Monthly Archives: November 2025

Unionhilfswerker: Thomas Palavinskas

Name: Thomas Palavinskas

Alter:  33

Beruf: Projektleiter Zentrale Anlaufstelle Hospiz

 

Was genau machen Sie da?

Wir sind eine Fach- und Spezialberatungsstelle für alle Fragen, die Vorsorge, Sterben, Tod und Trauer betreffen. Sowohl für Bürgerinnen und Bürger als auch für Institutionen. Außerdem sind wir in vielen hospizlichen Gremien vertreten.

 

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Beruf?

Am liebsten mag ich die Herausforderung, innerhalb des komplexen Gesundheitssystems individuelle Lösungen mit den Ratsuchenden herauszuarbeiten. Ich weiß am Morgen nie genau wie der Tag verläuft und welchen Herausforderungen ich begegnen werde. Fast immer sind diese aber lösbar und fordern gleichzeitig eine gewisse Kreativität.

 

Was wollten Sie werden als Sie klein waren?

Als Kind wollte ich immer Schausteller werden und viele verschiedene Städte besuchen.

 

Was ist das Schrägste, was Ihnen bisher in Ihrem Berufsleben passiert ist?

Es sind so viele schräge Sachen im Laufe meines Berufslebens passiert, weswegen ich keines speziell aufführen kann.

 

Welche Tätigkeit beherrschen Sie neben dem Job so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?

Ich finde, ich bin ein sehr guter Autofahrer. Ich könnte für meine Fahrkünste bezahlt werden.

 

Am Wochenende mache ich am liebsten…?

Mit Freunden und Familie Zeit verbringen und auf Konzerte und Festivals gehen.

 

Was ist Ihr Lieblingsplatz/-ort?

Mein Proberaum.

 

Auf welchen Luxus könnten Sie verzichten?

Ich könnte eine meiner sieben Gitarren abgeben.

 

Sie dürfen drei Gegenstände mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche wären das?

Ein Messer, eine Gitarre, einen Wasserfilter.

 

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, zu welcher Zeit hätten Sie gern gelebt?

850 n. Chr., um zu gucken, was die so Wikinger getrieben haben.

 

Was sollte jeder Mensch einmal im Leben getan haben?

Achterbahn fahren.

 

Welche Superkraft hätten Sie gern: Unsichtbar sein können, Gedanken lesen oder fliegen?

Fliegen.

 

 

20 Jahre Fachtagung Palliative Geriatrie – eine Erfolgsgeschichte mit Strahlkraft

Alles begann in Reinickendorf. Und zwar am 19. Oktober 2002 anlässlich der 5. Berliner Hospizwoche. Da nämlich wurde ein Format geboren, aus dem dann drei Jahre später die beliebte Fachtagung Palliative Geriatrie Berlin werden sollte.

„Lebensqualität und Altersmedizin – im Leben und im Sterben“, so lautete damals der Titel einer Vortragsveranstaltung, die von der Zentralen Anlaufstelle Hospiz in Zusammenarbeit mit der Telefonseelsorge Berlin konzipiert wurde.
Ein Thema, das unter den Nägeln brannte, wie es Dirk Müller, Leiter des Bereichs Hospiz und Palliative Geriatrie im Unionhilfswerk und „Erfinder“ der Fachtagung, ausdrückt. „Wir waren überzeugt, dass es innerhalb der Berliner Hospizwoche unbedingt auch eine Veranstaltung zum Thema Alter geben muss. Im Fokus stand die Frage, wie es gelingen kann, die Lebensqualität älterer Menschen – auch im Sterben – zu sichern“, so Müller.

 

Vom Erfolg der Fachtagung: Tue Gutes und rede davon

Die Veranstaltung erwies sich als großer Erfolg und schnell stand fest: Es soll weitergehen. Und es ging weiter – drei Jahre später war unter dem Titel „Oma pflegen kann doch (nicht) jeder!“ die erste Fachtagung geboren. Sechs Vortragende aus der Pflege, Palliativ Care, Palliativmedizin und Ethik füllten die Tagung inhaltlich mit Leben. Veranstaltungsort war und ist bis heute die Konrad-Adenauer-Stiftung, und der Begriff „Palliative Geriatrie“ war offiziell eingeführt.

