Monthly Archives: Juli 2020

„Unionhilfswerker“: Christian Knop

Name: Christian Knop

Alter: 37

Beruf: Bürokaufmann, Gesundheits- und Sozialökonom

 

Was genau machen Sie da?

Ich bin als Teamassistenz im Fachbereich Pflege tätig.

 

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Beruf?

Ich hatte, soweit ich mich zurückerinnern kann, schon immer einen Hang dazu, kaufmännisch zu denken und möglichst auch so zu handeln. Das verbindet sich gut mit meinem Berufsalltag.

 

Was wollten Sie werden als Sie klein waren?

Aus Erzählungen weiß ich, dass ich zuerst Tankwart werden wollte, später Busfahrer – ab Schulzeit: Fußballprofi. Heute resümiere ich: Der Trend geht zur E-Mobilität. Eine Fahrerlaubnis habe ich nicht und zum Fußballprofi fehlte das Talent.

 

Was ist das Schrägste, was Ihnen bisher in Ihrem Berufsleben passiert ist?

Zu einer Zeit, als ich im Betreuten Einzelwohnen tätig war, erinnere ich mich an eine Krisenintervention an einem 24.12. bei einer Klientin. Es gab zur Feier des Tages alkoholfreien Sekt, ein Big-Mac-Menü und Börsen-News auf N-TV. Wir haben auf der Bettkante gesessen, da in dem Zimmer nichts weiter als das Bett, ein Tisch und der Fernseher gestanden haben. Ich sollte still sein und die Klientin wollte wohl nicht allein sein.

 

Welche Tätigkeit beherrschen Sie neben dem Job so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?

Ich würde behaupten, dass ich gute Konzert-Reviews oder Musik-Kritiken schreiben könnte.

 

Am Wochenende mache ich am liebsten…?

Ich putze am Wochenende, sogar mit Spaß dabei. Wochenende ist für ich aber vor allem Familienzeit und ich verfolge mit großem Interesse das Geschehen rund um den Fußball.

 

Was ist Ihr Lieblingsplatz/-ort?

In dieser Stadt mag ich am liebsten den historischen Teil, jede Stadtführung fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Außerhalb von Berlin bin ich am liebsten in Griechenland.

 

Auf welchen Luxus könnten Sie verzichten?

Auf ein Mobiltelefon und auf ein Auto.

 

Sie dürfen drei Gegenstände mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche wären das?

Eine Kopfbedeckung, ein Kopfkissen und ein solarbetriebenes Musikabspielgerät.

 

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, zu welcher Zeit hätten Sie gern gelebt?

Ich hätte gern den 05.05.1966 erlebt – im Hampden Park in Glasgow. Dort wurde zum ersten Mal ein Europapokal durch eine deutsche Bundesligamannschaft gewonnen.

 

Was sollte jeder Mensch einmal im Leben getan haben?

Sich die Zeit nehmen und einen Supermond betrachten. Ich finde das faszinierend.

 

Welche Superkraft hätten Sie gern: Unsichtbar sein können, Gedanken lesen oder fliegen?

Ich bin ganz zufrieden mit meinen Fähigkeiten.

 

Zum Schluss: Wen möchten Sie bei der Gelegenheit grüßen?

Ich grüße die Mitarbeiter*innen des Unternehmensbereiches Pflege.

Erst wird geklatscht, dann folgt die Klatsche!

Die Corona-Pandemie ist eine herausfordernde Zeit. Sie verlangt uns Kraft, Ausdauer und Vertrauen auf den unterschiedlichsten Ebenen des gesellschaftlichen Lebens ab.

Kinder- und Jugendhilfe ist unabdingbar – gerade in der Krise

Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe zeichnete sich in der Corona-Krise ein dramatisches Bild ab und zeigte wie unerlässlich Angebote und Dienstleistungen für Familien sind, um Unterstützung zu bieten und eine Balance im familiären Kontext herzustellen. Systemrelevanz – war das große Schlagwort. Die Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe bildeten dabei eine wichtige Säule der gesellschafts- und systemrelevanten Arbeit. Auch das UNIONHILFSWERK ist einer dieser freien Träger.

Die Politik vermittelte zu Beginn der Pandemie Sicherheit: zum einen durch die Wertschätzung der herausfordernden Arbeit in diesen unbeständigen Zeiten und zum anderen durch die Zusicherung der Vollfinanzierung gegenüber sozialen Trägern.

Erst kam die Sicherheit, dann folgte die Verunsicherung!

