Monthly Archives: September 2024

Was trägt Engagement zum Demokratie-Erhalt bei?

Gesellschaft im Kleinen gestalten

Sich einbringen, Begegnungen schaffen, Vereinsamung entgegenwirken, Teilhabe ermöglichen, Perspektiven mitentwickeln – sind Motive von vielen Freiwilligen, sich zu engagieren. Dies trägt dazu bei, dass sich Menschen einer (Stadt-)Gesellschaft zugehörig fühlen. Im eigenen Stadtteil, für die eigenen Themen, für andere und damit auch für sich selbst, aktiv zu sein – damit beginnt Demokratie im Kleinen. Aktiv sein heißt, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, mitzugestalten und mitzumachen, einen Beitrag zum Gemeinwohl und zum Gemeinsinn einer Gesellschaft zu leisten, aber auch Verantwortung für die Gesellschaft und für andere Menschen zu übernehmen. Bürgerschaftliches Engagement entwickelt und erprobt demokratische Kompetenzen und ist eine Vorstufe politischer Beteiligung. Wer sich engagiert und sich mit anderen austauscht, wird eher das Wahlrecht nutzen, sich an Debatten und Volksentscheiden beteiligen und sich in Bürgerdialogen und Bürgerforen einbringen.

Demokratie beginnt im Kindesalter

Die Förderung von Partizipation und Engagement beginnt bereits im Kindesalter. Die eigene Meinungvertreten, Kompromisse aushandeln und gemeinsam entscheiden – das will gelernt sein. Kinder, die aktiv mitbestimmen dürfen, erleben sich als selbstwirksam und lernen, dass ihre Entscheidungen Konsequenzen haben, zum Beispiel, wenn Kita-Kinder mitbestimmen, welche neuen Spielsachen oder Spielplatzgeräte in der Kita angeschafft werden, wie Geburtstage gefeiert werden oder welchen Ausflug die Gruppe als Nächstes unternehmen wird. Dies setzt sich im Jugendalter fort, z. B. beim Lernen durch Engagement an außerschulischen und schulischen Lernorten. Wer früh lernt, bei der Durchsetzung eigener Wünsche auch die Bedürfnisse und Emotionen der anderen wahrzunehmen und zu berücksichtigen, der lernt fürs Leben. Gelernt wird beispielsweise, dass Kompromisse oft mühsam ausgehandelt werden müssen, dass sie dann aber auch tragfähig sind und Bestand haben.

Gemeinsinn als Basis

Erwachsene mit vielfältigen Beteiligungserfahrungen verfügen über einen guten Werkzeugkasten, um sich für das einzusetzen, was Demokratie ausmacht: Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und Einhaltung der Menschenrechte. Außerdem gehört dazu, Entscheidungsprozesse mitzugestalten und Auseinandersetzungen produktiv und fair zu führen, sich in Initiativen und Bewegungen zu engagieren, in Vereinen, in Organisationen wie dem Unionshilfswerk, in Verbänden und Parteien.

Demokratie braucht die aktive Zivilgesellschaft. Sie braucht den Gemeinsinn ihrer Bürger*innen.

Woher kommt aber dieser Gemeinsinn? Aus der gelebten Kultur und ihren Quellen. Hier sind wir bei Quellen wie dem Christentum und anderen Religionen, den Werten der Aufklärung und des Humanismus. Solange wir uns für die Demokratie stark machen, solange wird sie eine gute Basis unserer Gesellschaft sein.

 

Demokratie braucht Demokratinnen und Demokraten. Hier gibt es weitere Informationen zum Tag der Demokratie:
https://www.kas.de/de/web/politische-bildung/tag-der-demokratie

Ein Tag voller Begegnungen – Social Day im Pflegewohnheim „Am Plänterwald“

Eins ist gewiss: Diesen Tag werden alle Teilnehmenden nicht so schnell vergessen. Schon das Wetter wollte uns Gutes tun: Kaum trafen die freiwilligen Helfer*innen von der Deutschen Bahn bei uns ein, klarte der Himmel auf – und unser Gemüt gleich mit. Die herzliche Begrüßung und das gegenseitige Kennenlernen taten ihr Übriges, und so legte sich schnell eine angenehme, fröhliche Stimmung über unser Haus.

