Monthly Archives: August 2023

Koalitionsvertrag mit guten Ansätzen für die frühkindliche Bildung

Julia Waterstradt, Foto: M. Gödecke

Das Vorhaben der Koalitionspartner

Die Koalitionspartner CDU und SPD möchten den jungen Menschen in Berlin bestmögliche Zukunftschancen eröffnen, indem ein leistungsfähiges und gebührenfreies Bildungssystem von der Kita bis zur Hochschule ermöglicht wird, um Bildungs- und Teilhabechancen adäquat zu schaffen. Vor allem in der frühkindlichen Bildung benötigt das Berliner Kita-System eine größere finanzielle Unterstützung, um Kita-Platzerweiterungen und Kita-Platzerhalt bewerkstelligen zu können.

Kita-Finanzierung

Ein erster Schritt, der leider im Koalitionsvertrag nicht erwähnt wird, wäre die sukzessive Abschaffung des monatlichen fünfprozentigen Eigenanteils der Träger bei der Kita-Finanzierung. Zahlreiche Berliner Träger nutzen aufgrund der defizitären Kita-Finanzierung eine rechtliche Grauzone und nehmen monatlich „freiwillige Elternbeiträge“. Die Grundlagen der Bildungs- und Teilhabechancen für jedes Kind und jede Familie in dieser selbstgeschaffenen Zweiklassengesellschaft bestehen dementsprechend nicht mehr.

Fachkräftemangel

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in den Berliner Kitas ist es erstaunlich, dass im Koalitionsvertrag konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Personalsituation, beispielsweise durch eine Ausbildungsoffensive, fehlen. Seit Jahren arbeiten die Teams in sogenannten multiprofessionellen Teams zusammen. Um die Arbeitsgruppen weiterhin zu stärken und Fluktuationen zu verringern, bedarf es ebenfalls finanzieller Unterstützung für die Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen der multiprofessionellen Teams. Als weitere Entlastungsmöglichkeit ist der Einsatz von Leasingpersonal im Notfall unabdingbar. Daher ist eine Bezuschussung bzw. Refinanzierung für die Träger erforderlich.

Das „Kita-Chancenjahr“

Das sogenannte Kita-Chancenjahr ist eine nette Umschreibung, jedoch wird ein verpflichtendes Kita-Jahr vor der Einschulung bei Sprachdefiziten bzw. bei einer Nicht-Sprachstandserhebung nicht das erreichen, was für diese Kinder bzw. Familien notwendig ist. Im Übrigen besteht diese Verpflichtung bereits und ist im § 55 Abs. 2 Schulgesetz Berlin verankert. Frühzeitige und präventive Maßnahmen, um die Familien zu erreichen, wären gegenwärtig wirksamer. Hierbei ist der erwähnte Ausbau von Familienzentren sowie der Ausbau und Einsatz von Kita-Sozialarbeiter*innen im Koalitionsvertrag wichtig und richtig!

„Förderstatus B+“

Der Förderstatus B+ ist aus meiner Sicht keine nachhaltige und längerfristige Lösung für die Kita-Teams und Familien. Die Belastung für alle Beteiligten wird hier nur verlagert. Hierbei vermisse ich eher die Berliner Versorgungsverpflichtung von pflegebedürftigen Kindern. Dazu bedarf es eines qualifizierten medizinischen Personals in der Kindertagesbetreuung. Ein neu gedachtes Konzept für diese Kinder und Familien ist notwendig und kann nicht mehr allein von pädagogischen Fachkräften in den Kitas geleistet werden.

Elternbeitrag für Kita-Mittagessen

Um eine gesündere und vollwertigere Ernährung zu ermöglichen, muss eine Anpassung des Beitrags schnellstmöglich erfolgen! Der monatlich verpflichtende Elternbeitrag von 23 Euro pro Monat pro Kind ist eine Zumutung für die Qualität der Mittagessenversorgung in den Kindertagesstätten.

