Monthly Archives: Februar 2022

Dem Mythos auf der Spur – die Gründung des Unionhilfswerk

Wie kam es dazu, dass Sie die Gründung des Unionhilfswerk noch einmal genauer unter die Lupe nehmen wollten?

Norbert Prochnow: Seit Jahrzehnten haben wir neuen Vereinsmitgliedern, Mitarbeiter*innen oder freiwillig Engagierten immer erzählt, dass das Unionhilfswerk im Jahr 1946 gegründet wurde. Und wir wussten, dass im Gründungsaufruf der CDU das „Notprogramm für Obdach, Brot und Arbeit“ gefordert wurde. Aber dann kamen immer mehr Quellen aus dem Jahr 1947 und nichts, was 1946 als Gründungsdatum weiter belegen konnte. Als wir mit den Vorbereitungen für unser 75-jähriges Jubiläum begonnen haben, war das ein Grund, das Thema noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Thomas Georgi: Genau, wir haben eine Arbeitsgruppe gegründet und sogar eine Agentur beauftragt, die uns leider aber genau in dieser Gründungsfrage auch nicht so wirklich weiterhelfen könnten. Die konnten uns zwar die Zulassungsurkunde des Berliner Magistrats für das Unionhilfswerk aus dem Jahr 1949 zeigen, aber es fehlte immer noch etwas zwischen dem ersten Gründungsaufruf der CDU 1945 und dem ersten CDU-internen Mitteilungsblatt Blatt Nr. 1 vom Juli 1947, in dem  es um die organisatorischen Vorbereitungen des Unionhilfswerk ging.

 

Wie ging es dann nach der erfolglosen Suche weiter?

Norbert Prochnow: Letztlich baten Sie, Herr Dr. Georgi, Daniela Neumann aus der Landesgeschäftsstelle des Unionhilfswerk-Landesverbands, bei der Konrad-Adenauer-Stiftung nachzufragen, ob es in den Annalen der Union noch weitere Erkenntnisse über das hinausgibt, was wir wussten.

Thomas Georgi: Und Frau Neumann stieß dort auf einen wissenschaftlichen Mitarbeiter, der weiterhelfen konnte. Er übersandte uns ein Protokoll der Berliner CDU vom 27. Juni 1947, mit dem Tagesordnungspunkt, „Hilfswerk der Berliner Union“. Damit hatten wir das fehlende Bindeglied und der Nebel des sogenannten Gründungsmythos, mit dem ich Zeit meiner Mitgliedschaft im Unionhilfswerk konfrontiert war, lichtete sich. Wir hatten tatsächlich ein klares Gründungsdatum.

Norbert Prochnow: So ist das ja häufig mit Mythen. Die werden unter Umständen Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte nicht hinterfragt. Geschieht es dann irgendwann, ist es oft schwierig, historische Belege zu finden – je nachdem wie lange das eigentliche Ereignis her ist. Wir stellen ja immer wieder fest, dass für Dinge aus der Nachkriegszeit, die gar nicht so lange her sind, oftmals schriftliche Belege fehlen und die Zeitzeugen sind mittlerweile verstorben.

 

Welche Erkenntnisse hat das aufgetauchte Dokument noch geliefert?

Norbert Prochnow: In der Partei war zuvor ausdiskutiert worden, dass die Partei selber nicht Träger einer solchen Hilfsaktion sein konnte, sondern eine eigenständige Körperschaft – damals hat man immer an Vereine gedacht. Andere gemeinnützige Gesellschaften – gGmbH, gemeinnützige AG oder Stiftungen waren noch nicht so en vogue in der dieser Zeit. Aber gemeinnützige Vereine, die kannte man ja damals vom Deutschen Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und von anderen und man schlug dann der Union vor, dieses Modell zu nutzen.