Der Umgang mit dem Rollstuhl braucht nicht nur Technik, sondern auch Vertrauen

Frau Bobbe, unsere Einrichtungsleitung, und Frau Nitzer, die Pflegedienstleitung, gaben einen kleinen Einblick in unseren Alltag und den geplanten Ablauf des Tages. Danach wurde es ernst – zumindest theoretisch: Jetzt stand nämlich die „Rollstuhl-Einweisung“ auf dem Programm. Zehn DB-Mitarbeiter*innen, zehn neugierige Blicke – und der eine oder andere nervöse Grinser. Denn, mal ehrlich, wer setzt sich schon freiwillig in einen Rollstuhl?
Aber genau das war der Plan! Einmal selbst erleben, wie es ist, wenn man die Kontrolle abgeben muss, wenn man bei einer kleinen Bordsteinkante plötzlich auf fremde Hilfe angewiesen ist.
Die Erkenntnis kam schnell: Der Rollstuhl fährt sich nicht selbst – und mit der Technik allein ist es nicht getan. Der Mensch im Rollstuhl braucht Vertrauen in die Person, die unterstützt.

Unterdessen sorgte unsere Betreuungsassistentin Anja Schmitz dafür, dass auch alle teilnehmenden Bewohner*innen am Treffpunkt eintrafen – und die Stimmung war auf beiden Seiten prächtig. Es war sehr schön, zu erleben, wie offen die Teammitglieder der Deutschen Bahn auf die Menschen aus unserem Haus zugingen und sich ihnen vorstellten. Das Eis war schnell gebrochen und jetzt konnte es richtig losgehen: Ab zur Spree und zur Insel der Jugend – naja, mit ein paar kleinen Umwegen wegen Baustellen und Straßensperrungen.

Unsere Bewohner*innen erzählten Anekdoten aus ihrer Vergangenheit

Am Ufer angekommen, belohnte uns der Blick aufs Wasser und das neugebaute Eierhäuschen im Plänterwald. Zwischen Jung und Alt entwickelten sich spannende Gespräche, und wir hörten die ein oder andere Anekdote. Unser 90-jähriger Bewohner erzählte beispielsweise, wie er als junger Mann schon mit dem Boot auf der Spree unterwegs war.
Am Ziel angekommen, wartete eine süße Stärkung auf uns: Kaffee und selbstgebackene Kirschmuffins – frisch zubereitet von Bewohnerinnen und Betreuungsassistentinnen. Mit allen Sinnen genossen wir diesen Moment. Nach einem kleinen Vortrag über die Insel der Jugend, unzähligen Erinnerungsfotos und vielen Gesprächen machten wir uns schließlich langsam wieder auf den Rückweg. Unsere Hauswirtschaftsleitung Carmen Bugiel erwartete uns im Pflegewohnheim bereits mit frisch gegrillten Würstchen. Beim gemeinsamen Essen zog das Team der Deutschen Bahn ein einstimmiges Fazit: „Das war ein unbeschreiblich schöner Tag!“

Das Team der Deutschen Bahn war genauso begeistert wie unsere Bewohner*innen

Beim Abschied wurde es dann emotional: Bewohner*innen und Helfer*innen tauschten private Worte aus, manche zogen noch schnell das Handy für ein letztes Selfie heraus. Der Name „Social Day“ hätte wirklich nicht passender gewählt sein können. Ideen für weitere Zusammenkünfte sprudelten bereits, und auch am Tag danach erzählten unsere Bewohner*innen noch begeistert von den Erlebnissen. Fazit: Ein Tag, den wir alle aus vollem Herzen genossen haben! Danke an alle, die dazu beigetragen haben!

 

Halt finden im Unionhilfswerk – die Erfolgsgeschichte von Klaus Jank

Ich heiße Klaus Jank, bin 63 Jahre alt und leide unter einer paranoiden Schizophrenie. Ich bin vollständig erwerbsgemindert.

Ich habe in Dresden Physik studiert und gleich nach dem Studium in der Software-Entwicklung gearbeitet. Das Leben war schön und die Arbeit hat Spaß gemacht. Ende der 1990er Jahre bin ich dann erkrankt, und plötzlich war alles anders. Ich habe meinen Job gekündigt und im Weiteren jegliches Einkommen verloren. Schließlich habe ich von der Straße gelebt. Ich hatte eine „richtig schöne“ Psychose. Und das ging jahrelang. Anfang der 2000er bin ich dann in Behandlung gekommen und habe begonnen, mir ein neues Leben aufzubauen. 2009 habe ich dann auch wieder einen Job in der Software-Entwicklung gefunden und hatte auch wieder eine eigene Wohnung.

