Monthly Archives: Februar 2020

„Wir leihen unsere Hand“ – Ingrid Kamm engagiert sich seit über 20 Jahren als Freiwillige

Es ist ein wintergrauer Spätnachmittag. Wir treffen uns in einem kleinen Café in Berlin Mitte. Ingrid Kramm bestellt Tee, an den kleinen Tischen sitzen meist junge Menschen und tippen in ihre Laptops. Die 72- jährige freut sich über den gemütlichen Ort und setzt sich entspannt auf eine Holzbank. Ingrid Kramm lacht viel und man spürt, dass es ihr gut geht. Dabei hat sie schwierige Aufgaben übernommen. Seit über 20 Jahren engagiert sie sich als Freiwillige, arbeitet mit Menschen, die an Multiple Sklerose erkrankt sind oder an Demenz leiden und berät Angehörige. „Wir helfen bei allem, was um den Tod herum geregelt werden muss“, erzählt sie. Da geht es um die Suche nach Hospizplätzen oder um Informationen zur sterbebegleitenden Medizin, der Palliativmedizin und natürlich auch um Patientenverfügungen in denen genau festgelegt wird, welche medizinische Behandlung sich ein Mensch wünscht, wenn er oder sie nicht mehr selbst entscheiden kann.

Es macht Spaß

„Die Menschen wollen Selbstbestimmung“, betont Ingrid Kramm nachdrücklich und ist froh, dass sie in einem „tollen Team“ arbeitet. Träger der Beratungsstelle am Neuköllner Hermannplatz ist das UNIONHILFSWERK. Es gibt anderthalb feste Stellen und Freiwillige wie Ingrid Kramm. „Wir leihen unsere Hand“, erzählt sie stolz und strahlt über das ganze Gesicht. Sie kann individuell ihre Termine festlegen, oft macht sie auch Hausbesuche. Danach erstellt sie die Patientenverfügung in enger Absprache mit den Betroffenen. „Mir macht es Spaß, ich werde gebraucht und tue etwas Nützliches“, erzählt sie. In Schulungen wurde sie vom UNIONHILFSWERK auf die Freiwilligenarbeit vorbereitet.

Maschinenbauingenieurin liebt Herausforderungen

Eigentlich ist die 72-jährige Maschinenbauingenieurin, nach dem Fall der Mauer arbeitete sie in einer Partnervermittlung, machte sich selbständig. In der Abendschule besuchte sie Kurse in Psychologie. „Das war eine schöne Herausforderung“, sagt sie und ihr war schon damals klar, dass sie am liebsten mit Menschen arbeitet. Nach der Pensionierung fehlte ihr zunächst die Struktur im Leben, die Arbeit als Freiwillige gab ihr diese wieder zurück. Sie begann ihr Engagement an einem Pflegestützpunkt in Wilmersdorf. Dort werden Menschen betreut, die an multipler Sklerose erkrankt sind. Ingrid Kramm ist seit vielen Jahren dabei. Die Schicksale rühren sie, aber auch die Kraft, mit der die Betreuten diese annehmen. „Manchmal müssen wir den Erkrankten erst vorsichtig die Finger geradebiegen, wenn sie etwas trinken wollen, aber unser Austausch und unsere gemeinsamen Veranstaltungen geben auch mir Kraft.“ Gemeinsam geht es auch mal in ein Restaurant oder auf eine Dampferfahrt. Einmal im Quartal begleitet sie in der Kontaktstelle PflegeEngagement auch eine Freizeitgruppe für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

Eine schöne Belohnung

„Ich finde mein Engagement völlig normal“, beton Ingrid Kramm und erzählt, wie sie als eine von sechzehn Berliner Freiwilligen vom Bundespräsidenten zum Bürgerfest nach Hannover eingeladen wurde. Es gab einen Empfang beim Oberbürgermeister der Stadt, eine große Festveranstaltung und einen Empfang durch den damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Wo der Rücken will, ist auch ein Weg – die Rückensportgruppe der Hauptverwaltung meldet sich zu Wort

