Monthly Archives: Juni 2021

Validation® im UNIONHILFSWERK – auf dem Weg mit Katharina Schäfer

Katharina Schäfer ist gern Pflegekraft im UNIONHILFSWERK. Nachdem sie ursprünglich in der Gastronomie gearbeitet hatte, wollte sie Veränderung. Ihr Weg führte sie 2008 in die Pflege – und da blieb sie dann: „Als alleinerziehende Mutter war die Jobsuche damals nicht einfach, ich brauchte einfach flexible Arbeitszeiten. Das UNIONHILFSWERK kam mir dabei  entgegen. In den Spätdienst wurde ich nur eingeteilt, wenn wirklich alle Stricke rissen.“

Arbeiten in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz

In der Ambulanten Pflege in Neukölln ist Frau Schäfer seit 2010 und wechselte vor zwei Jahren in eine Demenz-WG. Das gefällt ihr gut: „Die Arbeit im Ambulanten Dienst ist körperlich schwerer, während wir hier in der Wohngemeinschaft kognitiv stark gefordert sind. Wir haben weniger Klient*innen, auf die wir uns dann intensiver konzentrieren und mit denen wir wirklich geduldig arbeiten.“

Dieses konzentrierte Arbeiten mit wenigen Bewohner*innen gefällt ihr besonders, es ist ganzheitlich und sie hat Zeit, die Menschen wirklich kennenzulernen. Alle sieben Bewohner sind an Demenz erkrankt.

Validation – was ist das eigentlich?

Validation® erlebte Katharina Schäfer erstmals durch einen Workshop mit Naomi Feil – der Begründerin dieser Methode. Der Workshop wurde durch das UNIONHILFSWERK organisiert und hat sie tief beeindruckt: „Das war eine ganz andere Herangehensweise, mit Menschen mit Demenz umzugehen. Und die zeigte auch wirklich Wirkung.“

Demenz ist für Außenstehende oder im im Alltag oft schwer nachvollziehbar. Frau Schäfer versucht, die Situation mit einem Beispiel fassbarer zu machen:
„Stell dir vor, du bist mit einer Reisegruppe auf einem Marktplatz unterwegs – in einer unbekannten Stadt, ohne Stadtplan oder Handy. Jetzt verlierst du deine Gruppe und fühlst dich hilflos. Wenn du in dieser Situation von Passanten angesprochen wirst und die dann sagen ‚Ach komm Schätzchen, wir trinken jetzt erstmal `nen Kaffee, dann wird schon alles wieder gut‘ fühlst du dich ja auch nicht ernstgenommen – du willst ja schließlich keinen Kaffee, sondern deine Gruppe wiederfinden. Kein Wunder, wenn du dann traurig oder aggressiv wirst.“

Hier setzt die Methode der Kommunikationsmethode der Validation® an. Eine oft verwendete Metapher zur Erklärung heißt, „in den Schuhen des anderen Laufen“ – damit konnte Frau Schäfer allerdings nicht so viel anfangen: „Validation ist für mich der Unterschied zwischen Sympathie und Empathie. Ich kann etwas nachempfinden, wertschätzen, OHNE es zu bewerten. Ich nehme mein Gegenüber ernst, auch wenn er oder sie vielleicht orientierungslos ist.  Das macht im Alltag einen großen Unterschied – wenn Menschen sich ernstgenommen fühlen, reagieren sie ganz anders!

Viele alte Menschen konnten Erlebtes aus der Vergangenheit nicht aufarbeiten – wir alle kennen ja die Haltung, „bloß nicht zum Therapeuten, sowas macht man ja nicht!“ – und das obwohl gerade diese Generation so viel Traumatisches erlebt hat. Deshalb ‚ticken‘ die  Menschen eben so, wie sie ticken. Das nehmen wir in der Validation® einfach an.“

Die Fortbildung zeigt Wirkung

An der Fortbildung zur Validation nimmt Frau Schäfer seit Januar teil. Diese läuft über ein knappes Jahr und Corona-bedingt natürlich online, was schade ist: „Gerade die nonverbale Kommunikation spielt in der Validation eine große Rolle und das ist online einfach schwerer einzuschätzen. Die Körperhaltung ist da ein gutes Beispiel. Wir üben die Praxis in Rollenspielen, das ist online am Bildschirm einfach nicht so gut darstellbar, wie in einer Livesituation“.

