Monthly Archives: März 2023

PAPILLONS: „Wir brauchen eure Hilfe, um unser Projekt auf die Beine zu stellen.“

PAPILLONS Theaterensemble

 

Ergänzung am 02.05.2023:
Unsere Spendenaktion ist inzwischen erfolgreich beendet. Es kamen 10.507 € zusammen, womit die PAPILLONS das neue Projekt „Passagiere“ realisieren können. Wir sagen DANKE!

Die PAPILLONS bestehen seit 2017, gegründet von der Regisseurin für inklusives Theater Christine Vogt. Beim Theaterensemble im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ arbeiten Menschen mit und ohne Demenz mit professionellen Künstler*innen zusammen. „Wir erzählen unsere Geschichten“, sagt ein Ensemble-Mitglied. Das neue Stück heißt „Passagiere“. Es soll am 23. Juni im F2-Theater im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ uraufgeführt werden.

Online-Spendenaktion für PAPILLONS gestartet

Damit das Theaterensemble ihr neues Stück „Passagiere“ verwirklichen kann, hat das Unionhilfswerk eine Online-Spendenaktion auf der Plattform Startnext ins Leben gerufen: Die PAPILLONS – Passagiere. Jeder Euro zählt! Danke für eure Unterstützung.

Wie Theaterspielen mit Demenz möglich ist

Wenn die Erinnerung schwindet, rufen alte Melodien und Lieder, Fotografien und Geschichten bei den Akteur*innen Bilder und Emotionen hervor. Daraus entstehen die Ideen für Szenen und künstlerische Darstellungsformen, die bisher nicht machbar schienen.

Im neuen Stück „Passagiere“ fragen Kinder nach Glücksmomenten

„In unserem neuen Stück spielen Kinder unsere Schutzengel“, verrät eine Akteurin. Den Schutzengeln begegnen die Akteur*innen auf dem Weg ins Jenseits. Als Schutzengel begrüßen die Kinder die Alten, die soeben gestorben sind, als Passagiere auf der Reise. Die Engel entlocken ihnen die Kindheitserinnerung, die sie am glücklichsten gemacht hat. Dieser Glücksmoment mildert die Angst der Passagiere vor dem Jenseits.

Für „Passagiere“ brauchen die PAPILLONS finanzielle Unterstützung

„Wir brauchen eure Hilfe, um unser Projekt auf die Beine zu stellen“, so ein Akteur. Denn für das neue Stück fallen Kosten an für Kostüme, Musik, Öffentlichkeitsarbeit, Requisiten und Technikmiete.

Mit Lebensfreude der Einsamkeit entgegenwirken

Die Fortführung des Projekts ist für die alten Menschen wichtig. Sie fühlen sich weniger einsam, spüren Sinn und Lebensfreude und geben diese weiter. Außerdem kann das Projekt auch weiterhin auf Demenz, die jeden von uns treffen kann, aufmerksam machen.

 

Zur Spendenseite: Die PAPILLONS – Passagiere

Nachhaltig, günstig, und zentral – Sozialkaufhaus Fairkauf nun in Steglitz

Der Fairkauf liegt mit seinem Konzept voll im Trend. Anstatt Neues zu kaufen, wollen viele Menschen lieber erst mal reparieren oder Gebrauchtes erwerben. Zum einen um die Umwelt zu schützen, zum anderen aber auch um den Geldbeutel zu schonen.
Und das funktioniert gut im Fairkauf. Hier findet man gebrauchte Möbel, Haushaltsgegenstände, Kleidung oder Spielwaren – gespendet von Privatpersonen oder Firmen. Das sind zum großen Teil viele nützliche und schöne Dinge. Manchmal findet man aber auch Besonderes oder Exotisches, so Petra Übleis, die Leiterin des Sozialkaufhauses: „Wir hatten auch mal ein chinesisches Tee-Service dabei. Oder eine Wasserklangschale, die neu 400 € gekostet hätte.“ Die Ware wird hier – nachdem sie auf Qualität und Zustand geprüft wurde – zu ungefähr einem Drittel des Neupreises angeboten. Kleidung bekommt man zum Beispiel oft für wenige Euros. Das lohnt sich.  Besonders auch für Empfänger von ALG II und Grundsicherung. Denn sie erhalten noch einen Rabatt von 20 Prozent auf die Verkaufsware.

