Monthly Archives: Juni 2018

HERZTÖNE – Theaterensemble „Die Papillons“ mit der zweiten Premiere

„Wer bin ich eigentlich“ – auf der Suche nach Erinnerungen

Christine Vogt baute mit den Bewohnern in intensiven Gesprächen nach und nach engeren Kontakt auf. Sie versuchte, mit ihnen lang zurückliegende Erinnerungen frei zu legen oder Antworten auf die Frage zu finden, wer sie eigentlich sind. Sie wollte sozusagen das innere Gesicht jedes Einzelnen anschauen.
Hieraus entstand die erste Projektidee, Gipsmasken für die einzelnen Teilnehmer zu bauen – ein gewagtes Experiment, weil die alten Menschen das teilweise ablehnten. „Ich brauche eine Brille, keine Maske,“ sagte einer kurz vor der Premiere der Werkstattaufführungen.

Das Experiment glückte – die sehr niedrigschwelligen Aufführungen vor Angehörigen, Freunden, Unterstützern und vor allem auch den Pflegekräften im Pflegewohnheim waren ein großer Erfolg. „Ich hatte anfangs große Sorge, wie das Projekt beim Publikum ankommen würde, weil es nur Fragmente waren. Aber mich überzeugte die Begeisterung der 11 zum Teil recht dementen Bewohnerinnen und Bewohner zwischen 60 und 94 Jahren, die wie „angefixt“ waren. Sie erkennen mich immer wieder und verbinden mit mir etwas, das unmittelbar an ihre Lebenserfahrung anknüpft. Es war wunderschön, Menschen in das Pflegewohnheim einzuladen, die die 11 Bewohner in einer völlig anderen Rolle sehen konnten, als bei normalen Besuchen: im Scheinwerferlicht und mit schönen Kostümen. Ich fühlte mich durch die positive Resonanz des Trägers und auch der Kollegen ermutigt, weiter zu machen. Eine Arbeit, die natürlich ohne die tolle Unterstützung meiner Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege und der Betreuungsassistenz gar nicht möglich gewesen wäre!“

Welch aktivierende Wirkung diese Projektarbeit haben kann, beschreibt Christine Vogt am Beispiel eines Bewohners, der infolge schwerer psychischer Krisen antriebsschwach geworden war und fast immer im Bett lag. Die entstandene Gemeinschaft, das regelmäßige Körpertraining, Feedback-Runden und viel Dynamik führten dazu, dass der Bewohner sich bis zum heutigen Tag aufrappelt, zu jeder Probe kommt und bei der Stange bleibt , trotz seines zeitweilig kritischen psychischen Zustands. So geht es vielen der dementen Bewohner. Sie stehen auf, überwinden ihre krankheitsbedingte Passivität und ihre Isolation.

Gemeinsam mit professionellen Künstlern und Assistenten arbeiten regelmäßig über 20 Personen zusammen – jeder aus seiner Profession heraus. „Es ist wie eine Welle, die sich fortsetzt, selbst bis zu einer Mitarbeiterin, die eigentlich für die Wäsche zuständig ist. Sie unterstützt uns ganz toll und macht mit ihrem Smartphone Fotos von den Bewohnern im Kostüm. So entsteht genau das, was ich mir gewünscht habe: dass das Projekt nicht nur an mich gebunden ist. Dann heißt es plötzlich, „oh‘ die Schauspieler kommen“, das gibt den Akteuren eine ungeheure Aufwertung“, freut sich Christine Vogt über die Wirkung des Projektes.

Herztöne – die Idee für ein Singspiel

Christine Vogt hatte schon lange über die musikalische Ausrichtung des Projektes nachgedacht, als sie die Gelegenheit bekam, den Chor des Pflegewohnheims zu übernehmen. Gemeinsam zusammengetragene Volkslieder und Schlager mündeten in einem Liederbuch mit 65 Lieblings-Hits der Bewohner. Seither arbeitet der Chor, bestehend aus 40 Sängern, darunter auch Angehörige und Nachbarn, hiermit. Mit den 11 Papillon-Mitgliedern wählte Christine Vogt besondere Lieder danach aus, wie sehr diese sie bewegten, positiv oder auch negativ. Von schrecklichen Erinnerungen, an die man nicht mehr denken will, bis zum Lied, das im Herzen wohnt. Gemeinsam wurde aus diesen Liedern in einer „Stichwahl“ ein spezielles Lied ausgewählt. Der Titel „Herztöne“ entstand im Laufe der Arbeit aus der Erkenntnis, dass Herztöne an die Substanz gehen, essentiell über Leben und Tod entscheiden.

