Monthly Archives: Dezember 2017

„Unionhilfswerker“: Petra Ngo

Name: Petra Ngo

Alter: 52

Beruf: Betreuungsfachkraft, Verbund Betreutes Wohnen Neukölln

Was genau machen Sie da?

Ich bin seit 20 Jahren Bezugsbetreuerin in dieser Einrichtung. Ich sorge dafür, dass unsere Klienten einen geregelten Tagesablauf haben, motiviere sie zu alltäglichen Dingen. Wir veranstalten auch besondere Ausflüge oder Besuche des Fitness-Studios.

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Beruf?

Dass man Menschen helfen und unterstützen kann in allen Lebenslagen. Ich bekomme sehr viel zurück, auch wenn es kleine Dinge sind wie zum Beispiel ein Lächeln.

Was wollten Sie werden als Sie klein waren?

Als ich ganz klein war, wollte ich Friseurin werden. Danach wollte ich für eine lange Zeit Tischlerin sein. Da ich aber eine Staub-allergie entwickelt habe, ging das dann nicht.

Was ist das Schrägste, was Ihnen bisher in Ihrem Berufsleben passiert ist?

Ich war mit einem Bewohner in dem WELT-Heißluftballon. Ich bin eigentlich ganz mutig, wollte immer schon mal Fallschirmspringen. Da habe ich dann plötzlich wahnsinnige Angst bekommen, der Bewohner fühlte sich aber pudelwohl und musste mich beruhigen.

Welche Tätigkeit beherrschen Sie neben dem Job so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?

Ich würde sagen das Handwerkliche. Ich tapeziere und streiche alles selbst. In den ersten Jahren in der Einrichtung habe ich das auch hier übernommen.

Am Wochenende mache ich am liebsten…?

Einfach zuhause rumgammeln. Oder ich unternehme etwas mit meinen Kindern und Enkelkindern, zum Beispiel gehen wir gern ins Kino.

Was ist Ihr Lieblingsplatz/-ort?

Im Winter bin ich gern auf Gran Canaria. Da ist es dann so schön warm.

Auf welchen Luxus könnten Sie verzichten?

Auf mein Auto. Das würde mir nicht leichtfallen, aber es ginge.

Sie dürfen drei Gegenstände mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche wären das?

Seife, Zahnbürste und Streichhölzer.

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, zu welcher Zeit hätten Sie gern gelebt?

In den 50ern. Den Rock’n Roll würde ich gern erleben.

Was sollte jeder Mensch einmal im Leben getan haben?

Anderen Menschen helfen. Das tut jedem gut.

Welche Superkraft hätten Sie gern: Unsichtbar sein können, Gedanken lesen oder fliegen?

Fliegen. Da könnte ich dann überall schnell hinkommen. Unsichtbar müsste ich ja trotzdem laufen. Und wenn ich fliegen könnte, bräuchte ich auch erst recht kein Auto.

Zum Schluss: Wen möchten Sie bei der Gelegenheit grüßen?

Unsere FAS, also meine Kollegen in der Flughafenstraße :-).

 

 

Video: Norbert Prochnow in der Reihe „Nachgefragt“

Die Stiftung Unionhilfswerk Berlin wurde 2014 gegründet. Ihr obliegt die Aufsicht über alle Gesellschaften, die Steuerung des Unternehmensverbundes sowie die Förderung des Vereinszweckes. Zum Stiftungsvorstand gehören der Vorstandsvorsitzende Norbert Prochnow und sein Stellvertreter Andreas Sperlich, der unter anderem für die Stiftungsprojekte verantwortlich ist. Mehr erfahren Sie hier.

Bescherung in der Bahnhofsmission

Wochen lang haben sich die Kinder und Betreuerinnen der bilingualen Gruppe des Kinderhauses „Tom Sawyer“ auf den Besuch vorbereitet. Sie haben viel über obdachlose Menschen gesprochen und über das, was sie dringend brauchen. Neugierig und mit vielen Geschenken im Gepäck betraten sie nun die Einrichtung der Stadtmission in der Jebenstraße.