Rückenschmerzen sind heutzutage ein Volksleiden – etwa 80 Prozent aller Männer und Frauen sind im Laufe ihres Lebens betroffen. Belastungen im Beruf und mangelnde Bewegung im Alltag sind hierbei die häufigsten Ursachen. Das stundenlange Sitzen auf einem Bürostuhl ist eine ungesunde Zwangshaltung für den Körper und führt, wenn es nicht genug ausgleichende Bewegungen, Übungen und Sport gibt, zu Skelett- und Muskelerkrankungen. Gezieltes und regelmäßiges Rückentraining ist deshalb eine äußerst sinnvolle Maßnahme, um Rückenbeschwerden bis ins hohe Alter vorzubeugen, Lebensqualität zu erhalten und lange gesund arbeiten zu können.

Gesundheit ist unser größtes Gut

Aus genau diesem Grund haben wir uns für einen gemeinsamen Rückenkurs entschieden. Und dieser Kurs tut uns nicht nur körperlich und gesundheitlich unheimlich gut – wir haben auch viel Spaß miteinander, was sich positiv auf das Betriebsklima auswirkt.
Für uns alle liegt einer der großen Vorteile darin, dass wir die heißgeliebte und notwendige Bewegungseinheit für unsere sonst sehr einseitig belasteten Körper in unseren Arbeitsalltag integrieren können. Die auf eine Stunde verlängerte Mittagspause erspart uns den extra Termin in unseren auch so schon gut gefüllten Kalendern.
Unsere Trainerin ist dabei zeitlich sehr flexibel – das muss sie auch sein, denn das Aufrechterhalten dieses Gesundheitskurses war und ist nicht immer ganz einfach.

Im Frühling und Sommer gehen wir sehr gern in den unweit gelegenen Auerpark. Das Sporteln macht draußen bei Luft und Sonne gleich nochmal so viel Laune und die frische Luft tut fast genauso gut wie die Bewegung.
Der Platz und die Bewegungsfreiheit sorgen dafür, dass oft noch mehr Konditionsübungen auf dem Programm stehen – aber Anstrengung und ein paar Schweißtropfen scheut keine der Teilnehmerinnen.

Wohin bei schlechtem Wetter?

Bei schlechtem Wetter ist die Raumfrage für uns regelmäßig ein großes Thema – wo können wir unseren Kurs innerhalb unserer zur Verfügung stehenden Räume im UNIONHILFSWERK durchführen?
Wir sind dabei sehr ideenreich, stoßen aber auch immer wieder an unsere Grenzen. Der PC-Raum bietet für unsere Gruppe eine gute Alternative, solange wir ein eher kleiner Kreis sind. Eine Zeit lang, als wir rund 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren, hatten wir einen externen Sportraum in unmittelbarer Nähe angemietet. Das war allerdings mit zusätzlichen Kosten verbunden, weshalb einige Mitarbeiterinnen die Gruppe wieder verlassen mussten bzw. andere sich scheuten, bei uns aktiv zu werden.

Je mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer – umso günstiger der Kurs

Stichwort Kosten – unsere erfahrene Trainerin ist bestens qualifiziert, jedoch nicht krankenkassenzertifiziert. Daher bekommen wir für den Kurs leider keine Kostenerstattung über den Arbeitgeber refinanziert. Schade.
Wir freuen uns aus diesem Grund umso mehr auf die neue Hauptverwaltung und haben die Hoffnung, dass dort für eine Stunde in der Woche ein Raum für uns bereitgestellt werden kann.

Weitere Sportbegeisterte (sehr gerne auch aus der Zweigstelle in der Möllendorffstraße), die den Weg in unseren Rückenkurs finden, sind herzlichst willkommen. Nicht zuletzt, weil das für alle die Kosten minimiert.

Ansprechpartnerinnen sind Sabine Steinkopf, Kerstin Heyden und Gesine Schubert.

10 Jahre Schachtelmacher in der USE

Gegründet wurden die Schachtelmacher von Gundolf Hans. Der gelernte Buchbinder ist seit 20 Jahren bei der USE tätig. Vor zehn Jahren entwickelte er die Idee für die wunderschönen Schachteln.

