Monthly Archives: Januar 2021

Wolfgang Grasnick – Ein Vierteljahrhundert für die USE gGmbH

Dieser Übergang ist für ihn ganz sicher kein leichter Schritt – 25 Jahre lang hat Wolfgang Grasnick unermüdlich für die USE gGmbH gewirkt. Schon beim Vorgänger der USE, dem Theta Wedding e.V., begann er als Psychologe mit dem Auftrag, einen begleitenden Dienst aufzubauen. Die turbulente Übergangszeit vom Verein zur USE hat ihn stark geprägt – noch immer berichtet er gern von den roots, den aufregenden Anfangsjahren.

Die USE wird als untypisches Sozialunternehmen wahrgenommen

Er hat die USE zu dem gemacht, was sie heute ist. Sicher nicht allein, einige seiner Mitstreiter*innen der ersten Jahre sind noch immer an Bord – Thomas Päpke, Annegret Ahlrichs, Regina Görnert de Gutierrez und Andreas Sperlich – um nur ein paar Namen zu nennen. Auch sie haben die USE stark geprägt. Das aber die USE als etwas Besonderes, als untypisches Sozialunternehmen wahrgenommen wird, ist auch zu großen Teilen sein Verdienst. Neben dem Sozialen hat er immer auch die Nähe zur Wirtschaft gesucht, hat durch seine Netzwerkarbeit gute und dauerhafte Partnerschaften – auch zu Politik und Verwaltung – aufgebaut.
Dabei war er nie glatt. So wie er es selbst in einer Ansprache sagte, hat er gern mal einen Pfeil aus dem Köcher genommen oder eine neue Idee in den See geworfen – um zu sehen, welche Wellenbewegungen sie auslöst. So sind unkonventionelle Projekte entstanden – die historischen Gastro-Schiffe, der große Bereich der Tierpflege, die frühe Entwicklung der beruflichen Bildung – alles Themen, die die USE von anderen Werkstätten für behinderte Menschen noch heute abheben.

Er gab 150 % für die USE – und erwartete diese auch von anderen

Als streitbarer „Außenminister“ der USE war Wolfgang Grasnick weit über die Grenzen Berlins bekannt und als Redner und Diskutant gefragt. Als Chef hat er es seinen Mitarbeitenden allerdings nicht immer leichtgemacht. So wie er von sich 150 % Einsatz für die USE forderte, so erwartete er es auch und vor allem beim Führungspersonal. Nur langsam konnte er sich daran gewöhnen, dass es Menschen gibt, die hier anders sind und nicht so viel geben können.
Auch ich hatte dazu meine Auseinandersetzungen mit ihm. Nach einer schwierigen Anfangszeit als Teilzeit-arbeitende Mutter konnte ich aber über die Jahre sein Vertrauen gewinnen, natürlich nicht kritikfrei.

Sprichwörtlich war seine Abneigung, einen Computer zu bedienen. Jahrelang druckten seine Sekretärinnen ihm sämtliche E-Mails aus. Doch dann kam auch bei ihm der Wandel – in Form eines handlichen iPads. Unvergessen ist seine erste E-Mail-Antwort an mich – natürlich mit dem Hinweis auf einen Tippfehler in meinem Text. So war es auch immer eine kleine, seltene Sensation, wenn ein Text ohne Anmerkungen oder angestrichene Fehler zurückkam.

Miteinander arbeiten… und miteinander feiern

So hart, wie er arbeiten kann, so gut kann er auch feiern. An den Abenden – auf der Messe in Nürnberg oder der Klausur – war er immer mit viel Humor dabei und gern einer der Letzten. Das hinderte ihn aber nicht daran, am nächsten Tag wieder voll mitzudiskutieren. Auch wenn er mit halb geschlossenen Augen abwesend wirkte, war er blitzschnell wieder dabei, wenn die Diskussion in eine falsche Richtung lief. Vorsicht war geboten, wenn er einen Satz mit „Mit Verlaub, …“ begann. Dann war er sicher ganz anderer Meinung, mitunter sogar verärgert.

So, wie er sich in einem Streitgespräch festbeißen konnte, genauso konnte er sich auch im positiven Sinne an einem Thema bleiben. Ungeachtet der nachfolgenden Termine und der drängenden Sekretärin beendete er ein Meeting erst, wenn es eine Lösung, einen Weg gab. Und er nahm sich immer Zeit, wenn ein Beschäftigter ihn um ein Gespräch bat. Dann war er ganz da und konnte alles andere ausblenden.

