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Schülerpraktikum im Kinderhaus Tom Sawyer: „Die Kinder sind mir ans Herz gewachsen.“

Foto: Pictura Foto GmbH

Ich habe mich für ein Schülerpraktikum beim Unionhilfswerk entschieden. Mein Vater, der Schatzmeister im Bezirksverband Tempelhof ist, hat mich auf die Idee gebracht. Meine Wahl fiel auf das Kinderhaus Tom Sawyer in Zehlendorf, da mich das bilinguale Angebot (Deutsch-Englisch) sehr angesprochen hat. Zwei Wochen lang habe ich die Erzieherinnen im Kinderhaus Tom-Sawyer in Zehlendorf unterstützt. Hier durfte ich in der Elementar- und Krippengruppen arbeiten sowie Notbetreuung miterleben.

Tagesablauf

Mein Arbeitstag begann um 9 Uhr. Zu dieser Zeit wurde gefrühstückt oder das Frühstück wurde vorbereitet. Das Frühstück wurde – wie auch Mittagessen und der Nachmittags-Snack – jeden Tag frisch in der eigenen Küche zubereitet. In den Elementargruppen folgte nach dem Frühstück der Morgenkreis, in dem Dinge wie das Wetter und die Jahreszeit von den Kindern spielerisch erkannt wurden und die Kinder Zeit hatten, von ihren Ideen zu erzählen.

Gerade die älteren Gruppen sind danach, auch bei kälterem Wetter, oft in den eigenen Garten gegangen, um auf dem Spielplatz zu spielen. Drinnen wurde gemalt und gebastelt, mit Spielzeugen wie Autos und Klemmbausteinen gespielt oder etwas herumgetobt.

Um 11.30 Uhr bzw. um 12.00 Uhr gab es Mittagessen. Anschließend war „Quiet-Time“ (Ruhezeit). Das heißt, die Krippenkinder haben geschlafen, aber auch die älteren Kinder hatten die Möglichkeit, sich auszuruhen und zu schlafen.

Um ca. 15 Uhr gab es den Nachmittags-Snack. Wir schnitten jeden Tag Obst auf und bekamen eine leckere Kleinigkeit aus der Küche.

Um 15.30 Uhr war meine Arbeitszeit vorbei.

Besondere Momente

Einige Momente sind mir besonders in Erinnerung geblieben, beispielsweise der Ausflug ins Jaro-Theater und das Basteln der Muttertagsgeschenke in einer Krippengruppe.

Der Ausflug ins Theater war an einem meiner letzten Tage. Die meisten Kinder der Elementargruppen und wenige ältere Krippenkinder kamen mit. Das Aufregendste waren dabei die Wege zum Theater und wieder zurück. Wir waren mit dem 4er-Kinderwagen unterwegs. Diese sind sperrig und schwer. Daher hatten wir Mühe, sie in die Fahrstühle und U-Bahn zu bekommen. Zudem mussten wir gerade bei kleinen Kindern im Straßenverkehr sehr achtsam sein. Das wird natürlich auch bei der Planung solcher Ausflüge berücksichtigt. Das Stück, das wir geschaut haben, hieß „Der Seehund, der die Nixe austrickste“. Auf dem Rückweg waren vor allem die jüngeren Kinder schon müde, da sie zu dieser Uhrzeit normalerweise Mittag gegessen und danach geschlafen hätten. Rückblickend muss ich sagen, dass Ausflüge viel mehr Organisation erfordern, als ich dachte.

Als Muttertags-Geschenke der Krippengruppe „Europa“ war eine Blume aus Hand- und Fußabdrücken der jeweiligen Kinder geplant. Dafür durfte ich bei einigen Kindern die Hände und Füße mit Farben ihrer Wahl bepinseln und anschließend auf Papier abdrücken. Das gefiel mir besonders, da die Kinder kreativ mit Farbkombinationen sein konnten und sich darüber amüsiert haben, dass der Pinsel ein wenig kitzelte. Im Nachhinein wurden die Kunstwerke laminiert und weiterverarbeitet.

