Monthly Archives: Dezember 2024

„Wenn Frau Mönke geht, dann geh ich auch“ – 25 Jahre Engagement in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln

Die Zuverdienstwerkstatt (ZVW) Neukölln – Ein Ort der Vielfalt und Entwicklung

Die Zuverdienstwerkstatt ist ein Ort, an dem Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen die Möglichkeit erhalten, einer sinnstiftenden Beschäftigung nachzugehen, Neues zu lernen und soziale Kontakte zu knüpfen. Mit verschiedenen Arbeitsbereichen wie Holz-, Näh-, und Montagewerkstatt sowie einem Wäschedienst bietet die Einrichtung vielseitige Aufgabenfelder. Die Zuverdienstwerkstatt ermöglicht den Beschäftigten, in ihrem eigenen Tempo und nach ihren individuellen Fähigkeiten zu arbeiten, und schafft so eine positive und unterstützende Atmosphäre.

 

25 Jahre in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln: Ein Gespräch mit Monika Mönke

Frau Mönke, Sie sind 25 Jahre in der Zuverdienstwerkstatt. Was macht die Arbeit für Sie dort so besonders?

„Dass ich etwas mit den Händen machen kann und dabei Menschen kennenlerne. Anfänglich war ich in der Holzwerkstatt tätig – Blaumann anziehen, schleifen und werken – das war toll! Später habe ich das Nähen gelernt und viele andere Bereiche ausprobiert. Es macht mir Freude, Neues zu lernen, und ich stehe für die Abwechslung und das Zusammensein mit unterschiedlichen Menschen gern jeden Morgen auf.“

 

Monika Mönkes Weg in die Zuverdienstwerkstatt Neukölln

Wie sind Sie zur Zuverdienstwerkstatt gekommen und wie hat dieser Ort Ihr Leben bereichert?

„Nach einem Klinikaufenthalt bekam ich über meine Ergotherapie einen Flyer der ZVW. Ich habe mich eines Tages getraut, mich vorzustellen, und seitdem weiß ich, wofür ich morgens aufstehe. Die Arbeit gibt mir Struktur und Freude. Auch nach 25 Jahren lerne ich immer noch dazu – das finde ich großartig. Meine Menschkenntnis hat sich dabei enorm weiterentwickelt. Solange ich körperlich und seelisch kann, bleibe ich der ZVW treu.“

 

Lieblingsaufgaben in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln: Holz, Nähen und mehr

Welche Aufgaben gefallen Ihnen besonders?

„Die Arbeit in der Holzwerkstatt hat mir viel Spaß gemacht. Nach einigen Jahren habe ich das Nähen für mich entdeckt. Es war spannend, zu sehen, was ich mit meinen Händen alles schaffen kann. Ich habe auch in der Montage gearbeitet, wo wir früher Klingelknöpfe für die Telekom hergestellt haben – das war etwas ganz Anderes, aber genauso interessant.

Heute übernehme ich Telefondienste, bin Sprecherin der Zuverdienstwerkstatt und vermittle bei Anliegen zwischen Beschäftigten und Anleitenden. Seit Kurzem unterstütze ich auch im historischen Archiv des Unionhilfswerks. Dort ordne ich Flyer und Broschüren und bereite sie für das Archiv vor. Das ist wieder etwas Neues für mich, und ich finde es spannend!“

 

Entwicklung der Zuverdienstwerkstatt Neukölln: Ein Blick auf 25 Jahre

Wie haben sich die Werkstatt und Ihre Arbeit in den letzten 25 Jahren entwickelt?

„Als ich angefangen habe, war die Werkstatt kleiner und vieles im Aufbau. Ich war damals eher zurückhaltend, habe wenig gesprochen und mich mehr auf die Aufgaben konzentriert. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich mich öffnen und mutiger werden kann. Heute ist die Zuverdienstwerkstatt gewachsen: Es gibt mehr Bereiche, mehr Leute und neue Ideen. Praktikant*innen bringen frischen Wind, und wir haben sogar Produkte auf Märkten vorgestellt und verkauft. Das war eine tolle Erfahrung.

Auch während der Coronazeit haben wir uns weiterentwickelt. Ein Laden kam hinzu, in dem wir unsere Produkte verkaufen. Ich finde es schön, wie offen und lebendig alles geworden ist.“

 

Kreative Projekte in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln: Ein Highlight

Gib es ein Projekt, an das Sie sich besonders gern erinnern?

„Über die Jahre hinweg gab es viele Projekte. Doch eins davon bleibt mir besonders im Gedächtnis: Anlässlich der „Woche der seelischen Gesundheit“ haben wir gemeinsam zwei lebensgroße Puppen aus Pappmaché gestaltet. Mit dem Thema „Mut haben zum anders sein“ wollten wir aufzeigen, wie wichtig Zusammenhalt und Vielfalt sind. Es war toll, als Team gemeinsam etwas Kreatives zu schaffen und das Ergebnis auszustellen.“

 

Tipps für neue Beschäftigte in der Zuverdienstwerkstatt Neukölln

Was raten Sie neuen Beschäftigten in der Zuverdienstwerkstatt?

