Monthly Archives: April 2021

„Seelenvögel und andere Tiere“ – die MoArts stellen aus

Ein Jahr lang wurden die MoArts, bei ihren unterschiedlichen künstlerischen Themen und Techniken vom „Seelenvogel“ begleitet. Die Figur des Seelenvogels entspringt einem gleichnamigen Buch von Michal Snunit und Na’ama Golomb. „Er schließt die Seele auf für die Gefühle und öffnet die Augen auch für andere Tiere“, sagt Birgitta von Homeyer, die gemeinsam mit Irina Wussmann die Kunstgruppe begleitet und deren Ausstellungen organisiert.

Ausstellung vor Ort oder virtuell besuchen

In ihrer aktuellen Ausstellung zeigt die Kunstgruppe Malereien, Zeichnungen, Glasmalereien über Tiere und Gefühle sowie abstrakte Arbeiten. Aufgrund der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen kann die Ausstellung im SOS-Kinderdorf Moabit persönlich derzeit ausschließlich nach vorheriger Terminbuchung besucht werden.

Um die ausgestellten Arbeiten dennoch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, haben die Organisatorinnen in diesem Jahr gemeinsam mit dem Kameramann Andree Kauffeld und Peter Jürgensmeier, einem Mitarbeiter der Wohngemeinschaft „Seesener Straße“ des UNIONHILFWERK, eine virtuelle Begehung der Ausstellung geschaffen. Diese beinhaltet die Ansicht der Arbeiten, Kommentare der Teilnehmenden zu ihren Werken sowie ein Statement von Birgitta von Homeyer zu ihrer Arbeit. Die Werke der MoArts können übrigens nicht nur angeschaut werden, sondern die Kunstgruppe freut sich, wenn ihre Kunstwerke von Menschen, die ihre Arbeit schätzen, auch erworben werden.

Große Freude, wenn Menschen selbst motiviert und kreativ sind

Zwei MoArts im Atelier

„Als bildende Künstlerin möchte ich Menschen auf ihrem künstlerischen Weg begleiten, unterstützen und bestärken“, so Birgitta von Homeyer. „Es bereitet mir einfach immer wieder sehr große Freude, wenn Menschen selbst motiviert und kreativ sind, sie Spaß am künstlerischen Arbeiten haben und ihre eigene Art Kunst zu machen weiterentwickeln.“ So wie Michael Schmidt: „Am Anfang war ich unsicher und jetzt kann ich gut zeichnen und malen“, sagt er stolz.

Die Kunstgruppe setzt sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema „Seelenvögel und andere Tiere“ auseinander. Einige Teilnehmende beziehen die aktuelle Situation mit ein. Dazu gehört auch Melisa Asar. Eines ihrer Werke, bei dem sie mit Acrylfarben ein altes Fenster bemalt hat, zeigt einen großen roten Regenschirm. „Das ist ein Regenschirm gegen Corona. Acorona Avira Antivirusschirm nenne ich das. Darunter ist ein Zaun mit geschlossener Holztür, darinnen ist ein schöner Garten.“


Inklusion ist die Grundlage

Seit 2015 arbeitet Birgitta von Homeyer auf der Grundlage von Inklusion. Angefangen hat es mit einer Stele direkt vor dem SOS-Kinderdorf. Im Rahmen des von ihr mitinitiierten Projektes „Placemarks“ konnten sich Anwohner*innen an der Verschönerung der Waldstraße beteiligen. Zusammen mit den MoArts wurde die Stele unter dem Motto „Anders sein“ bemalt. „Zunächst sind auf dieser Stele viele kleine Menschen zu sehen, die alle gleich sind“, beschreibt Birgitta von Homeyer. „Dann haben alle noch einen Menschen dazu gemalt, der anders ist.“


Terminbuchung bis 10. Juni 2021

Telefonisch unter 030/33099330 oder per Email unter coraly-bruegmann@sos-kinderdorf.de


Virtuelle Ausstellung

[youtube v=“l-ky-4ZTaQA“]

 

Fotos: Birgitta von Homeyer und Irina Wussmann

 

 

Gelebte Willkommenskultur: David Eick und sein Ziel, Menschen zusammenzubringen

Seit Juli 2020 ist er nun Projektkoordinator im Mentoring-Projekt Hürdenspringer und kümmert sich dort im Schüler-Mentoring um Schülerinnen und Schüler der ISS Röntgen-Schule und um geflüchtete Menschen im Projekt Hürdenspringer-Tempelhof-Schöneberg. Juana Minor ist Freiwillig Engagierte im UNIONHILFSWERK und hat David Eick interviewt.

