Monthly Archives: Juni 2019

Erste-Hilfe-Kurs in leichter Sprache

In Rollenspielen wird praktisch geübt

Im Kurs wird zu Beginn erklärt, was eine Rettungskette ist und im Anschluss in einem Rollenspiel geübt, wie man die Feuerwehr ruft. Auch Nasenbluten, Schnittverletzungen und Brandwunden sind Themen des Kurses. Damit die Erste-Hilfe in der Praxis gut klappt, üben die Teilnehmer, sich gegenseitig Verbände anzulegen. Theaterblut sorgt dafür, dass es noch realistischer wirkt.
Wie bei Fortbildungen üblich, sind alle zunächst etwas schüchtern. Doch bei gemeinsamen Übungen und Rollenspielen legt sich dies, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden warm miteinander und lachen gemeinsam.

Spezielle Themen je nach Jahreszeit

Über die Jahre haben wir die Kurse weiterentwickelt und optimiert. Wir bieten jahreszeitenabhängige Themen wie Hitzeschlag und das Verschlucken einer Wespe im Sommer oder erste Maßnahmen bei Erkältung und Fieber im Winter an. Da die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer wieder nach Erster-Hilfe bei schweren Krankheiten fragten, entwickelten wir auch einen Aufbaukurs. Hier besprechen wir Themen wie das Heimlich-Manöver bei Verschlucken, den Herzinfarkt und Schlaganfall. Wir üben auch die stabile Seitenlage und das Verhalten bei Ohnmacht.

Nach dem Kurs einen Herzinfarkt erkannt und sofort reagiert

Die Bewohnerinnen und Bewohner sind so begeistert von dem Kurs, dass manche schon 6-  oder 7-mal teilgenommen haben. Es ist immer wieder spannend zu hören, welche Hilfesituationen die Bewohner erkannt und gemeistert haben. Besonders eindrücklich war, dass eine Bewohnerin nach einem Kurs einen Herzinfarkt bei einem anderen Bewohner erkannt hat, daraufhin die Feuerwehr rief und somit sein Leben rettete.
Damit die Teilnehmer*innen zuhause Erste-Hilfe-Situationen nachschlagen können, bekommen sie ein Handout. Eine Teilnehmerin fragte, ob es nicht auch Videos über Erste-Hilfe in leichter Sprache gibt. Die wären gerade für Teilnehmer mit kleinen Leseschwächen eine große Hilfe. Nach einer Recherche war klar, dass es so etwas noch nicht gibt. „Dann machen wir das selber!“, war die pragmatische Antwort der Teilnehmer. Jetzt werden bereits erste Schritte unternommen, um dieses Projekt ins Leben zu rufen.

„Man lernt, dass man nicht einfach vorbeigeht.“

Zum Abschluss des Kurses machen wir eine Feedback-Runde und fragen, was am interessantesten war oder was „hängen geblieben“ ist. Die Antworten darauf sind immer wieder sehr positiv: „Ich würde wiederkommen.“, „Man lernt, dass man nicht einfach vorbeigeht.“, „Ich habe was Neues gelernt.“, „Danke, dass Sie uns beibringen, wie auch wir helfen können.“, „Wann ist der nächste Termin?“.

Weitere Informationen zum Erste-Hilfe-Kurs in leichter Sprache erhalten Sie bei Margit Kastner vom Fachdienst für Gesundheitsfragen, Telefon 030 / 56 73 16 26.

„Freiwilligentreff“ – Begegnung freiwillig Engagierter im Seniorenheim in Pankow

Mitten in Pankow, zwischen gemütlichen Plattenbauten und verträumten Villen, liegt eine kleine einladende Oase – das Seniorenheim „Dr. Günter Hesse“. Ich bin schon einmal hier gewesen, doch es überrascht mich wieder, wie sonnig, herzlich und offen hier alles ist. Der Flur ist lichtdurchflutet, es stehen Bücher im Regal, auf gemütlichen Sesseln kann man zur Terrasse hinaussehen auf eine schön angelegte Grünfläche.

Nach langen Überlegungen habe ich mich entschlossen, ein Ehrenamt anzunehmen. Mein erstes. Und das will ich unter anderem hier in dieser Einrichtung angehen. Ursprünglich wollte ich Zeit mit den Bewohnern verbringen, spazieren gehen, mit ihnen reden, ihnen zuhören. Jetzt werde ich mich einer Sache widmen, die ich auch sehr gerne mache – Begegnungen festhalten, in Form von Bildern.

Ehrenamt verbindet

Ich komme Mitte Juni zum Freiwilligentreff. Zum ersten Mal lerne ich andere Ehrenamtliche, die in diesem Heim tätig sind, kennen. Es ist eine wirklich lustige Truppe und jeder weiß etwas Spannendes zu berichten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde erzählen viele, wie und warum sie das Ehrenamt machen. Es sind ganz unterschiedliche Lebensläufe. Uschi ist beispielsweise schon seit 25 Jahren dabei. Sie kennt die Einrichtung wie ihre Westentasche. Neben mir sitzt Karin. Auch sie erzählt vieles aus ihrem Leben und hat Tipps, wie man sich den Bewohnern hier annähert und eine vertrauensvolle Beziehung entstehen kann.