Zum Feiern mit ihm werden wir hoffentlich noch viele Gelegenheiten haben. Denn aus dem Verbund des UNIONHILFSWERK hat er sich noch nicht verabschiedet. Dort bleibt er uns als Geschäftsführer der BUS gGmbH und als Vorstandsvorsitzender der Unionhilfswerk-Förderstiftung erhalten. Da lassen sich noch genug Anlässe finden – sowohl um mit ihm zu diskutieren als auch mit ihm zu feiern.

„Ne, ich bin nicht süchtig!“ – Freiwillige lernen den Umgang mit substanzbezogenen Störungen

Riskanter oder abhängiger Konsum legaler oder illegaler Drogen, verschriebener oder nicht verschriebener Medikamente kann uns in allen Bereichen sozialen Engagements begegnen. Engagierte und Interessierte waren herzlich eingeladen, sich von Werner Brose, der seit 30 Jahren Berater für suchterkrankte Menschen in Berlin ist, über die aktuelle Praxis der Suchtberatung und Hilfsangebote informieren zu lassen.

Bevor Werner Brose den Teilnehmenden praktische Tipps an die Hand gibt, wie man Betroffenen konsumbedingter Störung helfen kann, fragt er in die Runde, mit welchen Personengruppen wir beruflich zu tun haben und verdeutlicht uns damit, dass jede Lebenssituation individuell zu betrachten ist. Die Antworten fallen vielseitig aus: Geflüchtete, Arbeitssuchende, Im Sterben liegende, Menschen mit Migrationshintergrund, Obdachlose und Sexarbeiter*innen.

Moralische Appelle sind nicht angebracht

Statt moralischer Appelle, erklärt er, sind die Ursachen und der Grund ihrer konsumbedingten Störung gemeinsam mit den Betroffenen zu erörtern. Genau das wird auch in einem Gespräch in einer Sucht-Beratungsstelle getan. Hier können sich Betroffene melden, die mit einer konsumbedingten Störung, gleich welcher Art, zu kämpfen haben. Bei einer Suchtberatung geht es dann in erster Linie darum, die Betroffenen so gut wie möglich zu informieren und Ziele und Wunschvorstellungen herauszuarbeiten. Die Grundsätze in der Beratung sind die zeitnahe Aufnahme, die Akzeptanz und die Wertschätzung der Betroffenen, die Ressourcenaktivierung und eine ganzheitliche Sicht auf das Leben und die Interessen. Es geht um die Würdigung des Anderen und auch um die Anerkennung, dass ein Suchtmittel neben den negativen Auswirkungen für die Betroffenen eben auch positive Wirkungen haben kann.

Gespräche bei Beratungen können immer auch gemeinsam mit Partner*innen, Freund*innen oder anderen nahestehenden Personen geführt werden. Vor allem dann, wenn es um minderjährige Betroffene geht. Bei einer Nikotin- oder Alkoholabhängigkeit gibt es zusätzlich auch ein großes Kursangebot von Krankenkassen oder anderen Stellen.

Eine Patentlösung gibt es nicht

In diesem Seminar haben wir gelernt, dass es bei der Hilfe von Suchterkrankten vor allem darum geht, die Lebenssituationen der Betroffenen zu betrachten: Verständnis zu zeigen, die Interessen und Wünsche des Gegenübers zu beachten und vor allem Vertrauen aufzubauen. Nur mit den richtigen Ressourcen schaffen es Suchterkrankte, ohne das Suchtmittel auszukommen, denn hinter einer konsumbedingten Störung stecken individuelle Ursachen und Gründe. Eine Pauschalstrategie, wie mit konsumbedingten Störungen umzugehen ist, gibt es nicht. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass immer die Möglichkeit besteht, Ressourcen zu beschaffen, sodass Betroffene genug Kraft haben, ihre Situation und ihr Verhalten für die eigene Gesundheit zu ändern.

Beratungsangebote gibt es überall in der Stadt und Betroffene, aber auch Engagierte, können sich dort mit der Gewissheit auf gute Unterstützung melden. Wir Freiwilligen haben gelernt, dass suchtbedingte Störungen oft viel näher in unserem Umfeld sind, als wir denken und dass es sich lohnt, mit einem emphatischen Blick darauf zu schauen, um das Thema zu entstigmatisieren.