Mehr Arbeit, als man denkt

Gelernt habe ich, dass selbst hinter kleinen Aktivitäten für Erzieher*innen meist mehr Arbeit steckt, als man als außenstehende Person erstmal denkt und man sehr flexibel sein muss. Zudem ist die Arbeit sehr stark von der Stimmungslage der Kinder abhängig. Der Lärmpegel kann auf Dauer anstrengend sein. Die zwei Eingewöhnungskinder, die während meines Praktikums da waren, haben eine echte Herausforderung für die Erzieherinnen dargestellt, da auch die Kinder, die schon etwas länger in der Kita waren, viel Aufmerksamkeit brauchten. Diese konnte ich jedoch nicht allen Kindern gleichermaßen geben, obwohl ich mich dank der super Erzieherinnen schnell eingearbeitet hatte. Da braucht es doch mehr Zeit, um Vertrauen aufzubauen.

Die Kinder sind mir in den wenigen Tagen sehr ans Herz gewachsen. Deshalb war ich traurig, als ich mich von den Kindern und Erzieherinnen an meinem letzten Tag verabschieden musste.

Das Praktikum hat mir einen umfassenden Einblick in die Arbeit einer Kita gegeben. Dadurch habe ich zudem eine Idee davon, wie es sein muss, ganz allgemein Berufe auszuüben, die mit Kindern zu tun haben.

Anmerkung der Redaktion: Danach unterstützte Hannah eine Woche lang das Team der Unternehmenskommunikation des Unionhilfswerks. Dort lernte sie weitere Berufsbilder kennen. Das Kennenlernen verschiedener Tätigkeiten soll ihr dabei helfen, herauszufinden, welchen Beruf sie später ergreifen möchte.

Freiwillige im Einsatz für wohnungslose Menschen und Kita-Kinder

Warum sich Bonial engagieren möchte, erklärt das zu Axel Springer SE gehörende Unternehmen auf seiner Internetseite: „Im Kontext von Nachhaltigkeit liegt der Fokus nicht nur auf Umweltaspekten, sondern auch auf dem verantwortungsvollen Umgang mit Menschen. Als Unternehmen, das nachhaltig handeln möchte, erkennt Bonial die Bedeutung von Own your Impact gegenüber ihren Mitarbeiter:innen und der Gesellschaft an.“

 

Bonial nahm Kontakt auf

Vor diesem Hintergrund suchte Bonial nach Einsatzmöglichkeiten für seine 250 Mitarbeitenden. Bei seiner Recherche wurde das Unternehmen auf das Freiwilligenmanagement des Unionhilfswerks aufmerksam.

Am 4. Juni packten dann insgesamt 18 gespannte und hochmotivierte Mitarbeitende in der Wohnungslosentagesstätte Schöneberg und im Kinderhaus Kunterbunt Wedding an.

An beiden Standorten begrüßten die jeweiligen Leitungskräfte, WoTa-Projektleiterin Nadine Simon-Wrobel und Kita-Leiterin Antje Göckel, die Engagierten und wiesen sie in ihre Tätigkeiten ein. Ausrüstung, Getränke und kleine Snacks standen bereit. Gegen 9.30 Uhr ging der Freiwilligeneinsatz los.

 

Wohnungslosentagesstätte Schöneberg

In der Wohnungslosentagesstätte Schöneberg (WoTa), Anlaufstelle für wohnungslose und von Armut betroffene Menschen, lackierten die Engagierten Türrahmen und Heizkörper, bauten Regale auf und räumten die Kleiderkammer auf. Da die WoTa an diesem Tag geschlossen war, versorgte das Team die Besucher*innen mit Getränken und etwas zu essen vor der Einrichtung. Außerdem ermöglichte Bonial ihnen und zwei Mitarbeitenden einen Ausflug in den Zoo. Dieses Ziel hatten sich die Besucher*innen gewünscht und sie freuten sich darauf, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

 

Kinderhaus Kunterbunt Wedding

Während die eine Gruppe in unserer WoTa tatkräftig unterstützte, war die andere Gruppe im Kinderhaus Kunterbunt Wedding im Einsatz.

Im Kinderhaus in der Wiesenstraße hatten die Engagierten die Aufgabe, den Sand im Sandkasten auszutauschen. Mit Schaufeln ausgestattet, Kraft und Ausdauer, gelang es ihnen, in nur wenigen Stunden diesen Außenbereich zu erneuern. Mit ihrem Engagement trugen sie dazu bei, eine liebevolle und fördernde Umgebung für die Kleinen zu schaffen.

Während des Freiwilligeneinsatzes unternahmen die Kinder einen Ausflug zum Abenteuerspielplatz. Kinder wie auch Pädagog*innen staunten, als bei ihrer Rückkehr am Nachmittag bereits alles fertig war.

