. Im schlimmsten Fall bindet man sich die Schürze wieder um und macht sich an die nächste Ladung. Ob der rumänische Cozonac mit den klassischen Weihnachtsplätzchen mithalten kann, bleibt Ihnen überlassen. So oder so wünsche ich Ihnen viel Freude beim Backen und Genießen. Aber vor allem eine glückliche und gesunde Adventszeit.

     

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