Schon zu Beginn des Projektes war klar, dass Christine Vogt mit professionellen Künstlern arbeiten wollte, seitens der Leitung hatte sie hier freie Hand. So konnte sie die beiden Künstler, Birthe Bendixen und Christoph Grund, für das Projekt begeistern. „Birte als Sängerin und Gesangspädagogin und Christoph als Komponist und Pianist haben sofort Blut geleckt“, freut sich Christine Vogt, die zudem die Künstlerin Silija Landsberg für die Kostüme und das Bühnenbild, und die Musiktherapeutin und Produktionsassistentin, Nina Kuyumcu, für das professionelle Konzeptionsteam begeistern konnte. Die ausgewählten Lieder wurden in Kompositionen mit neuer Musik eingebettet, auf Dialoge wird bei dem Singspiel verzichtet. Immer wieder gibt es Momente, in denen die Bewohner einfach so sind wie sie sind – wenn sie warten, bis die Erinnerung kommt.

Zur Vorbereitungsphase zählten auch zwei intensive Probenwochenenden. In den beiden abschließenden Feedback-Runden waren die Bewohner trotz der geforderten hohen Konzentration erfreulicherweise positiv gestimmt. „Wir sind eine Gemeinschaft. Das brachten sie explizit zum Ausdruck. Selbst eine Bewohnerin, die die Arbeit durch ihre Negativität immer wieder behinderte, ließ sich mitnehmen von der positiven Dynamik. Die Arbeit mit Menschen mit Demenz ist nicht so einfach, das ist kein Spaziergang. Immer wieder gilt es, die Teilnehmer mit vereinten Kräften, und unterstützt von Freiwilligen, zu den Proben zu holen. Ich kann in diesen Momenten authentisch sagen, ‚ich brauche dich – komm, du bist ein Teil dieses dramaturgischen Ablaufes‘. Und das spüren auch die Teilnehmer, das spüren sie,“ resümiert Christine Vogt über ihre Arbeit.

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

Christine Vogt ist es wichtig, dass die Beteiligten das Projekt ernst nehmen – letztlich geht es um das Normalisierungsprinzip, ohne Schonhaltung für die Menschen. So wird sie in der Phase vor der Premiere auch mal streng, wenn Angehörige mit Papillon-Mitgliedern rausgehen wollen. Hier geht die Probe vor, und sie lädt die Angehörigen ein, zuzuschauen oder zu warten. Eine Haltung, die sich lohnt – davon konnten wir uns am vergangenen Wochenende überzeugen – bei 70 Minuten Herztönen im Pflegewohnheim am Kreuzberg!

 

„Er ist wie ein Bruder für mich!“ – Ein deutsch-syrisches Tandemportrait

Ich treffe Waseem (26) aus Aleppo, Syrien und Jonas (31) aus München in einer kleinen Kneipe in Berlin-Friedrichshain. Es sind über 30 Grad, die Sonne scheint und ich freue mich sehr auf die beiden. Jonas und Waseem kennen sich seit über 1,5 Jahren und heute möchte ich mit ihnen gemeinsam auf diese Zeit blicken.

Integrationspaten im UNIONHILFSWERK

Die beiden kennen sich durch unser Patenschaftsprojekt „Integrationspatenschaften“ der Stiftung Unionhilfswerk Berlin. Das Projekt stellt Kontakte zwischen Geflüchteten und Alt-Eingesessenen her. Nach einem gemeinsamen Kennlerngespräch treffen die Tandems sich  wöchentlich und arbeiten an einem selbstgesteckten Ziel. Als Projektkoordinatorin ist es meine Aufgabe, die beiden zusammenzubringen und sie dann in ihrer gemeinsamen Zeit zu begleiten. Am meisten freue ich mich dann immer über ihre Berichte aus der gemeinsamen Zeit, so wie heute.