Bahnhofsmission verteilt Spenden an Obdachlose

„Wisst ihr, was wir von der Bahnhofsmission tun?“, fragte Sozialarbeiterin Ilona Ruppel die Kinder. Alle saßen an einem liebevoll gedeckten Tisch mit Kaffee und Kakao, Keksen und Lebkuchen. „Geschenke verteilen“, sagte Emily spontan. Auch wenn die 5-Jährige die bevorstehende die Bescherung meinte, stimmte es trotzdem. Denn die Bahnhofsmission am Zoo verteilt dank großzügiger Spenden an Obdachlose Dinge, die sie für ein Leben auf der Straße brauchen, z. B. Isomatten oder Jacken.

Geschenke sollen nützlich sein

Hinten an der Wand stand ein weiterer Tisch mit vielen Geschenken. Sie waren hübsch verpackt und gekennzeichnet, ob sie für eine Frau oder einen Mann gedacht sind. Vor dem Besuch haben die Erzieherinnen mit Mitarbeitern der Bahnhofsmission über die Geschenke gesprochen. „Wir wollten sicherstellen, dass sie nützlich sind“, betonte Nina Prädel-Ristow vom Kinderhaus.

Die obdachlose Anja freute sich über die Geschenke

Dann öffnete sich die Tür.  Anja, die auf der Straße lebt, kam herein und begrüßte Kinder und Erzieherinnen mit einem „Hallo“. Alle waren ganz aufgeregt. „Wer möchte die Geschenke überreichen?“, fragte Nina Prädel-Ristow. Emily und Sharifa meldeten sich. Die beiden Mädchen stürmten mit den passenden Geschenken zu der 30-Jährigen. Sie freute sich sehr. Sie erhielt unter anderem einen warmen Fleece-Pullover. Später verriet sie, dass sie ihn gleich angezogen hat.

Kinder erfahren, was Teilen bedeutet

Der Besuch der Bahnhofsmission mit Kindern des Kinderhauses „Tom Sawyer“ ist zu einer schönen Tradition geworden. Die Idee entstand vor fünf Jahren während der Vorbereitung des St.-Martins-Fests. Seitdem erfahren die Kinder, was es bedeutet, mit jemandem, der wenig hat, etwas zu teilen.

Das tapfere Schneiderlein

Wenn Susanne Schneider früh morgens durch das Montessori-Kinderhaus in der Sommerstraße in Reinickendorf geht, sagt die Haushandwerkerin, wird sie von den Betreuern bereits erwartet: „Schön, dass du da bist. Ich habe da was.“ Langeweile gibt es für die gelernte Elektromonteurin nicht. In einer Kita ist schließlich immer etwas zu tun, vor allem in den letzten Monaten. Zum UNIONHILFSWERK gehören sieben Kitas, für die Susanne Schneider und zwei weitere Haushandwerker zuständig sind.

Kita stand nach Starkregen unter Wasser

Nach den massiven Regenfällen im August stand der Krippenbereich im Souterrain unter Wasser. Für Susanne Schneider, die seit zehn Jahren im Haushandwerk arbeitet, und ihre Kollegen hieß es dann Prioritäten setzen. Der Bereich für die 26 Kinder zwischen einem und drei Jahren musste geräumt und die gefundene Notunterkunft hergerichtet werden.

Wichtig war zudem, die vier Räume trocken zu legen, damit die Maler- und die anderen notwendigen Arbeiten durchgeführt werden konnten. „Wir waren viereinhalb Wochen immer wieder damit beschäftigt, die Bautrockner zu leeren“, erinnert sich Susanne Schneider. In dieser Zeit zogen die Geräte ca. 500 Liter Wasser aus den Wänden. Ende Oktober waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Dann konnten die Kleinen endlich wieder in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren.

