Monthly Archives: März 2022

Ein Stück Heimat schaffen – das erste Flüchtlingsheim des Unionhilfswerks

„Dahergelaufenes Gesindel!“ Feindseligkeit gegenüber Flüchtlingen

Die „Flüchtlingsfrage“ war nach Kriegsende in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema. Die Flüchtlinge kamen aus Gebieten, die heute u. a. zu Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei gehören. Über die Berliner Bahnhöfe kamen besonders viele von ihnen in die Hauptstadt. Allein im Juli 1945 waren es 550.000 Geflüchtete in Berlin. Sie wurden allerdings nicht mit offenen Armen empfangen und in ihrer Not unterstützt: Große Teile der deutschen Bevölkerung begegneten den Flüchtlingen mit Ablehnung. In Deutschland fehlte es nicht nur an Wohnraum, sondern auch an Kartoffeln, Feuerholz und anderen Dingen des täglichen Bedarfs. Viele Menschen litten Hunger, Krankheiten griffen um sich. Die Situation war für viele angespannt, wenn nicht sogar existenziell. Die Flüchtlinge wurden in dieser Situation als Konkurrenten im Kampf um die knappen Ressourcen wahrgenommen und bekamen dies auch zu spüren. Hinzu kamen Vorurteile gegenüber den Neuankömmlingen aus dem Osten. Sie wurden gemieden und – trotz ihrer deutschen Herkunft – als „dahergelaufenes Gesindel“ beschimpft. Die Alliierten ließen den Deutschen jedoch keine Wahl: Die Flüchtlinge mussten untergebracht und integriert werden. Dazu erfassten die Behörden, in welchen Häusern und Wohnungen noch Platz war. Kein Zimmer sollte unbewohnt bleiben. Die Deutschen wurden gezwungen, Flüchtlinge als neue Mitbewohner bei sich aufzunehmen und zu versorgen. Wer sich wehrte, musste mit hohen Geldstrafen oder sogar Gefängnishaft rechnen.

Alle packen mit an! Das erste Flüchtlingsheim entsteht

Die meisten Flüchtlinge wurden auf dem Land untergebracht. Dort gab es nicht so viele Kriegsschäden wie in den Großstädten, weshalb sie dort einfacher einen Platz zum Wohnen fanden. Andererseits mussten sie aber auch für ihren Lebensunterhalt sorgen und Geld verdienen. Mit der Zeit zogen viele Geflüchtete vom Land in die Stadt, um dort Arbeit zu suchen. Gleichzeitig versuchten immer mehr Menschen, die Sowjetische Besatzungszone zu verlassen. So kamen auch weiterhin viele Neuankömmlinge nach Berlin. Das Unionswerk bot in der ganzen Stadt soziale Sprechstunden an, um Flüchtlinge, Kriegsheimkehrer und alteingesessene Berliner durch freiwillige Helfer bei der Suche nach Verwandten, Arbeitsplätzen und Wohnraum zu unterstützen. Aber die Vermittlung von Wohnungen blieb schwierig, denn was es nicht gab, konnte man auch nicht vermitteln. Das mittlerweile umbenannte Unionhilfswerk fand daher eine ganz praktische Antwort auf die „Flüchtlingsfrage“: Es eröffnete 1950 sein erstes Flüchtlingsheim.

Vor der Eröffnung des Heims und der Aufnahme erste Hilfe suchender Menschen hatten die Mitglieder des Unionhilfswerk viel zu tun. In einer leerstehenden Baracke in der Zehlendorfer Benschallee sollte das neue Heim entstehen. Innerhalb weniger Wochen mussten das Dach abgedichtet, Wände eingezogen und eine Einrichtung inklusive Großküche beschafft werden. Auch Flüchtlinge, die noch in Lagern wohnten, packten mit an und beteiligten sich mit den eigenen Händen am Aufbau des Heimes. Sie gehörten schließlich zu seinen ersten Bewohnern.