„Ich sage ihnen immer, dass sie in ihrem eigenen Tempo arbeiten können. Es ist wichtig, die anfängliche Anspannung zu lösen und zu zeigen, dass man sich hier Zeit lassen darf. Ich versuche, sie zu unterstützen und ihnen Mut zu machen, genauso wie ich damals unterstützt wurde. Heute als eine der Sprecher*innen der ZVW helfe ich gern, wenn es schwierige Themen gibt, auch wenn es manchmal herausfordernd ist. Mir macht diese Aufgabe viel Freude, weil ich sehe, wie sich Menschen entwickeln.“

 

Die Bedeutung der Zuverdienstwerkstatt Neukölln für psychisch kranke Menschen

Angebote wie die Zuverdienstwerkstatt sind von unschätzbarem Wert für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Sie bieten nicht nur die Möglichkeit, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen, sondern schaffen auch Struktur, soziale Einbindung und Raum für persönliche Entwicklung. Monika Mönkes Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie wichtig eine solche Unterstützung ist: Durch die Arbeit in der ZVW konnte sie Selbstvertrauen aufbauen, neue Fähigkeiten erlernen und Teil einer Gemeinschaft werden. Solche Einrichtungen sind unverzichtbar, um Menschen zu helfen, ihre Stärken zu entdecken und ein erfülltes Leben zu führen.

Monika Mönke ist ein Vorbild und herausragendes Beispiel dafür, wie Engagement, Neugier und Zusammenhalt in der Zuverdienstwerkstatt einen positiven Unterschied machen können. Ihr Weg zeigt, dass persönliche Entwicklung und gegenseitige Unterstützung Hand in Hand gehen. Wir gratulieren Monika Mönke herzlich zu ihrem Jubiläum und bedanken uns für ihr langjähriges Engagement!

 

Weihnachtslieder: Begleiter durch emotionale Zeiten

Weihnachtslieder berühren die Seele – selbst nach einem schweren Leben oder in Zeiten von Krankheit. Sie erinnern uns daran, dass die Weihnachtszeit ein Versprechen birgt, das viele tief in sich tragen.

 

Die Macht der Musik zur Weihnachtszeit

Weihnachtslieder sind mehr als nur Melodien – sie sind Brücken in die Vergangenheit. Für viele Menschen wecken sie Erinnerungen an die Kindheit. Dabei spielt es keine Rolle, ob die damaligen Erfahrungen gut oder schlecht waren. Das gemeinsame Singen zu Weihnachten bleibt in vielen Köpfen lebendig. Die Lieder wecken nicht nur Erinnerungen, sondern häufig auch Gefühle, die oft mit Weihnachtsdüften, Stimmungen und Bildern verbunden sind.

 

Weihnachten im Wandel der Zeiten

Foto: privat

Für viele der heute alten Menschen war Weihnachten eine Zeit des Mangels. Krieg und Armut bestimmten oft das Leben, und eine festlich geschmückte Umgebung war die Ausnahme. Dennoch versuchten Familien, an Weihnachten etwas Freude zu schenken – sei es mit einem besseren Essen, kleinen Geschenken aber auch Weihnachtsliedern.

Ein eindrückliches Beispiel dafür ist das Bild der kleinen Elke Mania aus dem Jahr 1946, die sich in der kargen Berliner Nachkriegszeit über eine handgeschnitzte Holzente freute. In diesen schwierigen Zeiten spendeten Weihnachtslieder Trost und schufen ein Gefühl von Zusammengehörigkeit.

 

Vertraute Klänge als Anker für die Seele

Heute bieten Weihnachtslieder in Pflegeheimen, Wohngemeinschaften oder in der Häuslichkeit eine besondere Art von Trost, vor allem für Menschen mit Demenz. Vertraute Melodien schaffen Verbindungen zur Vergangenheit und bieten ein Gefühl von Sicherheit in einer oft verwirrenden Umgebung. Diese Lieder helfen, den Schmerz und die Einsamkeit des Alters für einen Moment zu vergessen und erinnern die Menschen an bessere Zeiten.

 

Trost und Frieden im Altenheim

An Heiligabend sind viele Einrichtungen unterbesetzt, und die Atmosphäre ist oft von Stress geprägt. In solchen Momenten können Weihnachtslieder mehr bewirken als jede Dekoration oder jedes Geschenk. Es sind die vertrauten Klänge, die den Raum füllen und Erinnerungen an vergangene Weihnachten wecken. Für viele alte Menschen, die heute oft alleine sind, schaffen diese Lieder eine Verbindung zu früheren Zeiten, in denen sie mit der Familie um den Baum saßen und gemeinsam sangen. Sie spenden Trost und Frieden, wenn sonst nur Einsamkeit herrscht.

 

Lieder, die Vergänglichkeit und Hoffnung verbinden

Weihnachtslieder thematisieren oft auch das Unaussprechliche – die Vergänglichkeit des Lebens. Viele alte Menschen sehen dem Tod entgegen und fragen sich, wie viele Weihnachten sie noch erleben müssen. Lieder wie „Es kommt ein Schiff geladen“ oder „Ich steh an deiner Krippen hier“ ermöglichen es, über den Tod nachzudenken und Frieden mit der eigenen Sterblichkeit zu finden.

 

Die heilende Kraft des gemeinsamen Singens

Das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern hat eine besonders heilende Kraft. Vor allem in der Begleitung von sterbenden Menschen oder Menschen mit Demenz kann ein vertrautes Weihnachtslied Nähe und Geborgenheit vermitteln. Es braucht oft keine Worte. Gerade in der Pflege und Seelsorge ist das Singen, auch das Summen – eine wertvolle Ressource. Es schafft Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint und das Leid für kurze Zeit in den Hintergrund rückt.