Viel Spaß trotz viel Arbeit

Obwohl die Arbeit manchmal anstrengend ist, macht Susanne Schneider, die von den Betreuerinnen auch gerne „das tapfere Schneiderlein“ genannt wird, der Job viel Spaß. „Die Arbeit wird wertgeschätzt. Ich habe tolle Kollegen. Auch ein Hierarchiedenken gibt es hier nicht“, sagt sie. „Das ist nicht selbstverständlich.“

Einfach lecker. Kochbuch in leichter Sprache

„Es gibt nur ein Vergnügen, das größer ist als die Freude, gut zu essen: Das Vergnügen, gut zu kochen.“ Diese Worte von Günter Grass passen zum aktuellen, inklusiven Projekt unseres Fachbereiches für Menschen mit Behinderung. Seit dem Frühjahr dieses Jahres arbeitete eine Gruppe von fast zwanzig Bewohnern aus verschiedenen Wohnformen mit Lust und Elan an einem Kochbuch in leichter Sprache. Bereits Ende 2016 wurden fleißig Konzepte und Anträge geschrieben. Mit Erfolg. Aktion Mensch war von dem Vorhaben überzeugt und förderte das inklusive Projekt finanziell. Und auch die Fotogruppe des „Joachim-Fahl-Hauses“ und die Druckerei der USE waren mit im Boot und unterstützen die Gruppe tatkräftig. Die Übersetzung in leichte Sprache übernahm Gabriele Fierke, eine Kollegin aus dem Fachbereich für Menschen mit Behinderungen.

Rezepte für jeden Geschmack finden

Im Frühling empfing Margit Kastner vom Fachdienst für Gesundheitsfragen in ihrem Büro zu den ersten Besprechungen und gemeinsam wurden Rezepte ausgewählt. Schon im Mai traf sich die Gruppe in der Großküche des Wohnheims Treptow zum gemeinsamen Kochen. Dabei mussten alle erst einmal herausfinden, wie man kocht und gleichzeitig tolle Fotos der einzelnen Arbeitsschritte schießt. Mit den Ergebnissen war die Gruppe aber sehr zufrieden. Spaghetti Bolognese, Tomate-Mozzarella und Obstsalat befanden alle einstimmig für sehr lecker.

Kochanleitung in leichter Sprache

Die Bewohner kochten weiter, verfeinerten Rezepte und sortierten Arbeitsschritte. Sie stellten 17 verschiedene Gerichte und Beilagen her und schossen fast 3000 Fotos. Das gesammelte Material ging dann zum Layout an die USE und anschließend in den Druck. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Über Pancakes und Früchtequark bis hin zu vegetarischen Bouletten mit Kartoffelbrei findet sich eine bunte Auswahl der Lieblingsrezepte im neuen Kochbuch. Alle Arbeitsschritte sind in leichter Sprache genau erklärt und auch die zahlreichen Fotos helfen beim Nachkochen. Ein weiteres Hightlight: Fernsehkoch Ralf Zacherl schrieb das Vorwort. Er war von der Idee sofort begeistert und zögerte nicht, dieses tolle Projekt zu unterstützen.

Es hat einfach Spaß gemacht

„Ich habe neue, sehr nette Leute kennengelernt und konnte mir auch einige Tricks beim Kochen abschauen. Die Arbeit an dem Kochbuch hat einfach Spaß gemacht.“, war das Resümee eines Teilnehmers. Und bei dem Abschlussfest Anfang Oktober kam die Frage auf, wann denn das nächste Kochbuch entstehen könnte. Es ist eben ein Vergnügen, gut und gemeinsam zu kochen.

Blockade im System. Betreutes Wohnen und Wohnungsnot

Die Überschrift deutet möglicherweise auf ein technisches Problem hin. Gemeint ist auch ein Technisches – aber vorrangig ein Menschliches. Die Begleitung von Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen in der Eingliederungshilfe in den Berliner Bezirken gestaltet sich aufgrund der Wohnraumproblematik schwieriger als früher – eigentlich zunehmend dramatisch.