Neuer Standort bringt mehr Kundschaft

Bis Oktober 2022 war der Fairkauf in Zehlendorf beheimatet. Dort zwar in direkter Nachbarschaft zu einem anderen Gebrauchtwarenladen, dafür aber mit deutlich weniger Laufkundschaft. Das hat sich am neuen Standort in der Steglitzer Albrechtstraße 117, wenige Meter vom S – und U-Bahnhof Rathaus Steglitz entfernt, total verändert. „Der Laden ist eigentlich nie leer, pro Tag haben wir bis zu 150 Kunden. Das ist toll, bedeutet aber eine große Umgewöhnung für die Beschäftigten.“, so Petra Übleis. Denn hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung im Team. Neben der Leiterin und einer weiteren Fachkraft sind hier sieben Menschen mit einer meist psychischen Erkrankung im Einsatz. Für einige kann der Zuwachs an Kundschaft auch mal belastend sein. Dann verlassen sie die Verkaufsfläche und ziehen sich in den Pausenraum zurück. Zudem ist die zuständige Sozialarbeiterin im ständigen Austausch mit ihnen und kann durch Gespräche einiges abfedern. Andere wiederum schätzen die neue Situation, so wie Christian Matthes: „Durch den ständigen Kontakt mit den Kunden werde ich immer selbstsicherer. Mir macht das Spaß!“.

Vielfältiges und ständig wechselndes Sortiment

Das vielfältige Sortiment setzt sich aus Wohnungsauflösungen und Einzelspenden zusammen. Ein kleines, zum Fairkauf gehöriges Team bietet einen Extra-Service an: Es übernimmt auch Wohnungsauflösungen und holt Spenden in Form von gebrauchten Möbeln kostenlos ab.
„Die Spendenbereitschaft ist enorm! Das freut uns und noch mehr unsere Kunden.“ weiß Petra Übleis. Denn so gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Durch die verkleinerte Verkaufsfläche sei es zudem nötig, die Ware häufiger auszutauschen, so Übleis. Aber auch hier kommt nichts weg: Die Ware, die keinen Käufer findet, wird nicht entsorgt, sondern von der Caritas abgeholt.

Der Fairkauf ist eines der vielen Angebote der beruflichen Teilhabe für Menschen mit einer meist psychischen Behinderung der Union Sozialer Einrichtungen (USE) gGmbH. Wie an den sechs großen Standorten und vielen Außenstellen der USE arbeiten auch hier Menschen mit und ohne Behinderung im Team zusammen.

 

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„EX-IN – Mit Peers arbeiten“: Expert*innen aus Erfahrung beraten und begleiten psychisch kranke Menschen

Als betroffene Projektmitarbeiterin mit EX-IN-Ausbildung bildet Lena Grünberg zusammen mit Thomas Thielking, Regionalleiter Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg, ein Tandem und bereitet den Einsatz von Genesungsbegleiter*innen im Fachbereich Psychiatrie vor.

 

Was bisher geschah

Das Projekt „Mit Peers arbeiten“ prüfte, wie der Einsatz der Genesungsbegleiter*innen aussehen kann, welche Vorbereitungen zu treffen oder Strukturen zu schaffen sind. Es besuchte die Teams des Fachbereichs, um über das Projekt und die Inhalte der EX-IN-Ausbildung zu informieren und Fragen zu beantworten, aber auch Möglichkeiten für Dialog  zu schaffen. Dabei spielten die Einschätzungen der Kolleg*innen aus den Teams eine wichtige Rolle. Ein Fragebogen für die Teams erfasste beispielsweise die bisherigen Erfahrungen mit EX-IN-Praktikant*innen.

Workshops und Videokonferenzen boten den Kolleg*innen die Möglichkeit, sich über Genesungsbegleitung  zu informieren, auszutauschen und gemeinsam verschiedene Möglichkeiten des Einsatzes von EX-IN-Mitarbeiter*innen im Fachbereich   zu erarbeiten.
Ein Erklär-Video kam dann zum Einsatz, wenn coronabedingt keine Teambesuche möglich waren. „Wichtig ist uns, die Kolleg*innen mitzunehmen und einzubeziehen, es geht um Partizipation“, so Lena Grünberg.