Neue Ideen sind immer willkommen

Wir reden über geplante Projekte. Neue Ideen sind unbedingt erwünscht! Vielleicht können wir gemeinsam irgendetwas tun, etwas anpacken, um es den Bewohnern noch schöner zu machen – und dabei vielleicht auch noch die Begegnung mit dem Kiez fördern. Die Augen funkeln, jeder malt sich die neuen Pläne gedanklich schon aus.

Es gab einige Überlegungen und auch Ängste, bevor ich mich für ein Ehrenamt entschieden habe. Das war zum Beispiel die Sorge, ob ich denn wirklich genügend Zeit für die Menschen hätte. Auch die Frage, ob ich das denn überhaupt alles kann und wie man mich wohl aufnimmt, beschäftigte mich.
In diesem Treffen wurden mir meine Ängste ganz schnell genommen. Die Erfahrungsberichte der Anderen, die Tipps und Einblicke, haben mir sehr geholfen. Und so bin ich mit einer wunderbaren Erkenntnis nach Hause gegangen: Durch das Ehrenamt begegnet man vielen anderen tollen Menschen, an die man womöglich zunächst gar nicht dachte. Nämlich denen, die sich ebenfalls engagieren und denen, die das alles koordinieren und einem mit Rat und Tat und mit großem Herzen zur Seite stehen.

Außerdem merke ich, wie gut es tut, mal aus dem eigenen Kreis aus Job und Alltags­-Pflichten herauszutreten. Neue Impulse, tolle Menschen, ein netter Austausch. Das Treffen soll mehrmals im Jahr wiederholt werden. Ich glaube, wir alle freuen uns schon sehr darauf.

 

Möchten Sie sich ebenfalls freiwillig engagieren? Dann melden Sie sich gern bei unseren Kolleginnen und Kollegen vom Freiwilligenmanagement.

Hand in Hand im Kinderland

Aus dem Ehrenamt in die Festanstellung

Valentina arbeitet seit zwei Jahren im Kinderland und empfängt mich im bunt ausgestalteten Eingangsbereich. Sie ist hier als studierte Kinderbetreuerin hauptamtlich tätig. Lächelnd erzählt sie mir, dass vor einigen Jahren das Bedürfnis in ihr aufkeimte, sich ein neues Ziel zu setzen und unterstützend in der Flüchtlingshilfe mitzuwirken. Das setzte  sie dann auch direkt an ihrem ersten Arbeitstag im Januar 2016 in die Tat um: „Ich brauchte einen sinnvollen Job, und wenn eine Arbeit Sinn hat, dann ist es diese!“ Erst im Ehrenamt in einer Notunterkunft unterwegs, arbeitet sie mittlerweile Vollzeit und hauptamtlich in der Kinderbetreuung der Gemeinschaftsunterkunft. Im Kinderland haben die Betreuerinnen alle Hände voll zu tun: „Die Kinder sollen sich willkommen fühlen. Das ist unser Job!“ Valentina und ihre Kolleginnen bestätigen mir, wie erfüllend ihre Arbeit sei und wie gut hier alle in einem herzlichen Klima miteinander auskommen. Besonders begeistert sind sie von den vielfältigen und interessanten Fortbildungsmöglichkeiten: „Es gibt Weiterbildungen mit Formaten wie Trauma-Bewältigung, Kinderschutz, Elternkommunikation oder auch Religionsinformationsseminare.“

Das Kinderland – ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Wenn hier eine Sache großgeschrieben wird, dann ist es Abwechslung! Im Kinderland finden sich neben einem Kunstatelier auch Baby-, Jugend- und Freispielräume, in denen die Kinder und Jugendlichen (3 bis 12 Jahre) sich beim Tischkicker, der Computer-Stunde, in einer Lese-Ecke und mit anderen Aktivitäten ausprobieren oder austoben können. Und immer wieder gibt es Themenwochen: Dann wird hier gemeinschaftlich gebastelt, gekocht oder auch Fußball gespielt was das Zeug hält! Sogar musikalische Förderung gibt es und so haben die Kleinen hier die Möglichkeit, mit Hilfe einer freiwillig engagierten Musikerin verborgene Talente beim Blockflöte- und Klavierspielen zu entdecken. Auch in den Ferien wird im Kinderland nicht gefaulenzt. Die fleißigen Mitarbeiterinnen organisieren regelmäßig Museums- und Theaterausflüge sowie Besuche von Spielplätzen, Parks und sogar Verkehrsschulen. Hier begleiten auch freiwillig engagierte Kolleginnen die Angebote und tragen so zum Gelingen bei.

Aber nicht allein der Spaß steht auf der Agenda: Spielerische Sprachförderung und das Erlernen demokratischer Grundprinzipien durch gemeinsames Erarbeiten von Konzepten – wie zum Beispiel der optischen Gestaltung des Kinderlandes – gehören ebenso dazu wie eine zweimal in der Woche stattfindende Kunsttherapie.