Die Menschen, die bei uns in Therapeutischen Wohngemeinschaften oder auch in sogenannten Trägerwohnungen (von uns angemietete Wohnungen mit ambulanter Betreuung) wohnen und betreut werden, sind natürlich überwiegend froh, dass sie „ein Dach über dem Kopf haben“ und begleitet werden. Es gibt unter diesen Menschen aber auch Männer und Frauen, die eigentlich gar keine oder weniger Betreuung brauchen. Diese Bewohner könnten also wieder selbstständig in einer eigenen Wohnung wohnen. Doch es gibt sie nicht, die „passende Wohnung“. Passend heißt fast ausschließlich „eine preiswerte Wohnung“. Passend heißt aber auch, eine Wohnung im gewohnten Umfeld mit den bekannten Strukturen und Menschen. Hinzu kommt, dass es leider in Zeiten wie diesen immer noch zu viele Vorbehalte von Vermietern gibt, Menschen mit psychischen Problemen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Wohnungsmangel gefährdet gute Versorgung

Das führt dazu, dass Menschen mit weniger Betreuungsbedarf gar nicht in der Lage sind, den Schritt in die vollständige Unabhängigkeit zu nehmen. Die Folge für uns als sozialen Träger: Unsere Wohnungen sind belegt und neue Klienten, die einen höheren Unterstützungsbedarf haben, kommen nicht in das System der für sie notwendigen Unterstützung.

Deswegen setzen wir uns zusammen mit Dachverbänden der Freien Wohlfahrtspflege (Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin und Gesamtverband) und weiteren Initiativen (z.B. Gesundheitsstadt Berlin e.V.) für städtebauliche Konzepte ein, die es ermöglichen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen und mit wenig Einkommen in die Lage versetzt werden, an Wohnungen heranzukommen – selbst wenn Betreuungsbedarf durch uns Träger besteht.

Auch intern ist der Fachbereich aktiv. Seit einem Jahr gibt es eine „AG-Wohnen“ mit überregionalen Teilnehmern in unseren Schwerpunktregionen. Zu den bisherigen Aufgaben zählten die Identifizierung möglicher Kooperationspartner und die Erstellung eines Anschreibens, einer Mustervorstellungsmappe unseres Unternehmens sowie Rechenbeispiele für Miethöhen für mögliche Kooperationspartner bzw. Wohnungseigentümer. Also im Grunde das Herausarbeiten der „Top-Gründe“, warum man an uns vermieten sollte und wie man davon profitiert.

„Unionhilfswerker“: Gina Schmelter

Name: Gina Schmelter

Alter: 45

Beruf: Pressereferentin, Bereich Unternehmenskommunikation

Was genau machen Sie da?
Ich spreche viel mit Journalisten, schreibe Texte und Artikel vor allem für die Wir für Berlin. Ansonsten schreibe ich auch Pressemitteilungen und unterstütze unsere Projekte und Einrichtungen bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit.

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Beruf?
Ich rede sehr gerne und ich mag Menschen. Hier beim UNIONHILFSWERK gefällt mir besonders gut, dass ich darüber berichten kann, was Menschen leisten, um anderen Menschen etwas Gutes zu tun.

Was wollten Sie werden als Sie klein waren?
Es gab eine Phase, da wollte ich gerne Indianerin sein. Ich habe als Kind sehr gern Winnetou geschaut und seine Schwester Nscho-Tschi war mein großes Vorbild.

Was ist das Schrägste, was Ihnen bisher in Ihrem Berufsleben passiert ist?
Als ich noch für die CDU Berlin als Pressesprecherin gearbeitet habe, kam es ab und zu mal vor, dass Bürger oder Bürgerinnen anriefen, die dachten, ich könnte sie direkt zu Angela Merkel durchstellen.

Welche Tätigkeit beherrschen Sie neben dem Job so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?
Ich bin ausgebildet als Konfliktberaterin bzw. Mediatorin. Das könnte ich anbieten.

Am Wochenende mache ich am liebsten…?
Am liebsten würde ich nichts machen! Das geht aber nicht, weil ich Familie und eine kleine Tochter habe. Aber wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich nichts machen und nach dem Nichtstun dann noch ein bisschen Sport.

