Monthly Archives: Mai 2022

Raus aus der Klinik und rein ins Leben – Wohnstättenwerke für Menschen mit Behinderung

„Eine sehr große Anzahl psychisch Kranker und Behinderter [leben] in den stationären Einrichtungen unter elenden, zum Teil als menschenunwürdig zu bezeichnenden Umständen, ” stellte 1973 eine von der Bundesregierung einberufene Sachverständigenkommission zur Lage der Psychiatrie in Deutschland fest.

Schlafsaal einer psychiatrischen Klinik im Jahr 1950 (Foto: Archiv Zentrum für Psychiatrie Emmendingen)

Bis Anfang der 1970er Jahre lebten viele Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen oft jahrelang in psychiatrischen Großkrankenhäusern – ein Drittel von ihnen sogar länger als zehn Jahre. Durch die abgelegene Lage der Kliniken waren sie meist isoliert von der Außenwelt und Strukturen zur Wiedereingliederung gab es nicht. Stattdessen gab es Schlafsäle mit bis zu elf Betten, zu wenig qualifiziertes Personal und unzumutbare hygienische Verhältnisse – so das Ergebnis der Sachverständigen. In der sogenannten Psychiatrie-Enquête von 1975 forderten sie daher nicht nur „Sofortmaßnahmen zur Befriedigung humaner Grundbedürfnisse“, sondern empfohlen auch, gemeindenahe Versorgungsstrukturen aufzubauen. Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen sollten so in ihrem Lebensumfeld behandelt und in die Gesellschaft integriert werden.

 

Wohnstättenwerke als gemeindenahes Konzept

Hilda Heinemann, Ehefrau des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann, gründete bereits Anfang der 70er Jahre ihre eigene Stiftung, um vor allem Menschen mit Behinderungen die Eingliederung in die Gesellschaft und die Arbeitswelt zu ermöglichen. Im Jahr 1971 gab es der Stiftung zufolge in Deutschland etwa 300 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung. Damals endete die systematische Betreuung in der Regel zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr. Danach waren viele Eltern nicht mehr in der Lage, ihre Kinder in den Kreis der Familie zurückzunehmen. Und wenn doch, dann wurde es spätestens dann problematisch, wenn die Eltern selbst pflegebedürftig wurden oder starben. Vielen blieb dann oft nur noch der Umzug in eines dieser psychiatrischen Krankenhäuser.

„Bei der Einrichtung der Wohnräume ist jeder kasernenartige Charakter zu vermeiden; vielmehr wird auf die Schaffung einer heimischen Atmosphäre großen Wert gelegt.“ Auszug aus einer Besprechung zwischen Hilda-Heinemann-Stiftung und Unionhilfswerk 1971. Hier: Schlafraum im Wohnstättenwerk in der Podbielskiallee.

Hilda Heinemann hatte sich mit ihrer Stiftung das Ziel gesetzt, sogenannte Wohnstättenwerke zu bauen, um Menschen mit Behinderung ein neues Zuhause außerhalb der Familie oder einer psychiatrischen Klinik zu schaffen. Sie sollten dadurch besser versorgt werden und die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Deshalb plante ihre Stiftung ebenfalls in Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft, um Arbeitsplätze für die Bewohner*innen der Wohnstättenwerke zu schaffen.

Vom Gästehaus zum Wohnstättenwerk – das Unionhilfswerk wird zum Vorreiter

Das Unionhilfswerk zählte zu den Pionieren auf dem Gebiet neuer Versorgungsstrukturen von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderung. Schon vor der Veröffentlichung der Psychiatrie-Enquête baute es sein Jugendgästehaus „Geschwister-Scholl-Heim” in der Rheinbabenallee mit Unterstützung der Hilda-Heinemann-Stiftung zu einem Wohnstättenwerk für Menschen mit Behinderung um. Die 1972 eröffnete Einrichtung stellte bundesweit ein Modell dar und erfuhr große Resonanz.