Zwanzig Jahre später nun, am 10. Oktober 2025, feierte die Fachtagung Palliative Geriatrie vor ausverkauftem Haus ihr rundes Jubiläum. Gefragt, was seit zwei Dekaden den Geist der Berliner Tagung ausmacht, muss Dirk Müller nicht lange überlegen: „Bei uns fühlen sich die Leute einfach wohl. Wir sind keine klassisch wissenschaftliche Tagung, machen aber auch kein primitives Zeug. Es ist eine besondere Community, tolle Menschen aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg, die sich in Berlin zusammenfindet.“

Seitdem – und das vielleicht auch ein Verdienst der Tagung – hat sich einiges getan, ist das Bewusstsein für ein „Lebenkönnen“ in Würde in der Altenpflege gewachsen. Die Sterbebedingungen haben sich in den Einrichtungen, in der ambulanten Pflege, aber auch in Krankenhäusern verbessert. Doch es gibt noch viel zu tun, und längst nicht überall werden Alte im Sinne Palliativer Geriatrie behandelt und versorgt. Dies zu reflektieren, zu würdigen, was in Sachen Palliativer Geriatrie in den letzten zwanzig Jahren geschehen ist, darum ging es auf der Jubiläumstagung, die unter dem Motto der Vision vom „Leben Können und Sterben Dürfen“ stand. Eine gelungene Veranstaltung mit spannenden, tiefgründigen Vorträgen, der am Vorabend der Festempfang zum zehnten Jubiläum der Fachgesellschaft Palliative Geriatrie (FGPG) vorausging.

 

Kinoabend und Punkkonzert

Wie vielfältig die Angebote des Bereichs Hospiz und Palliative Geriatrie insgesamt sind, zeigen auch die Veranstaltungen, die rund um die Themen Sterbewünsche alter Menschen, Vorsorge für das Lebensende oder Umgang mit Tod und Trauer für Aufmerksamkeit gesorgt haben.

So organisierte die Zentrale Anlaufstelle Hospiz (ZAH) unter dem Motto „Sterben wünschen“ im 100-jährigen Filmtheater am Friedrichshain einen Kinoabend. Gezeigt wurde François Ozons bewegender Beitrag „Alles ist gutgegangen“, der 2022 im Wettbewerb von Cannes lief und zum Publikumserfolg avancierte. Themen wie selbstgewählter Abschied, Lebens-Müdigkeit, der Wunsch nach Freitod, die Akzeptanz des freien Willens und letztlich das Loslassenkönnen eines geliebten Menschen wurden in dem französischen Streifen nüchtern und mit großer Leichtigkeit beleuchtet. Das jedenfalls empfanden die rund 90 Interessierten, die der Einladung folgten.

Im Anschluss an den Film hatte das Publikum die Möglichkeit, mit Experten zum Thema zu diskutieren. Auf dem Podium stellen sich Dr. Michael de Ridder, Palliativmediziner und Vorsitzender der Hans-Joachim-und-Käthe-Stein-Stiftung für Palliativmedizin, Prof. Dr. phil. Birgit Wagner, Spezialambulanz für Suizidprävention der MSB Medical School Berlin, sowie Dirk Müller vom Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie den Fragen.

Unter dem vielleicht etwas gewagten Motto „Lautstark Richtung Sarg“ ließen es dann, ebenfalls veranstaltet von der ZAH, am 3. Oktober vier Bands im Kreuzberger Klub „Bi Nuu“ krachen. Mit dem Konzert wollte die ZAH zum einen neue Zielgruppen für die Auseinandersetzung mit Lebensend- und Vorsorgethemen gewinnen. Zum anderen sollte ein Zeichen gesetzt werden, dass Punk und Metal sich auf lebensbejahende Weise mit der Endlichkeit des Lebens, der Radikalität des Todes und der Trauer um Verluste auseinandersetzen können.

Eine Rechnung, die aufging: Rund 300 Musikfans, viele von ihnen U 30, waren gekommen, hatten sichtlich Spaß an der Musik, lauschten aber auch den eindringlichen Worten von Thomas Palavinskas, der das Motto des Abends erklärte und inhaltlich auf die Arbeit der ZAH einging. „Unsere Musik kann durch ihre Energie und die ehrlichen Texte dazu beitragen, über den Tod und Endlichkeit nachzudenken, aber auch das Leben zu feiern“, so Palavinskas, der gemeinsam mit seinem Kollegen Lutz Martin die Idee zu diesem Konzert hatte.

Doch nicht nur als Moderator war der ZAH-Leiter an diesem Abend unterwegs. Palavinskas heizte als Sänger und Leadgitarrist mit seiner Band „Die GrossstadtPiraten“ dem Publikum ein. Und auch die zweite Band des Abends hatte quasi ein inhaltliches „Heimspiel“: Lutz Martin, Berater in der ZAH und Sänger von „Muffenklaus“, sorgte für Begeisterungsstürme bei den Fans.