 

Gutes Tun und darüber reden

Zum Freiwilligeneinsatz im Unionhilfswerk sagte Bonial-Mitarbeiter Fran: „Die Angebote des Unionhilfswerks finde ich sehr gut. Daher unterstütze ich sehr gerne.“ Seine Kollegin Maria äußert sich über ihre Motivation, sich zu engagieren, so: „Ich möchte durch meinen Einsatz die Situation von Menschen etwas verbessern und sie etwas glücklicher machen.“

Nadine Simon-Wrobel und Antje Göckel waren nach anfänglicher Anspannung erleichtert und begeistert. Beide bedankten sich sehr bei Chiara Polacchini, Leiterin Freiwilligenmanagement, die einen Großteil der Organisation übernommen hat, und natürlich auch bei den Mitarbeitenden von Bonial. „Es ist so toll, dass sich viele Engagierte angemeldet haben. Dadurch haben wir die Möglichkeit, unser Angebot für wohnungslose Menschen etwas bekannter zu machen“, freute sich Nadine Simon-Wrobel. „Durch den Social Day erhoffe ich mir, Menschen zu finden, die sich engagieren oder Spenden wollen, vielleicht auch bei uns arbeiten wollen.“ Auch Antje Göckel hoffte auf einen positiven Effekt: „Aktuell haben wir in unserer schönen Kita Betreuungsplätze für den Krippenbereich frei. Es wäre großartig, wenn sich das herumspräche und Eltern mit uns Kontakt aufnähmen, um ihre Kinder anzumelden.“

 

Ein wachsendes Engagementfeld

Im ersten Halbjahr haben sich mehr als 20 Unternehmen beim Freiwilligenmanagement des Unionhilfswerks gemeldet, die Interesse an einem Social Day im Unionhilfswerk haben. Neun konnten vermittelt werden. „Wir brauchen noch mehr Projekte aus unseren Einrichtungen, die sich für einen punktuellen Einsatz mit einer Gruppe eignen“, so die Leiterin des Freiwilligenmanagements Chiara Polacchini. „Das ist definitiv ein wachsendes Engagementfeld. Immer mehr kleine und junge Start-ups, aber auch etablierte Unternehmen sind am freiwilligen Einsatz ihrer Mitarbeitenden interessiert. Die meisten sind zudem bereit sind, ihre Zeitspende um einer finanziellen Spende zu ergänzen.“ So war es auch beim Engagement von Bonial. Mit der zusätzlichen Geldspende konnten Organisations-, Material- und Verpflegungskosten gedeckt werden.

 

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Diversity Day im Kleinen

Vielfalt kann man groß denken – aber auch im Kleinen. Und warum nicht vor Ort beginnen – mit einem Arbeitsplatztausch? Ende Mai setzte der USE-Standort in der Treptower Eichbuschallee den Vielfaltsgedanken auf diese Weise um.

Anderes kennenlernen – Vielfalt erleben

In dem ehemaligen Kita-Gebäude sind viele Werkstatt-Bereiche der Union Sozialer Einrichtungen (USE) gGmbH beheimatet: Garten- und Landschaftsbau, Tampondruck, copack berlin, Transportservice, Verwaltung, Küche, Clean Up Service und der Beschäftigungs- und Förderbereich. Man kennt sich hier, durch die gemeinsamen Essen in der Kantine oder Begegnungen auf den Fluren. Aber wie der Arbeitsalltag der anderen aussieht, davon haben die wenigsten eine genaue Vorstellung. Das wollte man ändern und damit auch das Verständnis füreinander vergrößern. „Und nebenbei öffnet sich für die eine oder den anderen auch eine neue Perspektive“, so Maureen Engelhardt, Standortverantwortliche und Geschäftsbereichsleiterin Dienstleistungen.

Bunte Erfahrungen

In der Eichbuschallee arbeiten über 150 Menschen mit Behinderungen. Von diesen nahmen 15 das Angebot wahr und sammelten ganz unterschiedliche Erfahrungen: Ein copack Beschäftigter berichtet begeistert von seiner Tour mit dem Transportservice an unterschiedliche Orte in ganz Berlin, wie beispielsweise das Abgeordnetenhaus, das Rote Rathaus, die Botschaft, das Café Grenzenlos und Kitas. Ein großes Hallo gab es, als er dort bekannte Gesichter traf.
Ein Beschäftigter aus der Verwaltung fand den Tag beim Transportservice so spannend wie anstrengend: „Es ist doch nicht so meins“, seine Rückmeldung – auch das eine Erkenntnis.
Körperlich und insgesamt anregend wiederum erlebte eine Beschäftigte aus dem Garten- und Landschaftsbau ihren Tag in der kalten Küche – so sehr, dass sie dort ein Praktikum machen möchte.
Auch dass die Arbeit sich gar nicht so sehr voneinander unterscheidet, diesen Eindruck gewannen copack und Tampondruck-Beschäftigte.