Dadurch konnten die freien Träger der Berliner KiTa-Landschaft ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine existentielle Sicherheit bieten. Die Notbetreuung in den Kitas, die stufenweise Öffnung hin zu der Rückkehr in den Regelbetrieb forderte von allen Beteiligten viel Flexibilität, Mut und Verständnis ab – immer mit (Weit-)Blick auf das soziale Wohl der Gesellschaft gerichtet.

Umso überraschender erschien es, als der Berliner Senat gleich mehrfach mit der Rücknahme bereits getroffener Zusagen auf die freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe zukam: Erst sicherte die Bildungssenatorin Berlins die Vollfinanzierung zu, dann forderte das Land Berlin die die freien Träger zur Rückzahlung von 20 Miollionen Euro. Die medial angekündigte „Heldenprämie“ von 1.000 Euro für Beschäftigte, die ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit in der Corona-Krise außergewöhnliches leisteten, wurde den freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zugesichert. Tatsächlich wird jetzt nur ein Bruchteil des Betrags ausgezahlt. Den Rest sollen die Träger selbst beisteuern, deklariert als sogenannte „Mut-Zulage“.

Versprechungen wurden gemacht, Sicherheiten gegeben und anschließend folgte die Verunsicherung als Dankeschön.

Ein offener Brief an den Senat

Die empörte Reaktion der freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe blieb nicht aus – Presseberichte und -mitteilungen folgten. Eine große Zahl freier Träger der sozialen Arbeit haben sich gemeinschaftlich solidarisiert und repräsentieren das Anliegen sozialer Arbeit in den Berliner Bezirken. Öffentlich legen sie ihren Unmut über den Wort- und Vertrauensbruch in einem Offenen Brief dar. Diesem schließt sich auch das UNIONHILFSWERK an.

Die Forderungen sind klar und fordern Klarheit:

Wir fordern Verlässlichkeit bei Zusagen des Senats, Verhandlungen, die auf Augenhöhe geführt werden mit zukunftssicheren Aussagen. Freie soziale Träger dürfen bei gleicher Leistung finanziell nicht schlechter dastehen, als landeseigene Einrichtungen.

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen vollen Einsatz und leisten gerade jetzt verantwortungsvoll wertvolle Arbeit! Daher erwarten wir, dass das Land Berlin ihnen ebenso viel Wertschätzung entgegenbringt, wie den Kolleginnen und Kollegen in den kommunalen Einrichtungen.“, sagt Ulrike Hinrichs, Geschäftsführerin der Unionhilfswerk Sozialeinrichtungen gGmbH. „Unsere Kitas müssen in Zukunft ohne Abstriche zu 100% finanziert werden! Eine Prämie verdienen wir in gleichem Maße!“ Natürlich macht der Träger sich auch dafür stark, dass andere Arbeitsbereiche, wie Pflege und Wiedereingliederungshilfe berücksichtigt werden.

Die Antwort der Politik bleibt abzuwarten. Den offenen Brief im Wortlaut finden Sie hier.

„Es war uns eine Ehre“ – Betreuungsteam begleitete Christa Matthes bis zuletzt

Wir konnten einer Bewohnerin den Wunsch erfüllen, zu Hausen zu sterben. Es war beeindruckend zu sehen, wie sich alle der Situation gestellt und an einer Lösung mitgearbeitet haben, um Christa Matthes ein selbstbestimmtes Leben bis zuletzt zu ermöglichen.

Wo geht es hin?

Christa Matthes

Christa Matthes
© Fotogruppe Joachim-Fahl-Haus

Im Januar dieses Jahres hatte sich der gesundheitliche Zustand von Christa Matthes so verschlechtert, dass wir anfingen, uns ernste Sorgen zu machen. Sie konnte das Bett nicht mehr verlassen und essen und trinken wollte sie immer weniger. Da wir uns nicht erklären konnten, wo das Problem liegt, haben wir mit ihr besprochen, ins Krankenhaus zu gehen. Wir wollten eine möglicherweise behandelbare Krankheit nicht übersehen. Zögernd willigte sie ein und ließ sich wiederholt von uns versichern, dass wir sie so schnell wie möglich wieder nach Hause bringen. Die Mitarbeitenden aus dem Betreuungsdienst ließen es sich nicht nehmen, sie fast zu jeder Mahlzeit im Krankenhaus zu besuchen, ihr das Essen zu reichen und das Pflegepersonal vor Ort zu unterstützen. Nach diversen Untersuchungen wurde klar, dass Frau Matthes nicht mehr lange zu leben hatte. Ihr Herz wurde immer schwächer. Sie wurde im Beisein unserer Kolleginnen und Kollegen von den Ärzten auch so aufgeklärt, dass sie verstehen konnte, was das für sie bedeutet.