 

Gewonnene Erkenntnisse

Die Offenheit im Unternehmen und bei den Kolleg*innen ist von zentraler Bedeutung. Aber es gibt noch weitere Faktoren, die für den erfolgreichen Einsatz der Expert*innen aus Erfahrung wichtig sind. So sollen beispielsweise nur ausgebildete Genesungsbegleiter*innen zum Einsatz kommen, die bereits gut auf die vor ihnen liegende Aufgabe vorbereitet sind. Auch verlässliche Rahmenbedingungen für alle Beteiligten spielen eine große Rolle. Aktuell wird deshalb beispielsweise an einer Stellenbeschreibung für die Genesungsbegleitung gearbeitet. Diese soll für Klarheit und Transparenz sorgen.
Die Kolleg*innen eines Teams verständigen sich darüber, was ihnen wichtig ist und wer gut ins Team passen könnte. Sie werden dann bei der Ausschreibung der Genesungsbegleitung, und auch darüber hinaus, begleitet.
Ein*e feste*r Ansprechpartner*in im Team ist später wichtig und kann dabei unterstützen, dass der neue Kollege oder die neue Kollegin möglichst gut und schnell Teil des Teams wird.

 

Pilotprojekt in der Beschäftigungstagesstätte (BTS) Neukölln

Mit Projektbeginn startete auch das Leuchtturmprojekt in der BTS Neukölln. Es soll zeigen, wie ein EX-IN-Einsatz im Unionhilfswerk gelingen kann und gibt die Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu sammeln und auszuwerten, um den Einsatz von Genesungsbegleiter*innen bestmöglich vorzubereiten.

Dafür arbeitet Lena Grünberg selbst als Genesungsbegleiterin in der Beschäftigungstagesstätte und findet so heraus, mit welchen Aufgaben und Tätigkeiten und in welchen Arbeitsbereichen EX-IN-Mitarbeiter*innen sinnvoll eingesetzt werden können.

 

Praxiserfahrungen aus dem Pilotprojekt in der Beschäftigungstagesstätte

Es zeigte sich, dass neben Gesprächen auch die Moderation einer Recovery-Gruppe (*siehe unten) eine sinnvolle Aufgabe für Genesungsbegleiter*innen sein kann. Im Pilotprojekt in der BTS Neukölln ist es mit diesem moderierten Selbsthilfeformat  gelungen, den Klient*innen einen vertrauensvollen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem sie sich über ihre eigenen Themen austauschen.
„Ich habe mich in der Gruppe heute geborgen gefühlt und gehe mit guten Gedanken nach Hause“, fasste Herr S.  nach einer Recovery-Gruppe zusammen.

Natürlich können auch andere Angebote gemacht werden, je nach eigenen Vorlieben und Interessen. Gespräche, Musik, Kunst – vieles ist möglich. Generell haben Klient*innen einen großen Bedarf an Gesprächen. Deshalb sollte für die Genesungsbegleiter*innen im Idealfall viel Raum für Gespräche zur Verfügung stehen. Manchmal geht es dabei auch „nur“ um ein aktives Zuhören.

 

Chance für die Betroffenen, aber auch für die „Profis“

Die Genesungsbegleitung kann ein großer Gewinn für das Team sein. Durch die eigene Psychiatrie-Erfahrung bringt die Kollegin oder der Kollege ein sensibles Gespür für die Anliegen der Klient*innen, deren Sichtweisen und Ängste mit. Die Diversität und verschiedenen Hintergründe der Genesungsbegleiter*innen bieten ebenfalls eine große Chance.

Klientinnen und Klienten wiederum sehen, dass andere Betroffene ihre Krise gemeistert haben. Das kann Mut machen und Hoffnung geben. Die gemeinsame Erfahrungswelt schafft eine Verbindung und sorgt für Vertrauen. Dabei bricht die Genesungsbegleitung mit dem sonst üblichen Nähe-Distanz-Verhältnis. Im Idealfall entsteht eine „Professionelle Nähe“, ein gleichberechtigter Umgang auf Augenhöhe zwischen dem Betroffenen und dem oder der Genesungsbegleiter*in.