Wir sind Vielfalt

„So bunt und vielfältig wie die Erfahrungen sind die Menschen, die sie gemacht haben – das ist eine Erkenntnis, die viele aus dem Tag mitgenommen haben“, so Maureen Engelhardt. Für sie war dieser Tag ein Erfolg, den sie gern wiederholen möchte. „Das Miteinander war allerorten spürbar, denn auch in der Vorbereitung und Umsetzung waren viele beteiligt. Denen gilt mein ganz besonderer Dank!“.

Ein kleiner Schritt, der schon einiges bewirkt hat. Von weiteren werden Sie hier bald mehr erfahren.

 

Kitas fordern mehr Zeit und ausreichend Mittel

In seiner Pressemitteilung weist das BERLINER KITABÜNDNIS auf die gestiegenen gesellschaftlichen Anforderungen an die Kitas hin. Der Rechtsanspruch von Eltern auf einen Kita-Platz sei gestärkt worden und es sei immer selbstverständlicher, dass Kinder ab dem Alter von 1 Jahr eine Kita besuchen. Zugleich sei der Anspruch, insbesondere in Bezug auf vorschulische Bildung, gestiegen. Darüber hinaus erfüllten die Kitas eine wichtige Funktion bei der Integration von Kindern mit Flucht- und Migrationserfahrung. Um diese Aufgaben umsetzen zu können, fordert das BERLINER KITABÜNDNIS eine auskömmliche finanzielle und personelle Ausstattung.

Die Kitas des Unionhilfswerks unterstützen diese Forderungen und nahmen an der Aktionswoche vom 27. Mai bis 1. Juni teil. Bei ihren Aktionen ließen sie ihrer Fantasie freien Lauf. Die Farbe Orange, die Farbe der Kampagne, stand dabei bei allen im Mittelpunkt.

 

„Wir sind eure Zukunft.“

Das Team unseres Kinderhauses Kunterbunt in Wedding beispielsweise trug eigens angefertigte orange T-Shirts. Es bepflanzte gemeinsam mit den Kindern Gummistiefel und hing diese am Gartenzaun auf. „Außerdem befestigten wir unter dem Motto Wir sind eure Zukunft Bilder und Berufswünsche der Kinder“, ergänzte Leiterin Antje Göckel.

 

„Kinder haben ein Recht auf gute Bildung und Erziehung.“

In unserem Montessori-Kinderhaus Reinickendorf präsentierten die Kinder unter anderem ihre selbstgebastelten bunten Schmetterlinge. Zudem versammelten sie sich demonstrativ hinter dem orangenen Banner des KITABÜNDNISSES. Leiterin Christina von Gierszewski: „Die Kinder sind für uns alle wichtig. Sie haben ein Recht auf gute Bildung und Erziehung.“

 

„Erst wenn etwas nicht möglich ist, merkt man, dass jemand fehlt.“

Auch unser Kinderhaus Tom Sawyer nahm an der Aktionswoche teil. Das Team hat sich Situationen überlegt, in denen die Kinder Unterstützung benötigen, beim Schaukeln zum Beispiel. Manchmal bleibt jedoch keine Zeit, um die Schaukel anzuschubsen. „Um fehlendes Personal sichtbar zu machen, haben wir eine Figur aus Karton aufgestellt. Erst wenn etwas nicht möglich ist, merkt man, dass jemand fehlt“, so Leiterin Svetlana Deleske.

