Monthly Archives: Juli 2022

Alt werden in West und Ost: Sozialstationen für eine ambulante Versorgung älterer Menschen

Alt, alleine und ohne Hilfe zu Hause

West-Berlin in den 1970er Jahren: Die günstigen Berliner Altbauwohnungen, in denen viele Rentner*innen lebten, waren noch nicht saniert und verfügten häufig weder über eigene Toiletten noch über ein Badezimmer. Für gesundheitlich eingeschränkte Senior*innen war dadurch ein selbstständiges Leben kaum möglich. Erschwerend kam hinzu, dass es für sie wenig Angebote gab, in ihren eigenen vier Wänden gepflegt und unterstützt zu werden. Christliche und familiäre Hilfen brachen zunehmend weg: Häusliche Krankenpflege wurde damals von Gemeindeschwestern geleistet, doch die kirchlichen Schwesternschaften fanden immer weniger Nachwuchs. Außerdem war es für Angehörige zunehmend schwierig, die Pflege zu übernehmen. Immer mehr Frauen gingen einer Berufstätigkeit nach und die steigende Mobilität brachte es mit sich, dass Familienmitglieder oft nicht am selben Ort lebten. Alte Menschen, die allein lebten, wurden daher schon bei kleineren gesundheitlichen Problemen ins Krankenhaus eingeliefert.

Endlich Hilfe: Sozialstationen in West-Berlin

Für das Unionhilfswerk die Erste – für Berlin die Fünfzigste: Die Sozialstation Selchower Straße eröffnet 1983 und die Berliner Morgenpost berichtet.

Die vielen Krankenhausbehandlungen stellten nicht nur eine Belastung für die Senior*innen dar, sondern verursachten auch hohe Kosten. Die Politik wurde auf das Problem aufmerksam. Die Finanzierung und Organisation der ambulanten Pflege änderte sich grundlegend. 1970 wurde in Hessen bundesweit die erste Sozialstation gegründet. 1974 erklärte auch der Berliner Senat in seinem Seniorenplan den Ausbau ambulanter Dienste für Senior*innen zu einem wichtigen Ziel. 1982 nahmen schließlich die ersten Sozialstationen in West-Berlin ihre Arbeit auf. Diese bildeten einen zentralen Anlaufpunkt, von dem aus den Senior*innen häusliche Krankenpflege, Haushaltshilfe, fahrbare Mittagstische und persönliche Beratung angeboten wurden. Neben dem angestellten Fachpersonal wie Krankenschwestern, Altenpfleger*innen und Sozialarbeiter*innen konnten über die Sozialstationen auch freiwillige Helfer*innen in die Versorgung alter und kranker Menschen eingebunden werden. Auch das Unionhilfswerk wirkte am Aufbau der neuen ambulanten Strukturen mit: Im November 1983 eröffnete es in Neukölln seine erste und Berlins 50. Sozialstation. Allein im folgenden Jahr entstanden zwei weitere Sozialstationen des Trägers, der somit einen neuen Arbeitsschwerpunkt gefunden hatte. Ulrike Hinrichs, heute eine der Geschäftsführerinnen im Unionhilfswerk, kam 1989 als Sozialarbeiterin zur Sozialstation Frohnau und erinnert sich an die Arbeit vor Ort:

“Es gab eine aufrichtige und sehr gut gemeinte menschliche Haltung, die dennoch weit entfernt von der heutigen Fokussierung auf die Bedürfnisse und Versorgungszeiten der Patienten war. Den damaligen Spätdienst würde man heute als solchen nicht mehr bezeichnen. Der endete tatsächlich um 17 Uhr, länger wollten die Mitarbeiter nicht arbeiten. Heutzutage undenkbar. Es gab keine Computer im Pflegedienst, die Abrechnung erfolgte in Papierform mit Durchschlagpapier: Eine Blaupause für die Krankenkasse, vielleicht noch für das Sozialamt, eine für den Patienten und die letzte – kaum noch leserliche – verblieb bei uns. “

Aufbau von Sozialstationen in Ost-Berlin

Hilfe im Haushalt: Mitarbeiterin Petra Schlösser bei einer Seniorin zuhause in Lichtenberg.