Auch die Genesungsbegleiter*innen selbst profitieren von dieser Arbeit. Lena Grünberg berichtet: „Betroffene unterstützen zu können und sie auf ihrem Genesungsweg zu begleiten, stärkt und empowert auch mich selbst. Ich empfinde diese Aufgabe als sehr sinngebend und erfüllend.“

 

Inklusion heißt auch, Betroffene einzubeziehen

Lena Grünberg ist aktuell auch Ansprechpartnerin für EX-IN-Praktikant*innen. Da sie selbst die Ausbildung gemacht hat, kann sie die Praktikant*innen mit der notwendigen Sensibilität beraten und begleiten. Perspektivisch wird sie auch als Ansprechpartnerin für die Genesungsbegleiter*innen zur Verfügung stehen, ebenso für die Fragen der Teams, die sich rund um das Thema Genesungsbegleitung ergeben.
Es sind weitere Teambesuche, weitere Workshops sowie perspektivisch ein interner Fachtag geplant, um interessierten Kolleginnen und Kollegen einen intensiven Austausch zu ermöglichen. Das Projekt „EX-IN – Mit Peers arbeiten“ läuft bis Mitte 2023.

EX-IN ist eine Möglichkeit, Betroffene einzubeziehen. Echte Inklusion sieht genau dies vor – und wir sollten es, wo immer möglich, umsetzen.

 

An dieser Stelle ist es dem Projektteam wichtig, an den verstorbenen Kollegen Klaus Körner zu erinnern. Als Einrichtungsleiter der Beschäftigungstagesstätte (BTS) in Neukölln hat Klaus Körner das Projekt „EX-IN – Mit Peers arbeiten“ mit initiiert und stets eng begleitet. Seine tatkräftige und ideenreiche Unterstützung sowie seine humorvolle Art fehlen.

 

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* Recovery geht davon aus, dass jeder von psychischer Erkrankung Betroffene Genesungspotential in sich trägt. In Recovery-Gruppen geht es darum, dieses individuelle Genesungspotential im Austausch mit anderen ressourcenorientiert zu entdecken. Diese Ressourcen sollen sowohl dem Erhalt der psychischen Stabilität dienen als auch für kommende Krisen nutzbar gemacht werden. Durch die Gespräche in der Gruppe sollen Prozesse angestoßen werden, die den Klient*innen dabei helfen, herauszufinden, wie sie gut mit Krisen umgehen und für sich selbst sorgen können. Für das Gelingen einer Recovery-Gruppe ist es wichtig, dass sich alle Teilnehmer*innen – auch die Moderator*innen – öffnen und von sich erzählen.

Die Pioniere im Bereich Freiwilligenagenturen feiern Geburtstag – 15 Jahre STERNENFISCHER

Stefanie Wind (Foto links_© Maximilian Goedecke) lenkt heute als Fachbereichsleitung für die Projekte der Stiftung Unionhilfswerk Berlin die Geschicke rund um das Bürgerschaftliche Engagement und war vor 15 Jahren als erste Leitung der Sternenfischer sozusagen die Mutter der Berliner Freiwilligenagenturen. Ute Clausner (Foto rechts_© Gabriel Marino) leitet seit 01.07.2021 die STERNENFISCHER.

 

Als die STERNENFISCHER am 8.3.2008 „das Licht der Welt erblickten“, lag der Tag am einem Samstag – bewusst gewählt, damit die Gründungsparty ausschweifender werden konnte?

S. Wind: Nein. Bewusst gewählt, um zeitgleich die Frauen zu feiern. Wir haben im Rahmen der Eröffnung Margot Wolff geehrt, eine großartige Künstlerin aus Friedrichshagen.

 

Gab es Vorbilder für die Freiwilligenagenturen oder wie kam es zu diesem Format in diesem Bezirk?

S. Wind: Auf Bundesebene gab es gute Beispiele. Der damalige Sozialamtsleiter Jens Meißner hatte sich diese u.a. in Hannover und Halle/Saale angeschaut und hat die Idee in seinen Bezirk getragen.

 

Wie verlief die Anfangsphase – gab es Stolpersteine – was war besonders hilfreich?

S. Wind: Wie bei jedem neuen Projekt gab es Stolpersteine. Diese Art der Einrichtung war neu und in Treptow-Köpenick unbekannt. Jetzt kam da ein junges Team (ich war damals U30) und wollte die Welt des Engagements noch besser machen. Damit stießen wir auf Hürden. Geholfen hat das Standing in der Bezirkspolitik und Bezirksverwaltung. Wir waren gewollt und hatten viele Unterstützer*innen. Träger der STERNENFISCHER war die USE gGmbH, die beiden Geschäftsführer haben mir vertraut und mich machen lassen. Das war gut! Unsere Jugend hat eine gewisse Leichtigkeit in den Aufbau gebracht und der Spirit, etwas ganz Neues aufbauen zu dürfen, hat uns als Team durch die ersten Jahre getragen.