 

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Ein Zuhause auf Zeit vor allem für Familien

Der Bedarf war so groß, dass in kürzester Zeit noch zwei weitere Baracken ausgebaut wurden. Insgesamt bot das Flüchtlingsheim des Unionhilfswerk nun 400 Menschen ein Dach über dem Kopf und ein Gefühl von Sicherheit und Schutz. Das Heim wurde vor allem von Familien bewohnt. Die meisten der Bewohner waren sogar jünger als 16 Jahre. Um den Menschen wieder etwas Privatsphäre zu ermöglichen, bekam jede Familie mindestens ein Zimmer für sich. Auch der weitere Ausbau war ganz auf den Bedarf von Familien abgestimmt: In den folgenden Jahren entstanden eine zentrale Waschküche, ein Kindergarten und ein Fußballplatz.

Das Ziel der Mitarbeiter des Unionhilfswerk war, den Menschen eine soziale Starthilfe zu geben, um sie auf ein neues Leben außerhalb des Heimes vorzubereiten. Die jahrelangen Kriegs- und Nachkriegsentbehrungen hatten an Körpern und Seelen Spuren hinterlassen. Viele Flüchtlinge waren bei ihrem Einzug mangelernährt. In den ersten Nachkriegsjahren war in ganz Deutschland das Essen knapp. Auf dem Schwarzmarkt konnten die Menschen letzte Habseligkeiten gegen zusätzliche Lebensmittel eintauschen. Die Flüchtlinge, die fast alles in ihrer Heimat zurücklassen mussten, hatten aber nichts zum Tauschen. In der Sowjetischen Besatzungszone, aus der nun viele weitere Geflüchtete kamen, war die Versorgungslage besonders schlecht.  Die Mitarbeiter des Flüchtlingsheims kümmerten sich um die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen: Alle Bewohner wurden über die Großküche versorgt und durch einen Arzt medizinisch betreut, bis sie wieder zu Kräften kamen. Die Kinder bereiteten sie mit Nachhilfeunterricht auf das Berliner Schulwesen vor. Die Lage entspannte sich in den folgenden Jahren zusehends, nach einiger Zeit konnten die Bewohner in eigene Wohnungen umziehen. Einige von ihnen blieben in Berlin, andere zogen weiter nach Westdeutschland. Die frei gewordenen Räume wurden zunächst schnell von neuen Flüchtlingen bezogen, doch mit der Zeit gab es immer weniger Bedarf. Im März 1960 konnte das Flüchtlingsheim nach fast zehn Jahren schließen.

Im nächsten Beitrag geht es um neue Herausforderungen in den 1950er Jahren und Sie erfahren, warum das Unionhilfswerk 1957 Thema in Tagesspiegel, BILD und Stern war.

 

Quellen:

Mathias Beer: Die „Flüchtlingsfrage“ in Deutschland nach 1945 und heute. Ein Vergleich, in: Zeitgeschichte-online, April 2016, https://zeitgeschichte-online.de/themen/die-fluechtlingsfrage-deutschland-nach-1945-und-heute.

R. M. Douglas: „Ordnungsgemäße Überführung“. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, München 2013, S. 155.

Andreas Kossert: Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945, Bonn 2015, S. 12.

Sven Olaf Oehlsen: Vertriebenenlager in Brandenburg 1945-1953, Potsdam 2006, S. 74.

Mitteilungsblatt Nr. 1 der Arbeitsgemeinschaft „UNIONSWERK“, Juli 1947.

Unionhilfswerk: Unser Flüchtlingsheim, 1952.

Elke Kimmel: Nachkriegssituation in der SBZ/DDR, in: Dossier. Der Marshallplan – Selling Democracy, Bundeszentrale für politische Bildung, 31.10.2005, https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/marshallplan/40067/ausgangslage-sbz-ddr.

