Monthly Archives: Januar 2025

Eine Frau der leisen Stärke

Der Raum im Selbsthilfezentrum Reinickendorf, in dem ich Bärbel Bette zum Gespräch treffe, ist schlicht, aber einladend. Hier treffen sich regelmäßig Gruppen pflegender Angehöriger, die Bärbel Bette ehrenamtlich betreut. Sofort fällt ihre ruhige, freundliche Ausstrahlung auf.

Empathie und Respekt waren und sind ihre Leitlinien

Mit 69 Jahren hat sie viel erlebt. 45 Jahre lang arbeitete Bärbel Bette als Krankenschwester und Stationsleiterin, insbesondere in der Onkologie und der Herzchirurgie. „Ich versuche immer, die Menschen zu sehen und ihnen vorurteilsfrei zu begegnen.“ Empathie und Respekt waren ihre Leitlinien. Doch sie spricht auch offen über die Belastungen: Überstunden, Unterbesetzung und den damit verbundenen Druck, der oft zulasten ihres Privatlebens ging. Seit dem Tod ihres Mannes vor 20 Jahren sorgte sie allein für den Lebensunterhalt ihrer damals neun und zwölf Jahre alten Kinder. Ohne Dramatik, aber mit Klarheit schildert sie, wie diese Zeit sie prägte und ihr den Wert von Resilienz lehrte.

Heute im Ruhestand leitet Bärbel Bette ehrenamtlich zwei Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige der Kontaktstelle PflegeEngagement Reinickendorf, ein Projekt des Unionhilfswerks.

Die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit

„Als ich vor zwölf Jahren nach Berlin-Reinickendorf gezogen bin, da war ich so glücklich, dass ich gedacht habe, es geht mir so gut, ich könnte ja Zeit spenden“. Die Gruppen bieten Angehörigen Raum, um über ihre Ängste und Belastungen zu sprechen. Für Bärbel Bette ist diese Arbeit eine sinnvolle Fortsetzung ihres Berufslebens. Sie weiß, wie viel Kraft es kostet, sich um andere zu kümmern. Sie ist überzeugt, dass das Ehrenamt eine tragende Säule der Gesellschaft ist. „Ohne ehrenamtliche Arbeit würde der Staat weniger funktionieren“, sagt sie. Besonders in der Pflege sind Angehörige oft auf sich allein gestellt. Sie fordert mehr Anerkennung für die enorme Arbeit, die pflegende Angehörige leisten: „Ohne die Pflege zu Hause wären unsere Krankenhäuser und Heime überfüllt. Der Staat könnte das gar nicht leisten.“ Bärbel Bette ist sich sicher, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nur durch gegenseitige Unterstützung gelingen kann. Mit bescheidener Zurückhaltung erwähnt sie, dass sie für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt wurde.

Handeln, das andere inspiriert

Zum Ende unseres Gesprächs betont sie, dass es ihr trotz ihrer Verpflichtungen wichtig ist, Zeit für sich selbst zu haben. Sie ist sportlich aktiv, besucht kulturelle Veranstaltungen und verbringt Zeit mit Freunden und ihrer Enkeltochter. „Ich bin zufrieden und glücklich mit meiner Lebenssituation“, sagt sie. Bärbel Bette verkörpert eine leise Stärke, die durch Bescheidenheit und Empathie geprägt ist. Eine Frau, die durch ihre lebensbejahende Einstellung und ihr Handeln inspiriert und zeigt, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein.

Jung, ehrlich, mutig: Drei junge Autorinnen schreiben über das Lebensende und erhalten unseren Sonderpreis.

Clara Christ erhielt den 1. Platz für ihren Text, „Der Tod und mein Musiklehrer“.

Sie ist 16 Jahre alt, geht in die 11. Klasse und wohnt in Suhl in Thüringen. Neben dem Schreiben tanzt sie Ballett, liest und häkelt gern.

Wie kamst Du zum Schreiben?
Meine Liebe zum Schreiben ist vor allem durch das Lesen entstanden. Ich habe Kinderbücher immer geliebt und es ist mein großer Traum, irgendwann eigene zu schreiben. Was ich am Schreiben liebe, ist die Suche nach den richtigen Worten, mit denen man ganze Welten neu erschaffen und jeden Augenblick ewig festhalten kann.