An Weihnachten sollten wir daher nicht zögern, Weihnachtslieder zu singen, sei es im familiären Kreis, in der Pflegeeinrichtung oder am Krankenbett. Weihnachten ohne Lieder – das wäre ein Verlust, denn sie sind es, die Freude und Trost in die Dunkelheit bringen.

 

Kleiner Nachtrag vom Redaktionsteam:

Liebe Leserinnen und Leser unseres Unionhilfswerk.Blog! Wir danken Ihnen von Herzen für Ihr Interesse an unseren Geschichten, für jeden Ihrer Kommentare, Ihre konstruktive Kritik, Rückmeldungen und Hinweise.
Unseren Kolleginnen und Kollegen danken wir für die Geschichten, Inspirationen und Gastbeiträge, von denen unser Blog lebt – und die auch uns immer wieder berühren und mit Stolz erfüllen. Lassen Sie uns auch 2025 gemeinsam viel Gutes bewirken, Menschen auf ihren Wegen begleiten und hier im Blog darüber berichten.
Ihnen allen wünschen wir von Herzen eine besinnliche Weihnachtszeit, Momente der Ruhe und einen gelungenen Start in ein friedvolles und gesundes neues Jahr.

Ihr Redaktionsteam

 

Richard-von-Weizsäcker-Journalistenpreis: „Die bewegendste Preisverleihung, die ich bisher erlebt habe“

Auszeichnungen für Beiträge über Sterben, Tod und Trauer

Mit dem Ziel, die tabuisierten Themen Sterben, Tod und Trauer stärker in den öffentlichen Diskurs zu bringen, werden alle zwei Jahre herausragende journalistische Arbeiten ausgezeichnet.

Der mit 10.000 Euro dotierte Richard-von-Weizsäcker-Journalistenpreis stand in diesem Jahr unter dem sehr aktuellen Motto des assistierten Suizids und des damit verbundenen Grundrechts auf selbstbestimmtes Sterben: Das Bundesverfassungsgericht hatte 2020 entschieden, dass jeder Mensch dieses Grundrecht besitzt. Die gesetzlichen Regelungen dazu bleiben jedoch umstritten. Die diesjährigen Beiträge setzten sich intensiv mit den rechtlichen, ethischen und persönlichen Aspekten dieses Themas auseinander.

Zum 20-jährigen Jubiläum vergab die Unionhilfswerk-Förderstiftung in diesem Jahr zusätzlich einen Sonderpreis in Höhe von 2.000 Euro speziell für junge Autor*innen im Alter von 15 bis 20 Jahren. Dieser Preis sollte auch junge Menschen dazu zu ermutigen, sich kreativ und reflektiert mit den Themen Tod und Sterben auseinanderzusetzen – mit Erfolg, so die einhellige Meinung der Jury.

 

Gespräche über das Lebensende vorantreiben

Den passenden und festlichen Rahmen für die bewegende Preisverleihung am 19. November 2024 bildete die Bertelsmann Hauptstadtrepräsentanz in der historischen Mitte Berlins. Die Preisträger*innen wurden für ihren Mut und ihre Offenheit ausgezeichnet, sich mit einem der schwierigsten Themen des Lebens auseinanderzusetzen. „Wir hoffen, dass diese herausragenden Arbeiten dazu beitragen, das Gespräch über das Lebensende in unserer Gesellschaft voranzutreiben“, sagte Wolfgang Grasnick, der Vorstandsvorsitzende der Unionhilfswerk-Förderstiftung.

 

Die Preisträger*innen des Journalistenpreises 2024

1. Platz: „Sterbehilfe: Harald Meyer kämpft um seinen Tod“, Tina Soliman (NDR)
Laudatorin: Christine Richter, Sprecherin des Berliner Senats

2. Platz: „Nicht die Krankheit bestimmt, wann Schluss ist, sondern ich“, Catrin Boldebuck / Ingrid Eißele (Stern)
Laudatorin: Georgia Tornow, Journalistin

3. Platz: „Ich sage also heute schon Tschüss“, Marius Elfering (Deutschlandfunk)
Laudatorin: Nancy Fischer, Journalistin und Preisträgerin 2018

„Die journalistischen Beiträge dieses Jahres zeichnen sich durch Tiefgang und Einfühlungsvermögen aus. Sie helfen uns, Tod und Sterben mit anderen Augen zu betrachten – als etwas, das untrennbar zum Leben gehört und dem wir mit Würde begegnen sollten. Mit dem Gegenstand des assistierten Suizids wird ein umstrittenes Thema breit beleuchtet und öffentlich gemacht – im besten Sinne vor Gott und der Welt“, äußerte sich der Juryvorsitzende Bischof Dr. Christian Stäblein.

