Monthly Archives: November 2019

Wenn der Mensch dem Menschen nicht egal ist

Stellvertretend für ihre Gruppe treffe ich die zwei sehr sympathischen jungen Frauen Merle (14) und Pia (17) in den Räumlichkeiten der Gemeinschaftsunterkunt Pankow des UNIONHILFSWERK. Sie sprechen für den „harten Kern“ der Arbeitsgemeinschaft (AG), also ungefähr einem Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

„Wir möchten uns für gleichaltrige geflüchtete Menschen engagieren“, so die Schülerinnen

„Wir haben an unserer Schule keine Willkommensklasse und würden dennoch gerne einen Kontakt zu gleichaltrigen geflüchteten Menschen aufbauen“, so formulierte es Pia bereits 2017 bei einem ersten Treffen mit dem Freiwilligenkoordinator der Gemeinschaftsunterkunft, Ralf-Rene Gottschalk. Ein Schulprojekt sollte damals bereits eine Kooperation mit unserer Einrichtung aufbauen. Die zeitlichen Rahmenbedingungen passten bedauerlicherweise nicht zueinander. Das Projekt sollte während der regulären Schulzeit stattfinden, d. h. zu einer Zeit, wo auch die Bewohner*innen-Kinder unserer Einrichtung ihre Schulen besuchen. Die engagierten Mitschüler*innen um Pia und ihrem Team nahmen das jedoch als Herausforderung an und blieben an dem Thema dran.
Ein Jahr später, im Spätsommer 2018, kam Pia mit ihrem Team wieder in die Unkterkunft und stellte die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft vor. Freiwilliges soziales Engagement außerhalb der regulären Schulzeiten: Hausaufgabenhilfe, Jugend-, Jungen- und Mädchennachmittage sind seitdem die Angebote der engagierten Schülerinnen und Schüler. Die Bedarfe aller Beteiligten und Teilnehmenden verändern sich im Laufe der Zeit und so liegt der Schwerpunkt gegenwärtig bei dem Angebot des Mädchennachmittags.

Einmal wöchentlich zwischen 17 und 19 Uhr treffen sich die Schüler*innen und alle interessierten Kinder der Unterkunft zwischen 10 und 15 Jahren für zwei Stunden zum Basteln, Kochen, Backen oder auch zum Hausaufgaben machen. Was genau dann jeweils passiert, wird recht spontan und nach Bedarf entschieden. Demnächst stehen außerdem monatliche Ausflüge ins Theater und zum Schlittschuhlaufen auf dem Programm.

Ein bereichernder Einblick in die soziale Arbeit

Merle und Pia sind nicht erst seit gestern sozial engagiert. Sie erzählen mir, dass ihnen während ihrer Arbeit im UNIONHILFSWERK bewusst geworden ist, wie herausfordernd und zum Teil stressig die Arbeit hier sein kann. Nichtsdestotrotz macht sie ihnen enormen Spaß. Und durch ihren Einblick in das Schaffen der Einrichtung ist auch ihre Wertschätzung gegenüber den Menschen, die ihr Leben hauptamtlich der Sozialen Arbeit widmen, noch einmal enorm gestiegen.

Diese jungen Frauen haben mir im Laufe des Interviews wieder einmal gezeigt, dass die Jugend von heute sehr wohl gesellschaftlich engagiert sein kann und dies oft auch ist. Rosa Luxemburg wäre sicherlich stolz, wenn sie diese jungen engagierten Erwachsenen sehen könnte. Von ihrem Gymnasium gab es bereits Anerkennung für die geleistete Arbeit, so gewann die Gruppe völlig zurecht einen Ehrenpreis in der Disziplin „Soziales Engagement“. Das hierdurch gewonnene Preisgeld wird wiederum für weitere Ausflüge verplant.

