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Wo alles begann: Berlin in der Nachkriegszeit

Erfrieren in den eigenen vier Wänden: Berlin in der Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen bis 1950 über 12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene in die Bundesrepublik und die DDR. Das stellte ein großes Problem dar, denn schon für die hier lebenden Menschen war kaum Platz: Viele Wohnungen wurden im Krieg beschädigt. In den Straßen türmten sich Trümmerberge auf. Gerade die zerbombten Großstädte waren besonders betroffen. In Berlin war nur noch etwa ein Viertel der Wohnungen überhaupt bewohnbar. Viele Berliner*innen mussten noch Jahre nach Kriegsende in beschädigten Wohnräumen leben und spürten die Kriegsfolgen am eigenen Leibe. Die baulichen Schäden bargen lebensbedrohliche Gefahren: Durch die zerbrochenen Fenster und Risse in den Wänden waren die Menschen selbst zu Hause kaum vor der Winterkälte geschützt. Oft hatten sie kein Wasser oder Koks zum Heizen. Im „Hungerwinter“ 1946/47 erfroren knapp 400 Berliner*innen in ihren eigenen vier Wänden. Das eigentlich schutzbringende Zuhause wurde ihnen zum Verhängnis. Im folgenden Winter wollte die Stadtregierung die Menschen besser vor der Kälte schützen und rief daher ein Winternotprogramm ins Leben.

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Brot, Obdach und Arbeit: Ein Notprogramm wird Realität

Angesichts der katastrophalen Lage vieler Menschen fanden sich innerhalb der Berliner CDU sozial engagierte und christlich motivierte Männer und Frauen zur „Arbeitsgemeinschaft Unionswerk“ zusammen, um schnell Hilfe zu leisten. Bereits in ihrem Gründungsaufruf vom 26. Juni 1945 hatte die Partei ein „Notprogramm für Brot, Obdach und Arbeit“ gefordert, um Menschen zu helfen, die besonders unter den Kriegsfolgen litten. Dieses sollte nun schnell in die Tat umgesetzt werden.

“Das unermesslicher Elend in unserem Volke zwingt uns, den Aufbau unseres Wirtschaftslebens, die Sicherung von Arbeit und Nahrung, Kleidung und Wohnung ohne jede Rücksicht auf persönliche Interessen und wirtschaftliche Theorien in straffer Planung durchzuführen.” (Auszug Notprogramm für Brot, Obdach und Arbeit)

Engagierte Mitstreiter*innen wurden gewonnen und so konnte mit der „sozialen Arbeit für die Berliner Bevölkerung“ gestartet werden. Eine der ersten Aktivitäten war die Beteiligung am Berliner Winternotprogramm, um die Geflüchteten und obdachlosen Berliner*innen vor dem Tod durch Erfrieren und Hunger zu schützen. Zusammengeschlossen unter dem Namen „Unionswerk“ stellten die Helfer*innen einige Wärmehallen als Notunterkünfte bereit, die für viele die Rettung aus der Not bedeuteten.

Das Konzept war nicht ganz neu: Beheizte Hallen, in denen sich notleidende Menschen aufwärmen und häufig auch einen Kaffee und ein paar Brötchen bekommen konnten, hatte es in Berlin schon vor dem Krieg gegeben. Alle Bedürftigen hatten hier Zutritt. Durch den Krieg waren aber so viele Menschen in Armut geraten, dass die Stadtverwaltung auf die Mithilfe von Organisationen der freien Wohlfahrtspflege angewiesen war, um eine ausreichende Anzahl an Wärmehallen zu betreuen. Die freiwilligen Helfer*innen des Unionswerks organisierten außerdem die Ausgabe von warmen Mahlzeiten, Decken und Kleidung und verteilten Care-Pakete. Auch an die soziale Wärme dachten sie und richteten Weihnachtsfeiern für Flüchtlingskinder aus.

“Das „Unionswerk“ ist nur Kernpunkt einer tätigen sozialen Bewegung. Sie wird zur Bewegung durch tatsächlich geleistete anerkannte Arbeit.” (Auszug, Arbeitsweise des Unionswerkes, Juli 1947)

 

Im nächsten Beitrag erfahren Sie, wie aus dem Unionswerk das Unionhilfswerk wurde und warum es fast 75 Jahre und einen Zufall brauchte, um herauszufinden, wann es tatsächlich gegründet wurde.

 

Quellennachweise:

Christlich-Demokratische Union Deutschlands: Deutsches Volk!, 26.06.1945.

Johannes Müller: Entwurf einer vorläufigen Satzung für das „Unionhilfswerk Berlin“, 5.12.1947.

Siegfried Kracauer; Wärmehallen, in: Frankfurter Zeitung, Nr. 46, 18.1.1931.

