Monthly Archives: Oktober 2021

Keine Werkstätten sind auch keine Lösung

Die Werktstätten seien nicht inklusiv, würden die Beschäftigten in den Werkstätten halten und den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erschweren. Zudem würden die Werkstatt-Beschäftigten viel zu wenig verdienen. Insgesamt lasse das verkrustete System der Werkstätten keine Veränderungen zu und müsse komplett abgeschafft werden. So die Hauptargumente. An Schärfe hat diese Diskussion durch eine Petition von Lukas Krämer gewonnen. Er fordert den Mindestlohn für Werkstatt-Beschäftigte, spricht von Ausbeutung und moderner Sklaverei. Das klingt heftig.  Was ist dran an dieser Kritik?

Mehr Transparenz im Entgeltsystem

Auf dem ersten Blick erscheint ein Entgelt von höchstens 200 € im Monat natürlich als absolut ungerecht. Tatsächlich ist das derzeitige System kompliziert und nicht unbedingt leicht durchschaubar. Denn die Beschäftigten erhalten nicht nur das Werkstatt-Entgelt, sondern weitere Leistungen, wie z.B. Grundsicherung oder Rente und dies aus verschiedenen Töpfen – so ist es vom Gesetzgeber festgelegt.
Eine größere Transparenz wollen hier sowohl die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) als auch die Werkstatträte Deutschland schaffen. Zusammen mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) arbeiten sie seit Jahren aktiv daran, das Entgeltsystem zu einer „Bezahlung aus einer Hand“ zu reformieren.
Allerdings muss hier klar sein, dass es immer ein subventionierter Arbeitsmarkt bleiben wird. Denn die Menschen mit Behinderung in Werkstätten haben eine Erwerbsminderung. Das heißt, sie können weniger als drei Stunden täglich unter den üblichen Bedingungen des Arbeitsmarktes arbeiten und somit nicht kontinuierlich ihren eigenen Mindestlohn erwirtschaften.

Auch Andreas Sperlich hat eine klare Meinung zu dem Thema. Hier der Link zum MDR-Beitrag „Selbstbestimmt“.

Selbstbestimmung – Niemand wird gezwungen, in einer Werkstatt zu arbeiten

Sicher ist etwas dran an dem Vorwand, dass Werkstätten ein „verkrustetes“ System seien und sich seit 70 Jahren nicht verändert hätten. Über 700 Werkstätten gibt es bundesweit, viele vereinzelt im ländlichen Raum und damit oft ohne Alternative für Menschen mit Behinderung. Hier mag es mitunter so sein, dass die Notwendigkeit der Veränderung nicht unbedingt dringlich erscheint. Anders ist es aber im urbanen Umfeld. In Berlin gibt es allein 17 Werkstätten für behinderte Menschen, die gewissermaßen auch im Wettbewerb zueinander stehen. Die behinderten Menschen haben die Wahl – und prüfen sehr genau, welches Werkstatt-Angebot zu ihnen passt. Und welches ihren Anforderungen an beruflicher Bildung und Teilhabe entspricht.

Wie gelingt der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt?

Tatsächlich sind die Überleitungen von Menschen mit Behinderung aus den Werkstätten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt verschwindend gering. Das ist auf viele Faktoren zurückzuführen: an der geringen Bereitschaft von Unternehmen, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen (nur 40% der deutschen Unternehmen beschäftigten so viele Schwerbehinderte wie gesetzlich gefordert), an den nicht immer leicht zu durchschauenden Vorgaben – aber auch an den Werkstätten selbst, die sich hier erst langsam auf den Weg machen. Da gibt es noch einiges zu tun – auf allen Seiten.

Was bewirkt der Ruf nach Abschaffung der Werkstätten?

Sicher braucht es Aktivisten und Mahner, die auf Missstände hinweisen und Veränderungen einfordern. Doch ist die Abschaffung der Werkstätten der richtige Weg zur Inklusion? Auf jeden Fall sollte man auch hier mit den Menschen, die in den Werkstätten arbeiten, sprechen und nicht nur über sie. Ein Großteil der Beschäftigten wolle nicht aus den WfbM auf den 1. Arbeitsmarkt wechseln, so Beatrix Babenschneider, Vorsitzende der Berliner Werkstatträte. Und viele sind aufgrund der anhaltenden Kritik verunsichert. Aber nicht darüber, dass sie scheinbar ausgebeutet werden. Vielmehr haben sie Angst davor, dass die Werkstätten tatsächlich abgeschafft werden könnten. Denn dann würden sie den Ort verlieren, an dem sie sich sicher fühlen und sie die Rahmenbedingungen finden, die ihnen ein gutes Arbeiten ermöglichen.