Weitere Angebote für Freiwillige finden Sie hier.

Das Jahr, das alle schnell vergessen möchten…

Es fing noch alles so normal an. Wir hatten Pläne und Ideen für ein schönes Jahr 2020 für Groß und Klein. Und dann ging es los: Wir brauchten wieder Ideen und Pläne – aber zu einem ganz anderen und nicht vorhersehbaren Thema…
Das entwickelte sich dann zu einer Kraft- und Bewährungsprobe für alle Bewohner*innen und für uns Mitarbeiter*innen. Im April und im Oktober war das ganze Haus jeweils 2 Wochen lang wegen Quarantäne geschlossen. Eine völlig neue Situation, die wir aber mit der tatkräftigen Hilfe und Unterstützung von vielen Seiten bewältigen konnten. Unsere Bewohner*innen mussten geschützt, versorgt und vor allem über die Situation aufgeklärt werden. Schwerpunkt war der Unterricht für die Grundschulkinder in unserem Gemeinschaftsraum in Kleinstgruppen. Da war Kreativität gefragt!
Und so gab es beispielsweise Schulunterricht mit Schülern an der frischen Luft. In einer Mischung aus Deutschunterricht, Heimatkunde und Allgemeinwissen beschrieben die Schülerinnen und Schüler ihre Umgebung, konjugierten Verben oder übten andere Grammatikregeln. Da bot sich ein „ich laufe im Wald, du läufst im Wald, er läuft im Wald“ genauso an wie „ein Baum, zwei Bäume“ und vieles mehr. In Kleinstgruppen unterrichteten die Kolleg*innen meist die Kinder einer Familie und bekamen dafür Aufgaben aus den Schulen.

An die üblichen Aktivitäten und sonstigen Jahres-Highlights war nicht zu denken

Der Sommer und die Ferien verliefen zwar etwas entspannter, aber wiederum nicht so entspannt, dass wir es gewagt hätten, unsere üblichen Aktivitäten einzuläuten. Leider musste auch der Höhepunkt des Jahres –  das große Sommerfest mit dem Kiezklub – ausfallen.
Im Herbst traf es uns dann nochmals: Mehrere Bewohner*innen wurden positiv getestet. Zum Glück haben es alle gesund und ohne Folgeerscheinungen überstanden. Es wurden monatelang fleißig Masken genäht, sodass alle gut versorgt werden konnten.

Kinderaugen strahlten zur Weihnachtszeit trotz allem

Und auch das letzte Fest des Jahres war anders zu gestalten. So ersetzte ein kurzer Besuch unserer Mitarbeiter*innen-Engel an der Wohnungstür die übliche große, bunte Weihnachtsfeier mit lieben Gästen aus der Nachbarschaft. Aber durch die tolle Hilfestellung der evangelischen Gemeinde um Frau Scheufele wurden alle Kinderaugen zum Leuchten gebracht und das Team im Haus entlastet. Die Mitglieder der Gemeinde kauften tolle Geschenke und verpackten diese weihnachtlich. Dankeschön im Namen der Kinder!

Nun freuen wir uns besonders auf das neue Jahr mit seinen noch unbekannten Aufgaben – auch weil wir erneut erfahren durften, wie gut wir uns im Team aufeinander verlassen können! Allen Unterstützern, Freund*innen und Nachbar*innen wünschen wir ein etwas normaleres Jahr 2021, viel Glück und Gesundheit und hoffentlich wieder einmal Besuche von Angesicht zu Angesicht!

 

Auch mal Durchatmen beim Durchhalten

Das neue Jahr kann doch nur besser werden, oder? Diese Hoffnung teilen wohl die allermeisten von uns. Mit dem Start der Impfkampagne ist nun schon ein kleines Licht am Ende des Corona-Tunnels zu erkennen. Doch bis dahin ist unser Alltag weiterhin geprägt von Infektionszahlen, Hygieneregeln, Verordnungen, Einschränkungen, Vorsicht, Sorgen und Ängsten. Das zerrt an den Nerven und verlangt im Arbeitsalltag zusätzliche Kräftereserven. Damit wir alle gut durch diese Zeit kommen, müssen wir nicht nur gut auf andere, wie Betreute, Familienmitglieder, Freunde oder Kolleg*innen achten, sondern auch auf uns selbst: Hin und wieder auch mal den eigenen Akku aufladen. Das geht am besten draußen an der frischen Luft. Und dafür muss man zum Glück nicht an die Ostsee, in den Schwarzwald oder nach Brandenburg fahren.