Interkulturell leben von klein auf

Auf die Frage, warum das Projekt „Kinderland“ heißt, bekomme ich die Antwort, dass sich hier Sprösslinge aus den verschiedensten Nationen treffen und den Umgang miteinander erlernen. Und ebendiese Nationalitäten und religiösen Unterschiede spielen hier keine Rolle. „Unser Ziel ist es, dass die Kinder ihre Gemeinsamkeiten entdecken, ihre Unterschiede schätzen lernen und sich gegenseitig respektieren.“, erklärt mir Valentina zum Abschied und stürzt sich geduldig lächelnd zurück ins Getümmel.

Momentan koordinieren und betreuen vier hauptamtliche Mitarbeiterinnen zusammen mit acht freiwillig engagierten Kolleginnen das Kinderland für besondere sowie regelmäßig stattfindende Projekte und Kooperationen. Das bedeutet bei ungefähr 95 Kindern (3-12 Jahre) eine ganze Menge Arbeit. Tatkräftige Verstärkung im Kinderland durch freiwilliges Engagement ist somit immer herzlich willkommen! Hierzu nehmen Sie bitte direkt Kontakt auf mit Ralf R. Gottschalk, dem Freiwilligenkoordinator der Gemeinschaftsunterkunft.

Weißt du noch!? Inklusion ist, was wir draus machen!

Am 11. März diesen Jahres fand der zweite pädagogische Fachtag der Kindertagesstätten im UNIONHILFSWERK statt. Der Veranstaltungsort war das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB) am Jagdschloss Glienicke: Ein ruhiger Ort, umgeben von Wasser, mit viel Grün – das schuf eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Im Mittelpunkt des Tages standen sechs verschiedene Workshops rund um das Thema „Inklusion ist, was wir draus machen“.

Ein eigener Fachtag – mit Witz!

Einen ganz eigenen Fachtag für uns pädagogische Expertinnen und Experten empfinde ich als sehr wertschätzend, weil wir eben nicht nur Meute-Bändigerinnen, Trostspenderinnen und Räumdienst für unsere Kinder sind, sondern einen anspruchsvollen Beruf ausüben mit all unserem Fachwissen, unseren Kompetenzen und Kenntnissen. Für mich war es der erste Fachtag beim UNIONHILFSWERK, auf den ich gern zurückblicke:

Der Tag begann mit einer Tasse Kaffee und einer unverhofften Begrüßung: Ulrike Hinrichs war leider aufgrund eines “Sturmtief-Zugausfall“ vorerst verhindert, weswegen uns Kathrin Weidemeier seitens der Geschäftsführung begrüßte. Die anschließende Ode zum Einstieg von Lars Ruppel, seines Zeichens Slam-Poet und Kabarettist, war überraschend, weckte meine volle Aufmerksamkeit und brachte mich zum Lachen. Inhaltlich drehte sich dabei alles um unseren beruflichen Alltag, wer wir sind und was wir alles leisten:

„Wer erzieht und bildet da so spät durch Nacht und Wind
Wer schafft täglich Großes, egal, wie die Rahmenbedingungen sind

Wer arbeitet nicht nur multi, sondern megaprofessionell
Wer erkennt jeden Hilfebedarf extrem schnell

[…]

Für wen ist Inklusion nicht nur ein Beschluss?
Wer weiß, dass noch so viel getan werden muss?

[…]

Wer hat ein Ziel und geht lange Wege dahin
Es ist der Erzieher und die Erzieherin

Nun folgte ein Impulsvortrag von Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Renate Zimmer, welche uns einen Einblick in ihre pädagogische Welt voller Wahrnehmung, Erfahrung und Freude der Vielfalt gab. Das Anliegen, die Potentiale aller Kinder zu erkennen, Zugänge zur Welt  zu eröffnen, Kompetenzen zu fördern und Bedürfnisse der Kinder zu achten vermittelte sie uns eindrucksvoll durch Videos aus ihrer direkten Arbeit mit Kindern. In den Filmmitschnitten spielten mühevolle Sprünge über einen Graben, Radschläge, Spiegelerfahrungen, Trampolinsprünge und sogar ein Klaps auf den Po von Prof. Zimmer eine große Rolle.

Pädagogischer Austausch war der Kern

Danach machte ich mich auf den Weg zu dem von mir ausgewählten Workshop. Gemeinsam näherten wir uns dort mit der Referentin Kareen Meiser den Fragen „Wie integriere ich Kinder mit besonderen Bedarfen? Was sind Grenzen der Integration und Inklusion?“. Der gemeinsame Austausch, die Beispiele aus der eigenen Arbeit, der kontinuierliche Praxisbezug sowie das voneinander und miteinander Lernen schaffte einen produktiven Rahmen in kollegialer Atmosphäre.

Der Abschlussvortrag von Lars Ruppel gab mir einen ersten witzigen Einblick in die Inhalte der anderen Workshops, mit seiner „Weißt-du-noch-Zusammenfassung“ fand der diesjährigen Fachtag dann ein lustiges und impulsreiches Ende.

Herzlichen Dank dafür an das Organisationsteam!