Monthly Archives: Mai 2020

Welle der Hilfsbereitschaft – Freiwilligenarbeit in Lichtenberg

„Oskar“ gehört zur Stiftung Unionhilfswerk Berlin, bietet stadtteilnahe Hilfe an und stärkt das bürgerschaftliche Engagement im Bezirk Lichtenberg. Die Beratungsstelle in der Weitlingstraße 89 ist immer dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr und jeden Freitag von 10 bis 14 Uhr geöffnet, der zweite Standort im Storchenhof in der Hauptstraße 9-9d ebenfalls immer dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr.

Das Team bietet außerdem Sprechstunden in drei Bibliotheken und an weiteren Außenstandorten an. „Es gibt immer viele Fragen“, erzählt Peter Wagenknecht, Projektleiter der Freiwilligenagentur. „Da kommt zum Beispiel jemand und bietet seine Hilfe im Sportbereich an. Dann schauen wir, wo es Bedarf gibt, erklären, wie die Freiwilligenarbeit aussehen könnte und vermitteln Kontakte“.

Engagement per Telefon

Durch die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Corona-Virus ist nun alles anders. Die Arbeit muss überwiegend per Telefon organisiert werden. „Wir sehen die Menschen nicht mehr und können nicht vor Ort beraten. Gleichzeitig gibt es einen goßen Bedarf an Freiwilligen und ständig klingelt das Telefon“, erzählt Peter Wagenknecht.
„Wie haben die Ämter geöffnet? Wer betreut mich, wenn ich aus dem Krankenhaus komme? Gibt es jemanden, der für mich einkaufen gehen kann?“ Das sind nur einige der Fragen, die gestellt werden.

Mehr als 300 neue Registrierungen

Peter Wagenknecht und sein Team vermitteln Freiwillige, die helfen können. Die Hilfsbereitschaft ist groß. Mehr als 300 Menschen haben sich bereits als Freiwillige in Lichtenberg im Zuge der Krise registrieren lassen. Einer älteren Dame, die im Rollstuhl sitzt, konnte ebenso geholfen werden wie einigen Obdachlosen, die keine Anlaufstelle mehr hatten. Es gibt Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder mit großen wirtschaftlichen Problemen. Andere sind plötzlich von Arbeitslosigkeit betroffen und benötigen Rat zum Umgang mit den Ämtern.
Einige wünschen sich auch den Kontakt zu einem Freiwilligen, um einfach mal wieder mit jemanden telefonieren zu können – denn die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sind gerade für ältere Menschen schwierig.
Freiwillige für den Telefondienst konnte das Team in den letzten Wochen oft vermitteln, ebenso wie Einkaufshelfer. „Es ist schön zu sehen, wie hilfsbereit die Menschen sind“, freut sich Peter Wagenknecht.

Neue Formate müssen entwickelt werden

Das Team von „Oskar“ entwickelt auch alternative Formate für geplante Aktionen. Während man vor der Krise gemeinsam in einer Gruppe geschichtsträchtige Orte im Bezirk besuchte, ist jetzt ein Videotagebuch geplant. Der Nutzer besucht die Orte dann virtuell.
Sowieso denkt das Team immer auch schon weiter. Besonders freuen sich die Kolleginnen und Kollegen auf die Erprobung digitaler Kommunikations-Formen im Projekt „Gut, dass Du da bist“, das vom europäische Sozialfonds gefördert wird. „Dadurch können wir Seminare für Freiwillige anbieten. Hoffentlich geht es damit in den nächsten Wochen bald los. Diese Angebote sind sehr spannend“.

In Würde leben – und in Würde sterben. Wie hilft die Patientenverfügung dabei?