Unionswerk der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands: Arbeitsbericht Oktober 1947, 9.11.1947.

https://www.rbb24.de/politik/thema/2015/70-jahre-kriegsende/beitraege/kriegsschaeden-berlin-2–weltkrieg.html.

Matthias Willing: „Sozialistische Wohlfahrt“. Die staatliche Sozialfürsorge in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR (1945-1990), Tübingen 2008, S. 117.

Kälte? Hilfe! Das Unionhilfswerk ist 2022 in der Kältehilfe aktiv

Liebe*r Leser*in,

danke, dass du interessiert bist!

Interessiert an Erfahrungen und Erlebnissen von Menschen, die obdachlos in Berlin sind und für jede Nacht eine Unterkunft suchen. Die heute noch nicht wissen, wo sie morgen schlafen können ohne an Kälte oder Hunger zu leiden. Menschen, die wir ab Februar 2022 unterstützen werden. Sei es durch einen Schlafplatz, durch Mahlzeiten oder durch Zuhören und Zeit schenken.

Um was genau geht es?

Ab dem 01.Februar 2022 bis zum 30.4.2022 betreut das Unionhilfswerk im Auftrag des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg ein Kältehilfeprojekt in einem ehemaligen Hotel in der Kopernikusstraße 36/37 in Friedrichshain.
In sieben Nächten pro Woche finden obdachlose Menschen hier von 19 bis 8 Uhr einen warmen und trockenen Schlafplatz sowie Essen, Waschgelegenheiten und ggf. Unterstützung in besonderen Notlagen.
Der Einlass ist für 19 Uhr vorgesehen, morgens um 8 Uhr werden die Menschen das Haus verlassen haben.

Wie kannst du unterstützen?

Wir suchen die Unterstützung von Menschen, die bereit sind, in einer der folgenden Schichten zu arbeiten (oder in beiden).

Spätschicht:      19:30 bis 22:30 Uhr
Frühschicht:      6:00 bis 8 Uhr

Wie viele Schichten oder Tage du übernehmen willst, kann ganz individuell mit den Projektkoordinatoren abgestimmt werden. (Auch, wenn du nur eine einzige Schicht übernehmen kannst, hilft uns das bereits weiter!)
Pro Schicht arbeiten zwei professionelle Wachschutzmitarbeiter*innen sowie eine* hauptamtliche* Mitarbeiter*in. Sie benötigen jeweils zwei bis drei zusätzliche Unterstützer*innen.

Welche Einsatzgebiete sind möglich?

Registrierung der ankommenden Menschen, Essensausgabe abends bzw. morgens, Ausgabe der Sanitärutensilien, Annahme persönlicher Gegenstände zur Deponierung in Fächern und deren Ausgabe am Morgen.
Übrigens: Das morgendliche Wecken übernehmen die Wachschutzmitarbeiter*innen.

  

Du willst unterstützen? Wir bieten dir zwei Möglichkeiten und freuen uns sehr über dein Interesse!

  • Unterstützer*innen können schnell und unkompliziert im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung auf 450 Euro Basis beim Unionhilfswerk angestellt werden.
  • Alternativ ist ein freiwilliges und unentgeltliches Engagement möglich.

 

Für Bewerbungen wende dich gern an unsere Koordinator*innen Frau Klecha und Herrn Müller unter: sozialedienste@unionhilfswerk.de.
(Bitte teilen uns in deiner E-Mail mit, in welchem Umfang und zu welchen Zeiten du das Projekt unterstützen möchtest.)

 

Wir danken Dir sehr herzlich für dein Interesse und deine Bereitschaft, Menschen zu unterstützen!

Dein Team der Kältehilfe des Unionhilfswerks Berlin

 

Bitte nutzt  auch die Kommentarfunktion für Fragen!

 

*Übrigens: Ist beim Lesen etwas aufgefallen? In diesem Artikel duzen wir unsere Leser*innen. Das liegt daran, dass er Teil einer externen Kampagne ist, die Freiwillige für das Projekt Kältehilfe finden soll. Uns stört das Duzen aber gar nicht :-).

Jenny Gürke: Karriere mit drei Kindern

Wie sind Sie zu dem großen sozialen Träger gekommen?

Zum Unionhilfswerk bin ich über eine damalige »Mitschülerin« gekommen. 2011 habe ich im Pflegewohnheim »Am Plänterwald« angefangen – und ich habe es nicht bereut.

Welche Stationen haben Sie seitdem durchlaufen?

Meine erste Station war stellvertretende Pflegedienstleiterin (PDL). Nach dem Erziehungsjahr meines dritten Kindes wechselte ich in das zentrale Qualitätsmanagement. Seit 2017 leite ich das tolle Team des Pflegewohnheims »Dr. Günter Hesse«, erst als stellvertretende PDL, dann als PDL und seit Mai als Einrichtungsleitung. Aktuell absolviere ich die Ausbildung zur Validationsanwenderin nach Naomi Feil. Für die Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, danke ich den Geschäftsführerinnen Lilith Langner und Ute Dietrich sehr.