Was hat Dich dazu inspiriert, diesen Text zu schreiben?
Der Hintergrund von meinem Text ist eine persönliche Erfahrung: Die merkwürdig distanzierte Trauer, die man beim Verlust einer Person empfindet, die man nicht ganz und nicht gar nicht kannte. Jene, bei der man sich nicht sicher ist, ob man zur Trauerfeier gehen sollte und bei der man sich fragt, ob man überhaupt das Recht hat, zu trauern. Ein solches Erlebnis hat mich dazu gebracht, über einige Zeit ein wenig intensiver über den Tod und das Altern nachzudenken. All die Fragen, die Widersprüche und die Hoffnungsschimmer, die mir dabei begegnet sind, wollte ich festhalten und aus diesem Prozess ist der Text entstanden.

Wie ging es Dir mit dem Thema Lebensende?
Es ist mir nicht schwergefallen, mich damit zu beschäftigen, im Gegenteil – es war fasst befreiend, meine Gedanken auf Papier zu bringen! Allerdings habe ich mir hinterher schon Sorgen gemacht, ob der Text nicht zu roh ist. Denn das Thema Lebensende hat den Ruf, man dürfe es nur mit Samthandschuhen anfassen, man müsse sensibel sein und melancholisch lächeln, wenn man darüber spricht. Und natürlich ist es wichtig, keine Grenzen zu überschreiten, aber ich glaube, dass Ehrlichkeit im Gespräch über den Tod auch eine große Bedeutung hat. Frustration, Fragen und Verwirrung haben eine Berechtigung und es kann tröstend sein, sie zu akzeptieren. Das habe ich versucht, mit meinem Text zum Ausdruck zu bringen.

Ein Blick in die Zukunft – welche Rolle wird das Schreiben in Deinem Leben haben?
Eine große hoffentlich! Ich hoffe, dass mich das Schreiben immer begleiten wird. Mein Traum ist es, irgendwann Bücher zu veröffentlichen – am liebsten Kinderbücher.

Wie hat Dir die Preisverleihung in Berlin gefallen – was wird dir davon besonders in Erinnerung bleiben?
Der Abend in Berlin war für mich wundervoll! Es war großartig, so viele tolle Menschen kennenzulernen und ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut. Besonders werden mir die Beiträge der anderen Preisträger*innen in Erinnerung bleiben, die alle wirklich sehr bewegend, interessant und inspirierend waren.

Auszug aus der Jurybewertung:
Diese Kurzgeschichte überzeugt schon mit dem Titel und dem ersten Satz. Der Schreibstil überzeugt durch Witz, Überraschung, Absurdität und vielen Bildern, sodass die Lesenden gar nicht abschweifen können. Der Inhalt rechnet mit Floskeln ab und wirft einige Fragen auf, die nachhaltig ins Nachdenken bringen. Er beäugt kritisch unseren Umgang mit und vor allem unsere Bewertung des Sterbens. Er ermutigt dazu, das Leben zu wertschätzen und bewusst wahrzunehmen. Eine tiefgreifende und höchst unterhaltsame Erzählung.

 

Anouk Hillebrand erhielt den 2. Platz für ihren Text, „Die drei weisen Männer“.

Sie ist 15 Jahre alt, geht in die 10. Klasse und wohnt in Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Ihre Hobbies sind Reiten und Bouldern.

Wie kamst Du zum Schreiben?
Ich schreibe seit dem Grundschulalter, da ich schon immer sehr viel gelesen habe und irgendwann eigene Geschichten erfinden wollte.

Was hat Dich dazu inspiriert, diesen Text zu schreiben?
Natürlich hat der Wettbewerb eine wichtige Rolle gespielt. Ich fand das Thema direkt interessant, weil es wichtig ist, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Mir hat es besonders Spaß gemacht, diese Gedanken dann in eine Geschichte zu verpacken.

Wie ging es Dir mit dem Thema „Lebensende“?
Die Preisverleihung hat mir gezeigt, wie komplex das Thema ist und das es auch zu sehr schwierigen Lagen kommen kann. Trotz allem habe ich auch daraus gelernt, jeden schönen Tag und mir wichtige Menschen wertzuschätzen und dass unsere begrenzte Zeit jeden Moment kostbar macht.

Ein Blick in die Zukunft – welche Rolle wird das Schreiben in Deinem Leben haben?
Ich werde auf jeden Fall weiterhin schreiben. Mein Ziel ist es, eines Tages ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Ob ich das Schreiben später zu meinem Beruf machen möchte, weiß ich allerdings noch nicht. Als wichtiges Hobby wird es jedoch bestehen bleiben.“

Wie hat Dir die Preisverleihung in Berlin gefallen – was wird Dir davon besonders in Erinnerung bleiben?
Die Preisverleihung war eine total spannende Erfahrung. Alle Beiträge waren sehr beeindruckend und auch wenn es um ein eher schweres Thema ging, war die Stimmung trotzdem angenehm. Nicht zuletzt deshalb, weil alle Anwesenden dort super nett und offen waren.