 

Hilfe gut auf den Weg bringen

Beide, der Tischler Mathias Ahlrichs und der Berufspädagoge Volkmar Zander, engagieren sich schon sehr lang ehrenamtlich beim Verein Rumänienhilfe und andere bedürftige Länder e.V. Seit fast 20 Jahren fahren die beiden regelmäßig mit gesammelten Hilfsgütern nach Rumänien und unterstützen tatkräftig vor Ort. Als Vorsitzender des Vereins, der über 40 Mitglieder zählt, übernimmt Volkmar Zander viele organisatorische und kommunikative Aufgaben. Auf die so gewonnenen Kontakte – auch nach Polen – griffen die beiden nun zurück. So konnten sie auch jetzt gezielt dort unterstützen, wo es nötig war – mit einer Vielzahl von Spenden von Kleidung über Lebensmittel bis hin zu einer Geldspende.

Anfang März bat Mathias Ahlrichs seine Kolleginnen und Kollegen um Sachspenden – bis zum Tag der Abfahrt kam so viel zusammen, dass vier Transporter und drei Anhänger prall gefüllt waren – alles mit hochwertigen, zum Teil neuen Sachen und auch Bargeld. Am 12.3. ging es dann nach Juchowo in Polen zu einem befreundeten, polnischen Verein, der die Weiterverteilung der Spenden an verschiedene Stellen in der Umgebung zu den neu angekommenen Flüchtlingen (u.a. eine Frau mit einem zehn Tage alten Baby) und an Orte in Grenznähe zur Ukraine organisiert. Zuvor hatten sich die beiden immer wieder mit der Vorsitzenden des polnischen Vereins abgestimmt, um die Dinge zu sammeln, die wirklich gebraucht werden. So organisierte Mathias Ahlrichs kurzerhand noch Wasserkocher und Wäscheständer. Denn oft fehlt warmes Wasser, auch zum Waschen. Und die wenige Kleidung, die die Flüchtlinge dabeihaben, muss häufiger gewaschen werden. Um diese Dinge, aber auch Babynahrung, Windeln und Hygieneartikel kaufen zu können, unterstützte die USE gGmbH mit einer großzügigen Geldspende.

Vor Ort in Juchowo wurde der kleine Konvoi mit großer Dankbarkeit empfangen. Sie werden wieder erwartet. Denn schon jetzt ist klar, dass die Spenden bald aufgebraucht sein werden. Volkmar Zander und Mathias Ahlrichs planen bereits die nächste Tour.

Der Natur etwas zurückgeben – Unionhilfswerker*innen pflanzen 750 Bäume

Bäume pflanzen in der Stolper Heide

Frische Luft, Abwechslung vom Alltag, Kolleginnen und Kollegen anderer Bereiche des Unternehmensverbunds kennenlernen und natürlich der Natur helfen: Insgesamt 40 Unionhilfswerker*innen wollten sich das gemeinsame Baumpflanzen nicht entgehen lassen. Sie fuhren entweder ganz entspannt mit dem Bus in die Stolper Heide in der Nähe von Hohen Neuendorf oder reisten individuell an. Damit das Tagesziel, 750 Bäumchen zu pflanzen, erreicht werden konnte, gab es zwei Gruppen. Die erste Gruppe kam am Morgen zum Einsatz, die zweite Gruppe mittags.

Vom Nadel- zum Mischwald

Nach ca. einer Stunde Fahrzeit waren die gespannten Teilnehmer*innen am Ziel und wurden von Peter Cyriax, dem zuständigen Förster erwartet. Bevor es losging, stellte er sich kurz vor. Die Unionhilfswerker*innen erfuhren beispielsweise, dass er bereits seit 42 Jahren Förster ist und demnächst in den Ruhestand geht. Außerdem erklärte er, warum die Stolper Heide ein Mischwald werden soll. „Mischwälder sind viel robuster und langlebiger als Nadelwälder. Schädlinge wie der Borkenkäfer können sich nicht so schnell verbreiten. Zudem können Stürme oder Trockenheit Mischwäldern wenig anhaben“, so der Förster.