 

Die Gewinner*innen des Sonderpreises

1. Platz: „Der Tod und mein Musiklehrer“, Clara Christ
Laudatorin: Leah Weigand, Spoken Word Künstlerin und Autorin

2. Platz: „Die drei weisen Männer“, Anouk Hillebrand
Laudator: Georgia Tornow, Journalistin

3. Platz: „Zu jung“, Ida Schwarzenberger
Laudatorin: Christine Richter, Sprecherin des Berliner Senats

 

Bischof Dr. Christian Stäblein würdigte die Arbeiten: „Es beeindruckt mich zutiefst, wie offen und weise junge Menschen über das Ende des Lebens schreiben. Ihre Perspektiven zeigen, dass das Thema Tod keine Altersgrenze kennt. Diese Arbeiten sind nicht nur kreativ und mutig, sondern eröffnen uns allen einen wertvollen, neuen Blick auf das Nachdenken über das Lebensende.“

 

„Vergessenslücken“ von Leah Weigand

Jurymitglied Leah Weigand, sie ist Spoken Word-Künstlerin und Autorin sowie Botschafterin der Herzenswünsche-Kampagne im Jubiläumsjahr der Unionhilfswerk-Förderstiftung vermittelte mit ihrem Text, „Vergessenslücken“ eine bewegende Idee davon, wie sich eine Alzheimer-Erkrankung für die Betroffenen anfühlen kann. Ein ergreifender Perspektivwechsel, der das Publikum zutiefst berührte.

 

Rückmeldungen von Gästen

Wie bewegend die Preisverleihung auch von den Gästen empfunden wurde, zeigen einige Rückmeldungen, die uns nach der Veranstaltung erreichten:

 „Ihnen möchte Ihnen zu dieser besonders eindrucksvollen Veranstaltung gratulieren: Sehr qualifizierter Moderator, ein verständlicher theologischer Einstieg, einfühlsame und konzentrierte Laudator*innen mit kurzen, aber prägnanten Interviews, schön vorgetragene Auszüge der Preisträgerinnen – es wurde wirklich überaus deutlich, worum es geht und wie sehr das Thema bisher unterbelichtet oder zu vereinfachend/polarisierend behandelt wird. Und das alle Generationen angesprochen sind – das war mit den Sonderpreisen besonders hervorgehoben. Ich habe selbst an unzähligen Preisverleihungen teilgenommen – diese war mit Sicherheit eine der besten.“

„Die bewegendste Preisverleihung, die ich bisher erlebt habe.“

 „Der inhaltliche Tiefgang dieser bewegenden Veranstaltung war wirklich sehr außergewöhnlich für eine Preisverleihung. Die Würdigung dieser schweren Themen hätte einfühlsamer nicht sein können.“

 

Alles in allem hinterließ diese Veranstaltung im Jubiläumsjahr der Unionhilfswerk-Förderstiftung tiefe, einzigartige Eindrücke.

 

 

Zusammen wachsen: Vielfalt und Generationen im Fokus

Vielfalt im Unionhilfswerk

Der Workshop knüpfte an die große Auftaktveranstaltung im April 2024 an, bei der allen Führungskräften im Unionhilfswerk die Vielfaltsdimensionen vorgestellt wurden. Mit dem Ziel, eine starke und inklusive Unternehmenskultur zu fördern, wurden damals erste Weichen gestellt. Die Botschaft: Vielfalt ist nicht nur ein gesellschaftliches Ideal, sondern auch ein unverzichtbarer Bestandteil einer zukunftsorientierten Organisation.
Die einzelnen Gesellschaften des Unternehmensverbunds verabredeten damals, in Folgeveranstaltungen tiefer in selbstgewählte Vielfaltsdimensionen einzutauchen und sich weiter damit auseinander zu setzen. Für die Unionhilfswerk Ambulante Pflege gGmbH stand in diesem Jahr das Thema „Alter“ im Fokus.

 

Herausforderungen und Chancen im Generationendialog

Der Workshop begann mit einer offenen Erwartungsrunde. Im Mittelpunkt standen die Themen Zusammenarbeit von Jung und Alt, gegenseitiges Verständnis und der Wunsch nach konkreten Impulsen für den Arbeitsalltag. Die Gespräche offenbarten dabei sowohl Gemeinsamkeiten als auch deutliche Unterschiede zwischen den Generationen.

Die Teilnehmenden erarbeiteten unter anderem, wie sich Arbeitsweisen von Mitarbeitenden und deren Werte und Einstellungen im Laufe der Zeit gewandelt haben. Ein zentraler Punkt war dabei die Balance zwischen Selbstfürsorge und beruflicher Verpflichtung – ein Spannungsfeld, das auch in der Pflege deutlich spürbar ist.
Jüngere Kolleg*innen wachsen mit anderen Sozialisationserfahrungen auf und bringen neue Perspektiven ein. Ältere Mitarbeiterinnen haben häufig eine starke Arbeitsmoral entwickelt, die von Pflichtbewusstsein und einer hohen Belastbarkeit geprägt ist. Diese Generation zeichnet sich oft durch ein hohes Maß an Engagement und Einsatzbereitschaft aus.
Gleichzeitig wird deutlich, dass viele jüngere Kolleg*innen besser darin sind, klare Grenzen zu setzen, auf eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu achten und Selbstfürsorge zu betreiben. Diese Unterschiede führen mitunter zu Missverständnissen, können aber bei gezielter Moderation auch große Chancen für Synergien bieten. So können die Generationen voneinander lernen und womöglich ist es, wie so oft im Leben, ein Mittelweg, der dazu führt, dass Kolleg*innen ihre Arbeit engagiert und verantwortungsbewusst als auch lange und gesund ausüben können.