Auszug aus der Jurybewertung:
Anouk Hillebrand hat mit ihren 15 Jahren ein sehr sicheres Gespür für Sprache und Formulierungen. Ihre Erzählung ist auf den Punkt und schlüssig, wenngleich vom Stil her eher klassisch (Fabel/Märchen). Inhaltlich spannender Twist: Die oft glorifizierte Unsterblichkeit wird von der jungen Autorin in wenigen Sätzen ausgehebelt, in dem sie aufzeigt, wie wenig wünschenswert Unsterblichkeit in der Endkonsequenz ist. Simpel, aber sehr schlauer Gedanke – in die passende Erzählform gegossen.

 

Ida Schwarzenberger erhielt den 3. Platz für Ihren Text, „Zu jung“.

Sie ist 17 Jahre alt, geht in die 11. Klasse und wohnt in Bamberg in Bayern. Neben dem Schreiben von Prosa und Gedichten zählen Klettern, Singen, Psychologie und Netflix schauen zu  ihren Leidenschaften.

Wie kamst Du zum Schreiben?
Ich schreibe schon seit ich ein Kind bin. Meine Eltern haben mir immer Geschichten erzählt und das habe ich dann übernommen. In der Grundschule habe ich meinen Klassenkameraden immer in der Pause Geschichten über unsere Klasse erzählt.

Was hat Dich dazu inspiriert, diesen Text zu schreiben?
Ich hatte Lust, mich tiefergehend mit dem Thema Tod und Alter auseinanderzusetzen, um reflektierter damit umgehen zu können. Als ich den Juniorpreis entdeckte, sah ich dies als eine gute Chance, vor allem, da ich damit auch einen neuen Anlass zum Schreiben hatte.

Wie ging es Dir mit dem Thema „Lebensende“?
Ich finde, es war ein schwieriges Thema, da ich bis jetzt noch nicht viel damit in Berührung gekommen bin. Aber genau deshalb hat es mich gereizt, darüber zu schreiben, zu versuchen, mich in andere Perspektiven hineinzuversetzen und mein Blickfeld zu erweitern. Denn es ist ohne Zweifel ein wichtiges Thema.

Ein Blick in die Zukunft – welche Rolle wird das Schreiben in Deinem Leben haben?
Klar wäre es mein Wunsch, ein Buch zu veröffentlichen, aber ich versuche die Zukunft realistisch zu betrachten. Auf jeden Fall wird es jedoch weiterhin meine Art sein, meine Anliegen und Emotionen auszudrücken und meine Art, mit diesen umzugehen.

Wie hat Dir die Preisverleihung in Berlin gefallen – was wird Dir davon besonders in Erinnerung bleiben?
Ich sage es so: Einen besseren letzten Abend meines 17. Lebensjahres hätte ich mir nicht vorstellen können. Nicht nur, dass die Location und das Ambiente sehr schön waren – es waren vor allem all die Begegnungen mit freundlichen und inspirierenden Menschen, die mir in Erinnerung bleiben werden. Ich durfte so viel Anerkennung und Freundlichkeit erfahren. Ich habe mich einfach sehr wohl gefühlt.

Auszug aus der Jurybewertung:
Der Beitrag ist sehr weise geschrieben, mit einem Fazit, das man sich gern laminieren möchte: „Alter (war) die Anzahl aller Tage, in denen man die Chance hatte, neu zu beginnen.“ Zudem überzeugt Ida Schwarzenberger mit einer authentischen und berührenden Schreibe sowie einem klaren Ziel.

 

@Agentur Baganz

 

Von Krk nach Istanbul: Christophers zweite Etappe auf dem Weg um die Welt

Lieber Christopher, für die zweite Etappe deiner inkrementellen Weltreise standen einige Länder auf dem Programm. Von Kroatien aus wolltest du ins Landesinnere in Richtung des Schwarzen Meeres und dabei Bosnien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und die Türkei durchqueren. Verlief die Fahrt wie geplant?

Im Großen und Ganzen verlief es zumindest länderübergreifend wie geplant. Leider musste ich aus zeitlichen Gründen auf das Schwarze Meer verzichten, um Griechenland noch besuchen zu können.

 

Wie viele Kilometer hast du diesmal zurückgelegt – und was waren deine Highlights?