Fazit

Es gibt viel zu tun im Bereich der frühkindlichen Bildung. Der Koalitionsvertrag enthält in diesem Bereich gute Ansätze. Es ist nun entscheidend, welche konkreten Maßnahmen benannt und umgesetzt werden. Im Fachbereich der Kindertagesstätten bleiben wir hoffnungsvoll, dass die Berliner Bildungspolitik ihren Neustart erfolgreich nutzt.

Ich habe mich mit den alten Menschen sehr wohl gefühlt

Wie die jungen Darsteller*innen die Zusammenarbeit empfanden

Lucia Kerkhoff hat mit den PAPILLONS zusammengearbeitet. Die 12-Jährige geht in die 7. Klasse des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums, eine Schule mit musikalischem Schwerpunkt. In Coronazeiten hatte Lucia die Idee, alten Menschen, die isoliert in Pflegewohnheimen lebten, Briefe gegen das Gefühl allein zu sein, zu schreiben. Damit steckte sie auch Mitschüler*innen an. Sie schrieben an Bewohner*innen des Pflegewohnheims „Am Kreuzberg“. Der Kontakt war geknüpft – und er hielt an. Die Schüler*innen wurden eingeladen, mit den PAPILLONS zusammen die Podcast-Reihe STILLLEBEN zu produzieren. Mit dem Ende der Pandemie konnte die Zusammenarbeit in Präsenz fortgesetzt werden.

Frage: Lucia, Du hast bei PASSAGIERE des Theaterensembles PAPILLONS mitgespielt. Was warst Du?

Ich war der Schutzengel für Torsten und in den Nebenrollen war ich unter anderem eine Mutter und ein Blumenmädchen. Er hat mir als seinem Schutzengel ein kleines und zerbrechliches Flugzeug aus Styropor gezeigt. Als ich ihn dazu befragte, erzählte er mir, dass er es mit seinem Vater verband, der im Krieg Flieger gewesen war. Er konnte sich dadurch gut an ihn erinnern – bis auf einmal. Als Christine dann nachfragte, kam die Erinnerung aber wieder.

Frage: Welche Vorstellung hattest Du von dieser Theaterarbeit bevor sie begann?

Ich dachte, wir würden etwas nachspielen – ein Märchen oder etwas Ähnliches. Am Anfang wusste ich nicht, wie die Rolle, Schutzengel zu sein, gemeint war. Durch Christines Erklärungen und bei den letzten Proben wurde es mir aber immer klarer.

Frage: Was hat Dich bei diesem Theaterprojekt besonders beeindruckt?

Am Anfang war ich schüchtern, aber später habe ich mich gut mit Torsten verstanden und war entspannter. Ich fand es toll, wie gut alles vorbereitet worden war – zum Beispiel mit den coolen Kostümen für uns alle – das war sehr professionell! Wenn sich jemand mit seiner Rolle unwohl fühlte, hat Christine das Drehbuch angepasst, damit es besser für die Person funktionierte.

Frage: Gab es zwischen den vier Vorstellungen der PASSAGIERE Unterschiede für Dich?

Die Premiere fühlte sich nicht so gut an – alle waren sehr aufgeregt und einer der Darsteller wollte nicht richtig mitmachen, obwohl es bei den Proben immer geklappt hat. Die zweite Aufführung war die Beste – alle alten Menschen waren sehr motiviert und haben mitgemacht. Die Premiere und die weiteren Vorstellungen haben uns Kinder und die alten Menschen mehr miteinander verbunden und wir haben wir uns sehr gut mit ihnen verstanden. Als wir nach der letzten Aufführung „Tschüs“ gesagt haben, weil wir nicht wussten, ob es das Projekt weitergehen wird, war das sehr traurig.

Frage: Hat dieses Theaterprojekt deine Sicht auf alte Menschen verändert?