„Die Kunst hat mich immer getröstet“

Wenn Britta Fäth ihre Wohnung zur Druckwerkstatt umbaut, dann ist das eine Aktion, die mehrere Tage beansprucht. Es fängt an mit gründlichem Staubsaugen, denn später darf sich kein Staubfussel und kein Katzenhaar auf dem Büttenpapier verirren. Es braucht getrennte Trocken-, Wärmeplatten- und Farbbereiche, und natürlich müssen all die nötigen Materialien und Utensilien an der richtigen Stelle bereitliegen.

„Wir arbeiten mit Säure, Terpentin, Schellack, Abdecklack … Kunsthandwerk ist Kunst und Handwerk in einem“, erklärt die Künstlerin. „Den Ablauf von einem Radierdruck – das lernt man nicht in einer Woche.“ Selbst Kleinigkeiten, etwa wie man eine mit Ölfarbe getränkte Gaze aufräumt, müssen gelernt sein.

 

Kunst und Handwerk vereint: Lernen auf dem dritten Bildungsweg

Britta Fäth hat all das gelernt – im mittleren Lebensalter, auf dem dritten Bildungsweg. Dabei hatte sie seit ihrer Kindheit mit Hingabe gezeichnet und gemalt. In den Kita-Ferien saß sie an einem Tisch in der Ecke der Bäckerei, wo ihre Mutter arbeitete, und malte. In der Autolackiererei, wo ihr Vater tätig war, faszinierten sie die Lacke und der Terpentingeruch.

Nach dem Abitur 1988 in Biologie und Kunst verließ sie ihre bayrische Kleinstadt und zog nach Berlin. Alle in ihrem Umfeld erwarteten, dass sie Kunst studieren würde – doch sie entschied sich für Biologie und arbeitete neben dem Studium als Taxifahrerin.

 

Neuanfang und Selbstfindung: Die Kunst als Lebenshilfe

Im Jahr 2000 erkannte sie ihre Suchtkrankheit und lebt seitdem clean. Sie machte eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau und arbeitete als Gärtnerin sowie als Mitarbeiterin in Reha-Sucht-Kliniken. Während dieser Zeit wuchs ihr Wunsch, sich wieder der Kunst zuzuwenden.

Mit unzähligen VHS-Kursen begann sie 2008 neben der Arbeit ihre Kunstausbildung – zunächst mit Aktzeichnen und Malen. In der regelmäßigen Plein-Air-Malgruppe von Daniel Schlemme malte sie fast jeden Samstag jahrelang. Schnell wuchs sie auch in die Radierwerkstatt von Christine Arweiler und Rainer Kind hinein. Dort lernte sie die Tiefdruck-Technik.

 

Zeichnen, Radieren, Staunen: Eine besondere Beziehung zum Motiv

Christine Arweiler bot außerdem Zeichenkurse im Naturkundemuseum an. Dort durften alle Teilnehmenden sich ein Tier zum Zeichnen aussuchen. Oft kam sogar kurz ein Mitarbeiter des Museums dazu und erzählte etwas über das jeweilige Exponat. „Das war ein großes Geschenk! Denn wenn ich etwas zeichne, dann habe ich eine ganz besondere Beziehung zu dem Objekt“, erzählt Britta Fäth. „Ich habe viel Zeit vor dem Motiv verbracht. Alles, was ich gezeichnet oder mit der Radiernadel in die Druckplatte geritzt habe, habe ich in 3D vor mir gehabt. Oft wunderte ich mich, was ich in einem intensiven Kunsttag geschaffen hatte. Die Kunst hat mich immer getröstet. Sie war immer da.“

Zurzeit versucht die Künstlerin, wieder Kontakt zu früheren Zeichen- und Radierfreund*innen zu knüpfen – denn Corona hat große Lücken hinterlassen.

 

Ausstellung „Gedrucktes“ in Neukölln: Tiere, Pflanzen und Körper im Fokus

Eine Ausstellung mit einer kleinen Auswahl von Britta Fäths Werken ist aktuell in der Kontakt- und Beratungsstelle TERRA (Hertzbergstraße 7/8, 12055 Berlin-Neukölln) zu sehen. „Gedrucktes“ lautet der Titel der Schau, die verschiedene Drucktechniken umfasst: Siebdruck, Linolschnitt, Radierungen in unterschiedlichen Techniken und Cyanotypie (auch Blaudruck genannt).

Tiere, Pflanzen und menschliche Körper gehören zu den häufigsten Motiven. Die Ausstellung ist noch bis mindestens 6. Januar 2026 zu sehen und kann während der Offenen Treffs besucht werden – dienstags, mittwochs und freitags jeweils von 14 bis 17 Uhr.