Wir Patientenverfügungsberaterinnen und -berater in der Zentralen Anlaufstelle Hospiz müssen uns gut auskennen. Denn tatsächlich gibt es nicht das eine Vorsorgedokument, das für jeden passt. Ein gutes Dokument zeichnet sich dadurch aus, dass es auf die individuellen Vorstellungen und Bedürfnisse abgestimmt ist – denn jeder Mensch ist anders, hat seine eigenen Erfahrungen, Wünsche und Probleme. Generell regeln Vorsorgedokumente die letzte Phase des Lebens. Es kann um die letzten Tage, aber auch um Wochen, Monate oder Jahre gehen.

Was regelt eine Patientenverfügung?

Mit einer Patientenverfügung hat man die Möglichkeit, eigenverantwortlich Vorsorge zu treffen für den Fall, dass bei einer schweren Krankheit oder nach einem Unfall der eigene Wille nicht mehr geäußert werden kann. Bis zu dem Moment kann man die Verfügung jedoch jederzeit ganz oder in Teilen ändern.
Mit der Patientenverfügung gibt man Ärzten und Pflegekräften eine Handlungsmaxime für den Notfall an die Hand und entbindet Angehörige und Nahestehende von schwerwiegenden Entscheidungen mit hoher Tragweite.

Schon Hippokrates schrieb vor über 2000 Jahren: „Der Arzt muss dafür sorgen, dass das Heilbare nicht unheilbar wird. Im Unheilbaren muss er sich aber auskennen, damit er nicht nutzlos quält.“

Wir alle wünschen uns, bis zuletzt in Würde leben und im Anschluss, in Würde sterben zu können. Das Problem ist aber, dass durch den medizinischen Fortschritt die Zeitspanne zwischen Leben und Sterben künstlich verlängert werden kann. Da mag der Gedanke, an lebensverlängernde Apparaturen angeschlossen zu sein, die uns ohne Bewusstsein nicht sterben lassen, für manche unerträglich erscheinen. Das Sterben, das zum Leben dazugehört, erscheint in solchen Fällen unnatürlich, steril und von der Technik beherrscht. Und all dies muss der Patient, wehrlos und oft ohne Bewusstsein, in Kauf nehmen.

Wann tritt die Patientenverfügung in Kraft?

Unabhängig von Art und Verlauf einer Erkrankung müssen folgende Kriterien erfüllt sein, damit eine Patientenverfügung in Kraft tritt:

  • beim Verfassen der Patientenverfügung waren Sie volljährig und einwilligungsfähig
  • aktuell sind Sie als Patient nicht einwilligungsfähig
  • Ihr Wille für konkrete Lebens- und Behandlungssituationen ist festgelegt
  • die nun geplante Maßnahme ist medizinisch notwendig

Habe ich mit der Patientenverfügung rundum vorgesorgt?

Nein, dazu sollten Sie die Patientenverfügung mit einer Vorsorgevollmacht verbinden. Darin benennen Sie eine Person Ihres Vertrauens, wie den Ehepartner, Kinder, Geschwister, Freund oder Freundin. Durch Ihren Auftrag wird er oder sie zu Ihrem Bevollmächtigten in Gesundheitsfragen. Tauschen Sie sich gründlich mit ihm aus, damit er Ihre Behandlungswünsche kennt! So ist er oder sie am besten in der Lage, Entscheidungen in Ihrem Sinn zu treffen. Sie sollten eine Person wählen, der Sie vertrauen: Jemand, der Sie gut kennt und von dem Sie wissen, dass er sich gut informiert. Jemand, der kooperativ und durchsetzungsfähig ist und der es schafft, eine Entscheidung für Sie und nicht für sich selbst zu treffen.

Warum sollte ich meiner Patientenverfügung auch eine Beschreibung meiner persönlichen Wertvorstellungen beifügen?

Das „Herzstück “ einer Patientenverfügung sind die in der Anlage „Persönliche Wertvorstellungen“ niedergelegten Einstellungen und Aussagen zum eigenen Leben und Sterben sowie religiöse Anschauungen. Sie können für die Ärzte oftmals eine wichtige Entscheidungshilfe sein. Denn welche Ängste und Befürchtungen ein Mensch vor bestimmten Situationen hat und welchen Zustand ein Mensch als nicht mehr lebenswert betrachtet, ist eine sehr individuelle Wahrnehmung.
Von großer Bedeutung ist diese Anlage auch, wenn es z.B Auslegungsprobleme gibt oder die konkrete Situation nicht genau der in der Patientenverfügung genannten entspricht – also dann, wenn es gilt, den „mutmaßlichen Willen“ zu ermitteln.