Ich habe gemerkt, wie verschieden alte Menschen sind und dass sie manchmal viel Hilfe brauchen. Ich kann damit aber gut umgehen. Wenn die alten Menschen etwas nicht wollten, haben sie das klar gesagt, ohne wütend oder ärgerlich zu sein. Uns Kinder hat die Zusammenarbeit mit den Alten positiv beeinflusst und wir haben sie respektiert – so, wie sie uns respektiert haben. Ich habe mich mit ihnen sehr wohl gefühlt, so wie mit meiner Oma und meinem Opa.

Torsten war eher schüchtern oder zurückhaltend und hat nicht so viel gefragt. Dann habe ich ihn mehr gefragt und so haben sich die Gespräche entwickelt. Und sonst hat Christine vermittelt. Sie hat alle zusammengebracht und versteht die alten Menschen richtig gut. Die Jüngeren hat sie aufgemuntert und war für alle da.

Frage: Wirst Du den Kontakt zu den Bewohner*innen des Pflegewohnheims „Am Kreuzberg“ halten? Hättest Du Lust, dort bei einem anderen Stück mitzumachen?

Ja, ich würde gern noch mal eine Aktion mit Jungen und Alten mitmachen. Allerdings habe ich die Sorge, dass sich die alten Menschen an gar nichts erinnern, wenn ich wiederkomme.

Mehr zu den PAPILLONS und ihrem neuen Stück PASSAGIERE ist beispielsweise im Magazin der Süddeutsche Zeitung vom 27. Juli 2023 nachzulesen.

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Wir feiern euch: Zehn Altenpflegefachkräfte beenden erfolgreich ihre Ausbildung

Dennis Schülke ist einer der glücklichen Absolventen. Er verrät uns im Interview, welche Herausforderungen es während der Ausbildungszeit gab und was er sich für die Zukunft wünscht.

 

Lieber Herr Schülke, stellen Sie sich unseren Leserinnen und Lesern doch gern kurz vor.

Guten Tag, mein Name ist Dennis Schülke und ich bin 40 Jahre alt. Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder. Mein Sohn Paul ist 7 Jahre alt, meine Tochter Maja ist 6 Jahre alt und Henry ist 7 Wochen alt. Aufgewachsen bin ich in Neukölln. Aktuell wohne ich in Treptow, im Plänterwald.

 

Was haben Sie gemacht, bevor Sie mit der Ausbildung zum Altenpfleger begannen?

Ursprünglich begann ich 2001 eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich die aber leider vier Monate vor dem Staatsexamen abbrechen. Ich habe dann „Masseur und Wellnesstherapeut“ gelernt und außerdem von 2005 bis 2011 meine Oma zuhause gepflegt. Von 2011 bis 2014 war ich Filialleiter bei Nahkauf, einem Franchise-Unternehmen der Rewe Gruppe.

Seit März 2015 arbeite ich im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ und habe dann vor vier Jahren die berufsbegleitende Ausbildung begonnen.

 

Warum haben Sie sich für den Bereich Altenpflege entschieden?

Ich habe schon immer sehr gerne mit Menschen gearbeitet. Die Jahre, in denen ich meine Oma zuhause gepflegt habe, haben mir vieles gezeigt: Es fühlt sich gut und richtig an, anderen, pflegebedürftigen Menschen zu helfen und sie in alltäglichen Situationen zu unterstützen und zu begleiten.

 

Erzählen Sie mal von der Ausbildung. Gab es herausfordernde Momente?

Anfangs war es vor allem sehr aufregend. Und eigentlich blieb es die vier Jahre über auch turbulent. Wir hatten leider viele Klassenlehrerwechsel, dann zog die Schule von Moabit nach Reinickendorf. Und natürlich stellte vor allem Corona alles auf den Kopf. Gerade der Online-Unterricht war in den ersten Wochen wirklich schwierig und für uns alle sehr herausfordernd. Insgesamt haben mich die vier Ausbildungsjahre sehr geprägt, ich habe viel gelernt.