Waseem geht es so wie vielen anderen jungen geflüchteten Männern auch. Er hat Syrien verlassen und ist nun alleine in Berlin. Mühsam tappt er sich durch das Behördendickicht von Berlin, stöhnt über all die Briefe, die unübersichtliche Anzahl an Beratungsangeboten, die schwere deutsche Sprache und versucht sich in Deutschland Stück für Stück eine Perspektive aufzubauen. Im Herbst 2016 hat er sich dann mit dem Wunsch nach einem Integrationspaten bei mir gemeldet. Integrationspaten sind Freiwillige, die in besonders viele Rollen schlüpfen: sie sind Lehrer, Eltern- bzw. Geschwisterersatz, Freund und manchmal auch Coach. Aber vor allem sind sie Brückenbauer und Brückenbauerinnen! Sie öffnen Türen und ermöglichen Geflüchteten Zugang zu ihren privaten Kreisen und Kontakt zu „normalen“ Deutschen.

Freiwillige, die sich darauf einlassen, bekommen oft einen intensiven Einblick in die arabische Welt, die Sprache, die Kultur, die Religion und vor allem das Essen. Sie nehmen teil am gemeinsamen Fastenbrechen, an Hochzeiten und Geburtstagen. Sie bekommen aber auch einen wertvollen Außenblick auf unsere Kultur, unser System und geraten dadurch auch in Diskussionen über Werte und Moral.

Aus regelmäßigen Treffen werden oft Freundschaften

Ich freue mich immer, zu sehen wie es zwei Menschen mit so unterschiedlichen Hintergründen gelingt, doch gemeinsame Interessen zu finden und ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Auch bei Waseem und Jonas scheint das der Fall zu sein: Seit sie sich im Dezember 2016 kennengelernt haben, haben sie sich mind. 1x im Monat getroffen. Zu Beginn wöchentlich und dann, zu heißen Phasen, auch mehrmals wöchentlich. Dabei waren sie gemeinsam bei Behörden, beim Jobcenter, bei Wohnungsbaugenossenschaften und haben gemeinsam für Deutschprüfungen gelernt. Zwischendurch haben sie auch immer wieder schöne Dinge unternommen, so sind sie zusammen Rad gefahren, Schwimmen gegangen, haben Tischtennis gespielt und verschiedene Restaurants ausprobiert. Heute, 1,5 Jahre später, hat sich die Patenschaft in eine Freundschaft entwickelt. Waseem ist inzwischen aus der Unterkunft des UNIONHILFSWERK in eine eigene Wohnung gezogen und hat begonnen, Arabisch an der Volkshochschule zu unterrichten. Er steht jetzt kurz vor seiner C1 Sprach-Prüfung und auf die Frage, welches der schönste gemeinsame Moment war, antwortet Waseem sofort: „alle Momente mit Jonas sind schön, jedes Treffen, Jonas ist wie mein Bruder.“ Ich grinse über die arabische Floskel und da wird Waseem ernst und fügt leise hinzu „meine Brüder haben wirklich blonde Haare, aber die sind in Aleppo.“

Jonas kann die echten Brüder nicht ersetzen, aber er kann mit seiner Zeit, seiner Freundlichkeit und seiner Offenheit Mut machen und eine Stütze sein auf dem langen Weg in ein selbstständiges Leben in Deutschland.

Über weitere Brückenbauer und Brückenbauerinnen freut sich das Projekt Integrationspatenschaften!
Kontakt: patenschaften@unionhilfswerk.de

„Der Nächste bitte!“ – per Speed-Dating zu neuen Kollegen

Stellenanzeige in der Zeitung veröffentlichen und nach zwei Wochen neue Mitarbeiter einstellen – das war einmal!  Für den sozialen Sektor ist Personalmangel schon lange kein Fremdwort mehr. Das Gegenteil ist der Fall: In vielen Berufen – denken wir zum Beispiel an die Pflege oder auch den Kitabereich – gibt es weit mehr Bedarf an neuen Kollegen als Arbeitnehmer auf dem Markt.