Um einen robusten Mischwald zu erhalten, sind die Kiefern, die die Stolper Heide aktuell prägen, um Laubbäume zu ergänzen. Und da schon viele Eichen gepflanzt wurden, sollten die Unionhilfswerker*innen Rotbuchen setzen. „Sie erweitern die Baumartenvielfalt auf der Fläche“, fügte Peter Cyriax hinzu.

1×1 des Baumpflanzens

Aber Bäume pflanzen will gelernt sein. Deshalb zeigte der Förster, wie es geht. Erstens: den richtigen Abstand zwischen den Bäumen beachten. „Die Länge des Hohlspatens gilt als Orientierung“, so Peter Cyriax und hielt den Spaten hoch. Zweitens: genug Erde ausheben. Er rammte den Hohlspaten in einem Winkel von ca. 45 Grad in den Waldboden und hebelte den Spaten voller Erde wieder heraus. Drittens: den Setzling in den Boden stecken. Peter Cyriax lehnte die circa 40 cm große Rotbuche an die gegenüberliegende Seite des ausgehobenen Lochs. Viertens: Setzling befestigen. Er schaufelte die Erde zurück ins Loch und trat sie fest, ohne dabei den Setzling zu berühren. Und zu guter Letzt: der Festigkeits-Check. Mit zwei Fingern zieht Peter Cyriax an dem Setzling. Wenn dieser fest in der Erde sitzt, ist das Werk vollbracht.

Zufriedene Teilnehmer*innen

Nun waren die Unionhilfswerker*innen an der Reihe. Ausgestattet mit Handschuhen, einem Hohlspaten und einem Sack Rotbuchensetzlingen machten sie sich an die Arbeit. Gegen 14.30 Uhr waren dann alle Bäumchen in der Erde. Die Teilnehmer*innen beider Gruppen waren sehr zufrieden. „Mir liegt die Natur am Herzen. Durch diese Aktion kann ich etwas zurückgeben“, sagte Hardy Rödler von der BUS gGmbH, einer Unionhilfswerk-Gesellschaft. Auch Alina Karklinnis, die ein freiwilliges soziales Jahr im Übergangswohnheim in Kreuzberg macht, war das wichtig. Außerdem wollte sie das Unionhilfswerk besser kennenlernen. Und Annette Kugler, die die Gartengruppe der Beschäftigungstagesstätte Neukölln leitet, freute sich sehr, „mit einer Klientin und einem Klienten dabei sein zu können.“

Service Inklusiv gGmbH servierte Suppe

Eine Stärkung gab es natürlich auch. Heiße und kalte Getränke sowie eine leckere Kartoffelsuppe mit Brötchen und wahlweise Würstchen standen bereit. Die Suppe wurde von der Service Inklusiv gGmbH zubereitet und vom Küchenchef höchstpersönlich serviert. Die 2020 gegründete Service Inklusiv gGmbH gehört ebenfalls zum Unionhilfswerk-Unternehmensverbund und beschäftigt Menschen mit und ohne Behinderung.

Nächste Aktion im November

Bereits im letzten Jahr lud das Unionhilfswerk zweimal zum Baumpflanzen ein. Im November wird es eine weitere Gelegenheit geben mitzumachen. Dann werden in Nuthe, südlich von Berlin, 750 Setzlinge gepflanzt.

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„Das ist das Traurigste, was einem Menschen passieren kann.“

Sie sind aus der Ukraine geflohen. Woher kommen Sie genau?

Wir kommen aus Charkiw. Geboren und aufgewachsen bin ich in Afghanistan, habe aber seit Jahren die ukrainische Staatsbürgerschaft.

Seit dem 24. Februar herrscht Krieg in der Ukraine. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?