Weitere helfende Hände wären toll

Die meisten der jungen Helferinnen und Helfer stehen kurz vor ihrem Abitur oder haben ihren Abschluss bereits in der Tasche, sodass hier in der Arbeitsgemeinschaft meist eine recht hohe Fluktuation herrscht. Und auch, wenn die Medien sich derzeit eher auf andere Themen fokussieren, so darf nicht vergessen werden, dass leider auch weiterhin Menschen flüchten und unsere Unterstützung vor Ort benötigen. Daher wären die Schüler*innen dankbar über jede helfende Hand. Momentan findet die AG jeden Donnerstag statt. Falls ihr euch zu diesem besonderen Schritt entschließen solltet und regelmäßig zwei Stunden in der Woche eure Zeit in etwas Sinnvolles, wie beispielsweise Hausaufgaben-Hilfe, investieren möchtet, nehmt doch bitte direkt kontakt auf mit Ralf René Gottschalk, unserem langjährigen Freiwilligenkoordinator der Gemeinschaftsunterkunft.

Freiwillige und Hauptamtliche renovieren die Wohnungslosentagesstätte Schöneberg

WoTa erhält 2.100 Euro

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg fördert jedes Jahr das freiwillige Engagement in den Nachbarschaften (FEIN). Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hat dem Bezirk für diesen Zweck 74.200 Euro zur Verfügung gestellt. Davon gingen 2.100 Euro an die Wohnungslosentagesstätte.

Stadtrat lobt Engagement

„Dieses nicht selbstverständliche Engagement wird von mir gerne gefördert. Zeigt sich doch hier das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der öffentlichen Infrastruktur in ihrer direkten Nachbarschaft“, sagt Bezirksstadtrat Jörn Oltmann, der gekommen ist, um sich ein Bild von den Renovierungsarbeiten zu machen. Mit dabei war auch Sabine Uschmann, die Ansprechpartnerin im Bezirk für die FEIN-Mittel.

Schöne Räume sind wichtig

Einrichtungsleiter Ralf Schönberner packt ebenfalls mit an. Er legt großen Wert darauf, dass die Räume sauber und liebevoll eingerichtet sind. „Wenn sie schön sind, sorgen auch die Gäste dafür, dass sie schön bleiben“, verrät er.

Engagement braucht öffentliche Wertschätzung

Ralf Schönberner freut sich über die FEIN-Mittel sehr. „Damit wird das Engagement unserer Freiwilligen, das für uns sehr wichtig ist, anerkannt.“ Zurzeit unterstützen fünf Freiwillige, die selber wohnungslos sind oder waren, die Wohnungslosentagesstätte in der Gustav-Freytag-Straße 1. Ralf Schönberner hofft, dass durch die öffentliche Wertschätzung weitere Betroffene ermutigt werden, sich freiwillig zu engagieren.

Nein heißt Nein – Warum wir uns in der Behindertenhilfe mit sexualisierter Gewalt beschäftigen müssen

Insbesondere von Institutionen wissen wir nicht erst seit der Odenwaldschule, dass die hier herrschenden Hierarchien und strukturellen Machtverhältnisse sexualisierte Gewalt begünstigen.
Wir müssen uns also fragen: Ist so etwas auch bei uns möglich? Und wie können wir das verhindern? Wo sind unsere Risikofaktoren? Und welche Betreuungs- und Arbeitssettings sind besonders brisant im Hinblick auf Übergriffe?

Die in Fachkreisen gern zitierte Studie der Universität Bielefeld von 2011/2012 (eine aktuellere in dieser Größenordnung gibt es zurzeit nicht in Deutschland) hat gezeigt, dass Frauen mit Behinderungen noch sehr viel häufiger von sexualisierter Gewalt und anderen Gewaltformen betroffen sind, als Menschen ohne Behinderung (oB). So waren von 1561 Teilnehmerinnen der Studie 20-34% in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierten Übergriffen und 50-60% physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt (vgl. 10% Frauen oB und 36%). Im Erwachsenenalter waren 21-43% Opfer sexualisierter Gewalt und 58-75% physischer Gewalt (vgl. 13% und 35%). Männer wurden in dieser Studie nicht berücksichtigt, doch wir alle wissen aus unserem eigenen Arbeitskontext, dass auch viele unserer männlichen Klienten schwerwiegenden Übergriffe erleiden mussten.
Es geht also um Prävention und Schutz, wenn wir uns im UNIONHILFWERK der Auseinandersetzung mit diesem Thema stellen. Es geht auch darum, vorbereitet zu sein und mehr Sicherheit im Umgang damit zu finden. Und es braucht Mut, zu beginnen.