Personalmarketing geht neue Wege

Deshalb geht das UNIONHILFSWERK immer wieder neue Wege, um an potenzielle Bewerber heranzutreten – mit seinem Personalmarketing. Die Idee ist einfach: Wer erfolgreich um Arbeitskräfte werben will, muss als Arbeitgeber attraktiv sein. Je besser das Image eines Unternehmens ist, desto größer ist der Wunsch eines Stellensuchenden dort zu arbeiten. Personalmarketing, das heißt: Den Arbeitgeber mit seinen Arbeitsbedingungen interessant machen und positiv positionieren, nach innen und außen. Am besten geht das, indem wir von uns erzählen – denn in unserer Arbeitswoche passiert so einiges Spannendes!

Das macht das UNIONHILFSWERK auf vielen Ebenen: Auf unserem Blog und unserem Facebook-Auftritt erzählen wir von kleinen und großen Besonderheiten, das ist für Bewerber genauso interessant wie für Kollegen. Wir besuchen Jobmessen, auf denen wir das UNIONHIFLSWERK als Arbeitgeber vorstellen und von neugierigen Jobsuchenden mit Fragen gelöchert werden. Und die Kollegen aus der Pflege reisen nach Albanien, um dortige Pflegekräfte für die Arbeit in Deutschland zu gewinnen.

Auch eine eigene kleine Jobbörse haben wir in diesem Jahr ausgerichtet: Im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ wurden Interessierten die Pflegeberufe vorgestellt – etliche ließen sich begeistern und einige unterschrieben ihren Arbeitsvertrag. Ein tolles Ergebnis!

Speed-Dating der besonderen Art

Schon zum dritten Mal ist das UNIONHILFSWERK beim Berliner Job-Speed-Dating dabei. In den letzten Jahren hat sich das Format erfolgreich weiterentwickelt: „Wir sind wieder mit vier Kollegen vor Ort, um aus den ca. 100 Teilnehmern neue Mitarbeiter in den Speed- Gesprächen für unser Unternehmen zu gewinnen und zu binden. In beiden Jahren konnten wir über das Speed-Dating tatsächlich jeweils neue Kollegen einstellen“, erzählt Sandra Wagner aus dem Personalmarketing.

Das Speed-Dating ist dabei das Gegenteil eines klassischen Vorstellungsgesprächs: Bewerber und Unternehmen haben nur sieben Minuten Zeit, sich gegenseitig kennenzulernen. Dabei ist der Bewerber oft der, der die Fragen stellt: Was macht das UNIONHILSWERK aus? Was sind meine Arbeitszeiten? Wer sind meine Kollegen? Den Arbeitgeber will man sich schließlich mit Bedacht aussuchen.

Die Mitarbeiter sind die, um die es geht

Wichtig ist dabei für viele Arbeitssuchende, für eine „gute Sache“ zu arbeiten und für ein „Unternehmen mit Herz“ – das UNIONHILSWERK kann hier mit beidem punkten. Viel wichtiger in der Entscheidung für ein neues Unternehmen sind aber die Kollegen: Ein gutes Teamgefühl und der persönliche Kontakt sind Argumente, die zählen.  Und bei allen Bemühungen im Personalmarketing gilt:

Die besten Botschafter für Ihren Beruf sind Sie, liebe Kollegen: Wenn ein Mitarbeiter sagt: „Ich bin stolz darauf, für das UNIONHILFSWERK zu arbeiten“, ist das das höchste Lob und die beste Empfehlung, die man als Arbeitgeber bekommen kann.

Das Job-Speed-Dating findet am Donnerstag, 14. Juni ab 16 Uhr in der Berliner Stadtmission statt.  Zur Anmeldung geht’s hier.

Ansprechpartnerinnen für das Thema Personalmarketing sind Irena Ackfeld und Sandra Wagner.