Wir haben gehört, dass Russland den Krieg beginnen wird. Auch im Fernsehen wurde darüber berichtet. Am 24. Februar morgens um 5.00 Uhr wachten wir auf. Wir hörten Geräusche. Sie kamen von den Bomben. Wir versteckten uns im Keller und blieben ein paar Tage dort.

Aber lange konnten Sie nicht im Keller bleiben…

Ja. Wasser und Essen gingen uns aus. Deswegen mussten wir die Entscheidung treffen, unser Land zu verlassen. Erst stiegen wir in den Zug nach Lviv an der polnischen Grenze. Von dort fuhren wir mit dem Bus weiter nach Berlin. Insgesamt waren wir vier Tage unterwegs.

Wie geht es Ihnen jetzt?

Wir fühlen uns sicher. Ich mag es hier. Die Leute sind nett, sehr freundlich. Aber wenn du nicht an eine andere Kultur gewöhnt bist und nicht die Sprache sprichst, dann ist es manchmal schwer.

Haben Sie alles, was Sie brauchen?

Im Moment haben wir alles, was wir brauchen. Aber wer seine Heimatstadt verlassen und sogar in ein anderes Land ziehen muss, vermisst viele Dinge. Ich vermisse die Ukraine. Ich vermisse meine Freunde, meinen Bruder und die Familien, die wir zurückgelassen haben. Als wir an der Grenze zu Polen waren und der Bus Richtung Berlin kam, musste ich weinen. Es fiel mir schwer, alles hinter mir lassen zu müssen. Das ist das Traurigste, was einem Menschen passieren kann.

Können Sie schon sagen, wie es mit Ihnen und Ihrer Familie weitergeht?

Wir möchten wieder zurück in unsere Heimat. Aber es dauert einige Zeit, den Konflikt mit Russland zu beenden und die Ukraine wiederaufzubauen. Im Moment hoffe ich, dass Deutschland uns die Gelegenheit gibt, zumindest den Kindern eine gute Bildung zu geben. Das ist das Wichtigste.

Validation® im Unionhilfswerk – weiter auf dem Weg mit Katharina Schäfer

Katharina Schäfer arbeitet als Pflegekraft in unserer Demenz-WG in Neukölln. In unserem ersten Beitrag erklärte sie, was die Kommunikationsmetode Validation® für sie bedeutet und schilderte, wie sie die Methode während ihrer Ausbildung anwendet. Jetzt, im März, ist ihre Ausbildung fast zu Ende.

Valdidation® erleichtert den Alltag

Gelernt hat sie wahnsinnig viel, sagt sie – für den Job und auch für sich selbst: „Ich bin in meinem beruflichen Alltag über die Zeit meiner Ausbildung viel sensibler geworden. Ich nehme Gefühle und Schwingungen wahr und kann meine eigenen Gefühle im Umgang mit den Bewohner*innen besser in den Hintergrund stellen. Ich bin in stressigen Situationen viel gelassener“. Davon profitiert in der WG das ganze Team, vor allem dann, wenn ein Bewohner oder eine Bewohnerin mal nicht so kooperativ ist. „Ich muss nicht immer alles verstehen, aber ich kann Situationen akzeptieren.“

Auch Situationen, die ihr früher eher unangenehm waren, geht Katharina Schäfer durch die Validation® anders an: „Es kommt durchaus vor, dass Menschen mit Demenz Fragen stellen, die uns als Person überfordern – zum Beispiel die Frage nach den eigenen Eltern: „Wo sind sie? Sind sie gestorben?“. Eine einfache Antwort mit Ja oder Nein ist da aber nicht angebracht. Eine bessere Reaktion: „Was glauben Sie denn?“ So öffnen wir das Gespräch und bauen eine Brücke ins Hier und Jetzt. Die Erkenntnis reift dann meist bei dem*der Fragenden selbst.