Thomas Georgi: Das hatte natürlich auch noch weitere Hintergründe. Letztlich war es eine Gründung der Politik oder von christdemokratischen Politikern. Der damalige Vorsitzende der Jungen Union, Peter Lorenz, war in den 70er Jahren auch Landesvorsitzender der CDU. Er wurde später bekannt, als man ihn kurz vor den Abgeordnetenhauswahlen entführt hat. Peter Lorenz war damals ein glühender Verfechter für die Gründung des Unionhilfswerk als Sozialverband. Für die Union war es damals natürlich schon ein Manko, keinen parteinahen Sozialverband an der Seite zu haben. Wenn wir uns an die Zeit 1946/47 erinnern, oder was wir darüber wissen, spielten damals Sozialverbände für die Stadt eine wichtige Rolle. Es gab sehr viele Flüchtlinge in der Stadt. Flüchtlinge aus den Ostgebieten, die in Berlin gestrandet waren. Die ersten Kriegsgefangenen kamen wieder zurück in die Stadt. Es gab auch Heimkehrer-Ausschüsse. Diese und der sogenannte CARE-Ausschuss wurden von den damaligen Sozialverbänden besetzt. Die kirchlichen Verbände, wie die Caritas oder die Diakonie aber auch parteinahe, wie die AWO und auch die Volkssolidarität in Dresden wurden relativ schnell wieder gegründet. In Berlin bestand noch ein zusätzlicher Sozialverband, die große Sozialhilfe. Einen Sozialverband, der der Union besonders nahestand, gab es allerdings nicht. Das wurde von vielen Sozialpolitikern der Union als Manko empfunden und insofern sind wir tatsächlich eine Geburt der Politik.

 

Im nächsten Beitrag geht es um die ersten Einrichtungen des noch jungen Unionhilfswerk zu Beginn der 1950er Jahre.

Gut #VERBUNDen mit dem Unionhilfswerk – Ein kreatives Projekt für Mitarbeiter*innenbindung

Projekt VERBUNDen im Unionhilfswerk

 

 

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Zunächst war der angesprochene Teilnehmerkreis besonders, denn erstmalig haben wir eine Einladung an alle unsere rund 2.000 Mitarbeiter*innen im Verbund ausgesprochen, das Vorhaben aktiv mitzugestalten: Ergebnisoffen, motiviert und mit Neugierde, kreative Methoden auszuprobieren.

Auch die Arbeitsmethode war besonders: Wir haben zum ersten Mal die Design-Thinking-Methode in dieser Größenordnung bei uns angewandt. Design Thinking ist ein kreativer und innovativer Gestaltungsprozess, bei dem die Perspektiven und Bedarfe der „Betroffenen“ aktiv erfragt werden, um sie für Problemlösungen und Ideen zu nutzen.

 „Es macht wirklich Spaß, mit Leuten zu arbeiten, die Lust auf so einen Prozess haben!“

Die Idee in unserem Kontext war, dass Mitarbeiter*innen selbst mitgestalten und eigene Ideen für Verbesserungen in ihrem Arbeitsalltag entwickeln.

Besonders ist auch, wie das Projekt entstanden ist, denn  Teilnehmende aus dem Vorstand, den Geschäftsführungen und den Betriebsräten sowie Mitarbeiter*innen und Führungskräfte haben gemeinsam in einer vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit das Projekt gestartet, durchweg begleitet und „gelebt“.

 

Was sind die Ergebnisse des Projektes?

Anhand der Methode hat die Arbeitsgruppe mithilfe von empathischen Interviews unter anderem herausgefunden, was konkret den Kolleginnen und Kollegen in ihrer Arbeit mit ihren Teams, mit ihren Aufgaben und auch mit ihren Führungskräften wichtig ist und warum.

Nach den Interviews und einem Kreativ-Workshop wurden drei konkrete Ideen entwickelt, die die Arbeitsgruppen anschließend als sogenannte Prototypen in einzelnen Einrichtungen getestet und verbessert haben.