Tabus und Geheimnisse stehen ursächlich in Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt, denn erst die Sprachlosigkeit ermöglicht ihr Fortbestehen. Sprachlosigkeit wird durch hierarchische Strukturen gefördert, strukturelle Gewalt schafft einen idealen Nährboden für sexualisierte Gewalt. Daher müssen wir potentielle strukturelle Gewaltformen in unseren Arbeitsbereichen aufspüren, analysieren, eine offene Umgangsform damit finden. Wir müssen Risiken benennen, der Sprachlosigkeit mit System begegnen, Wege aus der Sprachlosigkeit finden und diese Wege vor allem aufzeigen, d.h. Konzepte erarbeiten, Fragen beantworten und Befürchtungen beruhigen. Was mache ich, wenn ich merke, dass irgendetwas nicht stimmt? Wie kann ich überhaupt meinem Gefühl trauen? Welche Konsequenzen hat es für mich und andere, wenn ich mich einmische? Was wird sich dann verändern? Vielleicht bin am Ende ich die Dumme, wenn ich Dinge anspreche, die ich selbst nicht so genau einzuschätzen vermag.

Quälende Gefühle der Scham bei den Opfern sexualisierter Gewalt

Menschen, die Gewalt und vor allem sexualisierte Gewalt ausüben, haben immer einen erheblichen Vorsprung. Sie haben selbst bereits die Strukturen, in denen sie sich bewegen und arbeiten, exakt analysiert und wissen die Beziehungsgeflechte innerhalb dieser Struktur zu nutzen. Sie erarbeiten sich ein System, das ihnen Zugriff ermöglicht. Sie haben sich ein genaues Bild gemacht von den Menschen in ihrem (Arbeits-) Umfeld, wissen, wer wie tickt. Häufig bauen sie Loyalitäten auf, schaffen Verbindungen und über Gefälligkeiten kleine Abhängigkeiten. Das muss nichts Verwerfliches sein, Verwerfliches könnte zu schnell auffallen. Daher geht es hier auch nicht um die Korrumpierbarkeit von einzelnen Kolleg*innen, sondern unter Umständen im Gegenteil um das Wohlwollen und die Harmoniebedürftigkeit ganzer Teams. Harmonie entsteht ja nicht nur durch Altruismus, sondern gern auch durch Abgrenzung nach außen, Zusammenhalt und „meine kleine Welt“ innerhalb meines Bereiches. Und einen weiteren ganz wesentlichen Vorteil wissen die Täter*innen sexualisierter Gewalt zu nutzen: unsere Scham. Scham ist eines der intensivsten und wirkungsvollsten Gefühle überhaupt. Und es ist eines der machtvollsten.

Über das Maß an Scham, das wir empfinden, sind wir manipulierbar. Je unangenehmer und peinlicher eine Sache für uns ist, desto schwerer fällt es uns, darüber zu sprechen. Es ist ein ganz natürlicher Vorgang; wir schützen uns lediglich. In der Fachliteratur ist bereits sehr viel bekannt über die oft lebenslang quälenden Gefühle der Scham, die Opfer sexualisierter Gewalt empfinden. Eine Scham, die sie meist in Verbindung mit Angst sprachlos gemacht hat. Aber auch wir sind diesem Gefühl ausgeliefert und es beeinflusst unser Handeln tagtäglich. Und damit sind wir wieder bei dem Thema Tabus und Geheimnisse. Welche Tabus gibt es bei uns? Welche unbequemen Fragen darf ich stellen und welche nicht?

Verabschieden von Glaubenssätzen

Wir müssen uns Fragen stellen wie: Was passiert eigentlich (mit uns) und wie können wir reagieren, wenn jemand von uns ein*e Täter*in wäre? Es geht darum, die Schwachstellen in unserem eigenen kleinen System zu identifizieren und uns von dem Glaubenssatz zu verabschieden: Bei uns gibt es sowas nicht! Und wenn, würde ich es doch merken.
Solche Glaubenssätze können oberflächlich beruhigen, aber sie dienen lediglich den Täter*innen. Die Realität beweist uns etwas Anderes, denn in der Regel merken wir es nicht oder erst sehr spät. Wir sind meist gefangen im System unserer eigenen Bedürfnisse, und das in allerbester Absicht. Wer möchte nicht einen Arbeitsplatz mit netten Kolleg*innen und im Bestfall einer entspannten und gleichwohl effektiven Arbeitsatmosphäre? Und wenn diese Atmosphäre anfängt zu brodeln oder gar brennt, dann doch bitte nicht aufgrund dieses Themas, das einem so nah kommt und so viel Gewesenes infrage stellt.