 

Natur-Park Schöneberger Südgelände

Spätestens mit diesem Lockdown haben viele von uns das Spazierengehen für sich (wieder)entdeckt. Mittlerweile sind jedoch die eigene Nachbarschaft sowie die Parks der angrenzenden Kieze schon mehrmals abgelaufen? Dann auf zum Natur-Park Südgelände! Dort kann man bei einem ausgedehnten Spaziergang sehen, wie sich die Natur den ehemaligen Tempelhofer Rangierbahnhof zurückerobert hat. Nach dessen Stilllegung hat sich hier auf einer Fläche von 18 Hektar ein regelrechter Urwald entwickelt. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich in der dortigen Freilandausstellung über die Geschichte und die Natur informieren – seit September übrigens auch als inklusives Naturerlebnis für blinde und sehbehinderte Besucher*innen.

 

Wald.Berlin.Klima im Grunewald

Wer noch mehr Wald-Feeling zum Abschalten braucht und sich mal mit etwas Anderem als Corona beschäftigen möchte, der mache sich auf in den Grunewald. Auf einem vier Kilometer langen Rundweg kann man sich dort die Ausstellung „Wald.Berlin.Klima“ anschauen. In sogenannten „Waldwohnzimmern“ wird gezeigt, wie sich die Berliner Wälder an den Klimawandel anpassen. Damit ist für Gesprächsstoff beim Spaziergang gesorgt – und wunderschöne Wald-, Wasser- und Moorflächen gibt es noch dazu.

 

 

 

Heiß und kalt unterwegs auf Berlins Gewässern

Dass Berlin in Sachen Erholung nicht nur Parks und Wald zu bieten hat, ist eine klare Sache: Im Sommer findet Berlin am, im oder auf dem Wasser statt – ob am Seeufer, im Badeschiff, im Tretboot oder Floß auf der Spree. Jetzt im Januar ist das noch zu weit weg, um sich allein per Kraft der Erinnerung in einen ausreichenden Zustand der Erholung zu versetzen. Doch wer sich mal etwas Außergewöhnliches gönnen möchte und auch seinem Immunsystem eine Frischekur verpassen will, der kann sich z.B. ein Saunafloß mieten und gemütlich schwitzend über den eiskalten Müggelsee schippern. Bye, bye Winter-Blues!

 

 

Bürgerpark Pankow – für Groß und Klein

Mal Durchatmen, den Kopf frei bekommen, abschalten – das muss nicht unbedingt etwas sein, das man allein für sich machen muss. Der Alltag ist auch für Freundschaften, Partnerschaften und Familien im Moment nicht einfach – umso besser, wenn man sich auch mal gemeinsam einen Tapetenwechsel gönnt und mit dem „eigenen Haushalt und ggf. einer weiteren Person“ einen Ort findet, der sowohl großen als auch kleinen Haushaltsmitgliedern etwas zu bieten hat. Im Bürgerpark Pankow gibt es nicht nur ausreichend Platz zum Flanieren, für die Kleinen gibt es auch einen Abenteuerspielplatz und Ziegengehege, für die Größeren Skatepark und Tischtennisplatte. Auf den Wiesenflächen ist außerdem ausreichend Platz für sportliche Aktivitäten mit Mindestabstand. Und seit der Flughafen Tegel geschlossen hat, kann man das Ganze nun auch ohne tieffliegende Flugzeuge genießen.

 

 

Sie haben auch noch einen Tipp? Schreiben Sie diesen gern in die Kommentare!

 

Alle Bilder zu unseren Tipps stammen von der Fotografin Patricia Kalisch und sind auch in unserem aktuellen UNIONHILFSWERK-Jahreskalender „Berlin zum Durchatmen“ zu finden sowie weitere Ideen für Erholung versprechende Orte.

 

Sie möchten gern einen solchen Kalender? Wir haben noch Restbestände! Schreiben Sie uns an blog@unionhilfswerk.de und erhalten alle weiteren Informationen.