Ein Prototyp kann die Kommunikation zwischen Führungskraft und Team verbessern, indem auf positive Ereignisse im Team eingegangen wird und aktuelle Herausforderungen thematisiert werden. Ein weiterer Prototyp beschäftigt sich mit der Kommunikation innerhalb eines Team inklusive einer raschen Klärung von herausfordernden/kritischen Situationen. Der dritte Prototyp beschäftigt sich mit selbst verwaltenden Teams und der Verteilung von Führungsaufgaben auf einzelne Mitarbeiter*innen je nach Kompetenz.

 

Was kommt am Ende dabei heraus?

Viele Kontakte zwischen den Mitarbeiter*innen, die dauerhaft und weit über das Projekt hinausgehen. Offenheit für den Einsatz verschiedener Arbeitsmethoden, um sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Hohes Vertrauen aller Beteiligten in die Arbeitsprozesse und die Ergebnisse sowie eine hohe Relevanz für unsere Kolleginnen und Kollegen, denn die Prototypen wurden von und für die Mitarbeiter*innen entwickelt – drei tolle Prototypen, die wir dauerhaft als Instrumente zur Mitarbeiter*innenbindung im Unionhilfswerk einsetzen und weiterentwickeln werden.

 „Zusammensetzung der Leute hier – toll! Heute war cool, soviel Kreatives zu machen, so viele Dinge zu entwickeln!“

 

Wie geht es weiter?

Die Prototypen stellen wir allen Einrichtungen in unserem Intranet zur Anwendung zur Verfügung und begleiten mit unserem Team Personalmarketing das Ausprobieren!
Weitere Informationen erhalten Sie unter: personalmarketing@unionhilfswerk.de

 

Vielen Dank an alle Mitwirkenden von #VERBUNDen:

Unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Design Thinking Gruppe, Interviewpartner*innen, Einrichtungen aus der Pflege, Kita, Betreuung, Verwaltung, Projektzirkel, Grafikabteilung der USE, Unternehmenskommunikation, Berater und Personalmarketing.

Auch Wegbegleiter brauchen manchmal Wegbegleiter

Seit einiger Zeit steht den Mitarbeiter*innen des Unionhilfswerk ein spezielles Beratungsangebot zur Verfügung: die individuelle und anonyme Mitarbeiter*innen- und Führungskräfteberatung unseres Kooperationspartners Fürstenberg Institut. Mitarbeiter*innen und Führungskräfte können sich bei persönlichen, beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Fragestellungen in Einzelgesprächen beim Fürstenberg Institut beraten lassen. Dabei kann es um Herausforderungen mit Teamitgliedern, um private Themen oder um ganz andere Fragen gehen.

Die Gespräche mit qualifizierten Fachberater*innen sind anonym, und streng vertraulich, Gesprächsinhalte werden nicht weitergegeben oder ausgewertet. In den Gesprächen hören die Berater*innen zuallererst einfach nur zu, steuern auf Wunsch eine Perspektive von außen bei und können Empfehlungen für weitere Vorgehensweisen geben. Die Beratungstermine können unbürokratisch und kurzfristig auch in den Abendstunden sowie digital vereinbart werden. Das Angebot ist für die Mitarbeiter*innen komplett kostenfrei, die entstehenden Kosten werden als Investition in die Mitarbeiter*innen gesehen und gern vom Unternehmen getragen.

 

„Ich empfinde es als sehr wertvoll, dass wir ein solches Angebot bieten und glaube, dass es ein weiterer Baustein in unserem Streben ist, unsere Kolleg*innen im Arbeitsalltag zu unterstützen.“, sagt Wolfgang Kowalewski, der das Personalmarketing des Unionhilfswerk leitet.

 

Die Nutzungszahlen des Angebotes sprechen für sich: Eine Zufriedenheitsanalyse des Fürstenberg-Instituts ergab, dass 96% aller Kund*innen mit der Mitarbeiter*innen- und Führungskräfteberatung und anderen Beratungsangeboten des Instituts zufrieden oder sehr zufrieden sind.

 

Die Login-Daten für die Webseite des Fürstenberg Institutes finden Sie im Unionhilfswerk-Intranet in der Rubrik Organisatorisches/Betriebliches Gesundheitsmanagement.