Es fällt uns inzwischen nicht mehr so schwer, Übergriffe von Klient*innen zu besprechen und Maßnahmen zu ergreifen, auch wenn adäquate Lösungen manchmal nicht leicht zu finden sind. Wir haben leider schon etliche Erfahrungen damit gemacht. Wenn uns jedoch sexuelle Übergriffe durch Kolleg*innen begegnet, erschüttert es uns und das gesamte Team in seinen Grundfesten. Eine Flut von Fragen taucht auf und der plötzliche Vertrauensverlust führt zu einer umfassenden Orientierungslosigkeit. Auch hierbei spielt die Scham wieder eine sehr große Rolle. Hätte ich etwas merken müssen? Habe ich vielleicht sogar etwas komisch gefunden und nicht reagiert? Trage ich dadurch eine Mitschuld? Und vieles, vieles mehr…
Oft werden diese Gefühle des Entsetzens, der Scham und Schuld auch kollektiv abgewehrt und es finden nicht selten Ausgrenzungsversuche statt. Nicht unbedingt wird dabei der/die verdächtigte Kolleg*in ausgegrenzt, sondern manchmal sind es auch diejenigen, die das Thema ansprechen oder die Betroffenen selbst.

Wir brauchen Worte und müssen gemeinsam hingucken

„Der Überbringer der schlechten Nachricht wird geköpft.“ Das war vor 2000 Jahren so und scheint auch heute noch ganz archaisch in unserem Gesellschaftswesen verankert zu sein. Wir Menschen sind immer auf der Suche nach Verbundenheit und das ist ja durchaus auch etwas Schönes und Bereicherndes und sichert letztlich unser (Über-) Leben. Es geht also nicht darum, Verbindungen zu kappen, sondern im Gegenteil diesen Verbindungen durch Worte mehr Verbindlichkeit zu geben. Wir brauchen Worte, damit wir nicht so manipulierbar sind. Wir brauchen Worte, damit wir nicht so ausgeliefert sind. Wir brauchen Worte, damit unsere Scham nicht dazu führt, dass es Raum für sexuelle Übergriffe gibt. Wir müssen hingucken und dieses Hingucken müssen wir erst noch lernen. Und das ist wirklich keine leichte Aufgabe.

Fachtag „Nein heißt Nein“ des Fachbereiches für Menschen mit Behinderung

Unser Fachtag „Nein heißt Nein“ im November ist erst der Anfang. Er ist der Paukenschlag, der unsere kollektive Aufmerksamkeit auf dieses eine ausgesprochen wichtige Thema lenkt, uns fokussiert und die Einführung unseres Sexualpädagogischen Konzepts untermauert.
Die Entwicklung dieses sexualpädagogischen Konzepts wurde vor einigen Jahren von den Leitungen des Fachbereiches für Menschen mit Behinderungen ins Leben gerufen. Es stellt die Grundlage unseres Handels dar und ist zugleich ein Statement gegen sexualisierte Gewalt und andere Gewaltformen in unseren Einrichtungen. Es beinhaltet zudem Leitfäden und Orientierungshilfen für den Umgang mit Situationen, in denen wir ungeübt und die emotional aufgeladen sind. Und es sind Worte. Viele Worte, die uns vielleicht an manchen Stellen fehlen und die nun mit Leben gefüllt werden müssen…von jedem einzelnen Mitarbeitenden und auf allen Ebenen, angefangen bei unseren Klient*innen bis hinauf in die Geschäftsführung. Während es bei der Klientel über Wege der Information, Aufklärung und Schulung um Empowerment und die Stärkung von Mitbestimmungsrechten geht, müssen wir uns als Kolleg*innen auch mit der Frage auseinandersetzen, welche Strukturen bei uns ein Klima von Offenheit und Transparenz einschränken. Das Thema ist hochbrisant und komplex. Es ist auch unbequem und vielleicht führt es dazu, dass unsere kleine Welt, in der wir uns bewegen, nicht ganz so bleiben wird, wie sie war und ist. Aber wenn wir nur einen Bruchteil der Energie, die wir dafür nutzen, wegzuschauen, in die andere Richtung lenken und hinschauen, wird sehr viel Positives frei. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