Valdidation® – Theorie gehört dazu

Während der Ausbildung betreute Frau Schäfer Menschen in unterschiedlichen Stadien der Demenzerkrankung. In der Theorie gibt es vier Phasen, die sich in der Praxis aber durchmischen:

In der ersten Phase spricht man von „Mangelhafter Orientierung“. Plötzlich benötigen Erkrankte Erinnerungshilfen, sind aber noch relativ wenig eingeschränkt. Oftmals erkennen sie aber die eigene Desorientiertheit und sind darüber sehr unglücklich und angespannt. Die eigenen Gefühle werden oftmals nicht geäußert.

In der zweiten Phase kommt es dann vermehrt zu Wortfindungsstörungen, auch Datum und Uhrzeit bieten keine Orientierung mehr. Erkrankte vermischen die Vergangenheit mit der Gegenwart, Dinge werden „verlegt“. Es wird deutlich mehr Hilfe benötigt und auch angenommen, die eigenen Gefühle werden verbalisiert.

In der dritten Phase ziehen Erkrankte sich in sich selbst zurück, die Außenwelt wird mehr und mehr „ausgeschlossen“. Die Kommunikation wird undeutlicher, Bewegungen und Geräusche wiederholen sich häufig. Die Pflegebedürftigkeit steigt.

In der vierten und letzten Phase dann gibt es keine Anzeichen mehr, dass andere Menschen erkannt werden. Oftmals sind Erkrankte bettlägerig und komplett auf Hilfe angewiesen. Kommunikation findet kaum noch wahrnehmbar statt.

Frau Schäfer hat mittlerweile alle Phasen während ihrer Ausbildung durchlaufen und erzählt: „Man muss genau wissen, welche Art der Kommunikation man bei wem anwendet. Bewohner*innen in der Phase 1 finden es zum Beispiel oft übergriffig, berührt zu werden. Da zählt das Gespräch. Ab Phase 3 dann tritt die Sprache in den Hintergrund – hier kommunizieren wir eher über Musik, Bewegung, Mimik und vor allem über Berührung. Der Übergang zwischen den einzelnen Phasen ist aber oft schleichend“.

Die Validation® hat sich im Alltag eingeschlichen

In unserem letzten Beitrag berichtete Katarina Schäfer davon, dass sie die Kommunikationsmethode gezielt einsetze, „man kann nicht ständig validieren, das ist einfach zu anstrengend.“ Hat sich das mittlerweile geändert?

„Auf jeden Fall! Mehr als zum Anfang stellt sich ein Automatismus ein. Die Technik sprudelt einfach im Alltag über. Ich kann das Gelernte ja nicht wieder abstellen.“

Der nächste große Schritt für Frau Schäfer ist jetzt die Prüfung zur Validationsbegleiterin. Wir wünschen viel Erfolg!

Unterkunft für geflüchtete Menschen aus der Ukraine

Aktualisiert am: 13.09.22

Liebe*r Leser*in,

danke, dass du interessiert bist!

Interessiert an der Unterstützung von Menschen, die aufgrund des Krieges in der Ukraine flüchten mussten. Seit Dienstagabend (01.03.) haben wir in konstruktiver Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung und der Berliner Stadtmission kurzfristig in Berlin-Friedrichshain eine Unterkunft für geflüchtete Menschen aus der Ukraine eingerichtet.
Bereits jetzt erreichen uns sehr viele Unterstützungsanfragen, für die wir uns zutiefst bedanken!

In diesem Artikel beantworten wir die derzeit wichtigsten Fragen zu unseren Aktivitäten. Bitte habt Verständnis, dass wir noch nicht alles abschließend beantworten können, da wir gerade Hochdruck dabei sind, alle offenen Fragen zu klären. Dieser Artikel wird ständig aktualisiert, bitte verfolgt ihn regelmäßig.

 

Wie und wo unterstützt das Unionhilfswerk?