 

Wenn Sie sich jetzt fragen: Ist das überhaupt was für mich? Wir haben zwei fiktive Fallbeispiele für Sie zusammengestellt, die Ihnen bei der Einschätzung helfen können und aufzeigen, welche Möglichkeiten eine Beratung durch das Fürstenberg Institut eröffnen kann.

 

 

Danny, 37 Jahre, ist Sozialarbeiter in Neukölln und arbeitet in einer Tagesstätte für Menschen mit psychischer Erkrankung

Danny stört immer mehr der administrative Bürokram in seiner täglichen Arbeit sowie einige politische Entscheidungen, die seiner Meinung nach nicht für eine Verbesserung der Situation seiner Klienten sorgen. Kürzlich ist seine Einrichtung, zu Unrecht, negativ in die Schlagzeilen geraten, was ihn noch mehr belastet.

Er ist mehr und mehr frustriert, will er doch einfach nur „die Menschen unterstützen und begleiten“, die in seiner Einrichtung arbeiten. Zwei seiner Klienten haben es ihm emotional besonders angetan: Sie werden zuhause kaum gefördert und es werden immer wieder nur ihre „Defizite“ betont.  Auch die Behörden sorgen manchmal für Frustration (Bewilligungen bleiben aus, etc.)

Mit Hilfe des Instituts haben der Berater und Danny in mehreren Gesprächen herausgearbeitet und verabredet, dass sich Danny anhand konkret vermittelter Methoden wieder mehr auf die funktionierenden Dinge in seinem Leben fokussiert und er kleine positive Aspekte einerseits wieder wahrnimmt und zudem mehr wertschätzten kann (Stichworte: Journaling, Dankbarkeitstagebuch).

Weiterhin konnte Danny mithilfe von seinem Berater vermittelte Methoden zur besseren Abgrenzung von seinen beruflichen Themen erfolgreich ausprobieren.

 

 

Simone, 42 Jahre, ist Teamleiterin in einer Einrichtung in Reinickendorf

Simone ist seit zwei Jahren Führungskraft und war zuvor mehrere Jahre Mitarbeiterin in ihrem Team. Als Führungskraft verfolgt sie einen sehr kollegialen und freundschaftlichen Führungsstil, der die Mitarbeiter*innen oftmals in Entscheidungen einbindet. Seit ihrem Rollenwechsel von der Mitarbeiterin zur Führungskraft hat sich das Verhältnis ihrer Kolleginnen und Kollegen zu ihr verändert: die Mitarbeiter*innen sind distanzierter als früher, erzählen ihr weniger, wirken vorsichtiger auf sie und verbringen seltener als früher die Pausen mit ihr. Das verunsichert Simone und sie macht sich vielfältige Gedanken über die Ursachen.

Demnächst muss Simone ein für sie unangenehmes Mitarbeiter-Gespräch mit einem Kollegen führen, dessen geringere Leistung seit geraumer Zeit mehr Arbeit für die anderen Kollegen bedeutet und der sich bislang nicht einsichtig gezeigt hat. Privat kann Simone mit ihrem Mann wenig über ihre Situation sprechen, er sagt nur: “Das ist eben so, Führung macht einsam. Ist doch super, wenn du alles bestimmen kannst.

Mit Hilfe des Instituts haben die Beraterin und Simone in mehreren Gesprächen herausgearbeitet: Simone ist deutlich geworden, dass sie sich mit anderen Führungskräften bzgl. solch kniffliger Situationen austauschen kann und sollte. Sie haben zudem Methoden für die Führung von schwierigen Mitarbeiter-Gesprächen besprochen und im Rollenspiel mehrere Gesprächsverläufe geübt. Des Weiteren haben die Beraterin und Simone ihre Rolle als Führungskraft sowie die Herausforderungen beim Rollenwechsel herausgearbeitet und besprochen, wie Simone zukünftig für sie besser damit umgehend kann.