Das Übergangswohnheim im Unionhilfswerk nahm mich auf

2014 kam dann die zweite Psychose. Ich hatte wieder Job und Wohnung verloren, und war zwei Jahre obdachlos. Ende 2016 kam ich dann in eine Klinik. Ich bin in der Psychose in Niedersachsen gelandet, ich wollte aber unbedingt zurück nach Berlin. Da hat mir das Unionhilfswerk weitergeholfen. Ich wurde im Übergangswohnheim Mariannenstraße aufgenommen. Ich begann wieder damit, mir ein neues Leben aufzubauen. Nur war es diesmal mit der Arbeitsfähigkeit schlecht bestellt. Ich leide immer noch unter einigen Symptomen meiner Schizophrenie und kann mich nicht längere Zeit konzentrieren, so dass ich erwerbsunfähig geschrieben wurde.

Meine Erfolgsgeschichte begann im Frühjahr 2021, mitten in der Corona-Zeit. Ich wurde in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln vorstellig. Ich wollte arbeiten, da mir das bei der Tagesstruktur weiterhilft. Besonders macht mir von Zeit zu Zeit eine Antriebslosigkeit zu schaffen. Wichtig ist es da für mich, dass ich eine feste Tagesstruktur und „was zu tun“ habe. Ich wollte gern wieder mit Computern arbeiten, da ich in meinem Berufsleben schon langjährig als Software-Entwickler gearbeitet habe. In der Zuverdienstwerkstatt war das nicht möglich – Aufnahmestopp wegen Corona. Der Leiter der Zuverdienstwerkstatt Jürgen Stange hatte dann Stephan Vötig – damals Fachadministrator der Fachbereiche Menschen mit psychischer Erkrankung und Menschen mit Behinderung – angesprochen, ob er nicht einen Zuverdienstler brauchen könne. Nach einem Gespräch mit Herrn Vötig war dieser dann einverstanden und ich konnte am 17. Juni 2021 meinen Vertrag unterschreiben.

Meine Arbeit wurde wertgeschätzt

Die Arbeit bei Herrn Vötig war abwechslungsreich und anspruchsvoll. Sie hat mir großen Spaß gemacht. Herr Vötig und auch die Fachbereichsleitungen Sabine Jeschke und Jürgen Weimann haben meine Arbeit wertgeschätzt.

Im Herbst 2022 wurde ich dann gefragt, ob ich mir auch eine Teilzeitbeschäftigung im Unionhilfswerk vorstellen könne. Ich hatte selbst schon darüber nachgedacht, das Unionhilfswerk nach einer Teilzeitbeschäftigung zu fragen. So fing ich dann im Januar 2023 im Unionhilfswerk an.

Heute bin ich Assistent von Ulrich Peiter – dem heutigen Fachadministrator der beiden Fachbereiche – und arbeite 12 Stunden pro Woche. Im Wesentlichen bin ich für die Kassen zuständig. Bereits im Zuverdienst hatte ich darüber nachgedacht, ob man die Daten der Klient*innen, die im Deckblatt versammelt sind, nicht in einer Datenbank verwalten kann. Nachdem ich darüber nachgedacht hatte, habe ich zu Hause an meinem Laptop eine Datenbank entwickelt. Diese habe ich dann Herrn Vötig vorgestellt. Er fand die Idee gut – und auch die Datenbank. Seitdem ist das mein Hauptjob.

Ich leiste jetzt meinen Beitrag

Da ich gleichzeitig Klient im Unionhilfswerk bin – ich wohne in einer Therapeutischen Wohngemeinschaft –, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Arbeit des Unionhilfswerkes ist. Ich freue mich, dafür einen Beitrag leisten zu können.

…Märchen, Science Fiction, Perspektivwechsel der besonderen Art! – extraterrestrische Fachkräfte in den Unionhilfswerk-Kitas

Hier der Bericht über die Erfahrungen der Xylonier in den Kitas des Unionhilfswerks

„In einem fernen Sonnensystem befindet sich der Planet Xylon. Auf diesem mysteriösen Planeten lebt eine hochentwickelte Zivilisation, die sich auf die bildungspädagogische Arbeit mit Kindern spezialisiert hat. Eines Tages entdecken die Xylonier ein seltsames Signal aus den Tiefen des Weltraums. Es kommt von dem weit entfernten Planeten Erde und wird dauerhaft in Hochfrequenz ausgestrahlt. Neugierig und voller Entdeckerdrang entsendet die Regierung von Xylon ein Raumschiff, um der Quelle des Signals auf den Grund zu gehen. Nach einer langen Reise durch die unendlichen Weiten des Alls erreicht das Raumschiff schließlich die Erde. Das Signal führt sie direkt zum Unionhilfswerk. Ihr Raumschiff landet auf dem Dach des Dienstleistungs.Campus in Berlin-Kreuzberg. Mutig beschließt die Crew, sich möglichen Gefahren zu stellen und durch den Eingang in die unbekannte Welt des Unionhilfswerks zu gehen.