Es braucht Information und Aufklärung

Vor ein paar Wochen stellte mir eine Klientin, die sich als Expertin in Leichter Sprache mit der Übersetzung unseres sexualpädagogischen Konzepts beschäftigt, die Frage: „Könnt ihr nur Gewalt oder auch Aufklärung? Ich weiß nämlich manchmal nicht, ob das richtig ist, was mein Freund von mir will. Und er sagt dann, das machen alle so.“ Diese Klientin hat mit ihrer klugen Frage genau den Kern des Problems erfasst. Denn um mit sexualisierter (oder in Leichter Sprache sexueller) Gewalt umgehen zu können, braucht es zunächst einmal ganz viel Information und Aufklärung. Und das wiederum auf allen Ebenen. Damit meine Grenzen nicht überschritten werden, muss ich wissen, wo sie liegen und ich muss den Mut haben, sie zu benennen. Das sexualpädagogische Konzept beschreibt diese Grenzen allgemeingültig (für den Fachbereich 600) auf der Metaebene. Nun müssen wir uns auf die Suche nach der individuellen Ebene machen. Auf Klientel-Ebene wird das bereits von unseren Frauen- und Männerbeauftragten unterstützt, die seit Anfang 2018 in der internen Beratungsstelle FROZEN ehrenamtlich tätig sind. Denn wer viel weiß, kann sich und andere besser schützen.

Strukturelle Machtverhältnisse und strukturelle Gewalt

Was meinen eigentlich die Begriffe strukturelle Machtverhältnisse und strukturelle Gewalt, von denen hier so häufig die Rede ist? Es geht darum, unsere Beziehungsstrukturen zu beleuchten. Gemeint sind vor allem auch positive Beziehungen, freundschaftliche Verknüpfungen und Verflechtungen aller Art. Das UNIONHILFSWERK hat vor allem in den letzten Jahren viel dafür getan, das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des gesamten Trägers zu stärken. „Wir sind eine große Familie“, ein Gefühl von Verbindung und Verbindlichkeit, das uns zusammenhält und die Identifikation mit unserer täglichen Arbeit unterfüttert. Und das ist ja auch wirklich ein schöner Ansatz, denn wir wollen alle gern zur Arbeit gehen, uns sicher fühlen und ein positives Miteinander gestalten. Und tatsächlich gibt es viele enge Beziehungen bei uns. Es gibt Freundschaften, Liebesbeziehungen und Ehen, es gibt sogar die zweite Generation (oder auch die dritte?), die schon bei uns tätig ist. Bei all dem Schönen und Stärkenden, dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass enge persönliche Verflechtungen auch den idealen Nährboden für Misstrauen darstellen, denn es bilden sich Koalitionen, die über das normale kollegiale Maß hinausgehen. Wie klar bleibt mein Blick angesichts des Freundes oder der Tochter im Team? Wem kann ich mich anvertrauen, wenn ich ein Problem mit dem (Ehe-) Partner/der (Ehe-) Partnerin in meinem Team habe? Wie verhalten sich die Mitarbeiter*innen, wenn Leitungen in diese Verbindungen involviert sind?

Es geht nicht darum, Verbindungen zu kappen, nicht mal darum, sie zu verändern. Aber es geht darum, einen offenen und klaren Umgang damit zu finden, alternative (Gesprächs-) Angebote zu installieren, damit diese Konstellationen und ggf. Tabus nicht das Vertrauen zerstören und dazu führen, dass uns die wirklich wichtigen Themen verborgen bleiben.

Der Fachereich für Menschen mit Behinderungen fängt also schon mal an. Mit dem Hingucken…langsam, vielleicht blinzelnd und hoffentlich beständig. Die spannendste Frage ist jedoch noch offen: Wer im UNIONHILFSWERK folgt uns?

Spannendes Finale für die Kickers 97!

Das UNIONHILSWERK war mit zwei Mannschaften vertreten, die sich aus Spielerinnen und Spielern mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen zusammensetzen. Eine unserer beiden Mannschaften erreichte etwas unerwartet das Halbfinale und sicherte sich mit einer sehr starken Mannschaftsleistung durch ein 1:0 gegen das Team von Midria den Finaleinzug.

