Monthly Archives: September 2020

INNEN LEBEN – Nachrichten der PAPILLONS in Zeiten von Corona

Mit Innenleben kann man das Innere eines Lebewesens meinen.
Innen leben mussten insbesondere die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegewohnheimen, denen es lange aufgrund von Covid 19 verboten war, Besuch zu empfangen. INNEN LEBEN ist auch das neue Projekt – diesmal ein Filmprojekt – von und mit den PAPILLONS  – dem Theaterensemble im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“.

Gedanken, Gesang und Erinnerungen an Fenstern und auf Balkonen

Nach einigen Proben fanden Ende August die Dreharbeiten zum neuen Filmprojekt INNEN LEBEN statt. Christine Vogt leitet das Theaterensemble und interviewte für das Filmprojekt einige Heimbewohner*innen zum Thema INNEN LEBEN. An Fenstern und auf Balkonen waren die Menschen, die ein Stück ihres Lebens (musikalisch) präsentierten, zu sehen.

So schmetterte von einem Bewohner auf dem Balkon im dritten Stock ein unglaubliches „O sole mio!“ herunter. Er sagte: „Gott hat mir diese Stimme gegeben, also gebe ich sie weiter.“
Die Musiker*innen Birthe Bendixen, Christoph Grund und Benno Trautmann sowie der Chor der Fidicinlerchen und der Corona-Chor begleiteten das „O sole mio!“ im Hof vor dem Heim und den ganzen Film musikalisch.

Die Bewohner*innen sprachen über „viel, viel Gutes“, über die „sehr schweren Zeiten, in denen sie geheult und geheult“ haben, über „die Liebe im ganzen Körper“ und über das „Sein oder nicht-Sein“. Sie erzählten von der Jugendweihe, von Flucht und Hunger, von „einer Zeit ohne Einsamkeit, in der es auch für die Dementen etwas zu tun gab“ und von der Natur.

Eine der Bewohnerinnen erlebte eine besondere Zwiesprache: „Ich spreche mit dem lieben Gott. Der ist mein bester Freund. Ich ratsche mit ihm, wie man in Bayern sagt. Ich liebe den lieben Gott über alles.“ Sie hatte sich ein pinkfarbenes Tuch ausgesucht. „Pink ist die Farbe für den lieben Gott.“

Birthe Bendixen sang vom blauen Apfel: „Ich bin ein blauer Apfel, der zu keinem Baum gehört. Ich sterbe aus.“ Hin und wieder gibt es sie noch, die blauen Äpfel: sie sind selten und von besonderer Qualität.

Der Film INNEN LEBEN soll zum Ende des Jahres fertiggestellt und in den sozialen Medien zu sehen sein.

Zum Gelingen der Dreharbeiten trugen u.a. Freiwillige mit Fluchterfahrungen bei. Diese wurden über das Projekt „Integration durch Engagement“ des Freiwilligenmanagements im UNIONHILFSWERK koordiniert.

„Wir wollen heute feiern“ – Tag der Pflege und Betreuung im Pflegewohnheim „Alt-Treptow“

Froh, dabei zu sein

Wie immer, konnten es sich alle gut gehen lassen – bei Grillhähnchen, Brezeln, Erbsensuppe und Softeis. Mittendrin waren Gehege aufgebaut mit Alpakas, Ziegen, Schafe, Hasen und Schweinen. Alte Schlager waren zu hören. Alf Weiß ist für die musikalische Untermalung zuständig. „Er macht die beste Musik“, sagte Lieselotte Appoldt begeistert. Die 89-Jährige sei froh, beim Tag der Pflege und Betreuung dabei zu sein. „Ich wohne seit Februar hier und bin wieder richtig aufgeblüht. Alle geben sich hier so viel Mühe. Das sieht man auch heute wieder.“

Dank ans Team

Einrichtungsleiterin Kathrin Soltysiak erklärte in ihrer Begrüßung, worum es ihr an diesem Tag geht: „Wir wollen heute feiern, erst gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und im Anschluss feiern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch etwas weiter.“ Außerdem betonte sie, dass die Pflege die Betreuung brauche und dass es ohne die Verwaltung des Hauses auch nicht gehe. „Wir bedanken uns bei unserem gesamten Team sehr herzlich für den engagierten Einsatz vor allem in den vergangenen Monaten.“ Mit „wir“ meinte Kathrin Soltysiak auch Pflegedienstleiter Tobias Wendrich, der während ihres Grußwortes große Präsentkörbe überreichte.

Wünsche fliegen gen Himmel

Danach folgte ein weiterer Höhepunkt: Die Anwesenden erhielten bunte Luftballons. Dazu spielte das Lied „99 Luftballons“ von Nena. „Bei uns sind es sogar 153“, sagte Kathrin Soltysiak. Auf ihr Kommando ließen alle ihren Ballon steigen, verbunden mit einem Herzenswunsch. Ein bewegender Moment, der sicher in besonders schöner Erinnerung bleiben wird.

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5 Jahre nach dem „Sommer der Flucht“: Wie ARRIVO BERLIN geflüchtete Menschen in Ausbildung bringt

Im Jahr 2015 kamen bundesweit etwa 890.000, berlinweit ungefähr 55.000 Schutzsuchende zu uns. Viele von ihnen flohen aus den Krisengebieten Syrien, Afghanistan, Irak oder Eritrea. Die Phrasen „Willkommenskultur“, „Wir schaffen das“, „Grenzschutz“ sowie „Flüchtlingskrise“ prägten die Diskussion damals und zum Teil noch heute.