Seitdem bilden die Schachtelmacher ein eigenes Gewerk innerhalb der Werkstatt für Menschen mit Behinderung und produzieren kleine und große Kisten und Schachtel, die nicht nur wunderschön, sondern auch funktionell und qualitativ hochwertig sind. Bei der Herstellung kommen edelste Papiere aus Italien oder Japan, so z.B. Chiyogami-Buntpapier, zum Einsatz. Letzteres enthält spezielle Fasern des Maulbeerbaumes, wodurch es auch beim Falten und in der Verarbeitung eine große Stabilität aufweist.

Zu dem Jubiläums-Event waren neben zahlreichen Gästen auch die Kunden eingeladen, deren Waren und Erzeugnisse in den Kreationen der Schachtelmacher ausgestellt wurden. Zu bewundern und zum Teil zu probieren gab es Produkte von

  • BELYZIUM Craft Chocolate
  • kadó Lakritz
  • conflictfood
  • LUIBAN (Papeterie)
  • Valeria Geritzen (Kunstagentin)
  • Zebrano-Theater

 

Der Höhepunkt des Abends war, nach einer kleinen feierlichen Ansprache und Würdigung der Schachtelmacher, das Konzert von Sebastian Krämer, der zurzeit als Deutschlands außergewöhnlichster Chansonnier gilt. Er gab dem Abend durch seinen Charme eine besondere Note und brachte das Publikum zum Lachen. Hier trafen Handwerk, Kunst und Design verschiedener Disziplinen in perfekter Symbiose aufeinander. Das war der Abschluss eines gelungenen Jubiläumstages.

 

 

Enger vernetzen und abstimmen für ein besseres Miteinander

Das Jahr 2019 liegt hinter uns. Wie würden sie es beschreiben?

2019 war ein spannendes und ereignisreiches Jahr. Der Pflegedienst Berlin-Nord wurde gegründet. Das war mit sehr viel Arbeit verbunden, dazu zählte auch, dass wir über 200 Verträge neu geschlossen haben und alle Autos neu beschildert werden mussten. Und natürlich habe ich viele Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den stellvertretenden Pflegedienstleitungen geführt, die alle für dieses Vorhaben mit ins Boot geholt werden mussten.

Worüber haben Sie sich besonders gefreut?

Die Quartalsgespräche mit der Geschäftsleitung liefen sehr gut. Der Zusammenschluss der Pflegedienste scheint richtig gewesen zu sein. Die wirtschaftliche Entwicklung ist insgesamt positiv.

Was war überraschend?

Der Besuch der Berliner Polizei und der Musikerin Jadu unseres Büros in Weißensee Ende des Jahres war überraschend. Sie übergaben selbstgebackene Kekse, um anlässlich der Feiertage für Menschlichkeit und Herzlichkeit zu werben. Unser Büro liegt etwas versteckt in einer Seitenstraße. Etwas Werbung tut uns daher sehr gut.

Was wird ihre wichtigste Aufgabe im Jahr 2020 sein?

Sich enger intern zu vernetzen, Besprechungen von Angesicht zu Angesicht werden eine zentrale Rolle spielen, um Probleme zu vermeiden. Vier stellvertretende Pflegedienstleitungen sitzen an drei verschiedenen Standorten. Das ist eine logistische und kommunikative Herausforderung.

Was wünschen Sie sich für 2020?

Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wären das mehr Pflegefachkräfte. Hilfreich könnte in diesem Zusammenhang sein, sich in Teilzeit zur Pflegefachkraft nach der Generalistik ausbilden zu lassen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege können es sich einfach nicht leisten, eine Vollzeitausbildung zu absolvieren.

Und persönlich?

Ich wünsche mir, dass mir trotz der herausfordernden beruflichen Tätigkeit, weiterhin genügend Zeit für meine Familie bleibt. Darüber hinaus überlege ich seit Monaten, Gesundheitsökonomie zu studieren. Aber noch fehlt der Ruck. Vielleicht kommt der ja noch.