 

Wie hat sich die Rolle der Sternenfischer in den zurückliegenden 15 Jahren verändert?

S. Wind: Die Sternenfischer sind immer mit der Zeit gegangen. Heute gibt es z.B. den Geschäftsbereich junges Engagement, die Sternenfischer werden gerade „Kompetenzzentrum Lernen durch Engagement.“ Gerade in den letzten Jahren der Pandemie wurde deutlich, wie dynamisch und flexibel die Sternenfischer sind. Gern denke ich an die sehr erfolgreichen Upcycling Workshops, die digital durchgeführt wurden oder an die wichtige Arbeit der Corona-Hilfe und Ukraine-Hilfe.

 

Stefanie Wind, worauf sind Sie besonders stolz?

Ich bin stolz darauf, dass wir ein bisschen Geschichte schreiben konnten. Dass ein Berliner Bezirk Geld in die Hand nimmt, einen freien Träger beauftragt, mit diesem Geld eine Freiwilligenagentur aufzubauen, das war damals ein Novum. Wir konnten zeigen, wie viel Wirkung eine solche Einrichtung generiert. Es folgten weitere Bezirke diesem Treptow-Köpenicker Modell, inzwischen gibt es eine Förderung durch die Senatskanzlei für alle Berliner Bezirke und in jedem Bezirk eine Agentur. Hier durften wir Pioniere sein.

 

Ute Clausner, was hat Sie am meisten überrascht, als Sie zu den Sternenfischern kamen?

Die Bandbreite an Aufgaben in einem Freiwilligenzentrum und ein so hoch motiviertes Team. Damit meine ich, dass sich unser Aufgabengebiet seit 2020 in einem Krisenmodus (Corona, Geflüchtete aus der Ukraine oder jetzt Netzwerk der Wärme) befindet, wir darauf reagieren, unsere anderen Aufgaben auch bearbeiten und alle Mitarbeiter*innen mit ganzem Herzen voll hinter ihrer Arbeit stehen, wir uns alle sehr stark damit identifizieren. Für uns ist Engagement der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält und Begegnungen unterschiedlicher Formen ermöglicht.

Nachdem ich jetzt anderthalb Jahre bei den STERNENFISCHERN bin und mich aufgrund des Jubiläums mit der Historie beschäftige, verstehe ich langsam, wie innovativ der Ansatz einer Freiwilligenagentur vor 15 Jahren war und wie lang auch 15 Jahre sind: Wir arbeiten mit einigen Organisationen seit Beginn an zusammen, z.B. gibt es immer am ersten Tag der Freiwilligentage einen Stand, an dem Blumensträuße gebunden werden. Auf Veranstaltungen begegnen mir Menschen, die die STERNENFISCHER seit 15 Jahren kennen und mir mit strahlenden Augen von ihrem Engagement berichten und was es Ihnen bedeutet.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft….

…für die Sternenfischer?

S. Wind: Dass sie sich ihre Wandlungsgfähigkeit bewahren und auch zukünftig kreativ auf die Herausforderungen der Zeit reagieren

U. Clausner: Dass wir dieses Jubeljahr nutzen, um die Schätze aus den 15 Jahren zu bewahren, Ballast loslassen, um so den Veränderungen der nächsten Jahre begegnen zu können.

 

….für die Freiwilligenagenturen der Stiftung Unionhilfswerk Berlin?

S. Wind: Für alle Freiwilligenagenturen in Berlin eine Anpassung der Förderung. Aktuell gibt es große Unterschiede in der Finanzierung bei vergleichbarer Beauftragung. Und natürlich ist der Spielraum ein anderer bei einer Förderung von 95.000 €/ Jahr wie aktuell in Reinickendorf verglichen mit einer Förderung mit mehr als 200.000€ wie sie die anderen unserer Agenturen erhalten. Wir sind bereit für Gespräche im Zuge der nächsten Haushaltsverhandlungen!

 

…für das Bürgerschaftliche Engagement in dieser Stadt?

