Monthly Archives: Juni 2022

Fokus Rehabilitation – neue Wege für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Übergangswohnheime für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Das Übergangswohnheim in der Neuköllner Kirchgasse eröffnete 1987.

Im Zuge der Psychiatriereform gründeten sich in West-Berlin viele kleine Hilfsvereine. Eine bunte psychiatrische Szene entstand, in der viel Neues ausprobiert wurde. Auch das Unionhilfswerk schuf neue ambulante und teilstationäre Unterstützungsangebote. 1984 eröffnete es in der Kreuzberger Mariannenstraße sein erstes Übergangswohnheim für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Es war die zweite Einrichtung dieser Art in Berlin. Übergangswohnheime entstanden als Ergebnis der Psychiatrie-Enquête: Damit sollten Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken verkürzt werden, da es dort oft an emotionaler Zuwendung und sozialen Kontakten mangelte. Für die Bewohner sollte ein Übergang geschaffen werden zwischen dem Psychiatrieaufenthalt und einer ambulanten Versorgung. Mehr Selbstständigkeit, um den Alltag bewältigen zu können, war das Ziel.  Drei Jahre später, 1987, richtete das Unionhilfswerk ein weiteres Übergangswohnheim in Neukölln ein. Von Anfang dabei: Der Psychologe Norbert Prochnow. Prochnow hatte ab 1983 das erste Berliner Übergangswohnheim mit aufgebaut und die dort gesammelten Erfahrungen an das Unionhilfswerk weitergegeben. Nun richtete er mit Kollegen die ersten Wohngruppen und eine Werkstatt ein. Als Folgeeinrichtungen für die Wohnstätten und die Übergangswohnheime entstanden im Unionhilfswerk zwischen 1986 und 1989 drei Wohngemeinschaften und eine Betreuungsgemeinschaft, bei der Menschen mit psychischen Erkrankungen, die nur noch wenig Unterstützungsbedarf hatten, in von ihnen selbst angemieteten Räumen wohnten.

„Sie hatten regelmäßig sozialen Austausch, konnten sich über Gott und die Welt mit anderen unterhalten.”

Berufliche Rehabilitation

Wie können Menschen mit psychischen Erkrankungen wieder in Arbeit und Beruf zurückfinden? Diese Frage beschäftigte das Unionhilfswerk zunehmend. Denn: Arbeit und Beschäftigung bieten Chancen zur Stabilisierung und Entwicklung. Oft sind sie der erste Schritt zurück in die Mitte der Gesellschaft. Antworten zu finden und auch andere Träger in Berlin diesbezüglich zu beraten, war ab 1990 u. a. die Aufgabe Norbert Prochnows. Er und seine Kollegen nahmen Kontakt auf mit den Arbeitsämtern, den Eingliederungshilfen der Bezirksämter, mit Krankenhäusern und Tageskliniken. Sie vermittelten zwischen den Institutionen und brachten diese miteinander ins Gespräch. So entstand allmählich ein Netzwerk und es wurde sichtbar, welche Bausteine der Versorgung in Berlin noch fehlten und entwickelt werden mussten. In der Folge entstanden beim Unionhilfswerk bald weitere ambulante und teilstationäre Angebote. 1993 nahm beispielsweise das Psychiatrische Tageszentrum in der Neuköllner Briesestraße seine Arbeit auf. Hier wurden ca. 20 Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen in feste Tagesstrukturen eingebunden und erhielten eine Zuverdienstmöglichkeit. Zu ihren Transferleistungen konnten sie sich somit eine Art Taschengeld dazuverdienen und – besonders wichtig, so Prochnow, der ab 1992 die Fachbereiche für Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen leitete: „Sie hatten regelmäßig sozialen Austausch, konnten sich über Gott und die Welt mit anderen unterhalten.”  Für viele war es auch eine Frage des eigenen Wertesystems, wenigstens ein paar Stunden wöchentlich zu arbeiten und so einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

 

Neue Perspektiven für Menschen mit psychischen Erkrankungen: Die USE weitet ihr Angebot zur beruflichen Rehabilitation aus und eröffnet 1996 das Bistro „le COUSE“ im Wedding (Quelle: Nord-Berliner)