 

 

„Endlich ist die Kleene da“

Heute ist Valentinstag. Diesen Tag kann man mögen oder nicht, zelebrieren oder ignorieren. Das Wegbegleiter-Redaktionsteam hatte in jedem Fall Lust auf eine Liebesgeschichte – vielleicht auch, weil wir positive und schöne Geschichten gerade ganz besonders gut gebrauchen können.
Und da passt die Geschichte von Benjamin und Jigie Wunderlich einfach wunderbar.

Liebe kennt keine Entfernungen

Inzwischen arbeiten beide im Pflegewohnheim „Alt Treptow“ und fühlen sich dort angekommen. Der Weg dahin war allerdings kein leichter und forderte den beiden einiges ab. Rückblickend, so erzählen sie, spielte die Unterstützung des Teams im Pflegewohnheim eine wichtige Rolle. Aber von vorn…

Schon immer reiste Benjamin Wunderlich gern und viel. 2007 lud sein Kollege Sammuel Baldueza, von allen Sammy genannt, ihn ein, gemeinsam auf die Philippinen zu reisen. Anfangs zögerlich, ließ Benjamin sich 2008 doch überreden und so wohnte er im Dezember zwei Wochen lang bei Sammys Familie.
Direkt nebenan lebte Sammys Cousine Jigie mit ihren Eltern und Brüdern. Als Benjamin sie das erste Mal sah, hing Jigie gerade die Wäsche auf.
„Sie gefiel mir sofort und ich fragte Sammy, wer das sei.“ Damit war der Stein ins Rollen gebracht und eine besondere Liebesgeschichte begann.

„Wer ist der fremde Mann?“

Weil er wusste, dass Jigie in einem kleinen Lebensmittelladen arbeitete, ging Benjamin mit langer Einkaufsliste in das Lädchen. Eine Verständigung war anfangs nur mit Händen, Füßen und der Unterstützung von Sammy möglich. „Trotzdem lag schon etwas in der Luft“, so Benjamin.

Die ersten Treffen fühlten sich für Jigie dennoch merkwürdig an. Immerhin stammt sie aus einer sehr konservativen Familie und ist nicht nur das jüngste Kind, sondern auch die einzige Tochter neben 4 Brüdern. Sowohl Eltern als auch die Brüder waren anfangs skeptisch. Eigentlich stellt sich ein Mann den Eltern vor und bittet um Erlaubnis, deren Tochter treffen zu dürfen. Manchmal muss der Verehrer den Eltern sogar ein Lied vorsingen, erzählen mir die beiden lachend.

Jigie erinnert sich an eine Situation vor der Universität, an der sie Rechnungswesen studierte: Dort wartete Benjamin eines Tages überraschend, um sie abzuholen. Sie musste allen Studienkameraden erklären, wer der fremde Mann sei. „Der Kollege meines Cousins“, beruhigte Jigie die aufgeregten Freundinnen und Freude. Auf einem Motorrad fuhren beide an diesem Nachmittag durch die Stadt und lernten einander weiter kennen.

Unterstützung vom ganzen Team

Es waren bei diesem ersten Aufenthalt nur wenige Tage, die die beiden miteinander verbrachten. Trotzdem war der Abschied traurig, tränenreich und schwer. Und es fiel der erste Kuss… für Benjamin ein Versprechen.

Als er an Weihnachten, zurück in Deutschland, seine Eltern traf, stand der „neue Lebensplan“ für ihn fest. Und auch wenn der Papa noch etwas zögerte, die Freude der Mama war groß – ebenso wie die Unterstützung der Eltern in den kommenden Monaten und Jahren.

Im April 2009 flog Benjamin erneut für 3 Wochen auf die Philippinen. Jigie und er festigten die Beziehung zueinander und schmiedeten Zukunftspläne. Im September 2009 folgte die Verlobung und 2010 heiratete das Paar auf den Philippinen. Laut damaligem Gesetz war für Jigie ein dauerhafter Aufenthalt in Deutschland nur als verheiratete Frau möglich.