Was für ein Finale!

Im Finale trafen dann, hier erstmalig, die Mannschaften der Union Sozialer Einrichtungen (USE) und des UNIONHILFSWERK aufeinander. Dieses Finale war an Spannung nicht zu überbieten: Nach der regulären Spielzeit stand es 0:0. Das Sieben-Meter-Schießen musste die Entscheidung bringen und zwar in sage und schreibe drei Durchgängen. Im letzten Durchgang hielt der Torwart der Kickers 97 des UNIONHILFSWERK die ersten beiden Schüsse. Unsere Spieler verwandelten die 7-Meter sicher, feierten somit einen überraschenden, aber verdienten Turniersieg und sicherten sich den eigenen Pokal.

Für die Verpflegung war auch in diesem Jahr unsere Gruppe aus dem Wohnheim Nordufer verantwortlich. Betreuer versorgten gemeinsam mit einigen Klienten alle Mannschaften mit einem tollen Salat, frisch bestrichenen Brötchen, Würsten, Kaffee und einem erfrischenden Saft. Es war nicht nur alles ganz frisch zubereitet, es wurde auch komplett auf Plastik verzichtet. Hier wurde Nachhaltigkeit gelebt – ein Thema, das im Wohnheim Nordufer ohnehin auf der Tagesordnung steht.

Alle teilnehmenden Mannschaften lobten dieses Catering und auch die Turnieratmosphäre. Insgesamt wieder eine sehr gelungene Veranstaltung, die natürlich auch in 2021 fortgeführt wird. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch, liebe Kickers 97, macht weiter so!

Mein 9. November 1989 – Unionhilfswerker erinnern sich

„Ab sofort und unverzüglich“ – diese Worte haben Geschichte gemacht. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 schaute die ganze Welt auf das geteilte Berlin: Günter Schabowski hatte am Abend auf der berühmt gewordenen Pressekonferenz die neuen Reiseregelungen für DDR-Bürger erklärt und damit ungewollt eine historische Kettenreaktion in Gang gebracht.

In den Stunden danach überschlugen sich die Ereignisse. Ungläubigkeit und Neugier treiben Menschen aus beiden Teilen der Stadt auf die Straßen und zu den Grenzübergängen. Nachrichtenagenturen und Fernsehsender verbreiten die Nachricht von offenen Grenzübergängen. Wenige Stunden später wird das Gerücht Realität: Die DDR-Grenzsoldaten öffnen die Schlagbäume an den Berliner Übergängen, an denen sich nun tausende Ost- und Westberliner versammelt hatten. Jubel, Umarmungen und Freudentränen bestimmen ab da die Bilder, die um die Welt gehen und die heute noch bei so manch einem, ob dabei gewesen oder nicht, für Gänsehaut sorgen.

Auch vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des UNIONHILFSWERK ist dieser Abend im Gedächtnis geblieben und sorgt bei einigen heute noch für diesen einzigartigen Gefühlszustand, der sich wohl auch 30 Jahre nach dem Mauerfall nicht besser als in dem damals so oft gehörten Ausruf „Wahnsinn!“ zusammenfassen lässt. Sie waren dabei, als Geschichte geschrieben wurde – egal ob am Grenzübergang Bornholmer Straße, vor dem Fernseher oder am Radio. Neun Unionhilfswerker haben uns ihre ganz persönliche Mauerfall-Geschichte erzählt.

 

 

Lutz Krieger, Jahrgang 1938, ehemaliger Chefredakteur unserer Unternehmenszeitung „Wir für Berlin“ und Ehrenvorsitzender der Berliner Pressekonferenz, berichtete fast 40 Jahre aus dem geteilten und ungeteilten Berlin – in Tageszeitungen und beim Hörfunk. Als die Mauer fiel, arbeitete er in den Berliner Studios des Deutschlandfunks. Lesen sie hier mehr.

 

 

 

Wolfgang Stollorcz, Mitarbeiter in der Handbuchbinderei der USE, erlebte den Mauerfall als Teenager und die Grenzöffnung am Übergang Bornholmer Straße – und landete dabei auf einem historisch gewordenen Foto. Lesen Sie hier mehr.