 

Babyboomer und Generation Z – wie gelingt die Zusammenarbeit?

Generation Z (oft abgekürzt mit Gen Z), umfasst die Personen, die zwischen ca. 1997 und 2012 geboren wurden. Sie folgt der Millennial-Generation (Gen Y) und hat durch ihre spezifischen Eigenschaften und Prägungen erhebliche Auswirkungen auf Arbeitskulturen, Bildung und Gesellschaft.

Gen Z ist mit digitaler Technologie aufgewachsen, insbesondere mit Smartphones, sozialen Medien und dem Internet. Sie ist technisch versiert und erwartet, dass digitale Tools intuitiv funktionieren. Gleichzeitig wird über eine hohe Bildschirmzeit diskutiert, die Einfluss auf mentale Gesundheit und soziale Interaktionen hat.

Gen Z legt Wert auf Authentizität, Diversität und soziale Gerechtigkeit. Themen wie Umwelt- und Klimaschutz sowie Gleichberechtigung stehen hoch im Kurs. Zu Generation Z gehörende Personen haben klare Erwartungen an Unternehmen: ethisches Verhalten, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung sind zentrale Kriterien.

Für Gen Z ist eine ausgewogene Work-Life-Balance essenziell. Sie strebt ein erfülltes Leben an, das nicht ausschließlich von Arbeit bestimmt wird. Sie setzt auf Flexibilität, flache Hierarchien und eine offene Kommunikationskultur im Job. Gen Z tendiert dazu, sich selbstbewusst abzugrenzen und „Nein“ zu sagen, wenn etwas ihren Vorstellungen nicht entspricht. Die jungen Menschen hinterfragen klassische Arbeitsmodelle und Hierarchien stärker.

Teilweise wird diese Generation als „oberflächlich“ oder „wenig teamfähig“ wahrgenommen, da ihre Individualität und ihr Fokus auf eigene Interessen betont sind. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Gen Z frischen Wind in Arbeitswelt und Gesellschaft bringt. Ihr Sinn für Innovation, soziale Verantwortung und Selbstbestimmung bietet große Chancen. Um diese Chancen nutzen zu können, müssen Organisationen sich flexibel zeigen und Verständnis für neue Arbeits- und Lebensmodelle aufbringen.
Hier ist neben den Teams und Kolleg*innen immer auch die Unternehmensführung gefragt.

 

Wertschätzender Umgang miteinander

Ein bewusster Dialog zwischen den Generationen kann helfen, Potenziale besser zu nutzen und ist essenziell, um Vorurteile abzubauen und einen wertschätzenden Umgang miteinander zu fördern.

Um genau dies herauszuarbeiten, führte das Moderationsteam eine Übung mit den Teilnehmenden durch. Es wurde gesammelt: Was kann die Generation Z gut und wo braucht sie Unterstützung? Was können die Kolleg*innen der Babyboomer-Generation (geboren 1946-1964) gut und worin brauchen diese Unterstützung? Beim Übereinanderlegen der Ergebnisse zeigte sich, dass Babyboomer und Gen Z sehr gut voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen können.

 

Praktische Impulse, Übungen und kreative Ansätze

Der Workshop bot nicht nur Raum für Diskussionen, sondern auch für konkrete Impulse.
Auch diese Übung hatte Kerstin Richter für die Teilnehmenden vorbereitet:

Die „Bedürfnispyramide“ basiert auf der Maslowschen Bedürfnishierarchie und dient dazu, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Generationen zu reflektieren. Die Teilnehmenden identifizierten in fünf Ebenen, Grundbedürfnisse bis Selbstverwirklichung, ihre Prioritäten und tauschten sich in Gruppen aus. Dabei wurden Unterschiede sichtbar, wie z. B. der Fokus der Älteren auf Sicherheit und Anerkennung versus dem Wunsch der Jüngeren nach Selbstverwirklichung.
Durch die gemeinsame Visualisierung entstanden Verständnis und Ansätze für eine bessere Zusammenarbeit. Die Übung zeigte, dass trotz unterschiedlicher Prioritäten gemeinsame Werte und Ziele verbinden können.

Gemeinsam wurde geübt, wie wir einander Erwartungen und Wünsche mitteilen oder auch unangenehme Themen besprechen können. Mit dem 4-Ohren-Modell zur Vorbereitung des Gesprächs und einer Methode der gewaltfreien Kommunikation ermöglicht man eine wertschätzende Gesprächsführung, entwickelt Verständnis füreinander und kommt zu schnellen und nachhaltigen Ergebnissen.

Kreative Impulse, wie die Idee einer „rosaroten Brille zum Tag der Pflege“ oder der Einsatz einer farbenfrohen „Rosa Wand“ in Pausenräumen, zeigten, wie wichtig es ist, auch Leichtigkeit und Humor in den Arbeitsalltag zu integrieren. Selbstfürsorge-, Anti-Ärger- und Entlastungs-Strategien wurden als zentrale Elemente für ein gesundes Arbeitsleben vorgestellt und anhand zahlreicher Beispiele erklärt.

