Monthly Archives: September 2025

Erfahrungswissen als Ressource: EX-IN-Genesungsbegleitung im Fokus

Zu einem komprimierten und spannenden Fachabend hat die Pinel gGmbH – Initiative für psychisch Kranke im ersten Halbjahr 2025 ins Pinellodrom in Berlin-Schöneberg eingeladen. Unter dem Titel „Durch Erfahrung gut – Chancen & Challenges der EX-IN-Genesungsbegleitung für Träger und Kliniken“ konnten sich ca. 100 Zuhörer*innen in einer zweistündigen Podiumsdiskussion über aktuelle Ansätze und Praxiserfahrungen informieren.

In Berlin wird das Weiterbildungsprogramm EX-IN von der Pinel gGmbH angeboten. In der Anmoderation erklärte Marco Saal, Fachreferent der Geschäftsführung, dass mittlerweile in Berlin der 28. EX-IN-Kurs stattfindet und es inzwischen in Berlin ca. 700 Absolvent*innen dieser Kurse gibt.

Auf dem Podium vertreten war ein hochkarätiger Gast: Jörg Utschakowski ist Psychiatriereferent des Landes Bremen, Ehrenvorstand bei EX-IN Deutschland e.V. und ein wichtiger Vorreiter der EX-IN-Bewegung in Deutschland.

Zur Geschichte der EX-IN-Weiterbildung gefragt, verwies er darauf, dass es sich um ein europäisches Projekt handelte, an dem unterschiedliche Länder beteiligt waren. Ein Curriculum für die Weiterbildung wurde 2007 mit dem gemeinsamen Verständnis entwickelt, dass es eine Art „kollektives Wissen von Psychiatrieerfahrung“ gibt, so Utschakowski.

 

Hoffnung und Perspektiven vermitteln

In Deutschland fanden die ersten EX-IN-Kurse 2008 in Berlin statt. In der Weiterbildung wird mit der Idee des „Wir-Wissens“ ein gemeinsames Erfahrungswissen generiert. Für die Arbeit als Genesungsbegleiter*in ist es wichtig, die eigene Perspektive zu erweitern und herauszufinden, welche Haltungen und Strukturen für Menschen in psychischen Krisen hilfreich sein können.
Dieses wertvolle Wissen können Träger und Kliniken nutzen.

Bei der Arbeit von Genesungsbegleiter*innen steht das Vermitteln von Hoffnung und Perspektiven im Vordergrund. Podiumsgast Vladimir Bojic arbeitet als systemischer Therapeut und Genesungsbegleiter in einem multiprofessionellen Team im Bereich der ambulanten Krisenbegleitung und des Betreuten Einzelwohnens bei Pinel. Er stellt sich den Klient*innen nicht sofort als jemand vor, der selbst krisenerfahren ist, sondern setzt sein Erfahrungswissen dann ein, wenn es gut passt. Er betonte, dass es gut sei, als Genesungsbegleiter*in zu zweit in einem Team zu arbeiten.

Anke Frey ist Genesungsbegleiterin auf der akutpsychiatrischen Station des Theodor-Wenzel-Werks (TWW) und leitet mit der Psychologin Sandra Kieser ein Team von 13 Genesungsbegleiter*innen. Die Kliniken im TWW beschäftigen seit August 2021 Genesungsbegleiter*innen in der Psychiatrie – unter guten Bedingungen: Das Team hat eine eigene Leitung, einen eigenen Dienstplan, eigene Teamtage und Supervision. Zudem hat das TWW mit den Krankenkassen eine Refinanzierung der Peers als eigenständige Berufsgruppe verhandelt. Ein „Riesenerfolg“, so Anke Frey.

Konkret nach ihrer Arbeit auf der Station gefragt, erzählte Anke Frey, dass sie meist einen guten Zugang zu einigen Patient*innen bekommt, alltagsnahe Begleitungen und entlastende Gespräche anbietet.