„Der erste Schritt ist getan in diesem so liebevoll und schön eingerichteten Haus als Wohnheim für geistig Behinderte in der Rheinbabenallee. Ich wünsche diesem Haus Gottes Segen.“ Hilda Heinemann, Gästebucheintrag zur Eröffnung des ersten Wohnstättenwerkes im Januar 1972

Die 32 Plätze waren schnell belegt – überwiegend durch ehemalige Patient*innen der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Ermutigt durch diesen Erfolg funktionierte das Unionhilfswerk sein zweites Jugendgästehaus, das „Max-Habermann-Haus” in der Podbielskiallee, zu einem Wohnstättenwerk für Menschen mit psychischen Erkrankungen um. Mit beiden Häusern schloss das Unionhilfswerk eine große Lücke in der Versorgung von Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen. Ziel der Wohnstättenwerke war es, die Unabhängigkeit von fremder Hilfe und die Eingliederung in das Berufsleben zu fördern sowie eine ambulante Betreuung vorzubereiten.

„Unser Haus dient dem Zweck, die Bewohner an das tägliche Leben heranzuführen, denn sie kommen ja aus Familien, in denen sie wenig Gelegenheit hatten, mit den Erfordernissen des Alltags konfrontiert zu werden. Aber die Bewohner, die aus den Pflegeanstalten kommen, sind es nicht gewohnt, mit den täglichen Dingen des Lebens fertig zu werden. Und hier in unserem Hause werden sie an die Probleme herangeführt, beispielsweise, daß sie erstmals schon allein zu ihren Arbeitsstätten fahren, dann über ihre Freizeit selbst verfügen und entscheiden können, wie sie sie dann ausgestalten.“ Joachim Fahl, Leiter der Wohnstättenwerke des Unionhilfswerks, in der Berliner Rundschau 1972

 

Im nächsten Artikel erfahren, wie sich die Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen weiterentwickelten und wie eigentlich die USE zum Unionhilfswerk kam.

 

Quellen:

Deutscher Bundestag, Drucksachen 7/4200 und 7/1124

Wikipedia/Psychiatrie-Enquete

Deutsches Ärzteblatt 98/2001

40 Jahre Psychiatrie-Enquete. Wo stehen wir, wie geht es weiter?, Dokumentation zur Fachtagung am 4. Dezember 2015

Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V.

Berliner Morgenpost, 22.5.1971

Der Tagesspiegel, 22.5.1971

Berliner Rundschau, 25.05.1972

Tagesspiegel, 2.11.2021

Nachhaltige Rezepte – zweite Chance für Lebensmittel

Der Alltag sieht meist so aus, dass bräunliche Bananen zu Hause nicht mehr gegessen werden, Rucola übrig bleibt, weil man im Supermarkt nur große Packungen bekommt, die  schnell aufgebraucht werden müssen oder nach dem Familien-Nudelessen Spaghetti in die Tupperdose wandern. Für all diese Reste gibt es tolle Rezepte, um nachhaltig mit unseren Lebensmitteln umzugehen. Wir verraten Ihnen heute unsere persönlichen Highlights.

Wohin mit dem ganzen Rucola?  | Tippgeber: Ulrike Freybe

Pesto aus Rucola schmeckt hervorragend und ist eine würzige und herbere Alternative zur klassischen Basilikum-Variante. Das kann man dann entweder gleich mit einer Portion Nudeln verputzen oder einwecken und immer dann aus dem Kühlschrank holen, wenn man noch Nudeln vom Vortrag übrig hat. Das Pesto eignet sich auch sehr gut als Dressing für Nudelsalat.

Hier die Zutaten und die Anleitung:

  • Rucola-Reste (etwa 50 Gramm)
  • 1 Knoblauchzehe
  • 25 g Pinienkerne (alternativ gehen auch Sonnenblumenkerne)
  • 25 g Parmesan, gerieben
  • 50 ml Olivenöl, nativ extra
  • Salz

Den Rucola waschen und trocken schütteln. Den Knoblauch schälen und mit den anderen Zutaten für das Pesto zusammen im Mixer grob pürieren. Sparsam salzen. In einem Glas im Kühlschrank aufbewahren. Das Pesto hält 2-3 Wochen im Kühlschrank, solange eine Schicht Öl oben auf dem Pesto liegt.