In den ersten Monaten hat sie bereits viel gelernt: „Mir war zu Beginn beispielsweise noch nicht klar, wo der Unterschied liegt zwischen Validation und Smalltalk. Da macht schon die Fragestellung sehr viel aus. Als Mensch tendieren wir zu der Frage „Warum geht es Ihnen denn heute nicht gut?“  Dieses „Warum“ streichen wir in der Validation® komplett. Wichtiger ist da: „Was macht Sie denn gerade traurig? Was kann ich tun, damit es Ihnen bessergeht?“

So strich sie als einen der ersten Impulse aus der Fortbildung das „Warum?“ aus ihrem Wortschatz. Validation® braucht viel Übung – „den ganzen Tag kann ich die Methode nicht anwenden, das wäre wirklich sehr anstrengend. Für Validation nehme ich mir explizit Zeit. Aber: Ich hinterfrage meine Arbeit mehr und mein Alltag verändert sich dadurch ganz automatisch.“

Die Fortbildung macht Frau Schäfer gemeinsam mit einer Kollegin und freut sich über den Austausch im Team – vieles kann so noch einfacher umgesetzt werden. Insgesamt arbeiten 10 Kolleginnen und Kollegen in der WG: „Das Team funktioniert wirklich sehr gut. Unsere Fachkraft leitet uns an und wir helfen uns gegenseitig, wo wir können“.

Der innere Kompass zählt – Im Interview erklärt der neue Geschäftsführer der USE, Dr. Martin Kaufmann, was ihn leitet

Blog: Herr Dr. Martin Kaufmann, nach Ihrer Promotion in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften haben Sie als Referent bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) in Frankfurt gearbeitet. Was hat Sie bewegt, von dieser eher großen Bühne zur kleinen USE zu wechseln?

Kaufmann: Also vorweg muss ich sagen: Die USE ist ja nun alles andere als klein. Zwar ist sie bundesweit nicht räumlich vertreten, doch innerhalb von Berlin und Brandenburg und manchmal auch darüber hinaus sind wir gut bekannt und verortet. Aber natürlich weiß ich, auf was Sie anspielen und das möchte ich gerne beantworten.

Bei der BAG konnte ich lernen, wie man nachhaltig Veränderungen in 700 Werkstätten für 300.000 behinderte Menschen bewirken kann. Als ich dort 2013 begann, war die politische und gesellschaftliche Stimmung sehr angespannt. Forderungen zur Abschaffung von Werkstätten für behinderte Menschen und ein ausgeprägter Rechtfertigungsdruck waren da unsere ständigen Begleiter. Ich habe mich daher sehr früh mit vielen Fragen zur Herkunft und zur Weiterentwicklung der Werkstätten für behinderte Menschen beschäftigt. Und natürlich hat sich dabei in mir eine Haltung entwickelt, die auch heute noch handlungsleitend ist. Die Idee, ein aus meiner Sicht sinnvolles und auch erforderliches System zu erhalten und dennoch kontinuierlich zu verbessern, treibt mich heute genauso an wie damals.  Rein praktisch sind wir den damaligen Diskussionen u.a. mit einer Studie zum gesellschaftlichen Mehrwert der Werkstätten begegnet, um einen anderen, neuen Rahmen für konstruktiven Dialog zu ermöglichen. Im Zuge dieser Studie und weiterer Projekte lernte ich dann auch deutschlandweit über 100 Werkstätten kennen – und mein Bild hat sich ständig erweitert.
In der BAG konnte man – auch aus einer konstruktiv-kritischen Perspektive heraus – für sehr viele Menschen etwas bewegen. Leider braucht man dazu jedoch auch einen sehr langen Atem. Bis zur Umsetzung konkreter Themen und Projekte dauert es durchaus drei bis vier Jahre. Ab einem gewissen Punkt wollte ich dann aber schneller und mit eigenem Verantwortungsspielraum gestalten können.

Blog: Warum haben Sie aus 700 Werkstätten gerade die USE ausgewählt?

Kaufmann: Ich kannte die USE schon länger, auch Andreas Sperlich war mir durch die gemeinsame Arbeit in einigen Arbeitskreisen und Gremien gut bekannt. Die USE geht nicht den klassischen Weg, sondern hat einen eigenen Ansatz und manchmal auch eine Vorreiterrolle – das reizte mich. Allein die vielen Rehabilitations-Angebote interessierten mich, aber auch die besondere Situation in Berlin mit 16 Werkstätten als Mitwettbewerber.