Was macht die Hürdenspringer Tempelhof-Schöneberg so einzigartig?

Wir unterstützen geflüchtete Menschen und konzentrieren uns hier speziell auf alleinreisende Männer, für die es bislang kaum Angebote gibt. Oft sind sie frustriert, da sie schnell arbeiten wollen und vorher nicht wissen, dass eine Arbeitsaufnahme bei uns ein längerer Prozess ist. Mit Hilfe unserer ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren versuchen wir, Anschlussperspektiven zu entwickeln und den Integrationsprozess zu beschleunigen.

Wie kommen Mentoren und Mentees denn zusammen?

Derzeit arbeiten wir mit zwei Flüchtlingsunterkünften in Tempelhof-Schöneberg zusammen. Wenn sich Interessenten melden, führe ich die Erstgespräche und erfrage besonders Sprachkenntnisse, Hobbys und berufliche Wünsche. Wir glauben, dass sich Vertrauen besonders schnell durch Gemeinsamkeiten aufbauen lässt und versuchen deshalb nach Gesprächen mit den Freiwilligen, individuelle Tandems auszuwählen.

Wie sieht denn ein »normaler« Arbeitstag aus?

Es ist der Mix, der mir besonders viel Spaß macht. Vormittags kümmere ich mich meistens um alle organisatorischen Dinge wie die Vor- und Nachbereitung für die Qualifizierungskurse unserer Mentorinnen und Mentoren. Nachmittags führe ich beispielsweise Erstgespräche mit Freiwilligen und potenziellen Mentees, heiße Tandems in unseren Büroräumen willkommen und unterstütze bei allen Anfragen und Anliegen.

Warum sind Mentoring-Programme aus deiner Sicht so erfolgreich?

Weil beide Seiten profitieren und Mentoring einfach großen Spaß macht. Auf der einen Seite ist es die große Hilfsbereitschaft und Motivation der Mentorinnen und Mentoren. Ich bin begeistert, wie eine Willkommenskultur aussehen kann. Auf der anderen Seite ist da auch die Dankbarkeit der Mentees, man kann die Hoffnung richtig spüren. Wenn ich alle Dankeseinladungen annehmen könnte, würde ich mich sicher auf eine dreiwöchige kulinarische Reise begeben.

Gibt es Erfolgsgeschichten?

Oh ja. Da gibt es zum Beispiel ein tolles Tandem, das sich aus einer Juristin und einem jungen Afghanen zusammensetzt. Er ist Analphabet, weil er statt zur Schule zu gehen die elterlichen Ziegen hüten musste. Anfangs hatten wir da schon Bedenken und haben die Mentorin um besonders viel Geduld gebeten. Wenn ich ihn jetzt sehe, bin ich einfach begeistert von den riesigen Entwicklungsschritten. Sprachlich ist er mittlerweile so gut, dass wir einfach telefonieren können. Eine tolle Geschichte.

 

Weiteren Einblick in die Arbeit von Hürdenspringer finden Sie auch in diesem Blogbeitrag aus dem letzten Jahr und auf unserer Website.

Büffel, Strauß und Ziegenglück – Wo wir Indien, Afrika und fröhliches Gemecker auf heimischen Höfen erleben können

Wasserbüffel-Mozzarella aus Jüterbog

Da kommen sie angetrabt, die sanften braunen Riesen, die Stars hier auf dem ökologischen Büffelhof »Bobalis« in Jüterbog. Eigentlich in Indien zu Hause, fühlen sie sich sichtbar wohl im Fläming. Neugierig wird jeder Besucher mit einem freundlichen Blick bedacht, die Zunge leckt einmal ums große Maul herum und weiter geht’s mit dem gemütlichen Grasen auf der Weide. »Die Tiere«, sagt Hofchefin Elke Henrion, »sind etwas ganz Besonderes. Es sind sehr intelligente, charakterstarke Tiere.