Heißer Dank für die engagierte Kältehelfer

Bis Ende April fanden anfangs in einem, später in zwei Hangars bis zu 200 obdachlose Menschen einen warmen Schlafplatz, Duschen und frische Kleidung aber auch ein warmes Abendessen sowie Frühstück vor. Dank der unkomplizierten Hilfsbereitschaft und Tatkraft aller Beteiligten trug das Projekt überaus erfolgreich dazu bei, die große Not der vielen Wohnungslosen in Berlin zu lindern.Wie ist es, wenn man im Alltag mit ganz anderen Themen beschäftigt ist, weil man in der Personalverwaltung, im Controlling oder als Betreuer arbeitet bzw. bereits pensioniert ist? Einige der Kolleginnen und Kollegen, die im Hangar des ehemaligen Flughafen engagiert waren, blicken auf ihre Erlebnisse und Erfahrungen zurück.

Hubertus Böer, Rentner

Nach über 20 Jahren als Betreuer für psychisch kranke Menschen im UNIONHILFSWERK habe ich gedacht, ich wäre auf alles vorbereitet und hätte eine gute Menschenkenntnis. Aber bei der Arbeit in der Kältehilfe passte mein „Schubladendenken“ überhaupt nicht. Einige der Übernachtungsgäste sahen so aus, als seien sie in einer Bank angestellt. Ich war verwundert, dass es andererseits Gäste gab, die gar nicht das Ziel haben, eine Wohnung zu bekommen, sondern sich auf der Straße wohlfühlen. Die Einsätze haben mich insgesamt sehr bewegt und auch zu Hause habe ich mich noch gefragt, was die Gäste aus Hangar 4 jetzt wohl gerade machen…

Anica Breulmann arbeitet im Controlling

Für mich war es eine Herausforderung. Projekte dieser Art habe ich bisher noch nie begleitet, aber es war wirklich eine gewinnbringende Erfahrung. Ich bin absolut stolz, was wir in so kurzer Zeit auf die Beine stellen konnten, wie viele interessante Leute man kennenlernen durfte und wie viel Dankbarkeit man zurückbekommen hat. Die guten und weniger guten Erlebnisse vor Ort, die Erfahrungsberichte und die Atmosphäre werden mich sicherlich noch lange begleiten.

Alica Lange arbeitet in der Personalabteilung

Am meisten hat mich die riesige Dankbarkeit der Obdachlosen berührt, sei es über die kleinsten Hilfen oder über das gesamte Projekt. Dadurch hat man diese Aufgabe, die durchaus eine Herausforderung war, gerne immer wieder angenommen. Einer der Obdachlosen schenkte uns Helfern des Öfteren Schokolade als Dank – das macht schon etwas mit einem, wenn dieser Mensch doch eigentlich selbst gar nix hat…!

Andreas Stolz, Betreuer im Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, Joachim-Fahl-Haus

Das Klischee von den Obdachlosen, die ihr ganzes Hab und Gut im Einkaufswagen bei sich haben, hat sich fast gar nicht bestätigt. Erschüttert hat mich der extrem verwahrloste Zustand eines Obdachlosen mit gesundheitlichen Problemen, den wir erst mal geduscht haben. Die Sanitäter, die ihn brachten, waren unkooperativ und gingen sehr gleichgültig mit ihm um. Ich war überrascht über den hohen Anteil an Gästen aus Osteuropa, als würde es sich herumsprechen, wo man unterkommen kann. Die vielen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen des UNIONHILFSWERK kennenzulernen, war super, interessant und hilfreich.

Antje Rücker, Betreuerin im Joachim-Fahl-Haus

Ich war überrascht über den hohen Frauenanteil unter den Gästen und die schlimmen Schicksale, die teilweise dahinterstecken. Viele von ihnen sahen überhaupt nicht so als, als müssten sie dort unterkommen. Eine Frau allerdings ist allen in Erinnerung geblieben: sie kam regelmäßig mit sehr viel Gepäck im Einkaufswagen und Pelzmantel.
Toll war die Professionalität der Projektleitung, Nicole Klecha. Das zeigte sich unter anderem auch bei der Überwindung von Sprachbarrieren, wenn sie sich ruckzuck um Dolmetscher kümmerte. Schlimmeres wurde so verhindert, als zum Beispiel bei einem Gast vorher nicht entdeckt worden war, dass er eine schwere Gehirnerschütterung hatte. Trotz der immer neuen Teamzusammensetzung lief die Arbeit Hand in Hand – eine tolle Erfahrung! Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Wir sagen noch einmal: Liebe Kolleginnen und Kollegen, danke für euren Einsatz!