Von der THETA Wedding zur USE

Im Jahr 1995 machte das Unionhilfswerk im Bereich der beruflichen Rehabilitation einen bedeutenden Schritt vorwärts und wurde auch im Werkstattbereich für Behinderte tätig. Zusammen mit der AWO Steglitz gründete es die gemeinnützige Gesellschaft Union Sozialer Einrichtungen gGmbh (USE), um den durch Missmanagement insolvent gewordenen Theta Wedding e. V. zu übernehmen. Der Verein wurde Ende der 70er Jahre mit dem Ziel gegründet, Menschen mit psychischen Erkrankungen ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von psychiatrischen Kliniken zu ermöglichen. Dazu wurden zunächst eine therapeutische Tagesstätte (Theta) und geschützte Wohngruppen aufgebaut, später auch eine Werkstatt für behinderte Menschen. Norbert Prochnow nahm Anfang der 90er Jahre Kontakt zu dem Verein auf. Vielfältige Verbindungen entstanden: 1991 stellten das Unionhilfswerk und die Theta Wedding z. B. gemeinsam die „Cantina” auf die Beine, ein Gastronomieprojekt zur Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ein Jahr später stieß der Psychologe Wolfgang Grasnick zur Theta Wedding. Zwischen ihm und Prochnow entwickelte sich eine „sehr gute inhaltliche Zusammenarbeit im Interesse psychisch kranker Menschen”. Nach Übernahme durch die USE wurde die Werkstatt für behinderte Menschen sukzessive wieder aufgebaut, vielfältige Arbeits-, Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung wurden geschaffen. Heute reicht die Palette von tagesstrukturierenden Angeboten bis hin zu begleiteten Arbeitsplätzen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die angebotenen 30 Tätigkeitsfelder erstrecken sich von Catering über Tischlerei bis hin zur Tierhaltung.  “Es gibt noch viel zu tun”, so Wolfgang Grasnick, der bis 2020 einer der Geschäftsführer der USE war, „damit die Arbeit in den Werkstätten nicht mehr als Sonderwelt betrachtet wird.”

 

Für diesen Beitrag haben wir Interviews mit Norbert Prochnow und Wolfgang Grasnick geführt.

 

Im nächsten Beitrag erfahren Sie, wie das Unionhilfswerk zu seinen Angeboten für Senior*innen kam und was der Fall der Berliner Mauer damit zu tun hatte.

„Wir machen uns Freu(n)de“- Unser Jubiläumsprojekt zur Stärkung des Zusammenhalts

Fast 3000 Mitarbeiter*innen sind über 130 Standorte in ganz Berlin und teilweise Brandenburg verteilt. Da kommt, trotz aller laufenden Maßnahmen und gemeinsamer Kanäle, schon mal das Gefühl auf, wenig über die Kolleginnen und Kollegen anderer Einrichtungen oder Gesellschaften zu wissen, ebenso wie der Wunsch, Unionhilfwerker*innen anderer Teams besser kennenzulernen.  Und genau da setzte unser Projekt „Wir machen uns Freu(n)de“ an.

Alle Kolleg*innen und Kollegen konnten mitmachen

Über einen Vorfreude-Film, eine kleine Klappkarte und der Vorstellung in unseren Leitungsrunden bewarben wir das Projekt digital und analog. Mitarbeiter*innen aller Einrichtungen sowie Vereinsmitglieder konnten sich bis Mitte November 2021 bewerben und aus allen eingegangen Bewerbungen wurden Partner-Teams gebildet, die sich gegenseitig „Freu(n)de“ machen durften – jeweils mit einem Budget von 500€ und im Rahmen der Arbeitszeit.
Viele Kolleg*innen nutzten diese tolle Möglichkeit und so entstanden Partner-Teams, die sich aus fast allen Unternehmensbereichen zusammensetzten. Die Kita mit dem Seniorenzentrum, das Jugendhilfe-Projekt mit dem Pflege-Team, der Bezirksverband mit dem Team der USE-Grünpflege bis hin zum Integrationsfachdienst mit der Verwaltungsabteilung. Die vielen Teams waren bunt gemischt und spiegelten damit wunderbar die Vielfalt des Trägers wider.

Kennenlernen und gemeinsam Ideen entwickeln

Die Teams hatten einige Wochen Zeit, einander kennenzulernen und gemeinsam zu überlegen, wie genau die Freude aussehen könnte. Da wurden virtuelle Runden ebenso genutzt wie gemeinsame Spaziergänge oder Telefonkonferenzen. Einfallsreich und kreativ lernten die Teams sich kennen und mindestens genauso ideenreich wurden wunderbare Pläne für gemeinsame „Freu(n)de“-Aktionen geschmiedet, die dann von Februar bis Ende Mai 2022 stattfanden.