« Die Büffelkälber werden auf dem Hof liebevoll von Hand aufgezogen. Das macht sie auch so anhänglich und trotz ihrer Größe zu regelrechten Kuscheltieren. Selbst der große Zuchtbulle mit seinen imposant geschwungenen Hörnern hat seine zarten Momente und möchte immer wieder gern gebürstet werden. Aber wie kam es zur Idee von asiatischen Wasserbüffeln in Brandenburg? »Es war der Wunsch nach eigenem Mozzarella«, sagt die Chefin, die selbst Tierärztin ist und einen studierten Landwirt als Ehemann neben sich weiß.

Büffelmozzarella ist gehaltvoller als der aus Kuhmilch. Die Wasserbüffelmilch ist süß, mit einer leicht nussigen Note. In der hofeigenen Käserei wird die Büffelmilch zu Büffelmozzarella, gereiftem Büffelkäse natur oder geräuchert, Büffeljoghurt und Büffelfrischkäse verarbeitet. Eine echte Delikatesse, genauso wie das Büffelfleisch, die Büffelwurst und der Schinken aus Jüterbog. Aber abseits des Kulinarischen: Asiatische Wasserbüffel beobachten hat eine unglaubliche Wirkung auf uns Zweibeiner am Weidezaun, es beruhigt fast meditativ! Und so geht es tiefenentspannt weiter auf unserer Tour nach Norden zur nächsten Station.

Ziegenkäserei und Wiesencafé Karolinenhof

Wir erreichen unser Ziel in Oberhavel in der Nähe von Kremmen. Und man hört die Stars des Hofes schon von Weitem grüßen: Das landidyllische Gemecker der Ziegen und Zicklein lässt einen den letzten Rest Alltag vergessen. Man ist hier »janz weit draußen«, so fernab von der Großstadt, dass das Auge ohne ein störendes Hindernis bis zum fernen Horizont am Ende der Weiden schauen kann. Tut das gut!

Mit frischer Luft und frischem Mut geht es an die Paradedisziplin auf dem Karolinenhof: Normalerweise darf hier im April und Mai immer samstags selbst gemolken werden, jeder kann sich gern ausprobieren. »Ja, Melken ist schwieriger, als es aussieht«, sagt Sarah Spindler vom Karolinenhof. »die meisten trauen sich nicht, so fest zuzudrücken, aber am Ende hat noch jeder was rausbekommen und etwas im Milchbecher gehabt«. »Es ist wie Fahrradfahren«, lacht sie, »üben, üben, üben…« Und Spazierengehen um den Hof geht auch immer – auch aktuell – , vorbei an den Streichelgehegen und einmal im Stroh hopsen zwischen den Ballen ist ein unbedingtes Muss! Bis es überall so herrlich krabbelt. Hühner laufen über den Hof, es gibt frisches Gemüse zu kaufen und im Wiesencafé kann man den weiten Blick schweifen lassen über die Felder des Luchs.

Die Käserei hier in der Gegend hat eine uralte Tradition, begründet von König Friedrich Wilhelm I. im 18. Jahrhundert, der die feuchte Gegend urbar machte, die aber bis heute noch ihren wilden Charme behalten hat. In der Käserei werden ca. 20 verschiedene Sorten Rohmilchkäse aus 100 Prozent Ziegenmilch hergestellt. Durch ein großes Schaufenster kann man der Käserin auf die Finger schauen und im Wiesencafé den fruchtigen Lassi, den Joghurt oder den Aschkäse probieren. Und zum Nachtisch ein Ziegenmilchkaffee und der hauseigene Ziegenkäsekuchen. Jetzt haben wir schon viel leckere Spezialitäten im Beutel und Idylle genossen, aber eine Station fehlt noch: Es geht ein Stück weiter nach Osten in die Uckermark.