 

Wenn Spaghetti übrigbleiben…. Werden Muffins draus | Tippgeber: Yvonne Gaebel

Dieses kreative, leckere Muffin-Rezept verwandelt Nudelreste in einen tollen Partysnack, ein kleines Picknick oder Pausensnack.

Hier die Zutaten und die Anleitung:

  • 200-250g  Spaghetti
  • 70g Schinkenwürfel
  • 1 Schalotte
  • 100g Parmesan
  • 3 Eier
  • 200ml Schlagsahne
  • Salz und Pfeffer
  • Butter zum Einreiben der Form
  • 12 Muffinförmen

Die Schalotte fein würfeln. Schinkenwürfel in einer Pfanne bei kleiner Hitze anbraten, Schalotte dazugeben und mit andünsten.
Die Vertiefungen einer Muffin-Form mit Butter einfetten. Kalte Spaghetti nochmal kurz mit heißem Wasser übergießen, mit Hilfe einer Gabel zu kleinen Nestern formen und in die Vertiefungen der Form geben.

Backofen vorheizen:
Ober-/Unterhitze: 180° C
Umluft: 160° C

Parmesan reiben, mit den Eiern und der Sahne verquirlen. Schinkenwürfel-Zwiebel-Masse unterheben und mit Salz und Pfeffer würzen. Die Masse mit einem Esslöffel gleichmäßig auf die Nester verteilen.

Ca. 25 Minuten backen.

TIPP:
Das Rezept lässt sich super variieren und je nach eigenen Vorlieben abwandeln.
Wir streuen z.B. vor dem Backen immer noch eine Handvoll TK-Erbsen auf die Muffins.
Und auch in der vegetarischen Variante, ohne Schinkenwürfel, sind die Muffins super lecker.

 

Je brauner die Banane, umso besser das Bananenbrot! | Tippgeber: Vera Jahn

Kinder sind eigen und bei den ersten braunen Flecken auf Bananen vernimmt man ein: „Ihhhh, die sind schon braun!“  Mit dem folgenden Rezept für Bananenbrot bekommen diese ungeliebten Bananen eine zweite Chance und sind dafür bestens geeignet.

Hier die Zutaten und die Anleitung:

  • 125 g weiche Butter
  • 175 g brauner Zucker
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 2 Eier
  • 2-3 reife zerquetschte Bananen
  • 255 g  Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 1 TL Backsoda
  • 1 TL Zimt

Ofen auf 160°C vorheizen. Butter, Zucker und Vanilleextrakt 8-10 min mit einem Handmixer cremig verrühren.
Eier hinzufügen und anschließend die zerquetschen Bananen, Mehl, Backpulver, Soda, Zimt hinzugeben und gut vermengen.
Den Teig in eine Kastenform füllen und 60 min backen.

TIPP:
Den Teig in Muffin-Förmchen abfüllen und schon sind Bananen-Muffins für Geburtstage ein Highlight für Groß und Klein. Auch ein Topping Ihrer Wahl peppt Muffins oder das Bananenbrot auf.

 

Weitere Tipps & Tricks rund um clevere Restverwertung und –vermeidung lesen Sie  hier.

Ihren persönlichen Rezepttipp können Sie uns gern in den Kommentaren verraten!

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Nachmachen und Ausprobieren und guten Appetit.

 

Poesie als Waffe gegen den Krieg

Hilde Mai – ein politischer und poetischer Mensch

„Es ist ungeheuerlich, was heute in der Ukraine passiert“ sagt mir Hilde Mai, Jahrgang 1935 und ein rundum poetischer Mensch, wie sie sich selbst beschreibt. Sie hat bereits mehrere Gedichtbände veröffentlicht und auch zur aktuellen Weltpolitik muss sie sich äußern.

Erinnerungen an die eigene Flucht

Sie selbst kann sich an die Zeit des Zweiten Weltkrieges gut erinnern, insbesondere an den Flüchtlingstransport 1945 von Stettin nach Altentreptow in Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Mutter musste mit drei Kindern, mit ihr, damals neun Jahre, ihrem vierjährigen Bruder und ihrer 14-jährigen Schwester flüchten, mit nichts. Sie erinnert sich, dass sie mit ihren neun Jahren in einer fremden Umgebung auf der Suche nach frischen Wasser am Ende der Stadt eine Pumpe fand, an der sie dann jeden Tag ihr Wasser holen konnte. Sie erinnert sich an die langen Menschenschlangen, die stundenlang nach etwas Brot anstanden, manchmal umsonst. Da ging es ums reine Überleben.