Neue Wege suchen

Für uns wurde klar, dass wir unseren Betreuungs- und Versorgungsansatz ändern mussten. Wir wollten alles tun, damit Christa Matthes ihre letzten Tage so verbringen konnte, wie sie es sich wünschte. Als erstes haben wir eine ethische Fallbesprechung einberufen, an der alle wichtigen Beteiligten teilnahmen. Wir haben uns über Themen wie Nahrungs- und Flüssigkeitsverweigerung, Schmerzen und Atemnot ausgetauscht und uns bei allen Entscheidungen daran gehalten, wie wir unsere Bewohnerin aus vorherigen Situationen kannten. Unsere Handlungen haben wir an ihren Aussagen und aus unseren Erfahrungen mit ihr ausgerichtet. Als nächsten Schritt haben wir eine Palliativmedizinerin und einen Pflegedienst für die medizinische Betreuung hinzugezogen. Das brachte vor allem für die Kolleginnen und Kollegen aus dem Betreuungsdienst Entspannung, da jetzt rund um die Uhr kompetente Ansprechpersonen zur Verfügung standen.

Neue Wege gehen

Unser Ziel war es, dass Frau Matthes möglichst wenig Schmerzen und Luftnot haben sollte. Die verantwortungsvolle Aufgabe für die Mitarbeiter im direkten Kontakt war, ihren Zustand zu beobachten und abzuleiten, welche Reaktionen zu erfolgen hatten. Das Erlernen neuer Maßnahmen wie z. B. das Lagern, um ein Druckgeschwür zu vermeiden, war eine komplexe Herausforderung – das emotionale Begleiten von Christa Matthes und das Aushalten des Sterbens – auch für die anderen Bewohnerinnen und Bewohner – aber war eine weitaus größere. All dies wurde in multidisziplinärer Zusammenarbeit hervorragend bewerkstelligt. Wir haben es geschafft, dass sie nur alleine war, wenn sie es wünschte. Sogar in der Nacht hat sich das Team ans Bett gesetzt. Alle haben sich eingebracht und sind die Extrameile mitgegangen.

Zitate der Betreuungsteams

Zum Abschluss soll das Betreuungsteam zu Wort kommen, um von seinem Weg zu erzählen.

»Hilfreich war für uns die ethische Fallbesprechung, das ehrliche Gespräch mit der Palliativmedizinerin und die Unterstützung von Seiten der Heimleitung und des Fachdienstes für Gesundheitsfragen. Das gab uns Sicherheit.«

»Die Tatsache, dass Christa Matthes ihren Zustand anzunehmen und zu akzeptieren schien, machte es uns leichter, ihren Sterbeprozess zu begleiten.«

»Wir hatten insbesondere anfänglich, bzgl. der Lagerung und Dekubitusprophylaxe (Vorbeugung des Wundliegens, Anmerkung der Redaktion) Bedenken, ob unsere Maßnahmen den Notwendigkeiten entsprechen.«

»Es war eine Herausforderung, in dieser emotionalen Atmosphäre einen Spagat zwischen eigenen Befindlichkeiten (z. B. eigenen Erfahrungen) und dem professionellen Umgang mit jenen der Klienten zu gewährleisten, zumal es an Vorkenntnissen fehlte.«

Es war uns eine Ehre

Christa Matthes ist in der Nacht vom 12. Februar 2020 im Alter von 82 Jahren friedlich von uns gegangen. Wir sind traurig. Aber auch dankbar, dass wir sie bis zuletzt begleiten durften.

Eine Herzensangelegenheit – Melanie Möbius und ihre Arbeit als Vorsitzende im Bezirksverband Spandau

Eine junge Vorsitzende

Melanie Möbius engagierte sich schon als Jugendliche ehrenamtlich im Bezirk. Sie unterstützte bei Nachbarschaftsfesten und half, wo Hilfe gebraucht wurde. Über ihr Engagement in der CDU entstand der Kontakt zum UNIONHILFSWERK und sie wurde Mitglied im Bezirksverband Spandau. Die damalige Vorsitzende, Elke Schade, sah von Anfang an viel Potenzial in der jungen Frau und erklärte ihr alles Wichtige über die Vereinsarbeit. Diese Aufgabe setze Joseph Juchem, stellvertretender Bezirksvorsitzender, nach dem unerwarteten Tod von Frau Schade fort und in 2019 wurde Melanie Möbius zur Bezirksvorsitzenden gewählt.