Auf jeden Fall lohnt ein differenzierterer Blick, ein Entweder Oder ist zu kurz gedacht. Wichtig wäre es vielmehr, Menschen mit Behinderung die Wahl zu lassen – aus einer Vielzahl von Angeboten, die jedem mit seinen speziellen Bedürfnissen die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht – sei es (unterstützt) auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, im sicheren Rahmen einer Werkstatt oder in einer anderen Maßnahme. Diese Vielfalt zu erweitern, daran sollten wir gemeinsam arbeiten.

 

„Wir sind alle ganz beseelt“ – Richard-von-Weizsäcker-Journalistenpreis feierlich übergeben

Gute Stimmung von Anfang an

Ob Dokumentationen beim Einlass, Abstandsregelung oder das Tragen von Masken: Die Preisverleihung wurde natürlich coronakonform durchgeführt. Aber das tat der guten Stimmung und der besonderen Atmosphäre keinen Abbruch. Schon vor Beginn der Preisverleihung kam es im festlich hergerichteten Wintergarten der Bertelsmann-Repräsentanz zu interessanten Begegnungen und angeregten Gesprächen.

Gegen 18.30 Uhr ging es los. Die Brüder Michael Elias und Mark Anthony Lewin stimmten das Publikum musikalisch auf die Preisverleihung ein. Die jungen Geiger sind Studierende des Julius-Stern-Instituts der Universität der Künste.

Danach übernahm Alexander Dieck. Der langjährige Journalist und Radiomoderator erklärte, worum es an diesem Abend ging, und begrüßte die Gäste. Trotz der Themen rund um das Lebensende, die die Förderstiftung stärker ins Bewusstsein von Medien und Gesellschaft rücken möchte, gelang es ihm, leicht und mit einer Prise Humor, aber immer professionell durch den Abend zu führen.

Hohe journalistische Qualität

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Huber, Jury-Vorsitzender, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg a.D., sagte in seiner nachfolgenden Rede: „Mehr als achtzig Journalistinnen und Journalisten bewarben sich um diesen Preis. Sie alle spürten Beispielen dafür nach, wie Menschen insbesondere in der professionellen Pflege wertschätzend mit ihren pflege- und hilfsbedürftigen Mitmenschen umgehen.“ Außerdem hob er die Qualität nicht nur der ausgewählten Beiträge hervor.

Mit dem Journalistenpreis ein Tabu brechen

Eberhard Diepgen, der Vorsitzende des Beirats der Unionhilfswerk-Förderstiftung und Regierender Bürgermeister von Berlin a.D., sprach im Anschluss von der besonderen Verantwortung gegenüber älteren Menschen auf der einen und den Fokus auf jüngeren Menschen auf der anderen Seite. „Dieses Spannungsfeld muss in den bevorstehenden Koalitionsvereinbarungen wirklich behandelt werden“, so Eberhard Diepgen. Die Förderstiftung habe sich für den Journalistenpreis entschieden, „um ein Tabu zu brechen.“ Kaum jemand habe sich mit den Themen rund um das Lebensende beschäftigen wollen, sagte der Beiratsvorsitzende.

Und dann war es soweit: Die Laudator*innen erhielten das Wort, um die zu ehrenden Autor*innen und die von ihnen eingereichten Beiträge vorzustellen.

Platz 3: „Vergissmeinnicht – Der richtige Umgang mit Dementen?“ (Y-Kollektiv für YouTube)

Den charmanten und charismatischen Auftakt machte Georgia Tornow, Geschäftsführerin von „Boulevard der Stars“, renommierte Journalistin und Jurymitglied. Sie stellte Platz 3 vor. Dieser ging, verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro, an Katja Döhne von Y-Kollektiv für YouTube (Produktionsfirma „sendefähig“). Sie konnte leider nicht teilnehmen, wurde aber von ihrer Redakteurin Julia Rehkopf hervorragend vertreten. In ihrem Online-Beitrag „Vergissmeinnicht – Der richtige Umgang mit Dementen?“ berichtet Katja Döhne über das Leben von an Demenz erkrankten Menschen in Deutschlands erstem Demenzdorf in Tönebön sowie über die Menschen, die sie umsorgen. Der Beitrag richtet sich an ein junges Publikum, mit dem Ziel, sich frühzeitig mit dem Thema Demenz zu beschäftigen.