 

Stigmatisierung entgegenwirken

Marion Locher, Geschäftsführerin der Träger gGmbH, stellte auf dem Podium den Ansatz ihres Trägers vor: Seit 2019 ist dort ein Peer-Team mit an Bord, das aus vier Peers besteht, von denen drei eine psychosoziale Ausbildung haben. Der Träger nutzt ihre Peer-Beratungskompetenz für Mitarbeiter*innen und Nutzer*innen.

So entwickelt und realisiert das Peer-Team Fortbildungsangebote für und mit Träger-Mitarbeiter*innen, arbeitet an Nutzerbefragungen und anderen partizipativen Projekten mit und berät auch Klient*innen bei spezifischen Fragestellungen in der Assistenz.

Die Arbeit mit dem Peer-Team wirke Stigmatisierung entgegen, weil die Mitarbeiter*innen des Peer-Teams „offen mit ihren Krisen umgehen“, was ein Lerneffekt für die anderen Mitarbeiter*innen bedeute, so Locher.

Die vier Peer-Mitarbeiter*innen sind einmal im Monat in der Teamsitzung dabei und arbeiten ansonsten recht eigenständig. Laut Marion Locher erlaubt ihnen das „die Freiheit für den kritischen Blick“ – auch auf die Strukturen des Trägers.

 

Stellvertreter*innen für das „Licht am Ende des Tunnels“

Ging es im ersten Teil der Podiumsdiskussion um die Chancen der Genesungsbegleitung, beschäftigten sich die Gäste im zweiten Teil mit den Herausforderungen und u.a. mit der Frage, was eigentlich bei der Einführung in der Praxis beachtet werden muss.

Anke Frey verwies darauf, dass vor allem eine gute Vorbereitung wichtig ist, aber auch die Wertschätzung der Arbeit von Expert*innen aus Erfahrung. Zudem verfügt das TWW über eine eigene Stellenbeschreibung für Genesungsbegleiter*innen, in der deren Rolle und Aufgaben klar benannt sind.

Jörg Utschakowski, Autor des Buchs „Mit Peers arbeiten“, erklärte, wie wichtig es ist, dass Genesungsbegleiter*innen immer zu zweit arbeiten – in einem Team oder zumindest in der Organisation. Denn sie könnten nur dann Stellvertreter*innen für das „Licht am Ende des Tunnels“ sein, wenn sie die Chance hätten, ihre Peer-Perspektive immer wieder zu überdenken – auch mithilfe von Supervision.

 

An Recovery und Empowerment orientieren

Für die Implementierung von Genesungsbegleitung brauche es neben einer überzeugten Leitung Arbeit auf vielen Ebenen: So könnten der Einsatz von EX-IN-Praktikant*innen, die Einbeziehung von Peers in Fortbildungen sowie Dialog und Austausch Vorurteile abbauen und Haltungen verändern. Für eine „Kehrtwende in der Organisation“ oder einen „Change-Management-Prozess“ müsse sich die Organisation an Recovery und Empowerment orientieren.

Es gibt noch Potential für Veränderung, denn viele Träger arbeiten noch nicht mit Genesungsbegleiter*innen. Uwe Brohl-Zubert, Fachreferent Soziale Psychiatrie des Paritätischen Landesverband Berlin, sagte auf dem Podium, dass es auf fachlicher Ebene keine großen Hürden mehr gebe, denn der Wert von Expert*innen aus Erfahrung sei seit zehn Jahren anerkannt.

Im Hinblick auf die Diskussion um die aktuelle Entlohnung von Genesungsbegleiter*innen machte er jedoch deutlich, dass die EX-IN-Genesungsbegleitung noch kein anerkannter Beruf sei, weshalb die Bezahlung immer eine „Aushandlungssache“ bleibe. Er plädierte dafür, für die Träger auf Vertragsebene Anreize zu schaffen, damit die Arbeit mit Genesungsbegleiter*innen in den Leistungstypen keine „schöne Empfehlung“ bleibe.