Schon bald ergaben sich weitere neue Herausforderungen: Nach dem Mauerfall war auch in Ost-Berlin die Versorgung älterer Menschen sicherzustellen. Die Angebote für Senior*innen mussten ausgebaut und organisatorisch in die West-Berliner Strukturen eingegliedert werden. Die auf die arbeitende Bevölkerung fokussierte DDR-Politik hatte den Bedürfnissen von Senior*innen wenig Beachtung geschenkt. Altersarmut aufgrund der niedrigen Renten war ein großes Problem. Die Wohnungen waren in einem sehr schlechten baulichen Zustand und aufgrund der vielen Außentoiletten und Kohleöfen nicht altersgerecht. Eine funktionsfähige ambulante Betreuung für Senior*innen gab es hauptsächlich über die Volkssolidarität – damals noch eine Massenorganisation der DDR, die sich in den 80er Jahren vor allem um die Fürsorge älterer Menschen kümmerte. Außerhalb dieser Organisation bekamen Senior*innen Unterstützung in Form von Haushaltshilfe oder privat organisiert. Bereits im November 1990 eröffnete das Unionhilfswerk in Friedrichshain die erste Sozialstation im Ostteil der Stadt; 1991 folgten fünf weitere. Die Einrichtungen waren mehrheitlich ehemalige Bezirksschwesternstationen der früheren DDR-Gesundheitsdienste. Die Sozialstationen wurden an die Erfordernisse des Sozialstationen-Gesetzes angepasst und daraufhin gut von den Ost-Berliner*innen angenommen.

 

Im nächsten Beitrag erfahren Sie, was die Wiedervereinigung für das Unionhilfswerk noch mit sich brachte und wie sich der Angebotsbereich Pflege weiterentwickelt hat.

Sport frei – endlich wieder Sozialympia!

Am 8. Juli fand, wie jedes Jahr am ersten Freitag der Sommerferien, auf einem Sportplatz in Kreuzberg die traditionelle „Sozialympia“ statt. Sie setzt ein Zeichen für Inklusion und stellt sich klar Ausgrenzung und Stigmatisierung entgegen.  Unter dem Motto „mittendrin“ gibt der Bezirk Menschen, die an einer seelischen Behinderung erkrankt oder in der Krise sind, ein Stück Normalität und Lebensfreude zurück.

Die USE war auch mit einem Info-Stand vertreten.

Offizieller Beginn war für 10:30 Uhr geplant. Schon auf dem Weg dorthin, kamen uns begeisterte Menschen in Sportkleidung entgegen, die das gleiche Ziel hatten. Angekommen am Sportplatz, sahen wir schon das bunte Treiben. Stände mit Getränken und Verpflegung, Wettkampfstände und eine Bühne wurden aufgebaut. Auch Stände anderer Träger waren dabei. Beim USE-Stand konnten die Teilnehmer*innen auf eine Torwand schießen. Aus der Musikbox drang Musik und allmählich füllte sich der Sportplatz. Um 10:30 begann es dann endlich. Dr. Begonia Petuya-Ituarte (Psychiatriekoordinatorin des Bezirks), der stellvertretene Bürgermeister und Stadtrat für Soziales, Oliver Nöll, sowie Sportstadtrat Andy Hemke begrüßten die Sportler*innen und wünschten einen fairen Wettkampftag und viel Erfolg.

Dann ging es los: Die Sportler*innen konnten sich im Tischtennis, Riesen-Jenga, Hula Hoop üben und dabei natürlich auch messen. Jeder zeigte, was er konnte mit viel Geschick, Kraft und ganz viel Spaß. Am Ende gab es eine Siegerehrung. Slawomir Kopanski aus der USE-Tischlerei erreichte den 3. Platz beim Tischtennis – ein toller Abschluss für den Beschäftigen, der im August in Rente geht. Ein herrlicher Tag mit vielen Erinnerungen und Vorfreude auf das kommende Jahr ging zu Ende. Im nächsten Jahr würden wir uns freuen, wenn auch Sie Teil unserer „Sozialympia“ sind, ob als Zuschauer*in oder Unterstützer*in – seien Sie einfach mit dabei, denn nur gemeinsam sind wir stark!

SCHATTEN SAMMELN – Premiere der poetisch-musikalischen Lesung der PAPILLONS

„Eine Hühnerleiter, von oben bis unten beschissen – das war mein Leben. Erst seit dem 75. hängen Schokoladen und rote Rosen dran.“ Die Rückschau von Heiderose Neumann, vorgetragen auf der Premiere von SCHATTEN SAMMELN, lässt das Publikum kurz die Luft anhalten. Ganz still ist es im Saal des Pflegewohnheims „Am Kreuzberg.“ Auch ich frage mich: Was hat die Frau erlebt? Was ist ihr widerfahren? Die Frage bleibt offen. Alle sehen sie im Hier und Jetzt. Als alte Frau, Bewohnerin des Pflegewohnheimes, Ensemblemitglied der PAPILLONS. Sie wirkt weder gebrochen, noch gezeichnet. Strahlt pure Lust am Leben und eine fast kindliche Heiterkeit aus, die sich besonders dann zeigt, wenn sie Mundharmonika spielt.