Mit Anfang Dreißig liegt Frau Möbius weit unter dem Altersdurchschnitt der Vereinsmitglieder und Bezirksvorsitzenden unseres Landesverbandes. Für die Zukunft des Vereins und das sichere Fortbestehen der Angebote spielt der „Nachwuchs“ eine besondere Rolle. Das Wissen und die Erfahrungen der älteren Vereinsmitglieder, die sich oft schon seit vielen Jahren oder Jahrzehnten engagieren, sind von unschätzbarem Wert. Trotzdem braucht es auch jüngere Männer und Frauen, um den Verein zukunftsfähig und sicher aufzustellen. Melanie Möbius ist eine davon und konnte durch ihr verlässliches, strukturiertes und vor allem engagiertes Anpacken schnell das Vertrauen der älteren Kolleginnen und Kollegen gewinnen.

Für die älteren Menschen sind unsere Angebote von unschätzbarem Wert

Die Arbeit im Verein ist für Melanie Möbius eine Herzensangelegenheit. Ihre eigene Großmutter geht nur selten vor die Tür – auch, weil es in deren Region so gut wie keine Angebote für ältere Menschen gibt. Umso mehr weiß Frau Möbius zu schätzen, wie wichtig die Angebote des Landesverbandes für die Seniorinnen und Senioren sind. Die regelmäßigen gemeinsamen kleinen und großen Frühstücke, die Fahrten und Ausflüge, die gemeinsamen Aktivitäten und Beschäftigungen: Darauf freuen sich die alten Menschen, dafür werden die schicken Kleider und die Perlenohrringe aus dem Schrank geholt. Die Hemden werden gebügelt und die Schuhe gewienert. Das Schnacken beim gemeinsamen Essen, der Austausch bei einer gemeinsamen Dampferfahrt, das Reden und Zuhören beim Kartenspielen – für die älteren Menschen sind genau diese Momente wichtig, bedeutungsvoll und geradezu heilsam. Und genau das bringen die Senioren dann auch zum Ausdruck: „Die Dankbarkeit, die mir entgegengebracht wird, ist wiederum für mich eine große Wohltat und einfach ein tolles Gefühl.“, so Melanie Möbius.

Das alles ist nur möglich durch die Hilfe der engagierten Ehrenamtlichen, die bei den Vorbereitungen und Umsetzungen aller Aktivitäten unterstützen. Melanie Möbius hat ein tolles Team um sich, ist aber weiterhin auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern – gern auch jüngeren Menschen. Denn natürlich gibt es auch mal Arbeiten, bei denen körperlicher Einsatz gefragt ist. Und grundsätzlich glaubt Frau Möbius fest daran, dass das Miteinander von Jung und Alt immer ein großer Gewinn für beide Seiten ist.
So nutzt sie viele Gelegenheiten, um Freunde und Bekannte über die Vereinsarbeit zu informieren und die tollen Projekte zu erklären. Bei Präsentationen, beispielsweise auf dem Sozialmarkt in Spandau, wird nicht nur für den Verein geworben, sondern auch für die Helferinnen und Helfer.

Viele Vereinsmitglieder sind von Corona besonders betroffen

Aktuell ist – wie bei all unseren Projekten und Einrichtungen – auch im Bezirksverband Spandau alles anders. Sämtliche Veranstaltungen und geplanten Aktivitäten mussten abgesagt werden. Gehört doch die Zielgruppe des Vereins, allein durch die Altersstruktur, besonders zur Risikogruppe und bedarf eines guten Schutzes. Die Folgen für das Vereinsleben sind gravierend und Ideen sind gefragt, um die alten Menschen trotzdem und gerade jetzt gut zu unterstützen. Einkaufshilfen werden organisiert und vermittelt, telefonische Beratung angeboten, Hilfsbedürftige und Helfende werden zusammengeführt. Auch Brieffreundschaften, die die Junge Union Spandau anbietet, werden vermittelt.

Eine Zeit, die große Herausforderungen mit sich bringt. In der man aber auch zusammenrückt, gemeinsam Lösungen findet und Ideen entwickelt, die vorher nicht denkbar waren. „Mit diesem Zusammenhalt und der starken Solidarität kann die Krise gemeinsam überstanden werden“, ist sich Melanie Möbius sicher und freut sich darauf, die Seniorinnen und Senioren weiterhin, wenn auch anders als gedacht, zu unterstützen.