Geplant waren eigentlich etwa 2000 km, am Ende wurden es 2378,35 km.
Meine Highlights waren unter anderem, wie zu erwarten, die Burg Bran (Draculas Schloss), wo ich auch einen Rundgang gemacht habe, sowie die größte Burg Rumäniens, Burg Hunedoara. Besonders beeindruckt haben mich auch einige Hauptstädte, wie Belgrad in Serbien, die als schönste Stadt auf dem Balkan gilt. Die Brücke, die den östlichen vom westlichen Teil Belgrads trennt, ist extrem bemerkenswert. In den rumänischen Karpaten, nachdem ich den höchsten Punkt erreicht hatte, konnte ich 100 km bergab bis in die Hauptstadt Bukarest fahren. An diesem Tag stellte ich auch meinen persönlichen Tagesrekord auf: 165 km.

Es gab aber auch erschreckende Szenen, zum Beispiel die zerstörten Dörfer an der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien, Minenfelder mitten im Wald in Bosnien oder die verwahrlosten und oft aggressiven Hunde und Katzen, die mir in mehreren Ländern begegneten.

Überraschende Highlights, die ich nicht eingeplant hatte, gab es ebenfalls: Ein Fluss in Griechenland mit so starker Strömung, dass ich fast ausgerutscht wäre – riskant, aber auch abenteuerlich! Oder ein Fernsehturm in Russe, Bulgarien, der wie eine kleinere Version des Berliner Fernsehturms aussieht. Istanbul war ebenfalls überwältigend – so riesig, dass ich mich selbst als Berliner wie aus einem Dorf kommend fühlte.

 

Ich kann mir vorstellen, dass die Begegnungen mit den Menschen besonders bereichernd waren?

Absolut! Die Begegnungen waren in jedem Land sehr positiv. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Menschen im südlichen Bulgarien. Dort hatte ich mitten in einem Dorf meinen ersten Platten. Die Bewohner halfen mir sofort, flickten meinen Schlauch, gaben mir Essen und Trinken und fuhren mich am Ende sogar mit dem Auto zu einem Bike-Shop in der nächsten Stadt. Diese Hilfsbereitschaft war unglaublich!

Unterwegs traf ich auch wieder andere Fahrradfahrer*innen aus verschiedenen Teilen Europas und sogar einen Läufer, der quer durch Europa nur mit einem Rucksack unterwegs ist. In der Türkei, etwa 70 km vor Tekirdağ, wurde ich nachts von zwei Dorfbewohnern vor einem aggressiven Hund gewarnt und sicher mit einem Moped zu einem Hotel eskortiert. Die Menschen in allen Ländern waren durchweg freundlich und hilfsbereit.

 

Du bleibst nie lange an einem Ort, sitzt viele Stunden am Tag auf dem Rad. Hast du dich manchmal einsam gefühlt?

Eine interessante Frage, aber die Antwort ist: Nein. Ich lernte jeden Tag neue Menschen kennen, sei es auf der Straße oder an den Übernachtungsorten. Ich habe nach den Reisen immer viele neue Kontakte in meinem Telefonbuch und auf Social Media.
Und dank moderner Technik kann ich jederzeit Kontakt zu meinen Liebsten halten. Natürlich gibt es Momente, in denen man sich einsam fühlen könnte, etwa abends, wenn man in der Hängematte liegt. Aber sobald ein neuer Tag beginnt, überwiegt die Freude auf das nächste Abenteuer.

 

Was nimmst du aus der zweiten Etappe für die Vorbereitung der dritten mit? Hast du diese schon geplant oder brauchst du erst einmal eine Pause?

Ich habe viele wichtige Erfahrungen gesammelt, die ich auf künftigen Etappen berücksichtigen werde. Zum Beispiel werde ich nie wieder über eine Landesgrenze ohne offiziellen Checkpoint fahren. Das ist mir in Serbien passiert, als ich nach Rumänien einreisen wollte. Ich wurde von der Grenzpolizei gestoppt und musste einen 40 km langen Umweg machen, um einen offiziellen Übergang zu nutzen.

Auch würde ich nicht empfehlen, entlang von Grenzen zu fahren, da dies unnötige Probleme mit Grenzbeamten verursachen kann. Das habe ich in Bulgarien an der Grenze zur Türkei erlebt, wo ich zurückeskortiert wurde.

 

Worauf freust du dich bei der nächsten Etappe am meisten?

Definitiv darauf, endlich das Schwarze Meer zu sehen! Außerdem möchte ich ein Land besuchen, das bei uns oft negativ dargestellt wird: den Iran. Einer der Gründe für diese Reise ist, den Menschen zu zeigen, dass die Bevölkerung eines Landes oft viel gastfreundlicher ist, als es durch die politische Berichterstattung erscheint.