 

Die Ausbildung lief berufsbegleitend. Sie haben im Grunde schon gearbeitet – und hatten parallel dazu Schule. War dieses Prinzip im Rückblick bereichernd oder eher anstrengend?

Die Praxis war auf jeden Fall eine gute Ergänzung zur Theorie. Ich finde, man lernt am besten, wenn man mit den Bewohner*innen arbeitet und sie über die Jahre hinweg begleitet. Was in den Lehrbüchern steht, ist schön und gut, aber praktisch ist die Umsetzung dann oft doch ganz anders und sehr individuell.

Ich konnte die Theorien praktisch umsetzen und bin froh darüber, dass meine Praxisanleiterin Frau Grönert und auch meine Einrichtungsleitung Frau Schmell sehr eng im Kontakt mit mir waren. Bei Fragen oder Problemen konnte ich immer zu den beiden gehen und sie hatten immer ein offenes Ohr. Dafür möchte ich mich hier auch gern noch einmal ganz herzlich bedanken.

 

Die ganze Ausbildungsklasse war eine Klasse des Unionhilfswerks. Fünf von Ihnen arbeiten im ambulanten und fünf im stationären Bereich. Wie war der Austausch zwischen ihnen? Verband dieser gemeinsame Nenner die Gruppe?

Wir haben uns über die 4 Jahre hinweg immer sehr gut verstanden und haben uns gut austauschen können, sowohl im Unterricht als auch mal privater in der Pause.
Das Wechselpraktikum fand ich auch spannend. Da war ich im Pflegedienst Prenzlauer Berg und habe einen Einblick in den ambulanten Bereich des Unionhilfswerks bekommen.
Die Schüler*innen des ambulanten Bereichs konnten wiederum die Arbeit des stationären Bereichs kennenlernen – danach entstand zwischen uns allen ein reger Austausch zu diesen neuen Eindrücken.

 

Wir freuen uns, dass sie alle dem Träger erhalten bleiben und auch weiterhin als Unionhilfswerker*innen alte Menschen in unseren pflegerischen Einrichtungen begleiten. Was wünschen sie sich persönlich für die Zukunft? Und was wünschen Sie sich für die Altenpflege?

Für die Zukunft wünsche ich mir eine gute Zusammenarbeit aller Mitarbeiter*innen, sowie weiterhin so eine wunderbare Kommunikation mit meiner Einrichtungsleitung Frau Schmell und der stellvertretenden Pflegedienstleitung Frau Grönert.
Außerdem freue ich mich auf eine weiterhin tolle Zusammenarbeit im und mit dem Betriebsrat, wo ich seit der letzten Betriebsratswahl Mitglied bin.

Was ich mir für die Altenpflege wünsche? Das würde hier den Rahmen sprengen…

Aber was ich dazu sagen kann, ist, dass wir Personal benötigen. Kolleginnen und Kollegen, mit denen man viele Jahre lang gemeinsam alle Höhen und Tiefen erlebt und meistert.

Und ich wünsche mir sehr, dass wir als Altenpfleger*innen wertgeschätzt werden!

 

Lieber Herr Schülke, wir danken Ihnen sehr dafür, dass Sie sich die Zeit genommen und unsere Interviewfragen beantwortet haben. Das ist ein spannender Einblick in diesen wichtigen Zweig der Personalgewinnung für den Bereich der Altenpflege.
Wir wünschen Ihnen viele schöne Momente mit den älteren Menschen im Pflegewohnheim – und natürlich auch mit den Kolleginnen und Kollegen im Team.

Helfende Hände in der Kita Böhmische Straße

Ob Unkraut jäten, Hochbeete aufbauen, Folien- und Klebereste von Türen, Fenstern, Treppen und Wänden entfernen sowie Oberflächen reinigen – in der Kita Böhmische Straße in Neukölln gab es viel zu tun. Danach sollten in der Kita Renovierungsarbeiten stattfinden.