Blog: Wie sehen Sie die USE heute? Was wollen Sie mit und für die USE bewirken?

Auch wir hier kochen nur mit Wasser. (lacht). Aber, die USE ist für mich noch immer ein besonderes Unternehmen und ein toller Anbieter beruflicher Rehabilitation. Aber durch die Corona-Krise hat sich mein Blick nochmal verschärft: Wo können wir helfen – auch in dieser schwierigen Zeit? Haben wir die richtigen Angebote? Und wie kommen sie bei den Menschen an? Wirksamkeit ist dabei ein großes Thema für mich. Wir als USE müssen in Zukunft noch genauer darauf blicken, wie unsere Angebote bei den Menschen ankommen und was sie bewirken. Die Dinge, die wir tun und ja vor allem gemeinsam miteinander im Zusammenspiel Vieler erbringen, müssen eine Relevanz und einen Mehrwert für die Menschen haben.
Meine Motivation ist es dabei, die Wege innerhalb unseres Systems und damit auch die Möglichkeiten weiter auszuloten. Ich möchte, dass wir mit den einzelnen Bereichen der USE noch mehr zusammenwachsen und somit auch die Vielfalt an Chancen und die Durchlässigkeit weiter erhöhen. Ich glaube, dass wir hier schon sehr weit sind und dennoch noch mehr machen können.

Blog: Als Geschäftsführer hat man eine andere Verantwortung als als Referent. Was fordert Sie besonders heraus?

Kaufmann: Zunächst einmal die grundsätzliche Verantwortung für ein großes Unternehmen und damit für die dort beschäftigten Menschen mit und ohne Behinderungen. Die Größe des Unternehmens gibt mir da ein Gefühl von Demut – und spornt mich gleichzeitig an. Und natürlich unterscheidet sich sowohl die inhaltliche als auch die personelle Rolle eines Geschäftsführers deutlich von der eines Referenten. Mein Handlungsspielraum ist deutlich größer als früher und auch die Sichtbarkeit ist eine deutlich andere. Das hat nicht immer nur Vorteile, sondern ist auch sehr herausfordernd. Umso wichtiger ist es mir, entlang meines inneren Kompasses zu handeln. Dabei sind mir vor allem Haltung, Nachvollziehbarkeit und Verbindlichkeit sehr wichtig.

Blog: Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf Ihr Privatleben. Sie sind Vater eines sechsmonatigen Jungen und damit zurzeit sicher mehr als ausgefüllt. Aber sicher haben Sie noch andere Interessen.

Kaufmann: Zuerst einmal: Es ist ganz wundervoll, Vater geworden zu sein und nun gemeinsam mit meiner Partnerin das Abenteuer des Elternseins zu erleben! Der Kleine lässt mich vielleicht gelegentlich müde aussehen, ist für uns aber ein großes Geschenk, das mich sehr erfüllt!

Früher habe ich sehr viel Musik gemacht. Dabei konnte ich als Gitarrist in einer Metalband die Fetzen fliegen lassen. Das hat damals einen erheblichen Teil meiner Zeit in Anspruch genommen und mich in vielerlei Hinsicht bereichert. (Grinst)
Heute wandere ich viel und bin oft in der Natur, wenn es zeitlich passt auch viel in meiner thüringischen Heimat. Zudem gehe ich mit meinen Wanderfreunden jedes Jahr zwei, drei Wochen auf Treckingtour. Ganz puristisch mit dem Zelt oder von Hütte zu Hütte. Das ist für mich die schönste Erholung, die ich mir vorstellen kann.

Kita-Träger schließen sich zusammen: Das Maß ist voll – es reicht!

Partnerschaftliche Zusammenarbeit: Fehlanzeige

In Berlin werden von den freien Trägern über 79 Prozent der Kitaplätze sichergestellt. Doch als gleichwertiger Dialogpartner auf Augenhöhe werden die freien Träger nicht gesehen. Die freien Träger in Berlin machen auf die Ungleichbehandlung der Berliner Kindertagesstätten im Superwahljahr aufmerksam.