Familie und Beruf zu vereinbaren, ist herausfordernd. Wie ist Ihnen das gelungen?

Ich habe einen tollen Mann, der mich immer unterstützt hat. Zudem konnte ich in Teilzeit arbeiten, als meine größeren Kinder noch jünger waren. Im zentralen Qualitätsmanagement habe ich viel im Homeoffice gearbeitet. Dieses Privileg durfte ich beibehalten, als ich zurück in die Leitung ging. Auch dafür bin ich dem Unionhilfswerk sehr dankbar.

Eine andere Herausforderung ist die Pandemie. Werden wir Corona überwinden?

Ich bin der Meinung, dass das Virus bleiben wird. Aber wir werden lernen, damit besser umzugehen. Daher hoffe ich, dass es keinen weiteren Lockdown geben wird.

Wer viel Verantwortung trägt, braucht Energie. Woher nehmen Sie die?

Viel Kraft gibt mir meine Familie. Der Sport in der Gruppe und der Garten helfen mir, den Kopf freizubekommen. Auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben mir viel Kraft. Ihr Zuspruch hilft, wenn ich das Gefühl habe zu straucheln.

Gerade in diesen Zeiten kommen Pflegekräfte an ihre Grenzen. Weshalb lohnen sich Pflegeberufe trotzdem?

Menschen am Ende des Lebens können uns so viel Lebenserfahrung mitgeben. Der Großteil ist dankbar, für das, was man tut. Und man findet immer jemanden, der ein offenes Ohr hat. Ich gehe nicht nur des Geldes wegen arbeiten. Die Pflege und das Unionhilfswerk bieten mir so viele Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln – was man an meinem Werdegang sieht.

 

*Dieser Beitrag erschien auch in unserer Zeitung, der Wir für Berlin.

75 Jahre Unionhilfswerk – das erwartet uns in diesem Jahr

Wir nehmen unsere Geschichte unter die Lupe

75 Jahre Unionhilfswerk, in dieser Zeit ist einiges passiert. Wir nehmen unser Jubiläum zum Anlass, unsere Kellerräume und Archive zu durchforsten: Wir tauchen ein in die Historie des Unionhilfswerk und erzählen davon, wie alles anfing, wie sich unsere Arbeitsbereiche entwickelt haben und warum wir heute ein so großer Dienstleister und Arbeitgeber sind.

Freuen Sie sich auf Artikel, die unsere Unternehmensgeschichte spannend aufbereiten, eine Sonderpublikation zur Historie und auf ein Unionhilfswerk-Wiki, das sich tiefergehend mit vielen Details beschäftigt – ganz im Stil von Wikipedia.

„Wir machen uns „Freu(n)de“

Von diesem Projekt haben Sie vielleicht schon gehört: Wir nehmen unser Jubiläum zum Anlass dafür, unsere Kolleg*innen und Projekte besser kennenzulernen. Über 30 Projekte aus dem ganzen Unternehmensverbund haben sich beworben und werden sich gegenseitig eine Freude machen. Dabei gab es schon eine Menge kreative Ideen und Gedanken für mögliche Freude-Aktionen – und ganz viel positive Resonanz auf das Projekt. Die Vorfreude und Lust ist groß!

Gute Taten

Erinnern Sie sich an die Gute-Taten-Projekte zu unserem letzten Jubiläum? Uns sind sie sehr positiv im Gedächtnis geblieben. Deshalb wollen wir auch in diesem Jahr wieder gemeinsam Gutes tun: Zusammen sorgen wir dafür, dass das Berliner Umland noch grüner wird und pflanzen unter Anleitung von einem Förster an zwei Unionhilfswerk-Aktionstagen jeweils 750 junge Bäume – der Umwelt zu Liebe.

Außerdem wollen wir in Bewegung bleiben und für den guten Zweck gemeinsam Sport treiben. Aus unseren gesammelten Kilometern ergibt sich am Ende dann eine Spendensumme, die einem sozialen Projekt der in Wohnungslosenhilfe zugutekommen wird. Über beide Projekte informieren wir Sie rechtzeitig über unsere gängigen Kanäle.

Wir feiern!

Zu einem solchen Geburtstag darf eine anständige Feier natürlich nicht fehlen. Klar: Ein Stück weit feiern wir uns das ganze Jahr über.  Am 16. Juni dann aber ganz besonders: Unser großes Jubiläumsfest findet im Herzen Berlins im Spindler und Klatt statt.

Übrigens: Auch auf diesem Blog werden Sie am Jubiläum in diesem Jahr nicht vorbeikommen: Wir richten eine Extra Rubrik „75 Jahre Unionhilfswerk“ ein und halten Sie hier auf dem Laufenden. Bleiben Sie gespannt!