 

Inklusion umsetzen

Anja Jaeckel, Koordinatorin der Berliner EX-IN-Weiterbildung, betonte schließlich auf dem Podium, dass es wichtig sei, dem Thema noch vorurteilsfreier und mit mehr Vertrauen in die wichtige Arbeit von Genesungsbegleiter*innen zu begegnen. Trotz vieler positiver Veränderungen im psychosozialen Hilfesystem gebe es unter dem Fachpersonal in den Gesundheitssystemen nach wie vor Vorbehalte und zu wenig Vertrauen in die Kompetenzen von Menschen, die weiterhin als stigmatisiert gelten.
Es müsse ein breiteres Verständnis dafür entwickelt werden, dass „wir diese Menschen brauchen“ und auch hier Inklusion umsetzen sollten, weil sie Teil des Systems sind, welches es zu verbessern gelte.

Als Koordinatorin würde sie in Berlin gerne zukünftig auch EX-IN-Kurse auf Englisch anbieten, weil eine große Betroffenen-Zielgruppe gerade in der Metropole Berlin aufgrund von Sprachbarrieren bisher von dem Angebot der Weiterbildung ausgeschlossen ist.

 

„Durch die Klient*innen-Brille schauen“

Der Fachabend hat deutlich gemacht, dass unser Projekt „EX-IN – Mit Peers arbeiten“ viele der Hinweise der Podiumsgäste für eine gute Vorbereitung und eine Implementierung des Ansatzes EX-IN bereits beachtet und umgesetzt hat. Dennoch konnte das Projektteam wichtige Anregungen für die Praxis mitnehmen.

Cornelia Thießen, die seit Januar 2025 als Nachfolgerin von Thomas Thielking im Tandem mit Lena Grünberg im Projekt EX-IN arbeitet, betont: „Der spannende Fachabend zu den Chancen und Herausforderungen der EX-IN-Genesungsbegleitung hat mir noch einmal gezeigt: Wir als Betreuungsteam müssen davon wegkommen, besser wissen zu wollen, was für unsere Klient*innen gut ist. Ich wünsche mir von Genesungsbegleiter*innen im Team, mehr durch die „Klient*innen-Brille“ schauen zu können.“

 

Peer Power Forum am 17. Oktober

„Peerarbeit verändert Strukturen, Teams und Sichtweisen. Und sie stärkt alle Beteiligten.“ – So heißt es auch auf dem Flyer für eine Veranstaltung des Vereins exPEERienced – erfahren mit seelischen Krisen e.V.
Im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit lädt der Verein zu einem „Peer Power Forum“ am 17.10.2025 von 10 bis 14 Uhr ins Pinellodrom in Berlin-Schöneberg ein. Das Forum richtet sich an Genesungsbegleiter*innen, aber auch gezielt an Arbeitgebende: „Denn Peerarbeit kann nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn Organisationen bereit sind, neue Wege zu gehen und Erfahrungswissen als Ressource anzuerkennen“, so der Verein.

Das Programm klingt vielversprechend – mit Beiträgen u.a. zu den Forschungsergebnissen des Projekts „ImpPeer-Psy5“, zur erfolgreichen Einführung von Peers in der Klinik und zu praktischen Erfahrungen aus der Trägerarbeit. Nicht zuletzt wird auch diese Veranstaltung viel Raum für Austausch und Vernetzung bieten.
Weitere Informationen finden sich auf der Webseite des Vereins: www.expeerienced.de

 

Forschen, pflanzen, staunen – Nachhaltigkeit spielerisch erleben

Nachhaltige Bildung gewinnt in Kitas zunehmend an Bedeutung. Schon die Kleinsten sollen Werte und Praktiken kennenlernen, die unsere Umwelt schützen und Ressourcen schonen. In der Kita „BeerenStark“ in der Weserstraße 186 des Unionhilfswerks wird Nachhaltigkeit täglich gelebt. Während im Garten Pflanzen wachsen, entwickeln die Kinder ein Bewusstsein für Natur und Verantwortung – und das von klein auf.

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Das pädagogische Konzept setzt auf Bildung für nachhaltige Entwicklung. Kinder lernen, verantwortungsvoll mit sich selbst, anderen Menschen und der Umwelt umzugehen. Sie erfahren, wie ihr Handeln die Welt beeinflusst und wie sie selbst zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen können. Dieses Konzept wird hier lebendig – im Garten, im Alltag und in gemeinsamen Projekten.