Fortbildungen und Austausch für die Patientenverfügungsberater*innen

Das Team der Zentralen Anlaufstelle Hospiz ist offen für Menschen und ihre Bedürfnisse – auch in schwierigen Situationen – und wir empfinden unser Engagement als sehr bereichernd. Wir möchten dazu beitragen, dass jeder Mensch sein Lebensende würdevoll und gut versorgt verbringen kann. Dabei ist jede Beratung individuell und persönlich. Bei der Vielzahl an Gesprächen – die auch im Rahmen von Haus- und/oder Krankenhausbesuchen erfolgen – werden wir aber auch mit Ängsten, Sorgen sowie menschlichen Schicksalsschlägen und Leid konfrontiert. Sich dann im Team austauschen zu können, wirkt entlastend und tut gut.

Fortbildungen geben uns das notwendige Wissen, um ausführlich und fachkundig beraten zu können. Es ist wichtig, einen fundierten Einblick in Vorsorgemöglichkeiten geben zu können, damit der Ratsuchende – gut informiert – persönliche Entscheidungen treffen kann.

*Aktuell: Die Zentrale Anlaufstelle Hospiz hat eine Sondernummer zur Vorsorgeberatung für über 60jährige eingerichtet. Weitere Informationen finden Sie hier.

Professionelle Bewerbungsunterlagen für Menschen mit Fluchthintergrund

Eine gelungene Bewerbung zu erstellen, stellt schon viele Muttersprachler in Deutschland vor Herausforderungen. Da ist es leicht vorstellbar, dass das ausführliche Anschreiben oder der tabellarische Lebenslauf bei Menschen mit Fluchterfahrung für einige Fragezeichen sorgen. Da aber ein Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz ein großer Schritt in Richtung gelungene Integration ist, ist der „Bewerbungscheck“ insbesondere für das Projekt Empowerment + ein wichtiges Thema.

Der perfekte erste Eindruck

Auch wenn Bewerbungsfotos heute offiziell nicht mehr verlangt werden, gehören sie doch in vielen Fällen noch zur Bewerbung dazu und können –  bestenfalls –  zu einem positiven ersten Eindruck verhelfen. Die professionelle Fotografin Helen Nicolai und Daniel Büchel vom Freiwilligenmanagement im UNIONHILFSWERK freuten sich, die Integration von geflüchteten Menschen mit einem Bewerbungs-Fotoshooting zu unterstützen.

Auch die Teilnehmenden an dem Fotoshooting waren begeistert und erfreut darüber, professionelle und kostenfreie Fotos für ihre Bewerbungen zu erhalten. Angeboten wurde das Shooting durch das Studio “Helen Nicolai – Business Portraits” mit der Inhaberin Helen Nicolai.

Auch Obaidullah Rajabi nahm an dem Shooting Mitte Februar teil und berichtet: “Mein Name ist Obaidullah Rajabi und ich komme aus Afghanistan. In meinem Wohnheim gibt es das Tandemprojekt Emowerment+. Ich habe dieses Projekt kennengelernt und so meinen Tandempartner Dirk gefunden.
Dirk hat mir gesagt, dass ich mich für dieses Fotoshooting anmelden und ein kostenloses Bewerbungsfoto bekommen kann. Diesen Vorschlag akzeptierte ich gern und ging in das Studio.
Das Studio war ein sehr gut ausgestatteter Ort mit einer sehr erfahrenen und freundlichen Fotografin. An diesem Tag waren auch viele andere Menschen da. Von allen wurden Fotos gemacht, am Ende sind auch einige Gruppenfotos mit der Fotografin entstanden. Ich bin sehr froh, dass ich dieses Foto bekommen habe und möchte mich damit für die Tischlerausbildung bewerben.”