Es vergingen trotzdem weitere 4 Jahre, bis Benjamin seine Jigie – seine „Kleene“- endlich nach Deutschland holen konnte. Bis dahin reiste er zwei Mal pro Jahr für drei bis vier Wochen zu seiner Frau.

„Ohne die Unterstützung meines Teams im Pflegewohnheim wäre das so nicht möglich gewesen und dafür bin ich meinen Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar“, erzählt Benjamin. Schwester Petra, die Stationsleitung vom Wohnbereich 3, und Tobias Wendrich, der Pflegedienstleiter, ermöglichten von Jahr zu Jahr die besondere Urlaubsplanung und munterten Benjamin auf, wenn er Zuspruch brauchte. „Es gab auch traurige Tage und oft war die Sehnsucht groß“, erinnert sich Benjamin, „dann war ich einfach nicht gut drauf.“

Es galt, viele Hürden zu nehmen

Beiden wurde immer klarer, dass es so nicht mehr lange weitergehen sollte. Aber für das Ziel, gemeinsam und endlich vereint in Deutschland zu leben, brauchte es Kraft und Durchhaltevermögen. Es galt, unzählige Formulare und Anerkennungsurkunden, inklusive ständiger Übersetzungen, auszufüllen und in der Botschaft vorzuzeigen, Behördengänge und noch mehr Behördengänge zu erledigen.
Jigie absolviert einen Deutsch-Sprachkurs und Benjamin rechnete hin und her, ob es finanziell für ihn stemmbar wäre, Jigie nach Deutschland zu holen. Denn eine Sache war und ist Jigie für sich selbst, aber auch für ihre Familie, besonders wichtig und die wollte Benjamin ihr unbedingt bieten: Sicherheit.

Ende 2013 entschieden sich beide, den großen Schritt endlich zu wagen. Da Jigie noch nie geflogen war, setzte Benjamin sich 2014 erneut in den Flieger und „holte die Kleene ab“. Der Abschied von Familie und Heimat fiel Jigie sehr schwer. Beide erinnern sich aber an das schöne Gefühl, als am Flughafen Tegel Benjamins Familie mit großen Sonnenblumen wartete.

Und auch in Benjamins Team im Pflegewohnheim war die Freude und Erleichterung groß, schließlich hatten viele Kolleg*innen mitgefiebert und Benjamins Kummer geteilt: „Endlich ist die Kleene da“, hieß es deshalb im Team.

Als Springerin für die Küche warf Jigie einen Blick in die Altenpflege

Zeit zum Ankommen und Durchatmen wollte sich Jigie nicht nehmen. Das würde auch gar nicht zu ihr passen, erklärt Benjamin.
Nach einem 4-monatigen Integrationskurs bekam Jigie die Möglichkeit, als Springerin in der Küche der Pflegewohnheime zu arbeiten. „Das war eine gute Chance, die Menschen und die Mentalität kennenzulernen und mein Deutsch zu verbessern“, so Jigie. Vor allem ermöglichte ihr diese Stelle aber einen Blick in die Altenpflege und recht schnell hatte sie das Gefühl, dieser Beruf könnte etwas für sie sein. Ihr eigenes Studium ist in Deutschland leider nicht anerkannt.

Und wieder ist es der Pflegediensleiter Tobias Wendrich, der unterstützt: Gemeinsam mit Benjamin klärt er, welche Schritte notwendig wären, um Jigie die Tür in die Altenpflege zu öffnen.

Doch bevor es zum Praktikum, dem Basiskurs und der Festanstellung im Pflegewohnheim „Alt Treptow“ kommt, passiert noch etwas Wunderbares. Benjamin und Jigie Wunderlich werden Eltern eines kleinen Sohnes und Jigie genießt erst einmal die Elternzeit.