Mit diesem kleinen Ausschnitt ist vielleicht eines der Erfolgsrezepte von SCHATTEN SAMMELN erklärt: Die Ensemblemitglieder sitzen vor dem Publikum, stellen ihre poetischen Texte vor, die uns pur und schonungslos echt der jeweiligen Person und damit auch uns selbst näherbringen.

Kunst von Menschen mit und ohne Demenz

Aber von vorn:

Das Theaterensemble PAPILLONS in Trägerschaft der Stiftung Unionhilfswerk Berlin ist einmalig: Menschen mit und ohne Demenz schaffen Kunst. Pro Jahr gibt es eine Neuinszenierung in der Spielstätte und Heimat der PAPILLONS, im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg.“ Dann kommt Corona. Die Welt der Pflegewohnheime – auch die der PAPILLONS – ist geschlossen.  Christine Vogt, künstlerische Leitung des Ensembles, muss neue Wege suchen, um Brücken zu bauen und die Ensemblemitglieder abzuholen. Im Jahr 2020 entsteht das Filmprojekt INNENLEBEN und 2021 der dreiteilige Podcast STILLLEBEN. Aus der Not der Isolation der Alten wird 2022 ein Poesieprojekt ins Leben gerufen. Die Ensemblemitglieder sind anfangs skeptisch. Eben keine Rolle, in die sie schlüpfen, sondern sie, ihr Leben, ihre Gedanken und Gefühle stehen im Mittelpunkt. Das verunsichert. „Ich habe große Angst, nicht verstanden zu werden.“, sagt auch Udo Thiel, Ensemblemitglied seit Gründung.

Schließlich lassen sich alle auf die Poesie-Werkstatt ein, schreiben Gedichte, inspiriert von der Literatin Aldona Holmsten (geb. Gustas), die sich bereit erklärt hat mitzudichten. In dieser poetischen Prosa geht es um Liebe, Angst, Natur, Endlichkeit. Um Themen also, die jeden einzelnen von uns betreffen. Mal voller Schmerz, mal voller Ironie. Alles dabei. Wie im Leben.

SCHATTEN SAMMELN bringt die entstandenen Texte, begleitet von Live Musik des wunderbaren Bratschisten Mike Flemming, auf die Bühne. Fast alle PAPILLONS machen mit, lassen das Publikum im vollen Saal des Pflegewohnheims an ihrem Innersten teilhaben. Wie mutig!

Bewegende Einblicke in die Leben und Leiden der alten Menschen

„Das Auge schaut zurück und sieht den besten Papa der Welt“, so Elvira Werthmüller. Und weiter: „Kettchen, Kettchen, der Papa ischt gefallen.“ Die Luft ist zum Schneiden in diesem Moment. Was hat doch diese Generation durchlitten. Die PAPILLONS haben Kriege erlebt, waren unmittelbar von Flucht, Vertreibung, Verlusten betroffen. Und müssen jetzt, im hohen Alter, erneut mit einem aktuellen Kriegsgeschehen in Europa zurechtkommen. Die Gesichter im Publikum lassen vermuten, dass viele ähnliche Gedanken haben.

Ich bin nicht die einzige, die weinen muss. Die Geschichten der PAPILLONS berühren und gehen tief. Zeitgleich bin ich bestürzt bei dem Gedanken daran, dass diese Lebensgeschichten verschwinden, wenn die Menschen von uns gehen. Bernd Leichsenring, Urgestein der PAPILLONS, kann DDR-Hymne und Arbeiterlieder schmettern wie kein anderer. Im tiefsten Sächsisch wechselt er zwischen seinen Gedichten, dem Ruf nach einer Zigarette und Liedern, wie sie bald niemand mehr kennen wird.

Umso wichtiger sind die PAPILLONS. Sie geben den Menschen eine Stimme, verbinden das Früher mit dem Heute und konservieren Gedanken und Geschichten der Alten. Die Alten haben uns etwas zu sagen. Sie haben einen Vorsprung an Erfahrungen, Leid, Leben. Wir lernen von Ihnen. Und wir sollten Ihnen – ganz in unserem eigenen Interesse – zuhören.