Hoffen auf die Unterstützung Freiwilliger

Der Zeitplan war ambitioniert. Da das neue Kita-Jahr am 1. August anfängt, müssen die Arbeiten, die Voraussetzung für die Renovierung sind, spätestens Anfang Juli beginnen. Damit dies gelingen konnte, hoffte das Kita-Team auf die Unterstützung Freiwilliger. Colette Gärtner, kommissarische Leitung der Kita Böhmische Straße, rechnete aus, dass 15 Freiwillige notwendig sind. Stattfinden sollte der freiwillige Arbeitseinsatz am 3. Juli, 14 bis 20 Uhr.

Aufruf auf Engagementplattform vostel.de

Anfang Juni startete Chiara Polacchini, Co-Leitung Freiwilligenmanagement, einen Aufruf auf der Engagementplattform vostel.de. Mit Erfolg. Innerhalb von zwei Wochen meldeten sich die erforderlichen 15 Engagierten. Sie waren Mitarbeitende des Unternehmens Scout24. Damit stand einem Social Day in der Kita Böhmische Straße nichts mehr im Wege.

Bei einem Social Day engagieren sich Mitarbeitende eines einzigen Unternehmens, in diesem Fall Scout24. Engagieren sich Freiwillige unterschiedlicher Unternehmen, spricht man von einem Volunteering Day.

„Das Freiwilligenmanagement bekommt öfter Anfragen von Unternehmen, die für ihre Mitarbeitenden Möglichkeiten suchen, sich zu engagieren. Wir freuen uns also immer über Ideen und Bedarfe, die direkt von den Einrichtungen kommen, um gemeinsam mit 8 bis 15 Freiwilligen Gutes zu tun“, sagt Chiara Polacchini.

Mit Tatkraft und Geduld ans Werk

Dann war es soweit: Colette Gärtner und die pädagogische Fachberaterin Corinna Welthe begrüßten freudestrahlend die erwartungsvollen Freiwilligen. Nach einer kurzen Anleitung – die vorbereiteten Handouts waren nicht nötig – machten sich die Engagierten ans Werk. Für den Einsatz in der Neuköllner Kita wurde die notwendige Ausstattung zur Verfügung gestellt, Handschuhe und Reinigungsmittel beispielsweise. Getränke und kleine Snacks standen ebenfalls bereit.

Beherzt beseitigten die Engagierten das Unkraut, das sich überall verbreitet hatte, und lösten die unzähligen Aufkleber – bei besonders hartnäckigen auch unter Verwendung einiger Föhns – geduldig ab.

Social Day war ein Erfolg

Gegen 18 Uhr war alles erledigt – und Colette Gärtner überglücklich. „Alle waren unglaublich selbständig und sind sofort zur Tat geschritten. Ich war wirklich ergriffen, wie fleißig und motiviert sie waren!“ Begeistert war sie auch vom Ergebnis. „Beide Gärten sehen jetzt wieder wie Gärten aus. Und unsere Treppe, die von oben bis unten mit den unterschiedlichsten Stickern beklebt war, wurde von vier oder fünf Personen gleichzeitig bearbeitet. In wenigen Minuten waren alle Sticker entfernt“, so die kommissarische Kita-Leiterin.

Als Dankeschön gab es natürlich viel Lob, aber nicht nur. Die Freiwilligen erhielten Aufmerksamkeiten wie einen gesunden Brotaufstrich, den die Kinder selbstgemacht hatten, und eine Trinkflasche.