Die Straußenfarm in Angermünde

»Nur gucken – nicht anfassen« könnte bei den imposanten Riesen stehen, denn sie sehen zwar niedlich aus mit ihren braunen, kleinen Knopfaugen, dem schlanken Hals und den weichen Federn. »Aber mit ihnen ist nicht zu spaßen«, sagt Marco Döring, der Chef der Straußenfarm in Angermünde. »Nur mit den Küken, die sind neugierig und zwicken nur in den Finger«, lacht er. Er liebt seine Strauße, die bis zu 160 Kilo schwer und fast drei Meter groß werden können. Und sie sind schnell wie ein Auto, bis 70 km/h flink. Bei den Straußen ist das Männchen der Eitle in der Beziehung. Sie in grauem, unscheinbarem Federkleid, versucht er dagegen in Schwarz-Weiß zu glänzen. »Aber der Straußenmann ist kein Macho«, winkt Marco Döring ab. Wenn die Brutzeit beginnt, hat jeder seine Aufgaben. Der Hahn ist für den Nestbau zuständig.

Und sind die Eier gelegt, besetzen die Hennen und der Hahn abwechselnd das Nest. Nur Eierlegen bleibt den Straußendamen vorbehalten. Und die Eier sind echte Riesen mit bis zu zwei Kilogramm Gewicht, was in etwa 25 Hühnereiern entspricht, also drei Pfannen voll. Eier und selbstgemachte Wurst vom Strauß, Federn, und natürlich auch den Klassiker, den Staubwedel oder witzige Lampen aus Straußeneiern bietet der gemütlich eingerichtete Hofladen. Draußen auf der Terrasse neben dem trubeligen Kinderspielplatz gönnen wir uns zum Abschluss unserer Tour einen Kaffee mit Blick auf die Strauße und auch die Alpakas und Kängurus, die Marco Döring noch in diesem Jahr fest auf dem Zettel hat in seinem geplanten Streichelzoo.

 

 

Informationen zu den Höfen:

Büffelhof Jüterbog
jeden ersten Samstag im Monat zwischen 12 und 15 Uhr geöffnet
Anfahrt: Jüterbog Hauptstraße/ Ecke Barutherstraße | www.bobalis.de
Bitte erkundigen Sie sich vorab telefonisch nach den aktuellen Corona-Öffnungszeiten.

Karolinenhof
jeden Fr/Sa/So geöffnet
Anfahrt: Richtung Berlin, A24 Ausfahrt Kremmen, Richtung Flatow, der Beschilderung folgen | www.guter-ziegenkaese.de
Aktuell ist das Café geschlossen. Kaffee, Kuchen und Quiche gibt es außer Haus. Es ist möglich, spazieren zu gehen und die Ziegen durch das große Tor im Stall und beim Klettern im Außenbereich zu beobachten.

Straußenfarm in Angermünde
jeden Fr/Sa/So geöffnet
Anfahrt: Schmargendorfer Weg 23 in Angermünde | www.straussenhof-angermuende.de
Die Straußenfarm hat leider bis voraussichtlich Ende April geschlossen. Also: Merken als Ausflugsziel für den Frühsommer oder Sommer.

 

„Arrivederci, Patrizia Di Tolla“ – die Regionalleiterin der Psychosozialen Dienste Neukölln und Treptow geht in den (Un)-Ruhestand

…Ruhestand!?

Wer sie kennt und beim UNIONHILFSWERK als Regionalleiterin für die Psychosozialen Dienste für Neukölln und Treptow erlebt hat, wer mit ihr zusammengearbeitet hat, von ihr psychologisch oder einfach menschlich-kollegial begleitet wurde, weiß, dass der nächste Lebensabschnitt bei ihr sicher nichts mit den Rentner-Stereotypen zu tun hat!

Warum?

Die Antworten darauf geben Kolleg*innen, Wegbegleiter*innen unter anderem aus dem UNIONHILFSWERK. Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erzählen sie, was für sie das Besondere in der Zusammenarbeit und den Begegnungen mit ihr war oder noch ist.