Platz 2: „Frau Hartmann kommt halb acht“ (taz am Wochenende)

Der zweite Preis ging an den Print- und Multimediajournalisten Fabian Franke mit seinem Beitrag „Frau Hartmann kommt halb acht“ für taz am Wochenende. Die Laudatio hielt Dirk Müller, als Bereichsleiter Palliative Geriatrie und Hospiz im UNIONHILFSWERK und obendrein gelernter Altenpfleger Experte für die Themen am Lebensende. Er verwies unter anderem auf die Worte der Jury, um die Qualität des Beitrags zu verdeutlichen. „Der Beitrag trifft exakt unser Thema, denn der Autor begleitet genau jene, die Menschen an ihrem Lebensende umsorgen. Die mobile Pflegekraft, ihre Motivation, ihre Probleme, aber auch ihre tief empfundene Nähe zu ihrem Beruf und den Menschen, die sie tagtäglich pflegt.“ Der zweite Platz ist mit 3.000 Euro dotiert.

Platz 1: „Die Pflegeklasse“ (ZDF)

Lutz Krieger, Mitglied der Jury und Ehrenvorsitzender der Berliner Pressekonferenz, hatte die große Ehre, Platz 1 zu verkünden. Den ersten Preis und ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro erhielten Nancy Fischer und Lan-Na Grosse. Ihre Beitragsreihe „Die Pflegeklasse“ wurde vom 1. Oktober 2018 bis zum 17. September 2021 im Mittagsmagazin des ZDF ausgestrahlt. Mit der Auszeichnung wurde neben der journalistischen Leistung der Autorinnen auch die wertvolle Arbeit der angehenden Pflegekräfte sowie das große Engagement der Pflegeschule in Paulinenaue im brandenburgischen Havelland gewürdigt.

Entspannter Ausklang

Wolfgang Grasnick, Vorsitzender der Förderstiftung, rundete die Preisverleihung ab. Er dankte neben den Pflegekräften auch den Angehörigen und Ehrenamtlichen für ihre wertvolle Arbeit – und zu guter Letzt eröffnete er das Buffet.

Im Anschluss an die bewegende Preisverleihung hatten die Anwesenden inklusive der strahlenden Preisträger*innen die Gelegenheit, den Abend in angenehmer Atmosphäre entspannt ausklingen zu lassen. „Es ist ein wirklich schöner Abend und wir sind alle ganz beseelt“, sagte Nancy Fischer.

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Fotos: Patricia Kalisch

Schichtwechsel im Radio-Fieber

Am Montag, den 13.09. ging es los: Jeden Tag von 12.00-13.00 Uhr ging ein inklusives Team onAir – gemeinsam mit Nancy Fischer moderierten Menschen mit Behinderung die Mittagssendung – angeteasert durch einen Jingle, den die Mediengestaltung der USE produziert hatte, natürlich auch inklusiv.
Aber nicht nur das, wieder andere gaben Tipps zu Lieblingsorten in Berlin oder tollen Sportangeboten. Das Feld weitete der tägliche Korrespondenten-Blick in andere europäische Länder.

Zu einem kleinen Star inklusive Facebook Fanbase hat sich in dieser Woche Martin Berg vom USE-Digitaldruck in Teltow entwickelt. Er sagte Montag und Dienstag das Wetter an – mit so viel ansteckender Power, dass er am Donnerstag nochmal ins Studio geladen wurde. Diesmal nicht nur um das Wetter anzusagen, sondern auch um ein kleines Intevrview zu geben. Und das ist noch nicht das Ende: gerade plant er sein Praktikum bei radio eins.

Podiumsdiskussion im Bikini

Den Abschluss der inklusiven Woche bildete am Freitag, den von 19 -21 Uhr im Bikini Berlin die Podiumsdiskussion „radioeins inklusiv – neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt für Menschen mit und ohne Behinderung. Der Talk.“
Radioeins Moderatorin Katja Weber diskutierte mit Beatrice Babenschneider, Vorständin LAG Werkstatträte und Anne Gersdorff von den Sozialhelden e.V. sowie weiteren Gästen, wie die Werkstätten, aber auch der allgemeine Arbeitsmarkt reformiert werden müssen.
Auch hier waren viele Beschäfitge aus den 17 Berliner Werkstätten vor Ort. Leider kamen von ihnen nur wenige zu Wort. Die zweistündige Diskussion war dennoch spannend und ausgewogen. Stark und überzeugend war vor allem Beatrice Babenschneider, die eine Brücke schlug zu den Kritikern.