 

Einladung zur Midissage am 14. November

Am 14. November um 14.30 Uhr findet eine Midissage statt: eine kleine Feierlichkeit, bei der die Künstlerin über ihre Arbeit erzählt und gerne Fragen beantwortet.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, Britta Fäths Werke kennenzulernen – und vielleicht auch die inspirierende Kraft der Kunst selbst zu spüren.

 

 

Fotos: Britta Fäth

 

Mit handgeschriebenen Worten Nähe schenken

Ein Brief kann ein Leben heller machen

Manchmal genügt ein einziger Satz, um den Tag eines Menschen zu verändern. Ein handgeschriebener Gruß, ein paar persönliche Zeilen – sie können Trost spenden, Erinnerungen wecken und Herzen berühren.
Genau das ist die Idee hinter den „Berliner Herzenszeilen“, ein Projekt des Unionhilfswerks in Kooperation mit der B.Z. („Berliner Helden“).  Es verbindet  Menschen in unserer Stadt miteinander– ganz einfach durch Briefe.

Viele – häufig ältere –  Berliner*innen fühlen sich einsam. Freunde sind verstorben, Familien leben weit entfernt, der Alltag ist still geworden. Einsamkeit bleibt oft unsichtbar – und doch ist sie für viele eine tägliche Begleiterin.
Hier setzen die „Berliner Herzenszeilen“ an: Sie schaffen Brücken zwischen Generationen, zwischen Menschen, die schreiben möchten, und solchen, die sich über Post freuen und gern antworten.

 

Mit echten Worten Nähe schaffen

Freiwillige Brieffreund*innen verfassen handgeschriebene Briefe an Senior*innen. Es entstehen ehrliche, warme Zeilen – Worte, die zeigen: „Da denkt jemand an mich.“
Im Gegenzug teilen ältere Menschen Geschichten, Erinnerungen und Lebenserfahrungen. So wird aus einer einmaligen Geste oft eine dauerhafte Verbindung – manchmal vielleicht sogar Freundschaft.

„Wenn ich den Briefkasten öffne und einen richtigen Brief finde, ist das wie Sonnenschein nach einem grauen Tag.“
— Teilnehmerin der Berliner Herzenszeilen

Der gesamte Briefwechsel läuft sicher und anonym über das Projektteam. Persönliche Daten bleiben vertraulich – so können beide Seiten unbeschwert schreiben und sich einfach auf schöne Post freuen.

 

Mitmachen ist ganz leicht

Wer mitmachen möchte, füllt einfach einen kurzen Steckbrief aus – online oder auf Papier.
Das Team vermittelt anschließend passende Brieffreundschaften: nach Interessen, Schreibstil und – wenn möglich – nach räumlicher Nähe. Dann heißt es nur noch: Stift in die Hand, Gedanken zu Papier bringen, Freude schenken.

Für Freiwillige:
Schon ein bis zwei Stunden Zeit reichen aus, um mitzumachen. Viele berichten, dass sie selbst mindestens genauso viel zurückbekommen – in Form von Dankbarkeit, bewegenden Geschichten und dem Gefühl, wirklich etwas zu bewirken.

Für Senior*innen:
Die Briefe bringen Abwechslung in den Alltag, erinnern an frühere Zeiten und schaffen das gute Gefühl, gesehen und gehört zu werden.

 

Ehrenamt mit Herz

Das Engagement ist unkompliziert, ortsunabhängig und flexibel.
Das Unionhilfswerk stellt Briefpapier, Postkarten und Stifte zur Verfügung. Schreiben kann man zu Hause – wann immer es passt.

Die „Berliner Herzenszeilen“ sind mehr als nur Briefe. Sie sind kleine Zeichen gegen Einsamkeit, für Menschlichkeit und Verbundenheit.
In einer Zeit, in der vieles digital und schnell geworden ist, schenken sie Entschleunigung – und echtes Miteinander.

 

Gemeinsam mehr „Wir“

Jeder Brief ist ein Stück Gemeinschaft, das wächst – Wort für Wort.
Die „Berliner Herzenszeilen“ zeigen, wie einfach es sein kann, einander näher zu kommen: Ein Stift, ein Blatt Papier, ein bisschen Mut – und schon entsteht Verbindung.

Niemand sollte sich in unserer Stadt allein fühlen. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass kein Mensch vergessen wird – und dass Mitgefühl, Aufmerksamkeit und Wärme ihren Weg von Herz zu Herz finden.