„Mit Gedichten aufrütteln“

Hilde Mai kann sich gut in diejenigen hineinversetzen, die heute ihre Heimat, die Ukraine, verlassen müssen, vor allem die Mütter mit ihren Kindern. „Und da muss man etwas dagegen tun. Jeder mit seinen Mitteln. Mit Kultur dagegen kämpfen, mit Gedichten aufrütteln.“ Das ist das, was sie tun kann, genauso wie ihre Tochter, Sigrid Steinke, welche den Hang zur Poesie von ihrer Mutter und aus ihrer Tätigkeit in Bibliotheken erworben hat.

Sigrid Steinke hat zur aktuellen Situation ein Gedicht verfasst, das mir Hilde Mai überreicht.

„Der Krieg gegen die Ukraine“ (Beginn 24.Februar 2022)

Sein ganzes Volk
kann der russische Herrscher Putin
nicht einsperren,
nur um einen Angriffskrieg
gegen das friedliche Nachbarvolk Ukraine
zu rechtfertigen. 
Er macht’s anders,
bringt Desinformation
in die Köpfe der Menschen
wie ein Nebelmeer,
dass auch das russische Volk
gegen seine Pläne nicht aufbegehrt.
Es ist Teil seiner Kriegsführung.
Es folgen Tyrannei, Tod und Zerstörung.
Dem friedlichen Land Ukraine
sie dies jetzt bringt,
wo dieses um Leben
mit jedem Atemzug ringt
Auf der Seite der Friedlichen:
Wolodymyr Selenskij, Präsident der Ukraine.
Ihr seid so stark, haltet gut durch
euer Kampfeswille,
der ist groß.
Den Tod vor Augen
in Kampfesmitte (Kiew)
steht ihr als Symbol für Millionen von Menschen,
zu trotzen der Invasion.
Der Frieden wird kommen.

Hilde Mai liest mir einige ihrer Gedichte vor, die in die Zeit passen. Eines davon möchte ich gern hier zitieren, weil es so aktuell ist und alle, die diesen Beitrag lesen, aufruft, mit den eigenen Mitteln zu helfen.

„Der heilige Dienst am Nächsten“

Die Knospe des Dienstes am Nächsten blüht
und das bei Tag und bei eisig kalter Nacht.
Sie wärmt wie ein Stern, der Funken sprüht,
Ein göttlicher Freund, der über dir wacht.

Erfreu dich an seinem heiligen Dienst,
bist Nächster, dem Segen gespendet.
Gott selbst lenkt seine treue Hand,
denn seine Güte hat sich euch beiden zugewendet.

Unionhilfswerk produziert Erklärfilm „Erste-Hilfe in leichter Sprache“

Im Juni 2019 haben wir hier im Blog von den Erste-Hilfe-Kursen in leichter Sprache für unsere Bewohner*innen mit Behinderung berichtet.

Nach den Kursen haben sich die Teilnehmer*innen Gedanken dazu gemacht, wie man das Gelernte im Selbststudium vertiefen könnte. Es entstand die Idee und der Wunsch, die Inhalte in Videoclips anschauen zu können. Trotz einer ausgedehnten Suche im Internet konnten wir keine Clips in leichter Sprache für Menschen mit Behinderung finden.

Da wir im Unionhilfswerk Erfahrung mit Filmproduktionen haben, lag es nahe, die Clips und Videos einfach selbst zu erstellen. Nachdem nun der Antrag auf Finanzierung von der Aktion Mensch genehmigt wurde, kann es damit endlich losgehen.

Von der ersten Idee zum fertigen Film – es gibt viel zu tun

Natürlich gibt es in der Produktion eines Films viele verschiedene Aufgaben. Wir müssen beispielsweise das Drehbuch schreiben, Drehorte suchen, die einzelnen Szenen schauspielerisch darstellen, Texte einsprechen, Tonangeln halten und noch Vieles mehr. Am Ende sollen verschiedene Clips zu Erste-Hilfe-Situationen in leichter Sprache entstehen.
Wir werden DVD’s herstellen lassen und den Erklärfilm auch zum Download anbieten.