Das Trägerbündnis fordert vom Senat einen Verhandlungsstil auf Augenhöhe und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, zu dem das Sozialgesetzbuch alle Beteiligten verpflichtet. Dazu gehört auch, den freien Trägern dieselben finanziellen Mittel wie den Landeseigenen Betrieben zur Verfügung zu stellen. Das ist aktuell nicht der Fall.

Dem neuen Bündnis haben sich bereits rund 150 Berliner Kitas angeschlossen. Gemeinsam werden verschiedene Aktionen geplant, um politischen Akteuren zu zeigen, dass freie Träger für Vielfalt, Qualität und für Wunsch- und Wahlfreiheit in Berlin stehen.

Die Hauptstadtzulage – ein Bonus nur für Eigenbetriebe

Die Ungleichbehandlung freier Träger gegenüber landeseigenen Betrieben wird auch durch die Hauptstadtzulage deutlich. Während das Personal der Eigenbetriebe den Bonus von 150 Euro erhält, wird er dem Personal freier Träger vorenthalten. Hier liegt ganz klar die Wettbewerbsverzerrung bei der Gewinnung von den stark umworbenen pädagogischen Fachkräften vor und beeinflusst das Berliner Kita-System maßgeblich.

Für die Kita-Teams des UNIONHILFSWERK ist das ein herber Schlag. So stellen sich die pädagogischen Fachkräfte des Montessori-Kinderhauses Lissabonallee die Fragen, warum sie für die gleiche Arbeit nicht den gleichen Lohn erhalten? – Leisten sie keine gute Arbeit, weil sie bei einem freien Träger arbeiten? – Eine Ungerechtigkeit, die nicht mehr hinnehmbar ist und auf Unverständnis stößt.

Trotz der qualitativ hochwertigen Arbeit, die unsere engagierten Kita-Teams tagtäglich leisten, gibt es eine nicht mehr länger hinzunehmende Ungleichbehandlung in der Bezahlung.

Unsere qualifizierten und hochmotivierten Pädagog*innen fordern vom Senat ihre Rechte ein und möchten bei einem wertschätzenden und konstruktiven Wissenstransfer aus der Fachpraxis für die Weiterentwicklung des Berliner Bildungsprogramms berücksichtigt werden – wie beispielsweise beim Ausbau des Digitalisierungsprozesses, der Demokratiebildung in der frühkindlichen Bildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die freien Träger in Berlin und ihre Mitarbeiter*innen sind Teil der Lösung!

Sparen auch bei Sanierungen

Neben den Personal- werden auch die Sachkosten unserer Kitas seit Jahren nicht ausfinanziert: Das ist dem Senat spätestens seit dem Jahr 2017 bekannt. Schon damals klaffte bei den Sachkosten bereits eine Finanzierungslücke bis zu 38 Prozent. Diese hat sich durch die Mietsteigerung der Gewerbeimmobilien in den letzten Jahren noch weiter erhöht. Auch für Sanierung und Umbaumaßnahmen stellt der Senat den freien Trägern nicht ausreichend Mittel zur Verfügung.

Den kompletten Aufruf zur Gründung des überverbandlichen Berliner Träger-Bündnisses gibt es hier.

NEU: Hier finden Sie außerdem die aktuelle Pressemitteilung.

Der neue Standort Schwiebusser Straße – ein zentraler und inklusiver Ort der Begegnung

Zum Ende des Jahres ist das neue Gebäude in Kreuzberg voraussichtlich bezugsfertig. Welche Bereiche und Abteilungen des Unternehmensverbunds sind künftig in der Schwiebusser Straße zu finden?

Norbert Prochnow: Wir haben auf der einen Seite unseren Traditionsstandort in der Richard-Sorge- Straße in Friedrichshain, in den wir mit den Mitarbeiter*innen unserer Verwaltung 1997 aus der Podbielskiallee gezogen sind und auf der anderen Seite seit 2012 unsere Zweigstelle in der Möllendorffstraße in Lichtenberg. Diese Standorte wollen wir unter einem Dach zusammenführen und vereinen die Verwaltungsmitarbeiter*innen aller Fachbereiche und Dienstleitungen. Darüber hinaus wird der Integrationsfachdienst (IFD), in Trägerschaft der USE gGmbH, an diesem Standort zu finden sein.

 

 

Was spricht dafür, die Bereiche wieder zu vereinen? Worin sehen Sie die Vorteile?