 

 

 

Andreas Sperlich, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Unionhilfswerk Berlin, war im November 1989 Student an der Humboldt Universität und erfuhr erst am nächsten Morgen an der Bushaltestelle vom Mauerfall. Lesen Sie hier mehr.

 

 

 

Ulrike Freybe, Referentin für Personalmarketing und Social Media, lag am 9. November 1989 schlafend im Trabbi ihrer Eltern, als die in einer Nacht- und Nebelaktion „rüber machen“ wollten – doch dann kam alles anders. Lesen Sie hier mehr.

 

 

 

Dr. Thomas Georgi, Vorsitzender des Unionhilfswerk Landesverband Berlin e.V., sah die Schabowski-Pressekonferenz im Fernsehen, doch erst Hajo Schumachers Ankündigung, dass der 9. November ein historischer Tag sei, überzeugte ihn, zum nächsten Grenzübergang zu fahren. Lesen Sie hier mehr.

 

 

 

Modrian W. von Lüttichau, Mitarbeiter in der Wohngemeinschaft Görlitzer Straße, verfolgte die Ereignisse im Herbst 1989 und schrieb seine Beobachtungen und Gedanken in sein Tagebuch – so auch am 9. November 1989. Lesen Sie hier einen Auszug.

 

 

 

York Albrecht, Vorsitzender des Bezirksverbandes Köpenick, kam gerade von einem Gedenkgottesdienst, als ihm seine Frau von der Grenzöffnung erzählte – dann entwickelte sich der Abend anders als geplant. Lesen Sie hier mehr.

 

 

 

Margit Bünsch, Mitarbeiterin im Garten- und Landschaftsbau der USE, hatte am Abend des 9. November 1989 ganz andere Sorgen und begriff erst am nächsten Morgen, dass sie nicht im falschen Film ist. Lesen Sie hier mehr.

 

 

 

Fritz Niedergesäß, Vorsitzender des Bezirksvebandes Treptow, hörte sich gerade einen Vortrag über eine Nordkorea-Reise an, als er vom Fall der Mauer erfuhr. Jetzt konnte er endlich Familienangehörige in West-Berlin besuchen. Lesen Sie hier mehr.

 

 

Und wie sind Ihre ganz persönlichen Erinnerungen an den Mauerfall? Schreiben Sie Ihre Geschichte gern in die Kommentare!

Zusammenarbeiten tut mir einfach gut

Jedes Jahr im Oktober hat die „Woche der Seelischen Gesundheit“ das Ziel, über psychische Krankheiten zu informieren, verschiedene Hilfsangebote zu zeigen und zu Austausch und Diskussionen anzuregen. Dafür finden Veranstaltungen aller Art statt, um Bürgerinnen und Bürgern in Berlin die vielfältigen ambulanten und stationären Angebote der psychiatrischen und psychosozialen Einrichtungen in ihrer Umgebung vorzustellen. Das können Vorträge und Fachtagungen ebenso sein wie Workshops, Ausstellungen oder Schnupperkurse – immer geht es darum, Berührungsängste abzubauen und ins Gespräch zu kommen.
Auch die Zuverdienstwerkstatt hat wieder mitgewirkt und bereits zum 5. Mal einen „Tag des Selbermachens“ angeboten.

Die im Vorfeld angemeldeten Gäste konnten an diesem Tag selbst kreativ und handwerklich in der Werkstatt tätig werden. Mit großem Erfolg übernahmen die Beschäftigten wieder die Anleiterrollen und leiteten die Besucher an der Nähmaschine beim Nähen eines Einkaufsbeutels an.

Wie positiv die gemachten Erfahrungen waren, zeigen die Zitate der Beschäftigten über den „Tag des Selbermachens“:

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Was genau bietet eine Zuverdienstwerkstatt eigentlich an?

Die Zuverdienstwerkstatt bietet Menschen mit psychischen Erkrankungen verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten an. Unter fachlicher Anleitung arbeiten sie in der Textil- oder der Holzwerkstatt, im Boten- oder Reinigungsdienst, im Letter- oder Webshop, im Büro oder im Verkauf. So finden sie eine motivierende und ausfüllende Beschäftigung, wenn sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt – vorübergehend – nicht mehr tätig sein können. Vorerfahrungen sind in der Regel nicht erforderlich.