 

Gesund arbeiten – auch im Alter

Die Altenpflege gehört zu den anspruchsvollsten Berufen, die es gibt. Sie erfordert körperliche Belastbarkeit, mentale Stärke und eine hohe emotionale Bindung zur Arbeit. Für Pflegekräfte, die bis ins Alter gesund und leistungsfähig bleiben möchten, sind gezielte Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden unerlässlich. Auch dieser Aspekt der Vielfaltsdimension „Alter“ wurde gemeinsam beleuchtet.
Was können wir individuell, im Team oder auch als Unternehmen tun, um älter werdende Kolleg*innen zu unterstützen?

Um langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben, ist individuelle Selbstfürsorge von entscheidender Bedeutung. Dazu gehört, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und sich regelmäßig Zeit für Regeneration zu nehmen. Eine bewusste Balance zwischen Arbeit und Erholung, gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und gezielte Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, den hohen Anforderungen des Berufsalltags standzuhalten. Ebenso wichtig ist es, persönliche Grenzen zu setzen, Überlastung zu vermeiden und bei Bedarf Unterstützung einzufordern.
Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern eine notwendige Investition in die eigene Gesundheit – und letztlich auch in die Qualität der Pflege, die den betreuten Menschen zuteil wird.

Aber auch Kolleg*innen, Vorgesetzte und die Unternehmensführung sind gefragt, Strukturen zu schaffen und zu stärken, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeitenden fördern.

Das Unionhilfswerk als Arbeitgeber hat bereits vielfältige Maßnahmen eingeführt. Den Mitarbeiter*innen steht beispielsweise ein spezielles Beratungsangebot zur Verfügung: die individuelle und anonyme Mitarbeiter*innen- und Führungskräfteberatung des Fürstenberg Institut.
Mitarbeitende – und auch deren Angehörige –  können sich bei persönlichen, beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Fragestellungen in Einzelgesprächen beraten lassen. Dabei kann es um Herausforderungen mit Teammitgliedern, um private Themen oder um ganz andere Fragen gehen.

Arbeitszeitmodelle mit einem 2-3-Schichtsystem sollen Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen, so beispielsweise der  „Eltern-freundliche-Dienst“.

Zusätzlich investiert das Unionhilfswerk in die Gesundheit seiner Mitarbeitenden durch Zuschüsse zu Gesundheitskursen, Fahrrad-Leasing-Modelle und weitere Maßnahmen.

Die Herausforderungen des Personalmangels bleiben bestehen, doch das Unionhilfswerk setzt auf eine Kultur der Wertschätzung und Anerkennung. Gemeinsam arbeiten wir daran, bestehende Strukturen und Angebote weiterzuentwickeln und stärker in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Die gemeinsame Erkenntnis: Es bedarf durchaus einer individuellen Selbstfürsorge, allerdings auch struktureller Maßnahmen, um eine nachhaltig gesunde Arbeitskultur zu schaffen.

 

Vielfalt ist eine Bereicherung

Der Workshop zeigte: Vielfalt, insbesondere im Hinblick auf Generationen, ist sicher teilweise herausfordernd, aber auch eine Bereicherung. Entscheidend ist, wie Organisationen und Teams damit umgehen. Die Teilnehmenden wünschten klare Strategien und Handlungsansätze, um den Herausforderungen des demografischen Wandels aktiv zu begegnen – und bekamen im Lauf des Tages zahlreiche Übungen, Impulse und Anwendungsbeispiele für ihren Arbeitsalltag.

Mit diesem Workshop hat die Unionhilfswerk Ambulante Pflege gGmbH einen wichtigen Schritt unternommen. Der Blick ist nach vorn gerichtet – mit der festen Überzeugung, dass gegenseitiges Verständnis und kreative Lösungen der Schlüssel zu einer starken und inklusiven Unternehmenskultur sind. Weitere Workshops sind geplant.
Wir freuen uns auf die nächsten Schritte und darauf, die gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.

 

Cozonac: Der fluffige Hefekuchen, der Wintermomente versüßt

Cozonac ist ein traditionelles, süßes Hefegebäck aus Rumänien und Moldawien, welches vor allem an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern zubereitet wird. Er ähnelt anderen europäischen Festtagsbroten wie dem italienischen Panettone oder dem deutschen Stollen – gehört aber zu einer ganz eigenen Kategorie von Leckereien.

Ich komme gleich zur Sache und werde Sie, liebe Lesende, nicht wie andere Rezeptautor*innen mit meiner halben Lebensgeschichte behelligen, bevor es an die Zutaten geht. Meine Anekdoten können Sie schließlich auch während des Knetens und Backens genießen – in der zweiten Folge unseres Podcasts „Wintermomente im Unionhilfswerk“.

Einen nachhaltigen Hinweis gebe ich aber noch vorab: Bis auf Eier können alle tierischen Produkte nach Belieben durch pflanzliche Zutaten zu ersetzt werden. Ich selbst verwende Hafermilch und vegane Butter.

 

Rezept für zwei Kastenformen Cozonac (30x10cm)

Vorteig
50g Frische Hefe
(2 Päckchen Trockenhefe)
2 EL Zucker
100 ml Warme Milch

Die Frischhefe mit dem Zucker in einer Schüssel flüssig rühren. Langsam die warme Milch zugeben und verrühren. Vorsicht: Die Milch darf nicht zu heiß sein! Temperaturen über 40°C zerstören die Hefekultur und der Teig geht nicht auf.
Nun lässt man den Vorteig 10 – 15 Minuten an einem warmen Ort stehen, bis sich an der Oberfläche kleine Bläschen gebildet haben.
Ähnlich verfährt man mit Trockenhefe. Nur wird hier das Zucker-Hefe-Gemisch nicht flüssig.