 

Annica Breulmann (links) und Alicia Lange

Der Teamgeist zählt

Sport und Bewegung spielen bei uns im UNIONHILFSWERK eine große Rolle – und zwar in allen Unternehmensbereichen. So gibt es beispielsweise Lauf-Gruppen und die Fußball-Mannschaft „die Kickers“. Es gibt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gemeinsam Fahrrad-Touren machen oder an selbst organisierten Sportgruppen teilnehmen. Sabine Wegener aus dem Betreuten Einzelwohnen in Neukölln gewann in diesem Jahr sogar zwei Goldmedaillen bei den Special Olympics in Kiel.

Und dann gibt es da noch die sportlichen Veranstaltungen, zu denen das Team des Freiwilligenmanagements jährlich alle hauptamtlichen und freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Klientinnen und Klienten einlädt.
In den letzten Jahren waren wir regelmäßig beim „5x5km-Teamstaffel-Lauf“ dabei. Für dieses Jahr hatten Daniel Büchel, Koordinator des Freiwilligenmanagements, und sein Team erstmals den „Berliner Firmenlauf“ ins Auge gefasst.
Der Vorteil dieser Veranstaltung liegt auf der Hand: Jeder kann mitmachen. Laufen, skaten, walken, Einrad oder Roller fahren – alles ist erlaubt und so können Menschen jeden Alters, mit oder ohne Behinderung, dabei sein.
Entsprechend viele meldeten sich dann auch an und wir gingen mit der Rekordzahl von 75 Teilnehmern an den Start.

Die Stunden vorher waren genauso aufregend wie das Event an sich

Bis zum Start um 19 Uhr erlebten alle angemeldeten Sportlerinnen und Sportler noch spannungsvolle Stunden. Schuld daran waren auf der einen Seite die Hitzewelle, die mit tropischen 33 Grad und schwüler Luft so manchen zweifeln ließ, ob der Kreislauf den Sport überhaupt durchhält. Auf der anderen Seite ließen die Unwetter-Warnungen so Manchen befürchten, dass die Veranstaltung generell abgesagt werden müsse.
Der Wettergott zeigte sich allerdings sportlich und so entlud sich ein kleines Gewitter schon in den Nachmittagsstunden über dem Tiergarten und sorgte zumindest ein wenig für die ersehnte Abkühlung. Zur verabredeten Treffpunkt-Zeit um 17.30 Uhr waren die Temperaturen dann schon gut auszuhalten und kein Unwetter mehr in Sicht.
Nachdem Kathrin Weidemeier, Geschäftsführerin der Unionhilfswerk Sozialeinrichtungen gGmbH, alle Sportlerinnen und Sportler herzlich begrüßt und nochmal betont hatte, dass vor allem der Teamspirit und der gemeinsame Spaß an diesem Abend im Vordergrund stehen sollen, entstanden die ersten schönen Gruppenfotos und die Vorbereitungen begannen. T-Shirts wurden ausgeteilt, Startnummern und Chips befestigt, Warm ups gemacht, noch schnell Bananen für den Energiehaushalt verputzt und natürlich: getrunken, getrunken, getrunken.
Das Orga-Team rund um Nicole Lorenz, Manuela Netzner und Kirsten Thamm-Kabteni sorgte dafür, dass alle Kolleginnen und Kollegen gut versorgt waren und es an nichts fehlte.

Gut vorbereitet und hoch motiviert bewegten sich dann als erstes die sieben UNIONHILFSWERK-Skater zum Start und rollten ab 19 Uhr voller Spaß durch den Tiergarten. Kurze Zeit später erklang das Start-Signal für die Läufer und bald durften auch die Walker auf die 5,5km-Strecke.
Der Standort unseres UNIONHILFSWERK-Pavillon war dabei perfekt. Als einer der ersten Stände auf der Zielgeraden konnten hier die Sportler durch Anfeuern und Zujubeln der zuschauenden Unionhilfswerker für die letzten Meter nochmals motiviert und angespornt werden.