Die Liebe wohnt in der Hoffnung auf Frieden und Zusammenhalt

Zusammenhalt ohne Liebe ist Zwang

Freiheit ohne Liebe ist Willkür

Hoffnung ohne Liebe ist leer

Frieden ohne Liebe ist langweilig

Planung ohne Liebe ist Gier

Die Liebe ist der Kern im Miteinander.

(Udo Thiel)

Diese Worte lasse ich – dankbar und berührt – ohne weitere Kommentare stehen.

 

Weitere Informationen zu dem PAPILLONS finden Sie hier:

www.unionhilfswerk.de/papillons

www.grenzbereiche-theater.de

INNEN LEBEN (Film 2020)

STILLLEBEN (drei-teiliger Podcast mit Kindern und Alten 2021)

 

Auch das Verbandsmagazin des Paritäters berichtete über die Premiere von SCHATTENSAMMELN.

Zu SCHATTEN SAMMELN wird es ein Making Of geben, mehr Infos folgen in Kürze.

 

Special Olympics 2022– Die Nationalen Spiele zu Gast in Berlin

Am Ende haben sich Mühe und Aufwand gelohnt. Freudestrahlend steht die Frauenfußballmannschaft der USE auf dem Maifeld und bekommt die optisch gelungenen Schleifen für den zuvor errungenen 5. Platz umgehängt. Überreicht werden sie von Fredi Bobic, dem Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC.

Das verdeutlich die Wertigkeit der Veranstaltung, bei der rund 4.500 Athletinnen und Athleten eine Woche lang in 20 verschiedenen Sportarten um Medaillen kämpften. Dass es oftmals um mehr als diese ging, lässt sich anhand der turnierunerfahrenen USE-Mannschaft aufzeigen. Große Nervosität und freudige Anspannung machten sich schon im Vorfeld breit. „Gegen wen spielen wir?“ oder „Was ist, wenn die anderen viel besser sind?“ waren nur zwei von vielen Fragen, die laut geäußert wurden. Die Eröffnungsfeier im Stadion an der Alten Försterei ließ den Puls der Frauen zusätzlich höherschlagen. Die ehemalige Eisschnellläuferin Franziska Schenk führte durch den bunten Abend, dessen Höhepunkt die Entzündung des olympischen Feuers mit anschließendem Feuerwerk war.

Sportlich gesehen war die Konkurrenz der dünn besetzten USE-Mannschaft um einiges voraus. In den Wettkampfspielen mussten sich die USE-Frauen oft geschlagen geben. Sie konnten aber auch ungeahnte Kräfte entfachen und so beispielsweise das Gastteam aus Spanien zwei Mal besiegen.

Neben dem Sport ging es vor allem um die Begegnungen und den Austausch

Im Vordergrund standen aber ohnehin die zwischenmenschlichen Begegnungen zu anderen Mannschaften und deren Anhang. Insbesondere die Konkurrenz der Frauenstaffel lieferte dafür beste Möglichkeiten, da sich in diesem Jahr auch drei ausländische Nationen auf den Weg in die Hauptstadt gemacht hatten. Neben den erwähnten Spanierinnen gab es auch einen wunderbaren Austausch mit den niederländischen Spielerinnen und den Däninnen, die den Wettbewerb am Ende der Woche gewannen.

Auch die Männermannschaft der USE trat im Fußball an. Sie belegte in den Kategorie Unified, einer Spielklasse, in der Menschen mit und ohne geistige Behinderung zusammenspielen, einen achtbaren dritten Platz.

Justin Ohrt stolz mit seiner Silbermedaille

Unweit des Maifelds, auf der blauen Tartanbahn des Leichtathletikstadions im Olympiaparkgelände, wartete Justin Ohrt geduldig auf den Startschuss. Der Mitarbeiter aus dem Digitaldruck in Teltow hatte die Sonne im Rücken und 5000 Meter vor sich. Bei drückenden Temperaturen absolvierte er die zwölfeinhalb Stadionrunden in unter 25 Minuten und sicherte sich damit die erste Silbermedaille der USE-Delegation.