Der Gemüsegarten als Lernort

Ein zentraler Baustein ist der eigene Gemüsegarten. Von Beginn an bringen die Kinder ihre Ideen in die Gestaltung ein: vom Anpflanzen verschiedener Obst- und Gemüsesorten bis hin zu fantasievollen Vorstellungen wie einem kleinen See. Durch die aktive Teilnahme erleben sie sich als Akteure und entdecken, wie ihre Ideen Gestalt annehmen.

Neugier wecken und begleiten

Mit strahlenden Augen bestaunen die Kinder die ersten Triebe und sprudeln über vor Fragen: „Wann können wir ernten?“ oder „Wachsen Erdbeeren nicht im Supermarkt?“ Die pädagogischen Fachkräfte begleiten diese Neugier geduldig und liebevoll. Gemeinsam ziehen die Kinder Saatgut vor, pflanzen Setzlinge und kümmern sich täglich um ihr Beet. Dabei erfahren sie den Garten mit allen Sinnen, üben Geduld und entwickeln soziale Kompetenz sowie Verantwortungsbewusstsein.

Nachhaltigkeit im Gebäude

Auch das Kita-Gebäude ist nachhaltig ausgerichtet: Eine Wärmepumpe und eine Solaranlage sorgen dafür, dass Energieverbrauch und CO2-Ausstoß deutlich sinken – fast 16 Tonnen weniger pro Jahr. Das Unionhilfswerk setzt außerdem komplett auf erneuerbare Energien und erzeugte 2024 mit eigenen Solaranlagen rund 58.000 Kilowattstunden Strom, wodurch etwa 23 Tonnen CO2 eingespart wurden.

Die Welt ein Stück besser machen

In der Kita „BeerenStark“ wird Nachhaltigkeit zum Abenteuer. Kinder erfahren, dass sie mit ihren Ideen und ihrem Handeln etwas bewirken können – für sich, für andere und für unsere Erde. Sie sehen, wie aus kleinen Samen große Pflanzen werden und lernen, dass jeder Tag eine neue Chance bietet, die Welt ein Stück besser zu machen.

„Arbeit ist wie ein Banküberfall – ohne die richtigen Komplizen geht es nicht“

Wenn die eine in den Ruhestand geht und die andere gerade erst loslegt – kann das gutgehen?

In unserem Pflegedienst in Lichtenberg zeigt das Leitungstandem von Manuela Haupt und Marika Weber eindrucksvoll, wie bereichernd generationenübergreifende Zusammenarbeit sein kann – mit Offenheit, Humor und gegenseitigem Respekt.

„Ich bin nicht die Tochter – ich könnte aber fast die Enkelin sein“, scherzt Marika Weber, Ende zwanzig, wenn sie mit ihrer Kollegin Manuela Haupt unterwegs ist und Kund*innen danach fragen. Tatsächlich trennen die beiden fast vier Jahrzehnte Altersunterschied – und dennoch (oder gerade deshalb?) funktionieren sie im Arbeitsalltag wie ein eingespieltes Team.

 

Ein Start mit gutem Bauchgefühl

Kennengelernt haben sich die beiden bei der Hospitation, die Marika Weber nach ihrem Vorstellungsgespräch im Pflegedienst machen durfte. „Frau Haupt hat mir damals direkt selbst die Tür geöffnet“, erinnert sich Marika Weber. „Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Es fühlte sich gleich gut und richtig an.“

Auch Manuela Haupt, die auf über 40 Jahre Berufserfahrung in der Pflege zurückblickt, war schnell überzeugt: „Ich hatte ein gutes Gefühl und habe mich gefreut, dass wir sie für unser Team gewinnen konnten – gerade auch, weil unser Team insgesamt etwas älter ist.“

Bedenken, wie ein vergleichsweise junges Teammitglied die Leitungsfunktion ausüben würde, gab es kaum. Die Stimmung im Team war offen – und das Vertrauen da. Am Ende zählte vor allem die fachliche Kompetenz, Frau Weber hatte bereits Führungserfahrung, und die Persönlichkeit.