Aber hören Sie einfach selber rein: https://www.radioeins.de/themen/_/radioeins_inklusiv/

Der Schichtwechsel in der USE

Am Schichtwechsel-Tag selbst bekam die USE dieses Jahr tatkräftige Unterstützung von Mitarbeiter*innen der Polizei, Hertha BSC, Mercedes Benz, Amazon, der Senatsverwaltung und Schülerinnen der Elisabeth-Schulen. Zum eins-zu-eins-Tausch kam es mit dem Albrechtshof: Während drei Beschäftige aus der Floristik im schicken Hotel in Mitte Einblick in die verschiedenen Arbeitsfelder erhielten, konnten sich die Hausdamen vom Albrechtshof im Binden von Blumen weiterbilden.

Hintergrund

Der Schichtwechsel gibt Menschen ohne Behinderung aus Berliner Unternehmen die Möglichkeit, die Vielfalt der Teilhabe-Angebote von Werkstätten für Menschen mit Behinderung vor Ort zu erleben. Gleichzeitig erhalten die Teilnehmenden aus den Werkstätten Einblicke in den allgemeinen Arbeitsmarkt, lernen neue Berufsfelder kennen und können Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Vor allem aber entstehen Begegnungen, die helfen sollen, auf beiden Seiten Vorurteile abzubauen.

Dahinter steht in erster Linie der Gedanke, dass Arbeit nicht dem reinen Broterwerb dient, sondern – egal an welchem Arbeitsplatz – Struktur und Identifikation schafft. Mehr als 200 Menschen aus über 50 Unternehmen haben an diesem Tag Einblick in eine neue Berufswelt bekommen. 17 Werkstätten aus allen Berliner Bezirken nahmen daran teil. Unternehmen wie die BVG, Siemens, Amazon, Mercedes-Benz waren dabei, außerdem die Feuerwehr und Polizei Berlin. Wie im vergangenen Jahr wurde natürlich auf coronakonforme Hygiene geachtet.

PS: Nancy Fischer von radioeins hat gerade unseren Richard-von-Weizsäcker-Journalistenpreis gewonnen!

Inklusives Sportfest – USE CUP 2021

Die Schlange am Eingang war dann doch länger als vermutet. Die für die Veranstaltung notwendige Umsetzung der 3G-Regelung wurde konsequent durchgeführt. Und der Andrang war groß. Noch größer war nur die Freude darüber, nach zweijähriger Pause wieder ein Stück Normalität erleben zu dürfen.

Die sonst eher trist daherkommende Sportanlage in Adlershof wirkte an diesem Tag deutlich farbenfroher. Dafür sorgte das Organisationsteam der Union Sozialer Einrichtungen (USE), das schon am frühen Morgen damit begann, fast 40 Nationen-Flaggen aufzuhängen. Diese repräsentierten die unterschiedlichen Herkunftsländer der USE-Mitarbeitenden. Eine beeindruckende Vielfalt, die damit in Köpenick zum Ausdruck gebracht wurde.

Niedrigschwellig angebotene Aktionen kamen gut an

Auch in diesem Jahr wurde den Anwesenden wieder einiges geboten, um Körper und Geist in Bewegung zu bringen. An den aufgebauten Mitmachstationen gab es unter anderem die Möglichkeit zum Torwandschießen, Dosenwerfen oder Sportquizzen. Die bewusst niedrigschwellig angebotenen Aktionen wurden rege genutzt und brachten den Absolvent*innen neben einer Menge Spaß auch eine schicke USE-Trinkflasche als Preis ein.

Das Fußballturnier auf den beiden Spielfeldern startete WM-reif. Die Bässe und Klänge der selbstgewählten Einlaufmusik dröhnten zum Aufgalopp der Teams. Ob „Thunderstruck“, „Safri Duo“ oder die Champions League – Hymne. Die Teams genossen ihre Auftritte sichtlich und freuten sich auf die anstehenden Spiele.