Das Drehbuch entsteht. Möchten Sie mithelfen?

Die Erstellung des Drehbuchs findet am 5. und 6. Juni 2022 in Berlin – Neukölln statt. Falls es Kurzentschlossene gibt, die an einem oder beiden Terminen –  oder auch später – mithelfen möchten, kontaktieren Sie bitte Margit Kastner.

 

Und natürlich halten wir Sie hier auf dem Blog auf dem Laufenden zu diesem spannenden Projekt.

 

Stadtteilzentrum F1. Oder: Wenn der Bollerwagen für Gesprächsstoff sorgt

Kreuzberg Nord. Der Kiez ist durchaus herausfordernd: Der Sozialraum ist geprägt durch eine diverse Nachbarschaft mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten. Gleichzeitig ist die soziale Lage zahlreicher Bewohner*innen prekär. Das zeigen hohe Kinderarmut, Arbeitslosigkeit und Transferabhängigkeit seit Jahren. Ebenso lange engagieren sich viele Nachbar*innen, Initiativen und soziale Akteure für die Entwicklung ihres Kiezes.

Und Herausforderungen sind da, um sie anzunehmen. So setzt das Team des Stadtteilzentrums „F1 – dein Stadtteilzentrum im Kiez“ alles daran, die mit dem Bezirk verabredeten Ziele zu erreichen. Wenn nötig greifen die beiden Beauftragten, Clara Emmeluth-Schmoe (aktuell in Elternzeit) und Marie Hosten, auch mal zu unkonventionellen Methoden.

Aber von vorn: Was genau soll denn passieren rund um den Mehringplatz?

Seit Juni 2021 ist das Freiwilligenmanagement der Stiftung Uniohilfswerk Berlin damit beauftragt, ein offenes und inklusives Stadtteilzentrum in der Friedrichstraße 1 aufzubauen. Das F1 soll den Menschen im Kiez zur Verfügung stehen, soll Beratung, Begegnung und Unterstützung ermöglichen und nachbarschaftliches Miteinander fördern. Einladende, gut erreichbare und barrierefreie Räume sollen zur Verfügung gestellt werden.

Wichtig bei alldem: Die Angebote müssen „bedarfsgerecht“ sein, sich also vor allem nach den Interessen und Bedürfnissen der Nachbarinnen und Nachbarn richten.
Und damit sind wir auch schon bei einem Aspekt, der vermutlich die Grundlage bildet, um die Herausforderung zu meistern und ein gut besuchtes Nachbarschaftszentrum zu gestalten: Es gilt, herauszufinden, wer die Menschen im Kiez überhaupt sind und was sie wollen und brauchen. Genau hier setzt Marie Hosten an: Sie lernt die Menschen kennen und ermittelt deren Bedarfe.

Mit dem Bollerwagen los zum Kennenlernen

Und wie erfährt man immer noch am Besten, was jemand sich wünscht und was er oder sie braucht?
Natürlich – man spricht mit der Person.
Dafür packt Marie Hosten jeden Dienstag Tisch, Stühle, Plätzchen und Kaffee in einen Bollerwagen und zieht los, um im „Mobilen Café am Bauzaun“ mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Niedrigschwellig entsteht so ein wichtiger Austausch, sie kann das Projekt vorstellen, Kontakte knüpfen und Bedarfe ermitteln.

Und es zeigt sich wieder: Der Kiez hat nicht nur herausfordernde Strukturen. Es gibt viele engagierte Menschen, tolle Ideen und bunte Angebote. Neulich erst gab es Kontakt zu einem Anwohner, der ein „Erzähl-Café“ anbieten möchte.

„Diese Momente, die motivierenden Gespräche mit Akteur*innen und Anwohnenden, die viele tolle eigene Ideen mitbringen – die versüßen mir meinen Tag“, erfahren wir von Marie Hosten.