Viele Unterlagen waren gut vorbereitet

Wenn der erste Eindruck stimmt, ist der Inhalt der Bewerbungsunterlagen dann um so wichtiger. Theresa Rupprecht aus dem Projekt Empowerment+ hat selbst Berufserfahrung im Personalbereich und kennt sich deshalb bestens mit Bewerbungsunterlagen aus. Sie hat – ganz coronagerecht per Videocall –  in der letzten Woche einen Bewerbungscheck mit Teilnehmenden des Projekts durchgeführt.

In den Einzelgesprächen fiel ihr auf, wie gut die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorbereitet waren: Viele hatten sich bereits Hilfestellungen für die Grundlagen einer Bewerbung geholt und so war die Qualität der Unterlagen schon sehr gut. „Alle Unterlagen hätte man im Grunde direkt verwenden können; daher freut es mich umso mehr, dass wir heute tatsächlich die Möglichkeit hatten, richtig in die Tiefe zu gehen und uns um den Feinschliff zu kümmern.“ So konnte das Augenmerk darauf liegen, die vorhandenen Unterlagen mit Leben zu füllen und einen echten Eindruck von der Person zu vermitteln. „Neben der reinen Erfassung von Daten wird das nämlich leider allzu oft nicht getan“, berichtet sie.

Engagement ist etwas Besonderes

Ein Tipp, den Theresa fast allen Teilnehmern geben konnte war, ihr soziales Engeagement (auch die Teilnahme am Projekt Empowerment+) im Lebenslauf mit anzugeben. Generell sei das Wort „Engagement“ für viele Teilnehmer eher befremdlich: „Bisher habe ich es nicht erlebt, dass Teilnehmer dieses Wort aktiv benutzen, um ihren Einsatz im Projekt oder eine vergleichbare Tätigkeit zu beschreiben.“

In den Bewerbungsunterlagen wurde sich deshalb oft auf das „Handfeste“, also auf offizielle Abschlüsse konzentriert, während andere sogenannte Softskills eher vernachlässigt wurden. Die Fähigkeiten, die Interessen und insbesondere die Motivation, die hinter den Abschlüssen stehen, können aber gerade darüber betont werden.

Aktuell ist es besonders wichtig, Sicherheit zu geben

Insbesondere in der aktuellen Situation sind Verunsicherung und Redebedarf bei Projektteilnehmern groß: Sprachkurse fallen aus, Schulen sind geschlossen, Prüfungen werden verschoben. Für viele Ausbildungs- oder Praktikumsplätze wird ein bestimmtes Deutsch-Level vorausgesetzt, die Kurse können aber aktuell nicht abgeschlossen werden. So können geschmiedete Pläne plötzlich nicht mehr so umgesetzt werden, wie ursprünglich angedacht. Die Frage, wie es jetzt weitergeht, steht also im Raum.

Nach erfolgreichem Bewerbungs-Fotoshooting und Besprechen der Unterlagen steht nun für einige Teilnehmer noch ein zweiter Check an. Dann steht einer erfolgreichen Bewerbung nichts mehr im Weg. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Erfolg bei der Bewerbung!

Empowerment+ ist ein Projekt des Freiwilligenmanagements, das die Begegnungen von Neu-Berlinern mit Fluchterfahrungen und Berlinern fördert. Die Tandems arbeiten drei bis neun Monate lang miteinander. Unterstützt werden die Teilnehmenden durch gemeinsame Gruppenaktivitäten, Workshops, Austausche und Unternehmungen.
Interessierte wenden sich gerne an das Projekt oder schauen einfach im Projektbüro in der Mühsamstraße 33 in Friedrichshain vorbei.

Hier finden Sie das Video zur tollen Fotoaktion.