 

Und hier gibt es einige Impressionen der Reise:

 

 

Christophers Reise bleibt spannend, und wir freuen uns schon auf den nächsten Teil seines Abenteuers!
HIER können Sie übrigens nochmal den Artikel zu Christophers erster Etappe lesen.

Liebe Kolleg*innen: Schreiben Sie Ihre guten Wünsche für Christophers nächste Etappe gern in die Kommentare. Oder haben Sie Fragen?

Ich vergesse meine Sorgen, Schmerzen und Einsamkeit und tausche sie gegen fröhliche Momente

Jeden Dienstag um 10 Uhr zieht es mich zum Stricken und zum Plauderstündchen ins Seniorenzentrum des Unionhilfswerks. Dort treffen sich Menschen wie du und ich, Frauen aller Gesellschaftsschichten, Ältere, Jüngere, mehr oder weniger krank, verschiedenste Charaktere. Uns alle eint: wir sind nette, aber oft einsame Menschen. Viele verbindet eine Leere und Einsamkeit, trotz des Lebens in einer Großstadt.
Manche sind verwitwet oder leben getrennt. Ihre Familien – im hektischen Alltag selbst gefangen – haben nur wenig Zeit. Wir, die wir uns in der Singerstraße treffen, suchen Gemeinschaft und Kommunikation.

 

Gesellige Momente im Seniorenzentrum

Das Unionhilfswerk bietet regelmäßig ein buntes Programm. Besonders beliebt sind beispielsweise das Frühlingsfest und der Tanz in den Mai sowie Grillfeste, die Faschingsfeier, das Oktoberfest und die Adventsfeiern. Aber es gibt auch viele Kurse zur geistigen Anregung und körperlichen Ertüchtigung: Gehirnjogging, Kreativkurse, Bingo und Diavorträge sowie Lesungen. Die meisten Angebote sind gratis, für einige ist ein kleines Eintrittsgeld zu zahlen. Das reduziert sich bei Vereinsmitgliedern des Unionhilfswerk Landesverband Berlin e. V., die monatlich 3 €  Mitgliedsbeitrag zahlen, auf nur einen Euro.

 

Die Ehrenamtler*innen sind unsere „fleißigen Engel“

Sie sind immer höflich, mitfühlend, freundlich und erfüllen fast alle Wünsche, oft sogar ungefragt. Nur mit dem Einsatz und der Power dieser ehrenamtlich und freiwillig Engagierten ist es möglich, solch tollen Angebote für uns umzusetzen.

 

Gegen die Einsamkeit

Dieser Text soll ein Appell an alle Menschen sein, die sich einsam fühlen oder einfach nur mal einen Rat brauchen, mal lachen und tanzen oder für wenige Cent einen Kaffee trinken und plaudern wollen. Immer dienstags bis freitags ab 13:30 Uhr findet das Kaffeestübchen statt. Eine tolle Gelegenheit, sich mal zu trauen!
Ich gehe mittlerweile seit über zwei Jahren regelmäßig mit meinem Rollator ins Seniorenzentrum. Nach einem mühseligen und anstrengenden Weg bin ich doch jedes Mal aufs Neue froh, die lieben Menschen dort sehen zu können. Ich vergesse meine Sorgen, meine Schmerzen und die Einsamkeit  – und tausche sie gegen fröhliche Momente.

 

Gedankenaustausch, Lachen und Herzlichkeit

Man macht Bekanntschaften, oft entstehen sogar Freundschaften. Wir schauen mal über den eigenen „Tellerrand“ hinaus und inspirieren uns gegenseitig. Wir sind im Austausch, weinen und lachen miteinander. Wir sind füreinander Ansprechpartner*innen für viele Fragen des Lebens. Wir sind ein „bunter Haufen“ und begrüßen gern neue Besucher*innen, die mit uns gemeinsam der Einsamkeit im Alter den Kampf ansagen- übrigens auch gerne männliche Tanzpartner.
Jeder von uns hatte sein aktives Leben, hat viele schöne Erinnerungen und vielleicht noch Wünsche. Teilt eure Ideen mit uns, eure Erlebnisse, lasst uns zusammen basteln, Kultur genießen oder einfach nur Kaffee und Kuchen!

Ich bin Ute, 78 Jahre alt, ehemalige Krankenschwester, habe dreimal den Krebs besiegt und danke dem Unionhilfswerk und seinen Helfer*innen für die gemeinsame schöne Zeit. Ich freue mich darauf, jede „Neue“ und jeden „Neuen“ kennenzulernen.