Und wie lernt man einander gut kennen? Worüber freut sich fast jede*r? Natürlich – man nimmt sich Zeit füreinander: ob Ausflüge, gemeinsames Kochen oder Essen, Bogenschießen, Töpfern oder Brunnen bepflanzen, Abenteuer im Escape-Room, Picknick oder Bootstouren, Führungen oder Schnitzeljagden – an Ideen mangelte es unseren Freu(n)de-Teams nicht. Und so waren die ersten Wochen unseres Jubiläumsjahres gefüllt mit wunderbaren Stunden, in denen Kolleginnen und Kollegen sich kennenlernten, Teams sich gegenseitig Freude und kleine Geschenke machten, Unternehmensbereiche Einblicke in andere Geschäftsbereiche erhielten, Unionhilfswerker*innen zusammenwuchsen.

Best-Of-Freu(n)de-Video mit vielen Hightlights

Unser Jubiläumsfest Mitte Juni bot eine schöne Möglichkeit, gemeinsam noch einmal auf die vielen Aktionen zu schauen. Ein 5-minütiges Video zeigte alle Highlights unseres Jubiläumsprojektes „Wir machen uns Freu(n)de“ und hier und dort hörte man, dass bereits Pläne für weitere Treffen und gemeinsame Aktivitäten geschmiedet sind.

Unser Best-Of-Freu(n)de-Video:

"Wir machen uns Freu(n)de" - ohne Ton

 

Ganz viel Freude lag also rund um dieses schöne Jubiläumsprojekt in der Luft – und auch die Ideenentwicklung, Umsetzung und Begleitung des Projektes war eine riesengroße Freude!

Ein Song für das Unionhilfswerk

Zu einem Geburtstag gehört ein ordentliches Ständchen, das das Geburtstagskind hochleben lässt. Auch der Abteilung Unternehmenskommunikation war während der Jubiläumsvorbereitungen sehr schnell klar: Wir brauchen auf jeden Fall ein Lied! Doch bekannte Lieder wie „Viel Glück und viel Segen“ oder „Happy Birthday“ sollten es nicht werden – wir wollen etwas Eigenes! Bereits nach den ersten Überlegungen stand fest: Warum ein Lied nur für den Geburtstag schreiben, wenn wir etwas kreieren können, dass nachhaltiger ist? Ein Song, der beschreibt, wie es sich anfühlt, Teil des Unionhilfswerks zu sein, täglich Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, kleine und große Wunder zu erleben und gemeinsam etwas zu erreichen. Ein Song, der die Mitarbeiter*innen in diesen Glücksgefühlen abholt – unterlegt mit einer Melodie, die diese noch einmal unterstreicht. Unser Ziel: Dieser Song soll unser Unionhilfswerk-Lied werden und Premiere auf dem Jubiläumsfest haben.

Mitarbeiter*innen und Klient*innen waren dabei

Ein Texter und eine Profi-Musikerin machten sich an die Arbeit und entwickelten einen Song mit Ohrwurm-Potenzial. Doch das Singen sollten die übernehmen, um die es geht: Die Mitarbeiter*innen und betreuten Menschen aus dem Unionhilfswerk. Über einen Aufruf fanden sich schnell zwölf Sänger*innen, die Lust hatten, diesen Song einzusingen. „Und dann können wir es auch gleich richtig machen“, beschlossen wir im Projektteam und organisierten nicht nur einen Tag in einem Kreuzberger Tonstudio, sondern holten auch noch ein Kamera-Team aus der USE dazu. Wir wollten diesen aufregenden Tag festhalten, denn für die meisten war es das erste Mal, in einem Tonstudio zu sein – für manche sogar ein langersehnter Traum. „Ich werde diese Erfahrung für immer in Erinnerung behalten“, resümierte eine Beschäftigte der USE am Ende ihrer Aufnahme. Doch für das Video zum Song wollten wir noch mehr: Wir wollten auch die dabei haben, die vielleicht nicht so gern singen. Schließlich ist das Unionhilfswerk vielfältig und das wollten wir im Video zeigen.

Eine besondere Premiere

Auf unserem Jubiläumsfest war es dann soweit: Nicht nur das Video feierte seine Premiere, auch unsere Sänger*innen performten gemeinsam mit der Band den Unionhilfswerk-Song „Erlebe das Leuchten“ – und das Publikum sang begeistert mit! Mögen sich die Ohrwürmer weit verbreiten.