Die Unterkunft in Friedrichshain wird auf die Beine gestellt von

  • der Berliner Stadtmission (Neubau, Zugang über Kopernikusstr. 36/37) und
  • dem Unionhilfswerk (Altbau, Zugang über Gubener Str. 42)

Sowohl im Alt- wie Neubau werden jeweils bis zu 150 geflüchtete Menschen betreut.

 

Wie können geflüchtete Menschen in der Unterkunft übernachten?

Alle Fragen um  das Thema Ankunft werden hier beantwortet.

 

Wie kann man das Projekt personell unterstützen?

Für folgende Aufgabenbereiche benötigen wir Unterstützer:innen:

  • Info-Point/ Empfang: 1 Freiwillige (8-22 Uhr) für Sprachmittlung in russisch/ ukrainisch bei Neuaufnahme und Information, Erfahrungen im Umgang mit Behörden hilfreich
  • Kleiderkammer: 1 Freiwillige (11-14/ 16-19 Uhr) Annehmen, Sortieren, Ausgeben von Sachspenden
  • Essenausgabe/ Küche: 4 Freiwillige |gerne einen gültigen Gesundheitspass (Rote Lebensmittelkarte) mitbringen |Frühstück 07:15-10:00; Mittag: 12:30-15:30, Snack: 15:30-17:30, Abendessen 18:30-21:30 Uhr, jeweils mit Vor- und Nachbereitung
  • Spendenannahme (11-14 Uhr / 18-21 Uhr): 2 Freiwillige |Die Spenden kommen selbstverständlich allen Menschen im Hause zugute
  • Hygieneausgabe: 1 Freiwillige (11-14/ 16-19 Uhr)
  • Kinderbetreuung: 1 Freiwillige (13-15:30 Uhr) |Kinder zwischen 2 und 14 Jahren begleiten, Eltern unterstützen, Unterricht Deutsch als Fremdsprache unterstützen, der von einer Lehrerin angeboten wird
  • 2 Freiwillige (15:30-18:00 Uhr) für das Spielzimmer mit Kinderbetreuung gemeinsam mit Eltern; (Pädagogische) Vorerfahrungen im Umgang mit Kindern hilfreich
  • Springer: 1 Freiwillige (11-20 Uhr) |Wo Hilfe gebraucht wird: Spenden umverteilen, umlagern, Menschen in der Unterkunft geleiten, Pre-Paid-Handys ans Laufen bringen etc. etc.

Tragt euch bitte für Einsatzfelder ein. Unter www.unionhilfswerk.de/ukraine-hilft findet ihr die Links zu den digitalen Einsatzplanern. Vielen Dank an unseren Kooperationspartner Vostel Volunteering für die Unterstützung!

Meldet euch auch gern an für den Newsletter bei unserem Team DIE FREIWILLIGEN. Hier gibt es kontinuierliche Informationen.

 

Hinweise:

Regelmäßige Einsätze einmal die Woche oder alle 14 Tage wären super. Sollten sich  mehr Unterstützer*innen als verfügbare Einsatzplätze für ein jeweiliges Zeitfenster anmelden, kommt ihr auf eine Warteliste und werdet benachrichtigt, wenn eine Unterstützer*in kurzfristig absagen muss.
Die Einsatzplanung geht vom 16.-31. März. Jeweils zum Ende des Monats wird die Einsatzplanung für den Folgemonat veröffentlicht (Informationen über unseren Newsletter). Wenn bei Aufgabenbereichen als Bedarf eine Freiwillige steht, heißt das nicht, dass ihr alleine seid. Die Aufgaben werden gemeinsam mit Unterstützer*innen der Berliner Stadtmission abgedeckt.  Unterstützungsbedarf ist von Montag bis Sonntag und vorerst bis Ende 2022.
Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere ukrainisch, russisch und englisch, sind in allen in allen Aufgabenfeldern hilfreich.

 

Wie kann man das Projekt mit Spenden unterstützen?