 

„Wir waren ganz laut.“

Kinder und Team unserer Kinderinsel in Reinickendorf haben mit Musik und Tanz auf die schwierige Situation in den Kindertagesstätten aufmerksam gemacht. Auf die Frage, ob die Menschen sie gehört hätten, sagte ein Kind: „Ja. Wir waren ganz laut.“ Ein anderes bekräftigte: „Bis in die Wolken haben wir geschrien!“ Annette Bohnstedt-Tefera, stellvertretende Leiterin, betont: „Für das, was Pädagog*innen tagtäglich trotz Personalengpässen leisten, haben sie Anerkennung verdient.“

 

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Wege aus der Einsamkeit, Teil 5: „Weniger Stille in der Idylle“

Die Jury bewertete den Beitrag folgendermaßen (Auszug):

„Eine Kümmerin für einen Ort ist eine gleichermaßen simple und geniale Idee. Wir erleben den Wandel zu mehr Gemeinschaft, der dank Frau Öz, aber auch offener und hilfsbereiter Bewohner*innen, stattgefunden hat. Damit sind nicht alle Probleme aus der Welt geschafft, aber dieser Text zeigt konstruktiv: Eine Kümmerin kann ein sehr effektiver Anfang sein, der sich bald selbst trägt und Einsamkeit verringert – wenn der politische Wille da ist.“

 

Ein Leben fernab von Menschenmassen

Als sie ihre neue Arbeit begann, sagt Deniz Öz, da kümmerten sich die Bewohner von Heiligengrabe erst einmal um sie – die Kümmerin. Nahmen sie an die Hand und stellten der gebürtigen Berlinerin das Dorf in der Ostprignitz, bei Kaffeekranz und Rommé-Spiel, vor. Das war im Jahr 2017.
„Ich kenne keinen“, sagte Öz damals mehr zu sich selbst, „aber ich bin hier. Was würde den Leuten wohl gefallen?“ Ihr Arbeitsauftrag war nicht gerade eindeutig. Als Angestellte der Gemeinde sollte sie helfen, okay. Die Bürgerinnen und Bürger beraten, wie bei Fragen zu Wohngeldanträgen oder anderen Formularen, sollte Ansprechpartnerin sein und das brachliegende Dorfleben wieder ankurbeln. Öz sollte sich also kümmern. Aber wie genau? Sie fing es einfach an. Heute, fünf Jahre später, kommen die Bewohner*innen von Heiligengrabe zu ihr. Bitten um Hilfe und Rat, fragen nach Unterstützung, wenn sie eine Idee für eine neue Veranstaltung im Dorf haben. Und Öz zeigt ihnen den Weg. […] Öz organisiert Filmvorführungen und Liederabende, ruft Trödelmärkte ins Leben oder kocht Kaffee für ein Bürgerfrühstück. Immer mit einem Ziel: die Bewohner*innen, die Menschen in Heiligengrabe zusammenzubringen. […]

Für den damaligen Bürgermeister und Initiator Holger Kippenhahn war und ist das Projekt ein voller Erfolg: »Ich bin ein Fan der Kümmerin, ich finde das gut.« 40 000 Euro pro Jahr koste das pro Personalstelle, hinzu kommen Sachkosten. Heiligengrabe kann sich das zum Glück leisten. Andere Gemeinden leider nicht. Deniz Öz wird sich also auch in Zukunft um die Bürgerinnen und Bürger von Heiligengrabe kümmern. Ihre Heimat Berlin besucht sie noch ab und an, doch sie ist immer froh, wenn sie zurück ist in ihrem Dorf. Dank ihrer Arbeit gibt es in der Ostprignitz nun wieder Leben vor der Tür. Dank einer Kümmerin, die bescheiden, aber nicht ohne Stolz von ihrer Arbeit erzählt. Und die bereits die nächsten Ideen entwickelt: Eine Theaterbühne soll wiederbelebt werden. Vielleicht schon in diesem Sommer.“

Lesen Sie hier den vollständigen Beitrag „Weniger Stille in der Idylle“.

Anmerkung der Redaktion: Der damalige Bürgermeister Holger Kippenhahn stieß auf das Förderprogramm »Ländliche Entwicklung« des Bundes. Es sollte das dörfliche Leben stärken und Ideen dafür auch finanzieren. Seit 2023 läuft das Programm als Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus) weiter. Auch wenn es in Heilgengrabe mittlerweile einen neuen Bürgermeister gibt, finden wir auf der Website der Gemeinde nach wie vor die Kümmerin Deniz Öz mit ihrer Einladung, Kontakt aufzunehmen.

 

Ausblick auf den zweiten erstplatzierten Beitrag

Demnächst stellen wir Ihnen in dieser Reihe den zweiten der beiden ersten Journalistenpreise vor: „Die Andersmacherin: Silverline“ – eine Reportage des WDR.