Sportliche Erfolge und ein tolles WIR-Gefühl

So ließen sich dann auch tolle Erfolge verzeichnen. Dietmar Klocke wurde sogar Gesamtdritter in der Altersklasse M65. Das Team „Unionhilfswerk IG Jugend“ mit Geschäftsführerin Kathrin Weidemeier kam unter die ersten 800 in der Mannschaftswertung – großartig!
Im Mittelpunkt stand aber dieser Erfolg: ein gemeinsamer sportlicher Abend, der Teams noch mehr zusammengeschweißt hat, ein großes WIR-Gefühl, Spaß und Freude, Zusammenhalt und Teamgeist!
Wir freuen uns auf den Firmenlauf im nächsten Jahr.

 

[slide-anything id=“1415″]

 

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung vom Lehmann Früchte-Markt und der Union Sozialer Einrichtungen gGmbH.

Sport steht für mich an erster Stelle

Sie haben sich eigentlich nicht für die Special Olympics qualifiziert. Sie konnten trotzdem starten?

Auf einmal kam der Anruf, dass Schwimmer abgesprungen sind. Herr Weimann hat mich dann angerufen, ich soll doch meine Sachen für die Special Olympics packen. Da war ich erst einmal perplex, aber dann dachte ich, das könnte sogar funktionieren.

Und wie es funktioniert hat. Haben Sie besonders hart trainiert?

Nein, ich hatte für das Training ziemlich wenig Zeit. Ich hatte einen geschwollenen Fuß und musste das Training erst einmal ausfallen lassen.

Wo kamen dann Kraft und Schnelligkeit her?

Auch von meiner Mutter. Sie ist im April 2017 leider gestorben. Ich wollte ihr endlich mal beweisen, dass ihre Kinder es besser können. Danke an meine Mutter im Himmel, die von oben auf ihren Schützling geguckt hat. Aber auch von Herrn Weimann. Er hat gute Arbeit geleistet. Herr Weimann versucht immer die Klienten zu motivieren. In Kiel war er nicht vor Ort. Da hat dann Herr Just die Motivation übernommen.

Was ging in Ihnen vor, als Sie wussten, dass sie die erste Goldmedaille gewonnen haben?

Ich habe im Wasser gejubelt. Ich war ziemlich überrascht, weil es sehr knapp war. Ich habe gedacht: „Jetzt habe ich es endlich geschafft.“

Und bei der zweiten?

Bei den 50-Meter-Brust hatte ich einen ziemlichen Vorsprung. Da wusste ich, dass ich das Ding machen könnte. Da brach der Jubel im Wasser schon früher aus. Aber so richtig realisiert man das erst bei der Siegerehrung.

Wären Sie denn auch ohne Nachnominierung nach Kiel gefahren?

Ja, um meine Mannschaft zu unterstützen.

Haben Sie schon gefeiert?

Ja, im Auto. Aber die, die Medaillen gewonnen haben, wollen sich noch mal treffen und mit Herrn Weimann und anderen vom UNIONHILFSWERK feiern.

Was machen Sie mit den Goldmedaillen?

Erst einmal nehme ich sie mit zur Arbeit und dann bekommen sie von mir zu Hause an der Wand einen Ehrenplatz.

Wie wichtig ist Sport für Sie?

Sport steht bei mir an erster Stelle. Ich gehe regelmäßig schwimmen. Außerdem nehme ich an Vorbereitungstreffen für die nächsten Special Olympics teil, die vielleicht in Berlin stattfinden werden.

Seit wann nehmen Sie an Schwimmwettkämpfen teil?

Seit der Schule. Da hatte ich auch schon riesen Erfolge. Beim Brustschwimmen bin ich schon damals vorne weggeschwommen.

Macht es Ihnen auch Spaß?

Ja, klar und ich bleibe fit.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich freue mich auf die nächsten Special Olympics. Ich bin jetzt sehr motiviert und trainiere immer weiter. Ich bin gespannt, welche Zeiten in vier Jahren geschwommen werden. Ich bin dann die Gejagte. Ich bin aber auch bei anderen Wettkämpfen dabei.