„Wir machen alles“

„Die Rückmeldungen der Freiwilligen waren durchweg positiv“, freut sich Colette Gärtner. Sie erinnert sich, dass sie nach getaner Arbeit nicht gehen wollten, und dass ein Engagierter sagte: “Geben Sie uns einfach Arbeiten, auf die Sie sonst keine Lust haben. Wir machen alles, was Sie gemacht haben wollen.“ Sie hätten angeboten, den Sand auf dem Spielplatz zusammenzukehren und in die Sandkiste zu befördern. „Und das haben sie dann auch getan“, erzählt Colette Gärtner immer noch erstaunt. „Unglaublich!“

Jeder Zeit wieder einen Social Day

Der Einsatz von Freiwilligen muss gut organisiert sein und bedeutet Aufwand. Für die kommissarische Kita-Leiterin hat sich der Aufwand aber gelohnt. „Ich würde zu jeder Zeit wieder einen Social Day planen und ihn auch wärmstens meinen Kolleg*innen empfehlen. Es war so großartig! Es war so ein schöner Nachmittag!“

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Zwei Hunde in der Kita – Erfahrungen mit tiergestützter Pädagogik

Im Unterschied zu privat gehaltenen Besuchshunden, die in Einrichtungen gebracht werden, unterstützt ein Begleithund direkt die Arbeit des Fachpersonals. Aus der zielgerichteten Interaktion zwischen Tier und Kleinkindern entstehen positive Effekte auf ihre kognitiven und sozialen Vermögen. Zusätzlich wird die frühkindliche Persönlichkeitsentfaltung gefördert.

Eine besondere Ausbildungssituation

Die Ausbildung zum Therapie- und Begleithund dauert üblicherweise zwischen 12 und 18 Monaten. Gesetzliche Vorgaben dafür gibt es in Deutschland bisher nicht. Ganz im Gegensatz zur Schweiz und Österreich, wo die Schulung bereits in einen rechtlichen Rahmen gegossen wurde.

„Ich hatte es mir ganz anders vorgestellt“, sagt Nadine Baerwald. „Dass es in der Ausbildung hauptsächlich um Menschen geht. Tatsächlich ging es ganz viel um das Hundewohl.“ Tierschutzrechtliche Fragen sowie das Kennenlernen des eigenen Vierbeiners und seiner Sprache standen auf dem Programm.
Gemeinsam mit Cookie wollte sie das Pflichtpraktikum im Montessori-Kinderhaus in der Zehlendorfer Lissabonallee absolvieren. Dort war man überaus offen für das Thema.

Eltern und Kindern die Ängste nehmen

Im Vorfeld wurden die Eltern über die Hintergründe informiert und ihre Einverständniserklärungen eingeholt. „Ich stellte meinen Hund vor und mich selbst“, schildert sie das Treffen. „Die Eltern konnten alle Fragen loswerden. Ängste wurden auch besprochen und konnten früh aus dem Weg geräumt werden.“

Auch die Kinder der Kita wurden zuvor geschult. Sie erhielten spannendes Wissen zu den Themen: Wie spricht ein Hund? Wie verhält er sich? Was darf er überhaupt fressen?
Dann musste das Hund-Mensch-Team beweisen, was es gelernt hat: Zwei theoretische und vier praktische Einheiten gehörten zu den Praktikumsanforderungen. Die Kinder waren mit Begeisterung dabei. Leckerlis zählen, gemeinsamer Spaziergang in der Natur, zusammen Bücher anschauen oder Kuscheln: Die Kleinen schlossen Cookie schnell ins Herz, und der erste Kita-Einsatz wurde ein Erfolg.

Nadine Baerwalds Praktikum brachte einen Stein ins Rollen: Nicht nur, dass sie beruflich mit ihrem Hund direkt ins Montessori-Kinderhaus hinüberwechselte. Auch Kollegin Ilka Posin verfolgte die Sache weiter. Nach dem Tod des eigenen Hundes fand sie mit glücklicher Fügung einen neuen: Den jungen Mischling „Fatzke“, mit dem sie 2022 selbst die Ausbildung zum Pädagogischen Begleithund durchlief.