„Solidarität, Gradlinigkeit….Herzlichkeit“ 

Patrizia ist 1981 der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (DGSP) beigetreten und seit dem Jahr 2010 Mitglied des Gesamtvorstandes. Insbesondere durch ihren konsequenten Einsatz für die Rechte der Menschen in psycho-sozialen Krisen oder mit einer psychischen Erkrankung trägt sie sehr zu einer menschenrechtsbasierten Arbeit der DGSP bei. Ihr Engagement ist durch Solidarität, Gradlinigkeit und im kollegialen Austausch durch Herzlichkeit geprägt.

Richard Suhre, ehemaliger Geschäftsführer der DGSP

 

„Basta,…… ich habe fertig“

…so oder so ähnlich hast Du, liebe Patrizia, vielleicht auf den letzten Arbeitstag reagiert. 1988 haben wir zusammen beim Paritätischen Berlin in einem ABM-Projekt angefangen. Du wolltest die Überzeugungen von Franco  Basaglia und das Soteria-Konzept in Berlin umsetzen und warst „auf dem Weg in die Gemeinde“. Kurz darauf wurde die ganze Stadt umgekrempelt und in unserem gemeinsamen Büro trafen sich Kolleginnen und Kollegen aus dem Ostteil der Stadt, um mit Deiner Unterstützung den Verein für Kommunale Psychiatrie zu gründen.  Wir haben viel zusammen erlebt und ich könnte so viele Anekdoten erzählen. Einen Aufbau von Billy-Regalen, die wir für unser gemeinsames Büro angeschafft hatten, muss man mit Dir einfach erlebt haben! Wo auch immer wir unseren Standort hatten, in der Landesgeschäftsstelle, in der Kantstraße oder im Haus der Parität in Prenzlauer Berg, wir haben viel gelacht, aber auch viel gearbeitet. Nicht selten waren wir spät abends beide noch im Büro anzutreffen und fast hätten wir uns T-Shirts mit dem Aufdruck Paritätische Nachtschwester angeschafft. Für mich bist Du eine wunderbare, tolle Kollegin gewesen! Immer hilfsbereit und kollegial und voller Ideen und hilfreicher Tipps. Ich bin gespannt, was Dich nun erwartet. Renteneintrittsalter? Was ist das? Ich wünsche Dir noch viele Abenteuer! Deine Ex-Kollegin

Heike Drees, Der Paritätische Berlin, Fachreferentin Suchthilfe, HIV/Aids, Gesundheit

 

„…mit ihrer Fröhlichkeit ….so bleiben, wie sie ist“

„Frau Di Tolla hat uns bei vielen Aktivitäten begleitet und unterstützt. Sei es bei der Gründung der Theatergruppe, sei es als Chefin bei der Inklusions-Hilfe. Da konnten wir am inklusiven Englisch-Kurs der Volkshochschule mitmachen. Den gibt´s immer noch. Und vieles mehr. Sie war wie eine Mutter, die sich um alles kümmert. Dafür sei ihr gedankt. Wir hörten schon ihr schallendes Lachen aus der Ferne. Immer ein Lächeln im Gesicht, sie ist `ne gute Seele. Mit ihrer offenen und zugewandten Art und mit ihrer Fröhlichkeit soll sie so bleiben, wie sie ist.“

„dat Inge“ aus der Beschäftigungstagesstätte Neukölln

 

„Hartnäckig geblieben, als es mir nicht gut ging“

„Frau Di Tolla ist freundlich, entgegenkommend und hilfsbereit. Sie setzt sich engagiert für psychisch kranke Menschen ein. Ich erinnere mich daran, dass sie, als es mir nicht sehr gut ging, hartnäckig geblieben ist. Das hat mir geholfen. Heute geht es mir gut und ich freue mich jedes Mal, wenn ich in der Donaustrasse Frau Di Tolla treffe, und wir ein Schwätzchen halten Das ist das was ich zu Frau Di Tolla sagen möchte.“

Ines Hoffmann, wird seit dem 01.06.2010  vom Unionhilfswerk betreut, bis zum 01.10.2018 in der Therapeutischen WG für Frauen, Kannerstrasse, seitdem in einer Trägerwohnung in der Flughafenstrasse. Sie ist seit vielen Jahren im Zuverdienst in der Donaustrasse tätig.