Homeoffice auch für Beschäftigte der Zuverdienstwerkstatt Neukölln

Unser Genesungsbegleiter und EX-IN* Kollege Peter Sühwold hält telefonischen Kontakt zu den Beschäftigten unserer Werkstatt. Bei einem entsteht ein kleiner Smalltalk, bei einer anderen ist der Bedarf nach Beratung in Alltagsdingen erkennbar. Uns ist es vor allem wichtig, den Beschäftigten zu zeigen, dass wir sie nicht vergessen.
In der Zuverdienstwerkstatt werden beispielsweise gerade Zuschnitte für Community- Masken erstellt. Diese bekommen die Beschäftigten zugeschickt, um sie im Homeoffice zu nähen und die fertigen Masken dann zurück zu bringen. Außerdem haben die Beschäftigen die Möglichkeit, mit Therapie-Hund Ole und seinem Frauchen und Ergotherapeutin Ellen Brüggemann, bei einem kleinen Spaziergang mit Sicherheitsabstand Rixdorf zu erkunden und Kontakt auch außerhalb des Telefons zu haben.

Auf Ressourcen zurückgreifen

Für uns ist erkennbar, dass die allermeisten unserer Beschäftigten trotz psychischer Beeinträchtigung mit der derzeitigen belastenden Situation gut umgehen können. Unsere Beschäftigten haben alle Krisenerfahrungen und sehr häufig gelernt, wie sie Krisen meistern können. Das kommt ihnen jetzt zugute. Um diese gesamtgesellschaftliche Krise überstehen zu können, öffnen sie ihren individuellen „Werkzeugkasten“ und aktivieren ihre Ressourcen. Das ist für uns ein großes Lob, da auch wir als Mitarbeiter einen Anteil an dieser Befähigung zur Krisenbewältigung haben. Auch in diesem Falle können wir Anleiter, wie so oft in der Zuverdienstwerkstatt, von unseren Beschäftigten lernen, was es heißt, standhaft zu bleiben und nach vorn zu blicken.

 

* Der Begriff EX-IN steht für ein 2005 von der Europäischen Union aufgelegtes Modell. Das Modell basiert auf der Überzeugung, dass Menschen, die psychische Krisen durchlebt haben, diese persönlichen Erfahrungen nutzen können, um andere Menschen in ähnlichen Situationen zu verstehen und zu unterstützen.

„In diesen schwierigen Zeiten sind wir erst recht für die Menschen da“

Wo sonst die Friedrichshainer Bezirksverbandsmitglieder des Unionhilfswerk e.V. oder die Bewohner des Hochhauses regelmäßig zu Geburtstagsrunden mit Frühstück zusammenkommen, gemeinsam sporteln, Gesellschaftsspiele spielen, singen oder klönen, bleiben die Stühle zwar weiterhin hochgestellt und die Begegnungsstätte ist nun vielmehr nur noch eine telefonische Beratungsstelle, aber dennoch passiert hier so einiges. Es war schnell klar, dass das normale Angebot durch die vorherrschenden Ausgehbeschränkungen und das Kontaktverbot von keinem der Besucher mehr genutzt werden kann, da sie zur Risikogruppe gehören und angehalten sind, zu Hause zu bleiben, um sich zu schützen.

Anne Fritzsche und ihr Team haben Mitte März ein umfangreiches Hilfsangebot ins Leben gerufen, um sowohl diejenigen im nun neuen Alltag zu unterstützen, die nicht die Möglichkeit oder Bedenken haben das Haus zu verlassen, als auch generell in diesen schwierigen Zeiten für die Menschen da zu sein – nur eben anders. Per Brief wurden die Bezirksverbandsmitglieder angeschrieben und Aushänge im Haus informieren die dortigen Bewohner und die Nachbarschaft über das Beratungs- und Versorgungsangebot sowie über Begleitdienste des Seniorenzentrums.