Und hier kommt das Video – Augen und Ohren auf!

 

Erlebe das Leuchten - Unser Unionhilfswerk-Song

75 Jahre Unionhilfswerk – besonderer Anlass & tolle Party mitten in Berlin!

Was wünscht sich das Organisationsteam für ein großes Fest, das über Wochen und Monate konzipiert, durchdacht, geplant, vorbereitet und realisiert wird? Auf jeden Fall bestes Wetter, entspannte Gäste und gute Laune – am richtigen Ort!

….und so war es: ab dem Nachmittag strömten die Gäste des Unionhilfswerk-Jubiläumsfestes bei sommerlich-frischer Brise in die Party-Location von Spindler & Klatt in Kreuzberg. Am Ufer der Spree konnten sie den spektakulären Blick auf die Skyline Berlins genießen und dabei die Vielfalt der Location nutzen – ob unter freiem Himmel auf der Terrasse, auf dem schwimmenden Ponton in der Spree oder in den verschiedenen Veranstaltungsräumen.

Hier war für alle etwas dabei –  für die Mitarbeiter*innen, Vereinsmitglieder und freiwillig Engagierten ebenso wie für die langjährigen Freund*innen, Partner*innen und Förderer des Unionhilfswerk-Unternehmensverbunds.

Sich endlich wieder persönlich zu treffen und zusammen zu feiern, das war für die über 1100 Gäste ein zusätzlicher Anlass, um auf dem Gelände der alten Heeresbäckerei an der Spree eine schöne Zeit zu verleben.

„Wir freuen uns sehr, dass wir nach so langer Zeit im Corona-Modus endlich wieder zusammen feiern können. Der furchtbare Krieg in der Ukraine hat uns sehr erschüttert und natürlich haben wir uns gefragt, ob wir angesichts dieser schlimmen Situation überhaupt feiern können. Letztlich haben wir uns bewusst entschieden, das Fest zu feiern. Trotzdem wollen wir die Ukraine-Krise nicht ausblenden. Das geschieht aktuell vor Ort in unserer Unterkunft für geflüchtete Menschen aus der Ukraine – hier leisten engagierte haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen jeden Tag tolle Arbeit“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Unionhilfswerk Berlin, Norbert Prochnow, in seiner Begrüßung die jüngsten Herausforderungen für alle Bürger*innen.

Das Unionhilfswerk – eine feste Säule für den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt

Auch die  Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, ließ es sich nicht nehmen, einem der größten sozialen Träger der Stadt zu gratulieren und sandte den Unionhilfswerker* innen in einer Grußbotschaft per Video ihren Dank und ihre Wünsche: „Besonders wichtig ist mir, Ihnen allen heute, stellvertretend für alle Berlinerinnen und Berliner einen großen Dank auszusprechen, den über 3.000  Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den 900 Freiwilligen und vielen Unterstützern unter dem Dach des Unionhilfswerks. Sie leisten unverzichtbare Beiträge für ein gutes solidarisches Zusammenleben. Gerade auch in schwierigen Zeiten zeigt sich: Berlin kann auf das Unionhilfswerk zählen. Und das feiern Sie heute – Sie haben es sich verdient!“

Unterhaltung kam nicht zu kurz

Professionell und emphatisch führte Moderator Alexander Dieck durch die Veranstaltung mit vielen Highlights. Zu den Überraschungen im Unterhaltungsprogramm des Abends zählten die Flying Steps. Das international bekannte Breakdance-Kollektiv lockte die Gäste mit Parts aus der Flying Bach-Show aus der Reserve und bahnte sie für den weiteren stimmungsvollen Verlauf der Party mit der Live-Band Sweet Music Collection und ganz viel Tanz. Natürlich viel zu kurz, denn die Unionhilfswerker*innen würden gern bis in den Morgen tanzen, wenn sie könnten….