Inzwischen ist Luke 6 Jahre alt und Jigie als Springerin in allen Wohnbereichen des Pflegewohnheimes im Einsatz. Ihrem Mann begegnet sie dabei selten und nur in Ausnahmefällen. An vielen Tagen laufen die beiden sich gar nicht über den Weg. „Beruflich und privat trennen wir gern“, sind sie sich einig.
„Benjamin hat mir anfangs bei fachlichen Fragen geholfen und ich habe an ihm zum Bespiel das Lagern oder auch den Kompressionsverband geübt. Als hätte ich meinen eigenen Lehrer oder Mentor zuhause. Das war toll und eine große Hilfe.“, erzählt Jigie.
Es hat viele Vorteile, im selben Haus zu arbeiten, besonders bei der Urlaubs- und Dienstplangestaltung. Dafür haben sie selten ein gemeinsames, freies Wochenende. Aber das nehmen sie gern in Kauf, denn sie fühlen sich in dem Haus und vor allem mit dem Team einfach wohl. Es haben ja schließlich auch einige Kolleg*innen ein wenig zur Liebesgeschichte von Familie Wunderlich beigetragen. Das verbindet.

Kitschig-schön

Und, liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen: Ich wollte keine kitschige Liebesgeschichte schreiben, aber hier im letzten Absatz muss es doch noch einmal ein wenig kitschig werden. Aber kitschig-schön, versprochen.

Corona-bedingt konnte unser Interview zu dritt leider nur am Telefon stattfinden und so gab es nur unsere Stimmen. Das fand ich erst etwas schade.
Während des Interviews wurde ich aber eines Besseren belehrt. Sie glauben ja nicht, wieviel in den Stimmen von Benjamin und Jigie mitschwang, wieviel die beiden bei ihren Erzählungen gelacht und gekichert, sich gegenseitig geneckt und aufgezogen haben. Ich konnte das Grinsen der beiden während des Erzählens und die verliebten Blicke förmlich durchs Telefon „hören, sehen, spüren“… Und war ganz beseelt nach diesem schönen Gespräch. Vielen Dank!

 

 


 

Jigie mit ihrem Cousin Sammy

*** Benjamin und Jigie Wunderlich sowie das ganze Team im Pflegewohnheim „Alt Treptow“ trauern um Sammuel Baldueza, der im letzten Jahr überraschend und viel zu jung verstarb und von allen schmerzlich vermisst wird. Er spielt für Familie Wunderlich eine ganz besondere Rolle und lebt in der Erinnerung und in den Herzen der drei weiter.

 

Auftakt zur großen Spendenaktion im Ahrtal

Nach der Flutkatastrophe im Sommer des letzten Jahres hatte sich das Unionhilfswerk schnell entschlossen, Betroffene vor Ort zu unterstützen. Durch einen internen Aufruf kamen 8.000 € privater Spenden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Unternehmensverbund zusammen! Den Betrag stockte das Unternehmen – wie versprochen – nochmal auf 20.000 € auf. Das Geld geht jeweils zur Hälfte an die zerstörten Caritas Werkstätten in Sinzig sowie an das Lebenshilfehaus in Sinzig.

Den Auftakt machte nun die USE. Regelmäßig zu Weihnachten spendet die USE für ein Projekt oder eine soziale Einrichtung, zu der es einen inhaltlichen Bezug gibt. 2021 fiel die Wahl leicht: Die Caritas Werkstätten Sinzig sollten unterstützt werden. Als erste Aktion suchten sich die Kolleginnen und Kollegen der Werkstätten aus dem Ahrtal im DIM Webshop verschiedene Produkte aus: Gedächtnis- und Gesellschaftsspiele, Magnetboxen für Briefe und Stifte, Keramiktassen und Spielbälle. Sie werden nun in der Tagesförderstätte und im Bereich Berufliche Bildung und Integration der Einrichtung eingesetzt.

Darüber hinaus gab es einen symbolischen Scheck über 3.500 €. Die Geldspende in Höhe von 10.000 € wird für den Wiederaufbau der Sinziger Werkstätten verwendet. Noch sind die Rahmenbedingungen vor Ort aber nicht klar – vor Weihnachten fiel erst die Entscheidung, die Betriebsstätte am bisherigen Standort wiederaufzubauen und zu sanieren. Wenn die bauliche Planung abgeschlossen ist, kann der Betrag in Höhe von 3.500 € auch in Arbeitsleistung umgesetzt werden – durch die tatkräftige Unterstützung der Gewerke der USE wie zum Beispiel Malerei, Tischlerei oder Metallbau.