Gibt es etwas, worauf Sie sich freuen?

Das Sommerfest des UNIONHILFSWERK ist immer ein Highlight. Außerdem freue ich mich auf den nächsten Urlaub in Österreich.

Schichtwechsel goes Bundesliga

Das Engagement der Fußballer begrenzt sich nicht nur auf den einen Tag, an dem vierzig Menschen mit Behinderung beim Training zusahen, mitkickten und bei der offiziellen Pressekonferenz zuschauten. Auch bei jedem Heimspiel der laufenden Saison unterstützen zehn Menschen mit Behinderung beim Einlass und beim Merchandising. Der 14. Dezember 2019 war für die USE – die Union Sozialer Einrichtungen gGmbH – reserviert.
Beim Spiel Hertha BSC – SC Freiburg unterstützen zehn Beschäftigte der USE gGmbH vor Ort. Sportkoordinator Hendrik Lüttschwager berichtet.

Schichtwechsel – Ein Tag hinter den Kulissen von Hertha BSC

Samstag, 15.30 Uhr. Für Nico Reimer ein Pflichttermin auf der Couch oder im Stadion. Der 25-Jährige ist Hertha-Fan durch und durch und besucht die Spiele seiner Mannschaft entweder selbst oder schaut sie im Fernsehen.

Nicht so an diesem ungemütlich regnerischen Samstag im Dezember. Der Fußball-Bundesligist ermöglicht es heute USE-Werkstattbeschäftigten, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Bereits vier Stunden vor Anpfiff der Partie gegen den SC Freiburg finden sich neben Nico noch acht andere Beschäftigte der USE ein. Fanbeauftragter Andreas Blaszyk führt die neugierige Gruppe durch die Katakomben in einen Aufenthaltsraum, in dem es bei Getränken und einem kleinen Snack um die Gestaltung des Tages geht.

Die eine Hälfte der Teilnehmer und Teilnehmerinnen wird Aufgaben am Handicap-Einlass vor den Stadiontoren übernehmen. Karten kontrollieren, Taschen auf unerlaubte Gegenstände untersuchen, Hilfestellungen geben. Für viele der Kurzzeitpraktikanten nichts Ungewohntes – nur diesmal mit Blick von der anderen Seite des Eingangs.

Verantwortungsvolle Aufgaben

Eine weitere Gruppe unterstützt die Mitarbeiter in den VIP-Räumen des Stadions, für alle USE-Beschäftigten komplettes Neuland. Niemand von ihnen war bisher dort. Vorstellungen von Ambiente und Atmosphäre konnten sie sich nur durch Hörensagen machen. Die Gäste in den Logen stärken sich hier vor dem Anstoß am Buffet, tauschen sich mit Geschäftspartnern aus und genießen den Service der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Miriam Hamadi, normalerweise USE-Beschäftigte im Abgeordnetenhaus, ist beeindruckt. „Das ist eine ganz andere Welt. Ich wusste gar nicht, dass es so einen großen Bereich im Stadion gibt.“ Genau das bezweckt der Schichtwechsel: Gegenseitiges Kennenlernen, Perspektiven erweitern. Bei Miriam hat das gefruchtet: „Ich könnte mir schon vorstellen, hier mal ein Praktikum zu machen“.

Auch Nico Reimer zieht ein positives Fazit. Trotz des nasskalten Wetters hatte er nach anfänglicher Skepsis viel Spaß. „Am Anfang sollte ich nur über die Schulter schauen, aber als dann mehr los war durfte ich voll einsteigen und musste die Eintrittskarten auf den richtigen Zugang kontrollieren. Es war schön zu spüren, dass man mir die Verantwortung zugetraut hat“.

Und auch als Hertha-Fan kommt er auf seine Kosten. Nachdem die Stadionbesucher im weiten Rund sitzen, darf auch er mit seinen USE-Kollegen und Kolleginnen die Plätze auf der Tribüne einnehmen. Genau rechtzeitig, um das Siegtor für Hertha BSC zu bewundern. So kann der rundum gelungene Tag zu Ende gehen.