Sozialberatung ist ein wichtiges Thema ebenso wie Angebote gegen Einsamkeit. Geplant sind auch Projekte der Stadtteilmütter, bei denen Eltern aus dem Kiez andere Eltern unterstützen.

Vermittlungsarbeit im Haus wichtig

Neben dem Kennenlernen der Menschen und Verstehen ihrer Bedürfnisse geht es auch darum, Angebote zu filtern und zu prüfen, ob und wie diese umgesetzt werden können.
Welche Räume stehen im Haus noch zur Verfügung? Was kann im Garten oder im Innenhof stattfinden? Passen die neuen Ideen zu dem, was im Haus bereits angeboten wird? Denn einige Träger sind schon seit vielen Jahren vor Ort und halten beispielsweise Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderungen oder Familien mit arabischem Hintergrund vor. Gemeinsam mit diesen bereits ansässigen Projekten und Initiativen sollen die Unterstützungs- und Freizeitangebote entwickelt und weiterentwickelt werden.

Damit das Stadtteilzentrum gut angenommen wird, müssen sich alle damit wohlfühlen. Die Menschen, an die sich die Angebote richten. Aber auch die Menschen im Haus, die die Angebote machen. Da braucht es auch Netzwerk- und Vermittlungsarbeit.

Partizipation und Mitgestaltung

„Wir möchten die Menschen stärken und in ihrem Engagement unterstützen“ sagt Marie Hosten. „Wenn jemand eine gute Idee hat, wird sie oder er dabei unterstützt und begleitet, diese umzusetzen.“

Dieses Prinzip der Partizipation und Mitgestaltung trägt sicher dazu bei, dass im Kreuzberger Norden ein inklusives und offenes Stadtteilzentrum entstehen kann. Und das wiederum kann die Zufriedenheit der im Kiez lebenden Menschen steigern und ihnen ebenfalls das Leben in diesem schönen Berliner Bezirk ein wenig versüßen.

 

TIPP: Am 14. Mai gibt es ein großes Fest zur Eröffnung des Mehringplatzes. Auch diese Veranstaltung wird das Team nutzen, um das Stadtteilzentrum vorzustellen und mit den Menschen im Kiez ins Gespräch zu kommen. Schauen Sie gern mal vorbei!

Sprechzeiten des Büros: Di-Do 10 bis 17.30 Uhr

Sie haben Fragen an das Team? Stellen Sie diese gern über die Kommentare.

Wie sieht die Marke der USE aus, wie fühlt und hört sie sich an?

Für die Union Sozialer Einrichtungen (USE) gGmbH wurden in kleineren und größeren Runden sieben Markeneckpunkte herausgearbeitet. Was ist aber eine Marke ohne die Menschen, die sie täglich in ihrem Arbeitsalltag (er-)leben? Um die Markeneckpunkte ins Unternehmen zu den Beschäftigten und Mitarbeitenden zu bringen, tourt nun eine Ausstellung durch die Standorte der USE.

Eine Wanderausstellung illustriert die Marke der USE

Die Illustratorin Dr. Britta Wagner und der Markenexperte Lothar Gröschel besuchten dafür im Sommer letzten Jahres verschiedene Bereiche der USE. Dort haben sie die arbeitenden Menschen gezeichnet. Und sind mit ihnen ins Gespräch gekommen. Entstanden ist dadurch ein vielfältiges, buntes Bild des Miteinander Arbeitens. Und tatsächlich zeigen diese Bilder und Gespräche, dass die vielleicht theoretisch klingenden Markeneckpunkte gelebte Realität in der USE sind. Das freut die Ausstellungsmacher*innen sehr – denn nur eine authentische, echte Marke kann wirken und nach innen und außen strahlen.

Die Ausstellung startete am 30.03. in Teltow. Danach wandert sie durch alle großen USE-Standorte und bleibt dort für zwei bis drei Wochen. So haben alle ausreichend Zeit, sie sich anschauen und Rückmeldungen zu geben.

Vom 7.- 21. September gastiert die Ausstellung auch beim Integrationsfachdienst im neuen Dienstleistungs.Campus in Berlin Kreuzberg – sicher eine gute Gelegenheit für die Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Gesellschaften, einen Blick darauf zu werfen.