 

„…ein Phänomen“

Ja, Patrizia di Tolla ist ein Phänomen, voll bis oben hin mit Wissen und Kompetenz, Vermittlungsbedürfnis, Humor und Ernsthaftigkeit, durchdrungen von ständig präsenten Gedanken an Inklusion von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Sie hat mich sehr geprägt in der Umsetzung von einer Versorgungs- zu einer Teilhabehaltung. Sie ist auch eine Perfektionistin. Ich erinnere eine Situation. Eine Veranstaltung in der Woche der seelischen Gesundheit, wir wollten einen Psychose-Film zeigen und darüber mit den Teilnehmer*innen diskutieren. Sie hatte die DVD vergessen, musste nochmal zurück und sie holen. Es hat sie sehr und lange gewurmt, dass ihr das passierte. Sie war nicht zu trösten.

Sie gab einem, mir das Gefühl wichtig zu sein, präsent zu sein. Als ich 2014 einen schon lang geplanten und längeren Urlaub in Neuseeland antrat, hatte ich kurz vorher mit geringen Stunden auch die gerade vakante Stelle der Leitung der Beschäftigungstagesstätte übernommen. Sie übergab mir ein Reisebuch mit den Worten, sie befürchte, dass ich nicht wiederkäme, sondern in Neuseeland bliebe. Ein untröstlicher Gedanke, oder? Ein schönes, wertschätzendes Gefühl, das bis heute anhält!

Klaus Körner, Einrichtungsleiter Neukölln

 

…. einige liebe Worte zum Abschied – wegen Corona noch nicht persönlich

Liebe Patrizia, was ich Dir unbedingt sagen möchte ist, dass ich sehr dankbar auf die vielen schönen Erinnerungen und unsere gemeinsame Zeit zurückblicke. Ich bewundere Dein großes Wissen, das Du aus dem Stehgreif abrufen kannst, Deine Genauigkeit und Detailversessenheit, die Schnelligkeit, mit der Du komplexe Sachverhalte sofort erfassen und in einen Plan umsetzen kannst. Jetzt kann ich es Dir ja sagen – so manches Mal kam ich nicht so schnell hinterher, um Dir zu folgen.

Mir werden die Diskussionen im Leitungskreis fehlen – manchmal von Deiner Seite sehr emotional aufgeladen und temperamentvoll geführt. Oft waren wir beide auf gleicher Wellenlänge.  Man konnte sich mit Dir streiten ohne, dass Du jemals nachtragend warst.

Liebe Patrizia, so viele schöne Erinnerungen bleiben mir, besonders beeindruckend natürlich die Exkursionen nach Florenz mit der kleinen Wohnung mitten in der Stadt, aber auch Friedrichstadt, Magdeburg…, die vielen persönlichen Gespräche in Restaurants, Cafés … wo natürlich auch viel Privates ausgetauscht wurde :-). Ich war sehr gerne mit Dir zusammen.

Hoffentlich werden wir uns weiterhin von Zeit zu Zeit im UNIONHILFSWERK sehen.

Dein Terminkalender wird hoffentlich nicht mehr ganz so eng getaktet sein. Geh‘ es entspannter an! Bleib vor allem gesund und hab viel Spaß in deinem neuen Lebensabschnitt! Bis bald, Deine Conny Thießen

Conny Thießen, Einrichtungsleiterin/Regionalleiterin Kreuzberg

 

„Komme nicht mit Problemen, komme mit den Lösungen zu mir und wir entwickeln das gemeinsam weiter…“