Was ist Ihr Lieblingsplatz/-ort?
Ich liebe Wasser und da ist mir auch egal, wo das ist – Hauptsache draußen sein am Meer, See oder Fluss.

Auf welchen Luxus könnten Sie verzichten?
Auf Schmuck.

Sie dürfen drei Gegenstände mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche wären das?
Zahnbürste, Laufschuhe, Buch.

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, zu welcher Zeit hätten Sie gern gelebt?
In den 50er und 60er Jahren. Da herrschte in Deutschland nach dem Krieg so eine Aufbruchsstimmung und der Rock ´n Roll war eine Art Ventil für die Leute, um sich auszuleben. Und die Mode gefällt mir auch sehr gut.

Was sollte jeder Mensch einmal im Leben getan haben?
Einmal ein Pferd reiten.

Welche Superkraft hätten Sie gern: Unsichtbar sein können, Gedanken lesen oder fliegen?
Fliegen. Wenn ich immer wüsste, was andere denken, würde ich sicher verrückt werden. Und unsichtbar zu sein finde ich zu gruselig. Einfach losfliegen können, irgendwohin – das fände ich toll.

Zum Schluss: Wen möchten Sie bei der Gelegenheit grüßen?
Ich grüße ganz klassisch meine Mutter. Aus dem Grund, weil sie mir gestern erzählte, dass sie das erste Mal auf der Facebook-Seite unseres Freiwilligenmanagements war. Sie war ganz begeistert, wo das UNIONHILFSWERK überall unterstützt.

„Sichtwechsel“ für einen Tag

Berliner Wasserbetriebe, Senatsverwaltung oder Kunstgalerie?

Die Auswahl eines passenden Tauschunternehmens fiel dem ein oder anderen Beschäftigten nicht leicht, denn die Auswahl der möglichen Plätze war besonders vielfältig. So verbrachte zum Beispiel Hartmut Koch, der in der Mediengestaltung arbeitet, einen spannenden Tag beim Berliner Verlag. Dort gelang es ihm neben einem selbst verfassten Artikel, auch sein köstliches Kürbissuppenrezept in einer Ausgabe der Berliner Woche unterzubringen. Eine andere Beschäftigte schaute den Mitarbeitern der C/O-Galerie Berlin bei ihrer Arbeit über die Schultern und erfuhr, wie eine Ausstellung geplant und organisiert wird. Technisch wurde es bei den Berliner Wasserbetrieben, als einigen Beschäftigten die Gewinnung von frischem Wasser erläutert wurde. Neben der freundlichen und unkomplizierten Aufnahme in das Tauschunternehmen, zählte das Kennenlernen eines ganz anderen Arbeitsfeldes zu den eindrucksvollsten Erfahrungen der „Schichtwechsler“.

Handbesen fertigen, Druckvorstufe kennenlernen oder Ziegen füttern

Begeisterung gegenüber dem Schichtwechsel gab es auch aufseiten der Mitarbeitenden aus den Tauschunternehmen. Gerhard Bajzek, Geschäftsführer des Bestattungsunternehmens Grieneisen betonte, dass er viel Spaß bei seinem Tausch in die Bürsten- und Flechtmanufaktur hatte. Dietmar Lehm von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales Berlin schaute im „Haus Natur und Umwelt“ hinter die Kulissen und packte dort beim Säubern der Gehege kräftig mit an. In den Werkstätten begeisterte die Teilnehmenden vor allem das angenehme, professionelle Arbeitsklima.
Der Aktionstag erntete von beiden Seiten großen Zuspruch. Daher steht für nächstes Jahr schon fest: Die USE wird wieder mit dabei sein!