Das seltsame Signal, welches sie bis zu ihrem Planeten Xylon gehört haben, stammt vom Personalmarketing und den Leitungen der Kindertagesstätten, die auf den verschiedensten Wegen Mitarbeitende für die Kitas suchen. Die Xylonier sind neugierig und schauen sich an, was der Träger und die Teams auf der Erde zu bieten haben. Was die Xylonier dort finden, übersteigt ihre kühnsten Vorstellungen und stellt ihr Verständnis von den Möglichkeiten pädagogischer Arbeit auf den Kopf.

Sie entdecken, dass es Betreuungseinrichtungen für Kinder gibt, in denen nach einer sogenannten Maria Montessori gearbeitet wird oder in denen man sich in verschiedenen Sprachen mit den Kindern und Familien unterhält. Ja, sogar haarige Wesen mit hechelnder Zunge, von den Menschen als Hunde bezeichnet, werden in der pädagogischen Arbeit mit den Kindern eingesetzt. Und tatsächlich entschieden sich seit Beginn des Jahres bereits 8 Xylonier dafür, auf der Erde zu bleiben und in den Kitas des Unionhilfswerks pädagogisch zu arbeiten. Sie beobachteten fasziniert die pädagogischen Strukturen und lernten die Vielfalt der Teams kennen und dass die Menschen scheinbar dauerhaft gerne hier arbeiten. So entschieden sich im Winter 7 von 7 fertig ausgebildeten Erzieher*innen, dass sie auch nach dem Ende der Ausbildung weiterhin hier arbeiten möchten. Und rund 6 von 7 Mitarbeitende haben freiwillig vom Senat festgelegte Zusatzausbildungen absolviert, damit sie auf den pädagogischen Personalschlüssel in den Kitas gerechnet werden können. Auch anerkannte Quereinsteigende mit den unterschiedlichsten pädagogischen Hintergründen arbeiten gerne in den Kitas des Unionhilfswerks, sodass die Quereinstiegsquoten in fast allen Einrichtungen ausgeschöpft sind.

Wissensaustausch & Vernetzung

Die Xylonier sind ein sehr vernetztes Volk, welches regelmäßig Wissen austauscht. Daher freuen sie sich besonders, dass dies im Unionhilfswerk mittels der pädagogischen Fachberatung ebenfalls der Fall ist. Diese bringt aus den verschiedensten internen und externen Gremien kontinuierlich neue Informationen mit und streut diese in die Kitas, z.B. zum aktualisierten Teilhabe- und Förderplan. Die Xylonier sind technisch hoch fortgeschritten und beobachten mit Freude, wie die Digitalisierung im Unionhilfswerk nach und nach eingeführt wird. So arbeiten die Kitas mit einem neuen digitalen Rechnungssystem namens ELO und testen aktuell die Kita-Verwaltungs-App Kidling.

Die Xylonier lernen beim Unionhilfswerk eine Gemeinschaft kennen, die sich gegenseitig unterstützt. Sie sind begeistert, wie die Kitas mit den verschiedensten Dienstleistungsbereichen des Dienstleistungs.Campus zusammenarbeiten. Die Einrichtungsleitungen berichteten erst jüngst, dass bei sämtlichen Anliegen stets Soforthilfe gewährleistet ist, egal an welchen Dienstleistungsbereich man sich wendet. Auch der sogenannte „Social Day“, unter anderem mit der Union Sozialer Einrichtungen USE gGmbH, eine der Töchter im Unternehmensverbund, wurde so positiv hervorgehoben, dass man dieses Engagementformat  zukünftig unbedingt ausbauen möchte. Freudig gespannt blicken die Xylonier den anstehenden Bauprojekten ab Sommer in zwei Kitas entgegen. So wird das Gebäude im Tramper Weg in Reinickendorf vollständig saniert und der Spielgarten in der Sommerstraße komplett neu gestaltet.

Für die Xylonier beginnt beim Unionhilfswerk ein episches Abenteuer voller unerwarteter Entdeckungen, die ihr Leben für immer verändern werden.“