Und auch die Tischtennismannschaft um Trainer Franz Höllen brachte Edelmetall mit nach Hause. Den Anfang machte Thomas Koch, Beschäftigter in der Küche der Wassersportallee. Er verlor das Finale im Einzel knapp, konnte sich aber schnell mit der Silbermedaille anfreunden. Vermutlich half ihm diese positive Einstellung im anstehenden Unified-Doppel-Wettbewerb. Dort holte er mit seinem Partner Valentin Frase aus der Verwaltung Teltow sensationell Gold. Genauso erfolgreich war Sabine Bauer aus der Malerei Oranienstraße, die in einem werkstattübergreifenden Doppel mit einem Beschäftigten aus der BWB antrat. Sie hatten in der Qualifikation noch das ein oder andere Abstimmungsproblem, steigerten sich im Laufe des Wettbewerbs aber immer weiter und errangen am Ende völlig verdient die Goldmedaille.

Philipp Lahm überraschte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Auch hier zeigten sich nicht nur die Zuschauenden in der Eissporthalle, sondern auch Überraschungsgast Philipp Lahm beeindruckt. Der Ehrenspielführer der deutschen Fußballnationalmannschaft richtete den Blick schon einmal in die Zukunft: „Es geht darum, nachhaltige Strukturen des Miteinander im Sportverein und in der Gesellschaft zu schaffen.“

Ein Wunsch, den auch die Athletinnen und Athleten mit ihrem Zutun eindrucksvoll unterstrichen haben.

 

Mit ERASMUS+ in Pankow – Rozalie, Jan und Kevin aus Tschechien hatten eine tolle Praktikumszeit!

Die drei 18- bzw.19-jährigen Schüler*innen kommen aus dem tschechischen Nový Jičín und besuchen dort ein Gymnasium mit medizinischem Schwerpunkt. Insgesamt sechs Schüler*innen waren an ihrer Schule über einen Aushang auf das ERASMUS+- Angebot aufmerksam geworden. Ein Programm, das Lernaufenthalte für Schüler*innen und Lehrkräfte sowohl in Deutschland als auch im Ausland ermöglicht. Rozalie, Jan und Kevin waren in Pflegewohnheim „Dr. Günter Hesse“ in Pankow. Begleitet durch die Gesellschaft für Europabildung (GEB), die vor Ort den gesamten Aufenthalt organisierte, lernten die jungen Pflegepraktikant*innen mehr über Land und Leute kennen – nicht zuletzt durch die Unterbringung in Gastfamilien.

Spontane Anfrage + schnelle Umsetzung = bereichernde Begegnung für alle Seiten!

„Der Kontakt kam sehr spontan zustande, weil ein anderer Träger abgesagt hatte,“ freut sich Ralf Schulz, zentraler Praxisanleiter aus dem Pflegwohnheim. Er hat die drei temporären jungen Kolleginnen und Kollegen während ihrer Zeit in Berlin begleitet.

Ein Praktikumsplatz im Ausland ist für die jungen Tschech*innen keinesfalls alltäglich und die meisten Mitschüler*innen blieben für ihre Praktika im Heimatland.

Berlin-Programm: Ralf Schulz und die drei Ermasmus-Schüler*innen besuchten die Körperwelten-Ausstellung.

Zum Ankommen und Kennenlernen war Ralf Schulz mit den dreien in der ersten Woche viel unterwegs. Unter anderem besuchten sie die Kolleginnen und Kollegen in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft des Unionhilfswerks in Wittenau, um deren Arbeit kennenzulernen. Aber auch die Ausstellung Körperwelten stand auf dem Programm. In den beiden letzten Wochen arbeiteten sie auf den Stationen des Pflegewohnheims – mit großem Erfolg! „Die Kolleginnen und Kollegen in Pankow waren sehr begeistert von den Praktikant*innen, weil sie frischen Wind in die Einrichtung brachten,“ resümiert Ralf Schulz. Und auch die Bewohner*innen fanden die drei toll – obwohl die Verständigung z.T. nur auf Englisch möglich war. Überraschend für die Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege war, wer unter den Bewohner*innen alles Englisch konnte.

Den drei Pflegepraktikant*innen gefiel die freundliche und kollegiale Atmosphäre sehr gut und der Abschied fiel allen Seiten schwer. „Bewegend war, wie sich die drei bei allen Kolleginnen und Kollegen dafür bedankten, wie freundlich, aufmerksam und zugewandt sie aufgenommen worden sind,“ freut sich Ralf Schulz.

Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich – Fortsetzung geplant

Alles in allem war dieser kurzfristig entstandene Aufenthalt ein voller Erfolg! „Alles lief so gut, so gut, dass wir eine Fortsetzung des ERASMUS+-Projektes planen und dabei auch die anderen Pflegewohnheime mitdenken,“ so das Fazit von Nico Ziesmann, Personalkoordinator in der ambulanten und stationären Pflege.