Cookie und Fatzke – Zwei Vierbeiner im Einsatz

Cookie, den die Kinder aufgrund seiner Krümelleidenschaft „Staubsauger“ nennen, kommt zweimal die Woche in die Kita – der Fatzke dreimal.
Beide Hunde haben ihren Rückzugsort, um zu signalisieren: „Nein, ich möchte gerade nicht! Ich brauche Pause!“ Außerdem vermeidet man, dass Cookie und Fatzke gleichzeitig in der Kita anwesend sind. Das Konkurrenzverhältnis könnte auf Dauer für die Tiere zu anstrengend werden.

„Fatzke und Cookie haben völlig unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen“, weiß die Pädagogin. „Und danach können wir unsere Angebote gestalten.“ Weil sich Cookie nicht so gerne anfassen lässt, werden mit ihm primär Sport- und Bewegungsspiele gemacht. Das fördert die Grob- und Feinmotorik. Zusammen mit einem Wauwau machen Türmchen-Bauen und Hindernisparcours viel mehr Spaß.

Fatzke wiederum ist ein richtiger Kuschelhund. Allerdings ist es Nadine Baerwald wichtig zu betonen, dass er weder Stofftier noch Roboter ist: „Er ist ein Lebewesen mit eigenem Charakter.“ Kinder müssen das respektieren und lernen dadurch, ihre Impulse zu kontrollieren und ihr Einfühlungsvermögen zu schulen.

Ein wichtiger Baustein der tiergestützten Pädagogik ist, dass die Kinder den Umgang mit Hunden verbessern. „Vor allem in Berlin sind viele Vierbeiner unterwegs“, weiß sie aus Erfahrung. „Oft haben Kinder Beißerfahrungen, weil sie auf die Tiere zugestürmt sind.“ Eltern begrüßen es daher, dass in der Kita ein korrektes Verhalten gegenüber Hunden beigebracht wird.

Positive Geschichten aus der Praxis

Im Montessori-Kinderhaus wurden bisher mit Fatzke und Cookie eine Reihe schöner und interessanter Erfahrungen gemacht.
So wollte eines der Kinder aus Ilka Posins Gruppe anfangs nicht in die Kita, weinte und klammerte sich an die Mutter. Doch als in den Raum schaute und den Hund entdeckte, meinte es: „Tschüss Mama, ich gehe jetzt zum Fatzke!“

Ein Mädchen, das sonst sehr verhalten war, trug an den Cookie-Tagen einen schwarzweiß gepunkteten Pullover. Damit spiegelte es die Fellfarbe des Labrador-Mischlings. Aus Respekt wollte das Kind mit dem Hund nicht in die direkte Interaktion treten, aber seinen Spaß am Tier mit der Kleidungsfarbe ausdrücken.

Auch in den Familien daheim wird das Hunde-Thema groß. Die Eltern müssen sich mit der Frage beschäftigen, ob sie sich einen Vierbeiner anschaffen wollen. Und manchmal werden sie von ihren Kindern dazu gedrängt, zuhause „den Hund zu spielen“. Die Kleinen wollen ihre in der Kita erlernten „Tier-Regeln“ anwenden – was wiederum der Sprachentwicklung zu Gute kommt.

Ein anderes Mädchen hatte es schwer in der Gruppe, war oft ausgeschlossen und spielte alleine. Für sie waren die Tage mit Cookie echte Highlights. Sie wusste nämlich: „Der Cookie hat keine Vorurteile und ist nicht nachtragend. Der kommt einfach und kuschelt mit mir.“ Durch seine Interaktion mit dem berührungsscheuen Tier wurde das Mädchen indirekt in die Kita-Gruppe integriert. Weil die Anderen gesehen haben: „Oh, mit ihr kuschelt der Cookie, aber mit mir nicht?“ Dadurch bekam das Kind einen neuen Status und wurde befragt, wie man mit dem Labrador-Mischling am besten umgeht.

Nadine Baerwald ist vom Konzept der tiergestützten Pädagogik absolut begeistert. „Ich kann es nur befeuern“, sagt sie. „Es ist wirklich, wirklich schön.“