Mehr Infos unter www.st-raphael-cab.de/hochwasser

Unionhilfswerker*innen: Andreas Wendt

Name:                  Andreas Wendt

Alter:                    57 Jahre

Beruf:                   Integrationsfachberater/Jobcoach in der Union Sozialer Einrichtungen (USE gGmbH)

 

Was genau machen Sie da?

Ich berate und begleite Menschen mit Behinderungen und unterstütze sie bei Schwierigkeiten im Berufsleben. Zum großen Teil bin ich dabei sehr eng an den Menschen dran: für mehrere Stunden an mehreren Tagen in der Woche arbeite ich mit und bekomme dadurch ganz viel von den Problemen, die am Arbeitsplatz bestehen, mit. Wir sprechen dann darüber, wie der Arbeitstag besser strukturiert, Abläufe anders gestaltet oder die Kommunikation mit dem Team ausgebaut werden kann. Manchmal sind es nur ganz kleine Dinge, die wir gemeinsam verändern, die eine große Auswirkung auf die Arbeit, die Leistungsfähigkeit und die eigene Zufriedenheit haben. Als Jobcoach schaffe ich es dann, dass die Menschen mit Behinderungen, die vielleicht ohne Unterstützung keine Chance gehabt hätten, gut ins Arbeitsleben integriert werden können. Das ist toll und das macht Spaß!

 

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Beruf?

Wege und Lösungen zu finden, wo die Situation für meine Klienten aussichtslos zu sein scheint. Mir ist es ein großes Anliegen, die Rechte der Menschen mit Behinderungen durchzusetzen – das kann auch manchmal ziemlich hakelig werden, wenn Vorgesetzte in den Unternehmen das anders sehen. Aber das motiviert mich erst recht. Außerdem bin ich in einem Job, wo ich selbstbestimmt arbeiten kann – meine Arbeitszeiten und Termine kann ich frei gestalten, meine Wege selbst planen.

 

Was wollten Sie werden, als Sie klein waren?

Ich wollte am liebsten Kindergärtner werden.

 

Was ist das Schrägste, was Ihnen bisher in Ihrem Berufsleben passiert ist?

Dass ich als Darsteller des Till Eulenspiegel auf dem Hochseil engagiert wurde.

 

Welche Tätigkeit beherrschen Sie neben dem Job so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?

Unser Haus in Mecklenburg habe ich in den letzten Jahren umgebaut und modernisiert – dabei habe ich Fähigkeiten entwickelt, mit denen ich, wenn nötig, ein zweites Standbein etablieren könnte.

 

Am Wochenende mache ich am liebsten

Ich verbringe die Wochenenden am liebsten in Mecklenburg – dort gibt es immer etwas zu tun, das ist ein schöner Ausgleich für mich.

 

Was ist Ihr Lieblingsplatz/ -ort?

Bei Tagesanbruch mit meinem Kaffee draußen sitzen.

 

Auf welchen Luxus könnten Sie verzichten?

Auf den Luxus der Konsumvielfalt (Konsumterror) könnte ich gut verzichten.

 

Sie dürfen drei Gegenstände mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche wären das?

Die Musik von The Clash. Ausreichend Kaffee. Meinen Leatherman.

 

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, zu welcher Zeit hätten Sie gerne gelebt?

Jetzt ist die beste Zeit.

 

Was sollte jeder Mensch einmal im Leben getan haben?

Jeder sollte einmal im Leben an seine Grenzen gehen.

 

Welche Superkraft hätten Sie gern: Unsichtbar sein können, Gedanken lesen oder fliegen?

Fliegen ist die beste Superkraft.

 

Zum Schluss: Wen möchten Sie bei der Gelegenheit grüßen?

Ich grüße alle, die das hier lesen.