U. Clausner: Eine Umsetzung der Engagementstrategie des Landes Berlin und damit verknüpft ein Blick auf Organisationen und Engagierte, dass sie dabei gestärkt werden dem Wandel in ihren Organisationen zu begegnen, damit sie wie wir wandlungsfähig bleiben und damit bspw. auf Veränderungen in der Engagementbereitschaft von Freiwilligen reagieren.

 

Was ist im Jubiläumsjahr alles geplant?

U. Clausner: Es wird am 8. September 23 zum Auftakt der Freiwilligentage eine große Geburtstagsfeier geben, Details planen wir gerade. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wird es einen Relaunch unserer Website geben und ein neues Postkartenmotiv, das die Verbindung von Treptow und Köpenick zeigen soll, da im Namen STERNENFISCHER nur das Stadtwappen von Köpenick verarbeitet ist.

 

Hier haben wir für Sie eine Bildauswahl besonderer Momente der letzten 15 Jahre zusammengestellt:

 

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“Wege aus der Einsamkeit” – Teil 1: Ein Phänomen unserer Zeit

Einsamkeit macht uns traurig. Langfristig kann sie auch dazu führen, dass wir nicht gut schlafen, sich unser Blutdruck verändert und wir unter Depressionen leiden. Daher stellt Einsamkeit ein ernsthaftes Problem für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem dar.

Viele Menschen fühlen sich einsam

Laut einer Analyse der Konrad-Adenauer-Stiftung vom März 2021 fühlten sich im Sommer 2020 insgesamt 66 Prozent der befragten Deutschen einsam, 24 Prozent „immer“ und 42 Prozent „gelegentlich“. Ein Gutachten des Sozialverbands Deutschland zum Thema Einsamkeit weist außerdem darauf hin, dass vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderungen und Pflegebedürftige während der Corona-Pandemie besonders häufig mit Einsamkeitsgefühlen zu kämpfen hatten.

In der Bekämpfung von Einsamkeit steckt Deutschland mit einigen lokalen Modellprojekten noch in den Kinderschuhen. Ein Blick auf unsere europäischen Nachbarn lohnt sich: 2018 hat Großbritannien als erstes Land weltweit ein Ministerium für Einsamkeit eingerichtet, mit dem Ziel, der Isolation und Anonymität von Menschen entgegenzuwirken.

Die Ursachen

Doch aus welchen Gründen rutschen Menschen eigentlich in die Einsamkeit? Besonders gut erforscht ist diese Frage noch nicht. Einige offensichtliche Risikofaktoren gibt es allerdings. Zu ihnen gehören etwa die sozialen Medien, die einen Großteil der menschlichen Kommunikation ins Digitale verlegt haben, oder die Corona-Pandemie. Manche Menschen tun sich auch einfach schwerer als andere damit, sozialen Anschluss zu finden: etwa, weil sie unter chronischem Zeitmangel leiden, Angst vor Zurückweisung haben oder extrem introvertiert sind.

Raus aus der Einsamkeit

Wie kommen Menschen aus der Einsamkeit heraus? Die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung von Einsamkeit ist es, mit anderen Menschen in soziale Interaktion zu kommen. Langsam, aber stetig Kontakte zu knüpfen und sein soziales Netzwerk zu erweitern, ist das langfristige Ziel. Dies setzt jedoch voraus, sich zunächst über seine eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten bewusst zu werden und Maßnahmen zu finden, mit denen man sich wohlfühlt.

Zu hohe Erwartungen an sich selbst oder an andere wirken dagegen eher hinderlich. Wer sich zu schnell enttäuschen lässt, wird schon nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Deshalb: Geduld haben! Und die Einsicht: Einsamkeit ist keine Schande, sie ist ein nützliches Gefühl. Wer merkt, dass er einsam ist, weiß: Es ist an der Zeit, etwas zu tun!

 

Unsere Reihe „Wege aus der Einsamkeit“

In unserer Reihe „Wege aus der Einsamkeit“ lesen Sie demnächst, was Bischof Dr. Christian Stäblein, geistlicher Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, zu diesem Thema zu sagen hat. In einem weiteren Beitrag erfahren Sie, dass gerade Menschen mit einer psychischen Erkrankung von Einsamkeit betroffen sind – vor allem an Feiertagen.