Norbert Prochnow: Das sind unterschiedliche Aspekte. Auf der einen Seite haben wir in den Jahren der Trennung gemerkt, dass sich eigene Kulturen herausbilden, auch wenn man tatsächlich nicht weit auseinander ist. Das kommt sicher daher, dass in der Richard-Sorge-Straße eher die inhaltlichen Bereiche ansässig sind und in der Möllendorffstraße überwiegend die Dienstleistungsbereiche. Dem Gemeinschaftssinn wird es sehr gut tun, wieder zusammen zu sein. Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt – abgesehen von allen guten technischen Möglichkeiten wie Videokonferenzen – wie wichtig es uns ist, auch live miteinander zu sprechen. Kurze Wege unterstützen das.

Ich glaube, dass Architektur wichtig ist und etwas mit den Menschen macht. Sie kann das Arbeiten, das Miteinander und die Kommunikation unterstützen und fördern. Wir haben uns für eine Struktur und Ausstrahlung entschieden, die eine neue, andere Form von Gemeinsamkeit und Kommunikation ermöglicht.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, dass wir in der Möllendorffstraße Miete zahlen. Diese hat sich über die Jahre deutlich erhöht. Und Miete hat einen großen Nachteil – man zahlt sie jeden Monat. Jetzt auf Eigentum zu setzen, und darin sind sich alle Mitglieder der Geschäftsleitung einig, ist der richtige Weg. Sehr günstige Zinskonditionen sowie ein vorhandener Eigenanteil sprachen für diese Investition, die eine Investition in die Zukunft des UNIONHILFSWERK ist.

Wir hatten außerdem das große Glück, das Grundstück von dem Unionhilfswerk Landesverband Berlin e. V. geschenkt zu bekommen. Die Stiftung Unionhilfswerk Berlin muss lediglich eine Ausgleichszahlung an das Land Berlin tätigen, da wir das Grundstück mehr auslasten, als ursprünglich bei dem Erwerb durch den Landesverband geplant.

Sie haben sich für einen Neubau und nicht für ein Bestandsobjekt entschieden. Weshalb?

Norbert Prochnow: Wir haben uns im Vorfeld mit anderen Bestandsbauten und hinsichtlich der Frage, ob wir diese käuflich erwerben können, auseinandergesetzt. Aber in der Mitte Berlins, wo wir jetzt bauen, waren die Bestandsgebäude sehr teuer. Das wäre nicht leistbar gewesen. Darüber hinaus hätten diese Gebäude nicht so eine moderne und kommunikative Strukturqualität liefern können. Über den Erwerb hinaus, hätten wir zudem, um eine ähnliche Qualität zu erhalten, sehr viel in die Umgestaltung investieren müssen. Wir haben letztlich nichts gefunden, das konkurrenzfähig mit der Attraktivität des jetzigen Standortes war. Also beschlossen wir, etwas Neues zu bauen und so alle unsere Vorstellungen und Wünsche einbringen zu können.

Was wird das Besondere an diesem Standort sein?

Norbert Prochnow: Wir haben Einrichtungen und Projekte von Spandau bis Köpenick – von Reinickendorf bis Zehlendorf – eigentlich überall in Berlin. Und jetzt haben wir in der Mitte Berlins einen mit öffentlichen Verkehrsmitteln toll erreichbaren, neuen, zentralen Standort.

Andreas Sperlich: Neben den Verwaltungsbereichen wird, wie gesagt, auch der Integrationsfachdienst am neuen Standort ansässig sein. Das ist ein gutes und wichtiges Signal. Menschen mit und ohne Behinderung werden sich in der Schwiebusser Straße aufhalten – ein zentraler, inklusiver Ort wird entstehen.

Wir führen aktuell auch Gespräche mit der neuen Tochtergesellschaft Service Inklusiv Berlin gGmbH, die verschiedene Dienstleistungen übernehmen wird – beispielsweise den Empfang des neuen Hauses. Durch die räumliche Nähe zum Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ bieten sich hier Begegnungsformate an. Auf dem Nachbargelände der ehemaligen Bockbierbrauerei entsteht baulich auch gerade sehr viel. Wir prüfen hier, ob wir als Betreiber von weiteren Angeboten infrage kommen.

Generell passt dieses Gebiet im bunten Berlin-Kreuzberg großartig zu unserer Vielfältigkeit und Diversität.

Möglicherweise gibt es auch Mitarbeiter*innen, die Bedenken gegenüber dem neuen Standort haben. Wie begegnen Sie diesen?