Teig
700g Mehl
4 Eigelb
150g Zucker
2 Päckchen Vanillezucker
2 TL Salz
200ml Warme Milch
Abgeriebene Schale einer ganzen Bio-Zitrone

In einer großen Schüssel zunächst das Mehl sieben. In der Mitte wird eine kleine Mulde für die flüssigen Zutaten vorbereitet. In einer separaten Schüssel Eigelb, Salz und Zucker mit dem Handrührgerät (oder Küchenmaschine) 3-5 Minuten schaumig rühren. Dann die Zitronenschale und die warme Milch hinzugeben. Auch hier sollte die Temperatur von 40 °C nicht überschritten werden. Nach kurzem Rühren wird die flüssige Mischung in die vorbereitete Mehlmulde gegeben. Ebenso unser Hefevorteig, der inzwischen kleine Blasen gebildet hat. Mit dem Knethaken oder den Händen wird nun von außen nach innen geknetet und alle Zutaten zu einem homogenen Teig vermengt. Hartnäckige Klümpchen werden im nächsten Schritt weggezaubert.

Simsalabim
200g Butter (flüssig, nicht heiß)

Die wahre Magie heißt hier Chemie: Die warme, flüssige Butter wird nach und nach zum Teig gegeben und kräftig durchgeknetet. Je länger, desto besser. Zum einen verbindet sich so das im Mehl enthaltene Gluten zu einem elastischen Eiweißnetzwerk. Zum anderen werden die Gase der gärenden Hefe eingefangen, die den Teig später gut aufgehen lassen.
Elektrische Küchenmaschinen sollten 8-12 Minuten lang rühren. Menschliche Küchenmaschinen freuen sich über ein kleines 20-Minütiges Workout. Und dem herrlichen Gefühl fluffig-weichen Teiges, der sich leicht klebend von den Fingern löst.  Die Schüssel mit dem durchgekneteten Teig wird nun mit einem oder mehreren Küchentüchern gut abgedeckt. An einem warmen Ort (neben der Heizung oder im Backofen bei max. 50°C Umluft) lässt man nun die Hefe ungestört 1,5 Stunden „ihr Ding“ machen. Am Ende sollte der Teig sein Volumen mindestens verdoppelt haben.

 

Die Wartezeit clever füllen

Walnuss, Mohn, Rosinen oder Kakao – die traditionellen Cozonac-Füllungen sind so vielfältig wie die rumänische Kultur selbst. Vor allem Kinder lieben die bunten, geleeartigen Zuckerwürfel, die hier Türkischer Honig, Turkish Delight oder einfach Lokum genannt werden. Die Süßigkeit stammt ursprünglich aus dem Nahen Osten, vor allem aus der Türkei (wie der Name unschwer vermuten lässt).

Nicht alle wissen, dass die Fürstentümer Rumäniens vom 15. bis zum 19. Jahrhundert in unterschiedlichem Maße unter osmanischer Oberherrschaft standen. In dieser Zeit vermischten sich die Kulturen und tauschten nicht nur Zutaten, sondern auch ihre Sprache und Begriffe aus. Heute isst man in Rumänien täglich „Ciorba“ und „Pilaf“. Und lobt die traditionellen Rezepte bis hin zum „Tavan“.

 

Meine Top 3 Cozonac-Füllungen

1. Mohn
200g Gemahlener Blaumohn
100g Puderzucker
50g Zucker

Die Zutaten gut vermischen und beiseite stellen.

2. Rosinen
500g Sultaninen

Vorher etwa 1 – 2 Stunden quellen lassen, gut abtropfen und beiseitestellen.

3. Walnuss
400g Walnüsse (gehackt oder gemahlen)
150 – 200g Zucker
Abgeriebene Schale einer ganzen Bio-Zitrone

Die Zutaten gut vermischen und beiseite stellen.

 

Aus- und Einrollen

Nach 1,5 Stunden hat der Hefeteig sein Volumen verdoppelt und ist bereit für den nächsten Schritt: das Formen und Füllen. Dazu wird der Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche gelegt und vorsichtig in zwei gleich große Portionen geteilt. Jede Portion wird nun mit einem Nudelholz zu einem Rechteck von ca. 30 x 40 cm ausgerollt.

Die gewünschten Zutaten gleichmäßig auf dem Rechteck verteilen, dabei an den Rändern ca. 2 cm Abstand lassen, damit die Füllung beim Aufrollen nicht herausquillt. Für gewagte Geschmackskombinationen können die Füllungen auch gemischt oder geschichtet werden. Nun kommt der entscheidende Moment: Der Teig wird von der Längsseite her vorsichtig und möglichst straff zu einer Rolle aufgerollt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Enden gut verschlossen sind, damit die Füllung beim Backen nicht ausläuft. Dieser Vorgang wird mit der zweiten Teighälfte wiederholt. Die beiden Rollen werden anschließend in gefettete oder mit Backpapier ausgelegte Kastenformen (30×10 cm) gelegt. Falls die Rollen etwas zu groß erscheinen, können die Enden vorsichtig eingeklappt werden.