Stimmen der Gäste

„….erst einmal möchten wir uns dafür bedanken, dass wir gestern an eurer großen Feier teilnehmen durften. Es war sehr beeindruckend, super organisiert und wohldosiert. Die ganze Feier vermittelte eine zukunftszugewandte Botschaft an alle Teilnehmenden. Ungeachtet dessen, dass das Unionhilfswerk bereits das stattliche Alter von 75 hat. Chapeau, chapeau bas, Hut ab, eine tolle Team-Leistung.“

„Das war ein tolles Fest! Großartiger Ort, gutes Programm u.v.a.m. Ich ahne, wie viel Organisation, Geld und Herzblut für das Gelingen verantwortlich waren. Es gab für mich schöne Begegnungen mit Bekannten und ‚Fremden‘ (die es dann bald nicht mehr waren).“

„Alles hat gestimmt – und ganz besonders schön war der Unionhilfswerk-Song, den ich mir nun noch ein paar Mal angehört habe. Echt was fürs Herz!
Schön war es auch, zu sehen wie froh und ausgelassen wir dann noch feiern konnten – nochmal was fürs Herz. Nach einer so langen Vorbereitungszeit mit so vielen tollen, super umgesetzten Ideen, war das mehr als verdient.“

Hier gibt’s die besten Bilder (an alle Mitarbeiter*innen: die komplette Bilder-Galerie finden Sie im Intranet):

75 Jahre Unionhilfswerk - Unser Jubiläumsfest in Bildern

Nächste Schritte auf dem Weg zum Erklärfilm „Erste Hilfe in leichter Sprache“

Am 5. und 6. Juni trafen sich knapp 20 Personen mit und ohne Behinderung für jeweils 3 Stunden, um das Drehbuch für den Erklärfilm „Erste Hilfe in leichter Sprache“ zu schreiben. Vorab hatten wir bereits gemeinsam festgelegt, welche Notfall-Situationen filmisch umgesetzt werden sollen. Diese reichen von Schnittverletzungen, Verbrennungen, Sonnenstich und Bewusstlosigkeit bis hin zum Herzinfarkt.

Lernen vom Filmemacher

Peter Jürgensmeier* hat in diesem Projekt die Aufgaben des Drehbuchautors und Regisseurs übernommen. Er führte uns aus seiner professionellen Perspektive heraus durch die ausgewählten Erste-Hilfe-Situationen. So gewannen wir wichtige Einblicke in die Kunst des Filmemachens und lernten beispielsweise, wie man Szenen interessant und nachvollziehbar gestaltet. Auch den ersten Filmjargon vermittelte er uns.

Gemeinsam überlegten wir, wie man die einzelnen Notfall-Situationen so darstellt, dass die Zuschauer*innen verstehen und lernen, wie sie jeweils korrekt Erste-Hilfe leisten können.
Wichtig war es uns auch, dass wir die Hilfe-Situationen nicht nur inhaltlich richtig und nachvollziehbar darstellen, sondern zusätzlich kleine, einprägsame Geschichten rund um die Situationen erzählen. Wir haben es uns im Zuge dessen auch nicht nehmen lassen, hier und da eine Prise Humor einzustreuen. Sie dürfen gespannt sein.

Jetzt muss ein geeigneter Drehort gefunden werden

Als nächster Schritt im Projekt steht die Drehortbesichtigung auf dem Plan. Sie sind herzlich eingeladen, am 25.06.2022 ab 11 Uhr mit dabei zu sein. Bitte kontaktieren Sie hierzu Margit Kastner.

 

[slide-anything id=“5645″]

Fotos: Maximilian Goedecke

* Peter Jürgensmeier arbeitet seit 2012 beim Unionhilfswerk als Betreuer in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderungen. Der studierte Sozialarbeiter, -pädagoge und Designer lässt seine künstlerischen Neigungen und seine Erfahrungen im Filmemachen und Fotografieren in die kreative Arbeit mit den Klient*innen einfließen.

„Heute fängt ein neues Leben an“ – Franziska Keil erzählt ihre Geschichte

Franziska Keil ist Klientin im Betreuten Einzelwohnen Elberfelder Straße des Unionhilfswerks. Sie hat für sich persönlich die Entscheidung getroffen, ihren Magen verkleinern zu lassen. Seitdem hat sie rund 48 kg verloren. Dankbar und stolz erzählt sie ihre Geschichte.

Ich habe eine Entscheidung getroffen

„Als ich mich in meinem Körper nicht mehr wohl fühlte, habe ich eine Entscheidung getroffen. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie sich den Magen hat verkleinern lassen. Ich habe sie gefragt, was auf mich zukommt. Sie hat mir alles erklärt und Tipps gegeben. Dann habe ich mich entschlossen, es auch zu machen.