Inklusion leben

Diese hatten sportlich einiges zu bieten. Schöne Kombinationen gingen sehenswerten Toren voraus und gewonnene Zweikämpfe wurden am Seitenrand frenetisch bejubelt. Besonders beeindruckend war aber der Umgang miteinander. Mit dem Anziehen von Hosen und Trikots wurden Unterschiede hinsichtlich Herkunft, Geschlecht oder Hierarchie nichtig. Es spielte die Arbeitsgruppenleiterin mit dem Beschäftigten, der Geschäftsführer mit der Praktikantin oder die Bereichsleiterin mit dem Auszubildenden. Menschen mit und ohne Behinderung, die der gemeinsamen Leidenschaft nachgehen – Inklusion, wie sie im besten Sinne gelebt werden sollte.

Der Wanderpokal ist zukünftig in der Oranienstraße zu begutachten. Dort wird er im DIM-Ladencafé ausgestellt. Das Team um den Beschäftigten und Kapitän Hasan Bektas gewann den Cup souverän und verwies die Konkurrenz aus der Eichbuschallee und der Genter Str. auf die Plätze zwei und drei. Bis zur avisierten Titelverteidigung im kommenden Jahr glänzt es in Kreuzberg nun noch etwas mehr.

Integrationspreis für Jala El Jazairi von der Zentralen Anlaufstelle Hospiz

Fern der Heimat ein Anker für andere

2014 flüchtete die studierte und auf Menschenrechte spezialisierte Juristin aus Syrien nach Deutschland, kam in Potsdam bei Freunden unter und musste ganz von vorne anfangen. Mit Mut und Entschlossenheit ging die sprachbegabte 47-Jährige – neben ihrer Muttersprache Arabisch spricht sie Französisch, Englisch, Spanisch, Farsi sowie verschiedene afrikanische Dialekte – das neue Leben und die neue Sprache an. Sie suchte sich Hilfe und wurde selbst zu einer unentbehrlichen Helferin für andere geflüchtete Menschen.

„Durch ihr selbstloses und weltoffenes Handeln ist Jala für viele Menschen stets ein starker Anker in schweren Zeiten. Potsdam hat viel gewonnen, seit sie eine Potsdamerin geworden ist. In nur sechs Jahren ist sie zu einer Schlüsselperson im Integrationsbereich und einer objektiven Beraterin für viele Menschen und Institutionen geworden“, lobte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert El Jazairis Engagement bei der Preisverleihung.

Interkulturelle Öffnung als Mission

Jala El Jazairi, die bis Juni 2021 als Sozialarbeiterin in der Flüchtlingsunterkunft im Potsdamer Staudenhof arbeitete, engagiert sich ehrenamtlich in zahlreichen Projekten – so als Mitglied des Migrantenbeirats Potsdam vor allem für geflüchtete Frauen.

Und sie ist mit Sicherheit ein großer Gewinn für die Hospizarbeit: Weltoffen und gut in die verschiedenen Communitys vernetzt, will sie in der Zentralen Anlaufstelle Hospiz den Bereich „Interkulturelle Öffnung“ entwickeln. Ein wichtiges Feld, denn noch viel zu wenig ist der hospizliche Gedanke in den verschiedenen migrantischen Gemeinschaften der Stadt vertreten. Viele Menschen mit interkulturellen Hintergrund wissen gar nicht um die Angebote oder haben aufgrund von Sprachbarrieren keinen Zugang zur Palliativversorgung.

Wie auch in der Gesamtbevölkerung, wird in den nächsten Jahren die Zahl der pflegebedürftige Migrant*innen steigen. Im Sinne einer interkulturellen Öffnung ist es darum notwendig, auf die Zielgruppen zugeschnittene Informationsangebote aufzubauen. „Dabei müssen wir unbedingt die Migrationsbiografie, spezielle kulturelle und spirituelle Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen. Auch ist es sehr wichtig, den Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen in den Pflegeeinrichtungen zu verbessern“, weiß Jala El Jazairi. Wichtige Felder, die es in diesem Kontext zu bearbeiten gilt, seien darum die transkulturelle Pflege, migrationssensible Biographiearbeit, Demenz im Migrationskontext, das Führen von transkulturellen Teams und natürlich die Zusammenarbeit mit Migrantenselbstorganisationen. Für eine Netzwerkerin wie El Jazairi mit Sicherheit ein Heimspiel …