Das Hilfsangebot wird dankend angenommen

Konkret erledigen Frau Fritzsche und die Ehrenamtlichen Besorgungen im Supermarkt und Apotheken, begleiten die Senioren zu Ärzten bzw. holen Rezepte ab, beraten zu Rundfunkbeitragsbefreiungen, kontaktieren Sozialämter, beantragen den Pflegegrad per Online-Formular und vieles mehr. In der digitalen Welt einzukaufen, Anträge zu stellen oder zu kommunizieren ist für jüngere Menschen aktuell die Alternative für viele Erledigungen. Allerdings sind nur die wenigsten älteren Menschen wie auch Hochbetagte damit vertraut bzw. besitzen nicht die Technik, um Online-Angebote zu nutzen. Gerade in diesem Bereich und unter diesen Umständen sind die einstigen Besucher auf die Hilfe des Teams der Seniorenstätte angewiesen und nehmen diese dankend an. Die Ehrenamtlichen versuchen selbst den noch so kleinsten Wunsch zu erfüllen. So berichtet Anne Fritzsche von einem Hausbewohner mit psychischen Einschränkungen, der Auto fahren liebt. Ausgestattet mit Maske nahm sie ihn, zu seiner Freude, bei einer Besorgungsfahrt mit. Auch begleiten die fleißigen Helfer die Senioren auf dem Weg zur Sparkasse und besorgen und verteilen selbstgenähte Alltagsmasken. Nach wie vor sind die Ehrenamtlichen des Seniorenzentrums auch täglich telefonisch von 10-16 Uhr erreichbar und stehen als Ansprechpartner für die verschiedenen Bereiche des täglichen Lebens zur Verfügung.

„Spargel satt“ per Lieferdienst

Ein schönes Beispiel für viel Einsatz, Wille und Kreativität ist das alljährliche Spargelessen. Ein Ausflug nach Friedrichshagen zum Gasthaus Hahn´s Mühle ist unter normalen Umständen eines der Highlights im Programm der Seniorenstätte. Dieses Angebot wurde nicht einfach abgesagt, sondern in ein besonderes kulinarisches Angebot umgewandelt, getreu dem Motto: Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. So entstand die Idee zum „Spargelessen per Lieferdienst“. Statt sich wie gewohnt bekochen zu lassen, haben die fleißigen Ehrenamtlichen nun selber in der Küche des Zentrums den Kochlöffel geschwungen und mit Vorfreude auf eines der Lieblingsessen der Deutschen unzählige Berge an Kartoffeln und frischen Spargel geschält, Sauce Hollandaise gekocht und Schnitzel gebrutzelt. In Thermoboxen verpackt wurde alles – warm und frisch mit Petersilie garniert – bis zur Haustür geliefert. „Nicht nur das Essen auch die Geste war für die Belieferten Balsam für die Seele“, sagt Anne Fritzsche.

 

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„Ein kurzer Plausch an der Wohnungstür ist eine dankbare Ablenkung“

Die neuen Angebote der Seniorenstätte werden sehr gut und gerne angenommen. „Gerade Senioren ohne Angehörige, die psychische Beeinträchtigungen und Ängste haben sind froh, dass wir uns um ihre Einkäufe und Besorgungen kümmern“, sagt Anne Fritzsche. „Auch ein kurzer Plausch auf Abstand ist dann für die älteren Menschen in dem Hochhaus mit rund 200 Wohnungen eine dankbare Ablenkung. So fühlen sie sich dann nicht so alleingelassen.“ Nicht selten bekommen die Helfer zu hören, wie sehr den einstigen Besuchern die Gemeinschaft untereinander fehlt und sie vor allem so gerne mal wieder das Tanzbein schwingen würden. Fragen werden laut, wann denn die liebgewonnene Begegnungsstätte endlich wieder die Türen öffnet. Frau Fritzsche und ihr Team können zwar vieles möglich machen, nur zu dieser Frage haben sie leider auch keine Antwort. Ein Hoffnungsschimmer ist allerdings, dass sich die Seniorenstätte in den Sommermonaten einer Verjüngungskur unterziehen wird: es werden altersgerechte WCs eingebaut, der Fußboden und die Küche werden erneuert und es wird gemalert.