Ich habe auch mit meinen Betreuern gesprochen und sie gefragt, ob sie mich begleiten. Als ich in der Arztpraxis angerufen habe, war ich am Telefon total aufgeregt. Ich habe mich erst mal vorgestellt und meinte, dass ich einen Termin brauche. Mit dem Termin ging es ziemlich schnell und je näher der Tag rückte, umso aufgeregter wurde ich.

Als der Tag da war, bin ich mit meiner Betreuerin in die Praxis gegangen und fühlte mich gleich gut aufgehoben. Ich meldete mich an der Rezeption an. Die Mitarbeiterin meinte zu mir: „Nehmen Sie im Warteraum Platz.“ Das Warten kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Im Behandlungszimmer fragte mich die Ärztin ganz nett: „Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ Ich erzählte, dass ich meinen Magen verkleinern lassen möchte. Sie fragte mich gleich, wie viel ich wiege. Ich sagte ihr: „160 kg.“ Darauf meinte sie: „Das ist wirklich sehr viel“.
Also habe ich bei ihr eine sechs monatige Diätberatung gemacht. Ich musste ein Tagebuch führen, was ich alles gegessen und getrunken habe. Ich musste zu verschiedenen Ärzten gehen und mir Atteste holen und ich hatte alle drei Wochen einen Beratungstermin. Es wurde bei mir Fett, Wasser und der BMI-Wert gemessen. Nach der Ernährungsberatung schickte ich die Papiere an die Krankenkasse. Es dauerte nicht lange, dann hatte ich auch schon die Genehmigung für die Magen-Operation im Briefkasten. Ich erzählte das meiner Betreuerin und sie freute sich mit mir.

Also machte ich einen Termin in der Schlossparkklinik. Der Oberarzt war auch sehr nett. Nachdem ich erzählte, warum ich hier bin, erklärte er mir, wie alles abläuft. Zuerst musste ich zu einer Untersuchung. Danach habe ich eine bestimmte Nummer angerufen, um ein Bett zu bekommen.

Heute fängt ein neues Leben an

Am 3.3.2021 musste ich wegen einer Magenspiegelung ins Krankenhaus. Am 4.3.2021 war dann der Tag, an dem mein Magen verkleinert wurde. Ich war so sehr aufgeregt, dass ich geweint habe. Als ich in den Operationssaal geschoben wurde, habe ich nur noch unter Tränen gesagt: „Heute fängt ein neues Leben an.“ Die OP-Schwester hat mich beruhigt. Dann war ich weg, im Schlummerland. Als ich dann im Aufwachraum war und langsam zu mir kam, ist ein Arzt gekommen und bewegte meinen Bauch hin und her und fragte, ob ich Schmerzen habe. Ich lächelte ihn an und sagte: „Ich habe keine Schmerzen“. Dann haben sie mich in mein Zimmer geschoben.

Insgesamt war ich fünf Tage im Krankenhaus. Ich versuchte immer, etwas zu trinken, was ich aber nicht so schaffte. Am zweiten Tag versuchte ich, einen Joghurt zu essen. Aber es passte ja nicht viel in meinen Schlauchmagen, da die Hälfte entfernt wurde. Am nächsten Tag habe ich dann eine Untersuchung gehabt, ob der Magen dicht ist.

Nach fünf Tagen war ich zuhause. Ich durfte vier Wochen lang nur Flüssiges zu mir nehmen, die nächsten vier Wochen konnte ich schon Brei essen. Seitdem soll ich fünf kleine Mahlzeiten, also 200g-Portionen, zu mir nehmen. Die schaffe ich aber bis heute nicht.

Ich bin stolz auf mich

Ich habe schon 47,7 Kilo verloren, worüber ich sehr stolz bin. Jetzt kann ich wieder laufen, ohne aus der Puste zu sein. Mein Herz pumpt auch nicht mehr so schnell, sodass ich nicht mehr das Gefühl habe, gleich umzukippen. Ohne diese OP hätte ich das nicht geschafft. Ich bin so dankbar und würde jedem diese OP empfehlen. Ich möchte mich bei meinen Freunden und Betreuern bedanken, dass sie mich so unterstützten und bis heute für mich da sind. Vielen lieben Dank an euch!“

 

 

* Hinweis der Redaktion: Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir diese Operation weder empfehlen, noch davon abraten können. Die Entscheidung ist medizinisch und vor allem persönlich zu treffen. Wir geben Frau Keil hier den Raum, davon zu erzählen.