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Info-Tour: Zeitreise ins Stasi-Universum

„Eine Kollegin hat letztes Jahr schon teilgenommen und mir die Info-Tour wärmstens empfohlen“, berichtet eine Teilnehmerin gleich zu Beginn der Tour. Es ist der 9. November, der Jahrestag des Mauerfalls, und eine kleine Gruppe von UNIONHILFSWERK-Mitarbeitern hat sich erwartungsvoll vor dem Stasimusem auf dem Gelände der ehemaligen Zentrale der DDR-Staatssicherheit in Lichtenberg versammelt. Bereits zum dritten Mal wurden 35 intessierte Kolleginnen und Kollegen ausgelost, um einen ganzen Tag in das Universum der Stasi einzutauchen und mehr über die Arbeit, die Täter und die Opfer zu erfahren.

Im Büro des Ministers für Staatssicherheit

An der ersten Station, im Stasimuseum, gelangt die Gruppe bereits ins einstige Zentrum des Stasi-Apparates: dem Büro von Erich Mielke, ehemaliger Minister für Staatssicherheit. Hier ist alles noch im Original erhalten – großer Schreibtisch, Sitzgruppe, Gardinen, Zimmerpflanzen. Der Besucherreferent Lutz Pupke erzählt, wie Mielke von dort aus geschaltet und gewaltet hat, was es mit den zwei Telefonen auf dem Schreibtisch auf sich hatte und wer am großen Konferenztisch wo sitzen durfte. Lutz Pupke kennt sich aus. Er ist nicht nur schon seit Jahren Besucherreferent im Museum, sondern war auch dabei, als die Stasi-Zentrale im Januar 1990 von DDR-Bürgern gestürmt wurde. In den Ausstellungsräumen des Museums klärt er über die „Sicherheitsideologie“ der Stasi auf und macht anhand eigener Erfahrungen und Berichten anderer Zeitzeugen anschaulich, wie ausgefeilt und tief sie in die Privatsphäre der Menschen eingriff.

Zeitzeugen erzählen von ihren Hafterfahrungen

Nach dem Einblick in die Welt der Täter, macht sich die Gruppe auf den Weg zur Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, um sich dort anzuschauen, was mit Menschen in der DDR passieren konnte, die der Stasi ein Dorn im Auge waren. In dem ehemaligen Untersuchungsgefängnis treffen die Unionhilfswerker auf zwei Zeitzeugen, die sie durch Gefängnisräume führen und von ihren ganz persönlichen Hafterfahrungen erzählen. Hansjürg Schößler engagierte sich in den 1980er Jahren in einer Friedens- und Umweltinitiative in Thüringen und wurde deshalb mehrfach von der Stasi festgenommen und inhaftiert. In einer Gefängniszelle berichtet er der Gruppe von der Isolation in der Haft . Auch Kubaner Jorge Luís García Vázquez, der nach einem gescheiterten Fluchtversuch ins Untersuchungsgefängnis kam, schildert seine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Repressionsapparat der DDR. Beide Referenten führen schon seit Jahren Besucher durch die Gedenkstätte – mit einer klaren Botschaft: Freiheit und Demokratie sind hohe Güter, für die es sich einzusetzen lohnt. „Es geht um die Freiheit der Menschenrechte. Man soll debattieren und nicht verdrängen“, gibt Vázquez am Ende der Führung der Gruppe mit auf den Weg.

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Ein Tag, der zum Nachdenken anregt

Die Berichte der Zeitzeugen und das Gesehene haben bei der Gruppe am Ende der Info-Tour deutlich Eindruck hinterlassen. Die Gefühle schwanken zwischen Begeisterung über die Möglichkeit, einen solchen Einblick in die Geschichte zu erhalten, und Bedrückung über das Erzählte, die Schicksale der Menschen und die aufgefeilten Stasi-Methoden. „Ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance hatte, hier heute dabei zu sein, und dass ein Arbeitgeber ein solche Tour seinen Mitarbeitern anbietet, ist einfach toll“, resümiert eine Teilnehmerin. Einige aus der Gruppe wollen sich weiter mit dem Thema auseinandersetzen oder auch mit ihren Familien noch einmal das Museum oder die Gedenkstätte besuchen.

Ein Tag, der verbindet: Die Unionhilfswerker am Ende eines eindrucksvollen Ausflugs in die Welt der Stasi