 

Zwischen „Früher“ und Zukunft

Natürlich gibt es Unterschiede im Arbeitsstil: Während Manuela Haupt lieber zum Hörer greift, setzt Marika Weber auf E-Mail und digitale Kommunikation. Auch bei der Tagesstruktur sind die Gewohnheiten verschieden – die eine startet etwas früher, die andere später.

Doch gerade diese Unterschiede eröffnen neue Perspektiven. „Ich bin manchmal sehr schnell und direkt“, sagt Marika Weber. „Frau Haupt denkt oft nochmal einen Moment länger nach oder auch einen Schritt weiter. Das schätze ich sehr an ihr.“

Umgekehrt bringt Marika Weber frischen Wind in digitale Prozesse. Digitalisierung in der Pflege ist ein Thema, das sie persönlich stark interessiert – sie sieht darin großes Potenzial für mehr Effizienz, Entlastung und Qualität. Sie möchte digitale Entwicklungen aktiv mitgestalten und voranbringen.
Das Team profitiert davon: „Anfangs gab es Vorbehalte, zum Beispiel gegenüber den neuen mobilen Datenerfassungsgeräten – jetzt will sie keiner mehr missen“, berichtet sie schmunzelnd.

 

Jung und alt – Klischees vs. Realität

Dass Generationen unterschiedlich ticken, ist kein Geheimnis. Studien zeigen, dass etwa die „Babyboomer“ (geboren zwischen 1955 und 1969) stärker durch Pflichtbewusstsein und Berufsethos geprägt sind, während die Generation Z, die  „Zoomer“ (1995–2010) mehr Wert auf Sinn, Flexibilität und Work-Life-Balance legen.

Das zeigt sich auch im Alltag der beiden: Frau Haupt empfindet inzwischen etwas mehr Stress. „Früher war das anders, heute merke ich doch ab und an mein Alter.“ Marika Weber dagegen bleibt selbst in der Rufbereitschaft gelassen: „Man kann nicht alles beeinflussen – also bringt es auch nichts, sich verrückt zu machen.“

Trotzdem – oder gerade deswegen – ergänzen sich beide ideal. Sie begegnen sich auf Augenhöhe, lernen voneinander, reflektieren gemeinsam. Und lachen viel. „Manchmal dürfen wir uns nicht anschauen, weil wir sonst laut loslachen würden“, erzählt Manuela Haupt – und beide lachen.

 

Vorbildfunktion fürs Team

Auch das Team spürt die Harmonie der Leitung. „Unsere Kolleg*innen kommen mit ihren Anliegen zu uns beiden gleichermaßen“, sagt Marika Weber. „Da gibt es keine Lieblingsleitung.“

Die generationenübergreifende Führung schafft Vertrauen und fördert Offenheit im gesamten Pflegedienst. Das ist übrigens kein Zufall: Vielfalt – auch in Bezug auf Alter – wird im Unionhilfswerk bewusst gelebt und gefördert. Die Mischung aus Erfahrung und Innovation betrachten wir als Erfolgsfaktor.

„Generationenvielfalt ist Teil unserer Haltung“, sagt Lilith Langner, Geschäftsführerin der pflegerischen Gesellschaften und Vorständin der Stiftung Unionhilfswerk Berlin. „Wir wollen Arbeitsplätze schaffen, in denen Jung und Alt voneinander lernen, sich bereichern – und gemeinsam wachsen.“

 

Staffelstabübergabe mit Gefühl

In wenigen Wochen verabschiedet sich Manuela Haupt in den wohlverdienten Ruhestand. Die Vorfreude ist groß – „Weihnachten ohne Rufbereitschaft! Da freue ich mich sehr drauf.“ Gleichzeitig fällt der Abschied nicht ganz leicht – nach so vielen Jahren voller Verantwortung und Einsatz braucht auch das Loslassen seine Zeit.