Norbert Prochnow: Man muss im Gespräch dazu bleiben und aufzeigen, dass wir Bereiche zusammenführen und zudem begünstigt sind durch eine wirtschaftlich einmalige Situation. Wir investieren mit diesem Standort in die Zukunft des Unternehmensverbundes. Zudem entsteht ein ökologisch wertvoller Bau – wir werden wenig heizen müssen und dadurch auch wenig Energie verbrauchen. Da wir es mit keinem Mietobjekt zu tun haben, wissen wir auch mit recht großer Sicherheit, mit welcher Kostenentwicklung in den kommenden 20 Jahren zu rechnen ist. Woanders hätten wir nicht gewusst, mit welchen Mietforderungen wir in den nächsten fünf Jahren konfrontiert würden.

Andreas Sperlich: Ein wichtiges Argument ist auch, dass eine Stabilität in den Mietkosten zu einer besseren Planbarkeit in den Leistungsbereichen führt. Diese sind ja durch einen Verwaltungskostenanteil in den Kostensätzen an der Refinanzierung der Verwaltungsbereiche beteiligt. Durch die Eigentumsbildung machen wir uns von der generell steigenden Mietpreisentwicklung unabhängig, so dass dieser Refinanzierunsanteil dauerhaft stabil bleibt.

Welche Nachnutzung ist für die Standorte Richard-Sorge-Straße und Möllendorffstraße geplant?

Norbert Prochnow: Unsere Tochtergesellschaft BUS gGmbH sowie der Pflegedienst Friedrichshain werden beispielweise in die Richard-Sorge-Straße einziehen und von der langfristigen Objektsicherheit profitieren. Projekte der palliativ-geriatrischen Versorgung sowie die Zentrale des Haushandwerks verbleiben an diesem Standort. Somit führen wir unser eigenes altes Objekt in der Richard-Sorge-Straße einer UNIONHILFSWERK-Nutzung zu. Wir streben immer an, Mietkosten zu sparen und in die freiwerdenden Flächen mit eigenen Leistungsangeboten reinzugehen.

Was wünschen Sie sich für den neuen Sitz in Kreuzberg?

Andreas Sperlich: Dass er für das UNIONHILFSWERK ein Ort wird, wo auch unser Herz schlägt. Dort sollen künftig ganz viele Fäden zusammenlaufen. Das sollen nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spüren, die vor Ort sind, sondern auch diejenigen, die in den Standorten und Projekten überall in der Stadt verstreut arbeiten. Mitarbeiter*innen des UNIONHILFSWERK sollen wissen, dass dieses Haus ein zentraler Ort, aber auch ein Dienstleister für sie sein wird. Es sollte ein Gefühl von Sicherheit davon ausgehen, wie eine Art Leitplanke. Dieses Zentrum des UNIONHILFSWERK soll widerspiegeln, was wir tun und wer wir sind. „Wir sind Wegbegleiter“ – in den verschiedensten Leistungsfeldern. Und dieser Geist soll sich auch am neuen Standort wiederfinden.

Ich wünsche mir, dass die Mitarbeiter*innen vor Ort sich wohlfühlen und alle Kolleg*innen unserer in der Stadt verteilten Standorte ebenfalls gern an diesen Ort kommen und Begegnungen stattfinden. Die Verwaltungsbereiche sind Dienstleister und zugleich Ansprechpartner für die Leistungsbereiche. Ich wünsche mir, dass das Haus zu einer engeren Bindung zwischen diesen Strängen führt.

Herr Sperlich, Sie sind neben Ihrer Funktion als Stiftungsvorstand auch Geschäftsführer der Union Sozialer Einrichtungen (USE) gGmbH. Welche Rolle spielt der neue Standort für die USE?

Ganz sicher wird es die schon bestehende enge Zusammenarbeit vereinfachen, da die Kernbereiche wieder vereint an einem Ort sein werden. Wir freuen uns darauf.

Vielen Dank für das interessante Interview. Wir wünschen Ihnen als Bauherren für die letzten Meter in der Bauphase alles Gute und mögen Ihre Wünsche für den neuen Standort in Erfüllung gehen.

Bald können Sie aktiv mitwirken. Es geht um die Bezeichnung des neuen Standorts und Sie alle sind mit guten Ideen gefragt. In Kürze erfahren Sie mehr dazu!