Aktuell benötigen wir:

  • Koffer, Reisetaschen usw. zum Umziehen oder Reisen
  • Kleiderbügel (auch Hosenbügel)
  • Kleider für Frauen und Mädchen (ab Größe 134)
  • Rucksäcke/Koffer
  • Handtaschen
  • Tupperdosen
  • Reinigungsmittel (Bad und Flächen)
  • Aftershave
  • Shampoo (für Männer und Frauen)
  • Deo (für Männer und Frauen)
  • Duschgel (für Männer)
  • Haarspülung
  • Handcreme
  • Creme
  • Feuchttücher (für Babys)
  • Rei in der Tube
  • Gutscheine dm & Müller

Diese Dinge benötigen wir ständig:

  • Kekse
  • abgepackter Kuchen
  • Wasser 0,5-1,5L
  • Frisches Obst (Orangen, Bananen, Äpfel, Birnen, etc.)
  • Direkt essbares Gemüse (Salatgurke, Salat, Cocktailtomaten, Paprika, etc.)
  • Zucker
  • Säfte
  • Müsli / Cerealien

Was wir aktuell NICHT brauchen:

  • Winterkleidung
  • Kleidung für Babys und Kleinkinder (unter Größe 134)
  • Kuscheltiere
  • Spielzeug
  • Desinfektionsmittel

 

Bitte gebt die Sachen vor Ort ab. Das ist rund um die Uhr möglich. (Gubener Straße 42)

Update: Geldspenden sind bereits möglich. Bitte nutzt dafür unser Online-Spendenformular und wählt den Verwendungszweck „Ukraine-Geflüchtete“ aus. DANKE!

 

Welche Covid-Maßnahmen gelten in der Unterkunft?

In der Unterkunft gelten die gesetzlichen Vorgaben. So führen wir regelmäßig Covid 19-Testungen durch und es gilt im gesamten Gebäude eine FFP2-Maskenpflicht.

 

Wie wird die Sicherheit aller Beteiligten in der Unterkunft sichergestellt?

Wir haben einen Wachschutz organisiert, der 24 Stunden vor Ort ist und auch die Brandwachen sicherstellt.

 

Wie lange bleiben die Menschen in der Einrichtung?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen bleiben für eine Nacht, da sie anschließend eine Unterkunft bei Freunden oder Familien finden.

 

Medien

Am Mittwoch Abend (03.03.) besuchte die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, die Unterkunft und bedankte sich bei den Trägern mit ihren Teams und allen freiwilligen Helfer*innen.

 

Hier geht es außerdem zum RBB-Abendschau vom 10. März 2022: https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20220310_1930/ukrainische-familien-in-friedrichshain.html

 

Wo finde ich weiterführende Informationen?

Auf dieser Webseite werden wesentliche Informationen bereitgestellt: https://www.berlin.de/ukraine/

Ambulante medizinische und psychotherapeutische Versorgung Berlin: https://www.kvberlin.de/fuer-patienten/ukraine

Informationssammlung Berlin hilft: www.berlin-hilft.com/ukraine

Private Unterkünfte: https://unterkunft-ukraine.de/

 

Zentrale Rufnummer

Neu: Berlin bietet ab sofort eine zentrale Service-Rufnummer für geflüchtete Menschen aus der Ukraine an. Unter 030 / 90 12  71 27 sollen sie schnell und unkompliziert erste allgemeine Informationen zu Unterkunft, Registrierung, Visum und Aufenthaltsrecht erhalten.

 

 

Weitere Fragen und Antworten folgen so schnell wie möglich. Bitte nutzt auch die Kommentarfunktion, um eure Fragen loszuwerden.

 

*Übrigens: Ist beim Lesen etwas aufgefallen? In diesem Artikel duzen wir unsere Leser*innen. Das liegt daran, dass er Text auch über unseren Instagram- und Facebook Kanal verlinkt wird und unter anderem genutzt werden wird, um Freiwillige für das Projekt zu finden. Uns stört das Duzen aber gar nicht :-).