Marika Weber übernimmt den Staffelstab – und hat klare Vorstellungen: „Ich wünsche mir ein Team, das sich weiterentwickelt. Jüngere Kolleg*innen bringen neue Perspektiven mit. Unsere Auszubildenden zum Beispiel sind toll – ich hoffe, sie bleiben uns erhalten.“

Und was bleibt nach dieser besonderen Zusammenarbeit? Manuela Haupt bringt es auf den Punkt:

„Arbeit ist wie ein Banküberfall – ohne die richtigen Komplizen geht es nicht.“

Pimp your bikes – ein Schulausflug in die Fahrradwerkstatt der USE

Arbeiten in der Fahrradwerkstatt der USE in Kleinmachnow

In der gemeinnützigen Fahrradwerkstatt der USE in Kleinmachnow arbeiten Menschen mit Behinderung auf Außenarbeitsplätzen mit allem, was Räder und Pedale hat. Da dieser Standort zum Dezember 2025 nicht mehr von der USE gGmbH betrieben werden wird, wird die Fahrradwerkstatt in den bereits existierenden USE-Standort in Teltow integriert werden. Dort wartet die Werkstatt dann auf Reparaturen und Fahrradspenden – natürlich können auch gebrauchte Räder erworben werden.

Ein besonderes Projekt vor dem Umzug

Vor dem Umzug gab es noch ein spannendes Projekt: Anfang Juli empfing die Fahrradwerkstatt ganz besondere Gäste. Die Klasse 5a der Grundschule „Am Priesterweg“ in Potsdam führte hier einen Praxistag im Rahmen der Berufs- und Mobilitätsschulung durch. Dabei war die USE der Schule nicht unbekannt, da sich beide durch eine jahrelange Maßnahme in Form eines Repair Cafés bereits seit 2018 kannten.

Die Idee: Weg vom Bildschirm, rauf aufs Rad

Frei nach dem Motto „weg vom Bildschirm“ kam der engagierten Schulleiterin Amrei Dettbarn eines Tages die Idee des Projekttags rund um das Thema Fahrrad.

Trotz anfänglichem Nieselwetter kamen die Schüler*innen nach einer rund zehn Kilometer langen Radtour von Potsdam nach Kleinmachnow – entweder auf dem eigenen oder einem von der Schule gespendeten Rad – gutgelaunt auf dem Hof der Werkstatt an. Dort nahmen die Fachkräfte der Fahrradwerkstatt, Oliver Heyen und Andreas Wolle, alle herzlich in Empfang.

Werkstattstationen: Reparieren, prüfen, lernen

Im Anschluss daran wurden die Schülerinnen nach einer kurzen Frühstückspause in kleinen Gruppen an verschiedenen Stationen selbst aktiv.
Im vorderen Teil der Werkstatt nahm jede*r Schüler*in unter professioneller Anleitung einen Sicherheitscheck des eigenen Rades vor, bei dem Bremsen geprüft, Ketten gepflegt sowie Reifendruck und Schrauben kontrolliert wurden.

Im hinteren Teil ging es etwas wilder zu: mit großer Begeisterung zerlegten die Schüler*innen hier ganze Fahrräder in ihre Einzelteile, die daraufhin in kleinen Projekten ganz genau unter die Lupe genommen und danach wieder zusammengesetzt wurden. Dabei konnten sie auch allerlei Arten von Werkzeugen kennenlernen.

Fahrradtechnik und Verkehrssicherheit hautnah erleben

Durch das Pflegen, Reparieren, Auseinander- und Zusammenbauen der Räder erhielten die Schüler*innen nicht nur spannende Einblicke in die Welt der Fahrradtechnik. Gemeinsam wurden auch Fragen zur Verkehrssicherheit erklärt und besprochen. Dabei stand eine Sache allerdings stets im Vordergrund: zusammen Spaß haben! Dazu trug auch das gesamte Team vor Ort bei, das die wissbegierigen Schüler*innen mit viel Fachwissen und Geduld begleitete.

Das Fazit der Klasse: „Ein spannender und erlebnisreicher Tag!“, wie sich auch im Bericht auf der Schulhomepage nachlesen lässt.