Ich kenne Patrizia Di Tolla schon mehr als 20 Jahre, begonnen als Anerkennungspraktikantin beim PARITÄTISCHEN. Ich musste mich erst an sie gewöhnen: Dieses italienische Temperament, immer in Bewegung, immer was zu sagen und immer schnell. Ich gestehe, manchmal ist sie mir auf die Nerven gegangen!  Ich kam da nicht mit und es dauerte mir viel zu lange – immer Geschichten drum herum. Es hat mich aber auch sehr beeindruckt und ich habe unglaublich viel gelernt. Inzwischen sind wir sehr gut befreundet und ich war jetzt fast 10 Jahre ihre Chefin.
Ein Satz war für mich und vermutlich alle Lernenden an ihrer Seite am prägnantesten: „Komme nicht mit den Problemen, komme mit den Lösungen zu mir und wir entwickeln das gemeinsam weiter.“ Ich habe die Zusammenarbeit mit Patrizia Di Tolla sehr geschätzt. Sie begegnet neuen Ideen immer interessiert, immer mit dem Gedanken der Umsetzung und hat selbst sehr viele. Sie gibt den Menschen sehr viel, ist warmherzig und niemals böse, immer in erster Reihe, Konflikte und Auseinandersetzungen zu lösen. Sie kann mit Kritik umgehen, überprüft ihr Handeln und stellt sich um.  Ich wünsche ihr viele neue Ideen und eine schöne Zeit im spannenden nächsten Lebensabschnitt, immer temperamentvoll und erlebnisreich.

Sabine Jeschke, Fachbereichsleiterin Einrichtungen für Menschen mit psychischer Erkrankung

 

„Gestritten wie die Kesselflicker – immer für die Sache und niemals nachtragend“

Etwa 30 Jahre kenne ich Patrizia Di Tolla – seit ich Anfang der 90er Jahre als Fachbereichsleiter für unsere ambulanten psychiatrischen Einrichtungen häufiger im Paritätischen Wohlfahrtsverband auftauchte – insbesondere in der Fachgruppe und zahlreichen weiteren Arbeitskreisen – begann unsere Zusammenarbeit. Diese intensivierte sich Ende der 90er, als wir uns beide – gemeinsam mit einer Reihe weiterer Kolleg*innen in der mittlerweile fast legendären „AG 93“ trafen, um im Dialog mit Vertreter*innen der Senatsverwaltungen für Gesundheit und Soziales (dem Psychiatrie- und Entgeltreferat) die Novellierung des Bundessozialhilfegesetzes im Land Berlin umzusetzen. Ziel war es, gruppenvergleichbaren Hilfebedarf in landeseinheitlichen Leistungstypen zu beschreiben und ein Hilfebedarfs-Erhebungssystem zu schaffen und zu vereinbaren.

Es war eine sehr intensive und wirklich tolle Zusammenarbeit, teilweise sind langjährige Freundschaften zwischen den handelnden Personen daraus erwachsen. Mit Patrizia habe ich teilweise gestritten wie die sprichwörtlichen „Kesselflicker“ – das kann man wirklich gut mit ihr und ihrem italienischen Temperament! Das Tolle ist: Niemals ist sie nachtragend, es geht ihr einfach um die Sache, sie will keinen verletzen mit ihrem leidenschaftlichen Engagement – ist aber selbst auch nicht beleidigt oder gekränkt, wenn die Diskussion hohe Wellen schlägt…

Die Menschen, um die es geht, liegen ihr einfach ungeheuer am Herzen – für diese will sie das Beste rausholen. Immer denkt sie aber gleichzeitig auch die Strukturen der Versorgung mit, kennt die Realität vor Ort in den Bezirken – weiß, dass auch die besten ausgedachten Regelungen lebbar sein müssen im Alltag. Insoweit habe ich dann auch später sehr gerne „zugegriffen“, als klar war, das Patrizia sich noch einmal beruflich verändern wollte und plante beim Paritätischen Wohlfahrtsverband als Referentin auszusteigen.

Sie war beim UNIONHILFSWERK in Neukölln dann viele Jahre eine allseits geschätzte Leiterin unserer psychiatrischen Dienste und mit ihren Ideen, ihrem Engagement und ihrer Identifikation weit über die bezirklichen Grenzen hinaus wirksam – wir werden Sie alle sehr vermissen! Wie ich diese „Power-Frau“ kenne, wird sie aber auch in Zukunft noch eine Reihe interessanter Vorhaben planen und umsetzen – da darf man sicherlich gespannt sein! Ciao, Patrizia und arrivederci! Von Herzen alles Gute.

Norbert Prochnow, Vorstandsvorsitzender Stiftung Unionhilfswerk Berlin