 

 

 

 

Die „Berliner Herzenszeilen“ sind ein Projekt des Unionhilfswerks in Kooperation mit der B.Z. / Berliner Helden.

 

Für umme und für alle – Wie junge Designer*innen das Engagement neu erfinden

Gestaltet wurden sie von Auszubildenden des Lette Vereins, junge Grafikdesigner*innen, die wissen, wie man Menschen erreicht, die sonst einfach weiterscrollen. Innerhalb eines Semesters entwickelten sie Kampagnen für die Freiwilligen im Unionhilfswerk. Ende September wurden drei der zahlreichen Entwürfe gekürt und im Unionhilfswerk Dienstleistungs.Campus in Berlin-Kreuzberg vorgestellt.

 

Morgens Managerin, abends Spaziergängerin

Was ist, wenn Engagement kein Extra-Termin ist, sondern Teil des Alltags? Vielleicht so: Eine Frau aus dem Personalvorstand, die nach Feierabend die High Heels gegen Sneaker tauscht, um mit einer älteren Dame um den Savignyplatz zu spazieren.
Oder ein Angestellter, der Malkurse im Stadtteilzentrum gibt, weil er dort mehr Farbe sieht als im Büro.

Diese Szenen haben Felipa, Tabea und Melissa eingefangen.
Ihre Kampagne zeigt: Engagement ist keine Parallelwelt. Es ist Teil des Großstadtlebens, zwischen Job, Freundeskreis und Feierabendbier.
Mit Herz helfen, mit Zeit verändern – ein Motto ihrer Kampagnen. „Engagement ist bunt“, sagt Felipa. „Und es gehört mitten ins Berliner Gewusel.“


Weißraum statt Werbesprech

Weniger bunt, aber nicht minder laut: die Kampagne von Marie, Leonie und Mika. Viel Weißraum, Krakelschrift, ein Satz, der hängen bleibt. „für umme“, also: umsonst.

Ins Kino für umme. Über die Spree schippern für umme.
Die Botschaft: Engagement muss keine selbstlose Aufopferung sein. Die Jungen aus der Gen Z wollen geben, aber auch etwas zurückbekommen.

„Ich kann im Engagement praktische Lebenserfahrung sammeln“, sagt Mika. Zum Beispiel als Kino-Begleitung von Geflüchteten, oder beim freiwilligen Ausmisten des Hühnerstalls im Haus Natur und Umwelt – Ziegenstreicheln inklusive.

Die Gestaltung der Kampagnenmotive wirkt in ihrer modernen Reduktion erst einmal wie ein Kontrast zu ihrer Aussage. In einer Stadt, die uns visuell häufig überfordert, fällt sie gerade dadurch auf.

 

Frei Willi

Und dann ist da noch Frei Willi. Ein kleines grünes Blättchen mit zwei dünnen Beinchen, das sich flink durch den Berliner Engagement-Dschungel bewegt. Vanessa, Emilia und Rosalie haben das Maskottchen entworfen, inspiriert vom Logo des Unionhilfswerks.

Frei Willi steht für das, was Engagement in dieser Stadt sein kann: offen, freundlich, alltäglich.
Mal auf dem Weg zum Stadtteilzentrum, mal mitten im Park, immer dort, wo Menschen ihre Zeit teilen.

„Bei euren Engagementangeboten ist wirklich für jeden etwas dabei“, merkt Rosalie an. „Egal, ob man eine Stunde pro Woche hat oder nur einmal im Jahr helfen möchte.“

Die drei begannen ihre Recherche im digitalen Ehrenamtsfinder des Unionhilfswerks und können sich gut vorstellen, dass Frei Willi dort eines Tages selbst assistiert und Neugierigen das passende Engagement vermittelt.


Was bleibt, wenn die Plakate hängen

Die Kampagnen geben Einblick in das Denken junger Gestalter*innen, die sich auf die Perspektiven anderer einlassen. Wie sie beobachten, zuhören, und daraus Bilder schaffen, die sich in den Alltag der Großstadt mischen. Das Ergebnis sind Motive, die zu den Sehgewohnheiten und Lebensentwürfen Berlins passen. Sie lösen sich von der weitläufigen Vorstellung jener Freiwilligen, die farblos an  Klapptischen sitzen, umgeben von Filterkaffee und vergilbten Aushängen. Stattdessen zeigen Sie: Engagement ist so lebendig wie Berlin selbst.

Wir sind dankbar für diese jungen Stimmen, die mit ihrer Kreativität  frische Bildwelten nach außen tragen. Es war ein gelungenes Semesterprojekt und zugleich ein Stück Engagement für das Engagement selbst.