 

Backen und Ruhen

Die Kastenformen in den auf 160 °C Umluft vorgeheizten Backofen schieben und für 45–50 Minuten backen. Ob die „Cozonaci“ durchgebacken sind, lässt sich mit dem altbewährten Zahnstochertest überprüfen: Mit einem Holzstäbchen in die Mitte des Kuchens stechen und wieder herausziehen. Bleibt kein Teig kleben, ist der Cozonac fertig. Nach dem Backen ist allerdings etwas Geduld gefragt. Die Hefestrudel müssen mindestens 1-2 Stunden in der Form auskühlen und ruhen. Erst dann entfalten sie ihren vollen Geschmack. Meine Oma pflegte zu sagen: „Sie müssen noch mit dem lieben Gott reden“.

 

Teilen und Genießen

Bei Zimmertemperatur ist Cozonac normalerweise 3-4 Tage haltbar. Wenn man Verwandte und Bekannte einlädt, verkürzt sich diese Zeit auf weniger als eine Stunde. Im schlimmsten Fall bindet man sich die Schürze wieder um und macht sich an die nächste Ladung. Ob der rumänische Cozonac mit den klassischen Weihnachtsplätzchen mithalten kann, bleibt Ihnen überlassen. So oder so wünsche ich Ihnen viel Freude beim Backen und Genießen. Aber vor allem eine glückliche und gesunde Adventszeit.

 

Wege aus der Einsamkeit, Teil 6: „Die Andersmacherin: Silverline“

In dem Beitrag porträtierte die TV-Journalistin Sylvia Liebsch die heute 80jährige Berlinerin Elke Schilling, die Gründerin des Silbernetzes e.V., einer Telefonhotline für ältere Menschen mit Einsamkeitsgefühlen. Wir werfen zudem einen Blick auf die Arbeit des Silbernetz e.V. heute, zwei Jahre später….

 

Film über eine Vision gegen Alterseinsamkeit „Die Andersmacherin: Silverline“

Die Jury bewertete den Beitrag folgendermaßen: „Das Thema Einsamkeit im Alter steht im Vordergrund. Die Andersmacherin erzählt ihre Idee, von der Initiative über die Umsetzung bis zur Gewinnung von Mitarbeitern. Der Beitrag bietet Lösungen an – und ist also auch ein großartiges Beispiel für konstruktiven Journalismus.“
In der Zusammenfassung des Films zitiert die Preisträgerin Silvie Liebsch-Küster ihre Protagonistin: „Ich will, dass der Alterseinsamkeit in unserer Gesellschaft angemessen begegnet wird. Ich will nicht, dass ein Mensch jenseits der 85 ratlos zuhause sitzt und nicht weiß, wo er die Informationen zum Überleben herbekommt. Dafür setze ich mich ein.“

 

Der Wunsch für den Ruhestand: Kleine Rente und große Ruhe – doch es kommt anders…

Nach einem bewegten Leben freut sich Elke Schilling auf eine kleine Rente und große Ruhe. Es kommt anders. Sie besucht eine Senior*innenvertretung und stößt dort auf das Thema Alterseinsamkeit. Dagegen will sie etwas unternehmen und wird Vorsitzende der Vertretung. Dann liest sie den Roman „Der Nachbar“ von Minette Walters. „Es kam eine Telefonkette zwischen Menschen, die immobil zuhause saßen, vor, die untereinander und über das Telefon in Kontakt standen. […] Ich fand diese Basisstory des Krimis einfach so bezaubernd, dass ich an Minette Walters schrieb und fragte, ob es das wirklich gibt und wie es aufgebaut worden ist,“ erinnert sich Elke Schilling.
Ihr „Andersmach-Moment“: Minette Walters erzählt ihr von der Silverline in London. Elke Schilling fährt hin und schaut sich das Projekt in London an.
Zurück in Berlin legt sie los, sucht Ehrenamtliche, gewinnt ein Beratungsstipendium, findet Träger und Geldgeber. Ende 2017 dann der Testlauf: das Feiertagstelefon Berlin. 360 Menschen wählen zwischen Heiligabend und Neujahr die Silbernetz-Nummer. Heute telefonieren 18 Festangestellte, 40 Ehrenamtliche und die Gründerin.

 

Silbernetz 2024 – „glücklich und frustriert zugleich“

Leider ist diese wunderbare Erfolgsgeschichte gegen die Einsamkeit im Alter heute an einem anderen Punkt, wie Silbernetz-Initiatorin Elke Schilling im Juni 2024 zum Start der Aktionswoche `Gemeinsam aus der Einsamkeit´ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) veröffentlicht: „Ich bin glücklich und frustriert gleichzeitig. Glücklich, weil das Thema langsam die öffentliche Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Und frustriert, dass das Silbernetz parallel um das finanzielle Überleben kämpft. Wir haben am Silbertelefon schon rund 650.000 Anrufe aus der Einsamkeit bekommen! Der Service ist für die Anrufenden kostenfrei, aber die Telefongebühren, die wir dafür bezahlen müssen, fressen uns auf und auch rückläufige öffentliche Förderungen und ausbleibende Spendengelder machen uns zu schaffen.“

 

Liebe Leserinnen und Leser: In der kommenden Woche berichten wir über den diesjährigen Journalistenpreis: Es gab zusätzlich einen Sonderpreis, wir konnten wieder großartige Beiträge prämieren und erlebten am Abend der Preisverleihung unglaublich schöne und berührende Momente. Mehr dazu in der nächsten Woche!