Die Situation 2015 löste aber nicht nur Diskussionen aus, es wurden auch quer durch die Gesellschaft und ihren Institutionen eine Menge pragmatischer Unterstützungsangebote angestoßen. Die Arbeitsmarktintegration spielt bis heute eine zentrale Rolle, denn der Bedarf und die Bedeutung dieser sind für die Integration nach wie vor sehr groß.

2015 überstieg die Nachfrage die Angebote der Integrationsunterstützung. Das Land Berlin reagierte im Schulterschluss mit den relevanten Kammern, Wirtschaftsverbänden und Berliner Projektträgern auf diese Herausforderung. Die damalige Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen legte gleich 2015 den Grundstein für den Aufbau der Ausbildungsinitiative ARRIVO BERLIN und bekräftigte ihre Umsetzung in den darauffolgenden Jahren.

Vom Einzelprojekt zur Dachmarke

Aus einem 2014 gestarteten Pilotprojekt im handwerklichen Bereich, den heutigen ARRIVO BERLIN Übungswerkstätten, entwickelte sich somit sukzessiv eine Dachmarke mit zehn Modellprojekten. Mit ihnen werden geflüchtete Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die den Wunsch und das Potenzial haben, eine berufliche Ausbildung erfolgreich zu durchlaufen, bis zum erfolgreichen Abschluss begleitet: von Sprachkursen über Coaching- und Nachqualifizierungsberatung bis hin zum Schnupperpraktikum und Kontaktaufnahmen mit potentiellen Ausbildungsbetrieben. Insbesondere Betriebe aus Wirtschaftsbereichen mit (drohendem) Fachkräftemangel werden in den Blick genommen, wie Sanitär / Heizung /Klima, die Bauwirtschaft oder der IT-Bereich.

Im März 2019 wurde der Bildung, Umschulung, Soziales (BUS) gGmbH die technische Koordinierung der Initiative übertragen. Zu den Aufgaben dieser gehören damit die Vernetzung der Teilprojekte, die Fortbildung des Projektpersonals, die Öffentlichkeitsarbeit für die Initiative und die Zuarbeit zum Fachcontrolling. Dies wirkte sich für alle Beteiligten positiv aus, wie die Projektleitung von ARRIVO BERLIN Ausbildungscoaching, Irena Büttner, zum Ausdruck bringt:

„Die Einrichtung einer Technischen Koordinierung hat dazu geführt, dass der Projektverbund besser und koordinierter wahrgenommen wird. Mit dem Wechsel der TK zur BUS gGmbH ist die Akzeptanz der Arbeit aller Projekte in den Fokus gerückt und es gibt echte Unterstützungsangebote“.

Win-Win für Betriebe und geflüchtete Menschen

An der Schnittstelle von Fachkräftesicherung und Integrationsunterstützung für geflüchtete Personen kommt es im Idealfall zu einer Win-Win Situation. Mit der Ausbildung von geflüchteten Menschen gehen Betriebe neue Wege, um ihren Fachkräftebedarf zu sichern. Dabei werden sie federführend vom ARRIVO BERLIN Servicebüro für Unternehmen begleitet, welches den Betrieben mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten zur Seite steht.

Für geflüchtete Menschen wiederum ist die Ausbildung häufig ein entscheidender Integrationsschritt. Christine Döbler, Projektleitung von ARRIVO BERLIN Soziales, stellt beispielweise fest, dass „‘unser Modellprojekt es geflüchteten Menschen ermöglicht‚ der Aufnahmegesellschaft etwas zurück zu geben‘, wie es eine Teilnehmerin einst formulierte – denn über ihre Ausbildung im sozialen Beruf werden sie selbst zu Helfenden. Das zu erleben, macht stolz und stark zugleich. Viele haben in ihrer eigenen Fluchtgeschichte erfahren, wie wichtig eine Hilfestellung sein kann.“

Milad Aghajani und Jawad Mohammadi – zwei Neuanfänge

938 geflüchtete Personen wurden seit 2015 in eine Ausbildung oder Arbeit begleitet. Hinter jeder Zahl steht die Geschichte eines Neuanfangs. So zum Beispiel die von Milad Aghajani, der in 2015 als Jugendlicher aus Afghanistan nach Deutschland kam: Aghajani möchte sich orientieren und selbst herausfinden, welcher Beruf für ihn der richtige ist. Motiviert und voller Interesse kommt er 2018 zu ARRIVO BERLIN Gesundheit.

Das Teilprojekt ARRIVO BERLIN Gesundheit organisiert ein Praktikum im Hubertus Krankenhaus für ihn. Dank seiner Kompetenz und der Unterstützung des Teilprojekts beim Bewerbungsprozess, der inhaltlichen Betreuung durch Deutschunterricht und durch den Austausch mit anderen bekommt er einen Ausbildungsplatz und absolviert die Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegehelfer. Gleich im Anschluss will er mit der Ausbildung als Pflegefachkraft weitermachen. Der Anfang ist für April 2021 geplant.

Ein weiteres Beispiel für das Tätigkeitsfeld von der Ausbildungsinitiative zeigt sich am Weg von Jawad Mohammadi: Er kam vor vier Jahren aus Afghanistan nach Deutschland und fing zunächst mit einer Einstiegsqualifizierung – einem Langzeitpraktikum, das auf die Ausbildung vorbereitet – als Kaufmann für Büromanagement bei der Firma B.I.N.S.S. Medientechnik GmbH an.

Das Unternehmen aus Weißensee wendete sich an das ARRIVO BERLIN Servicebüro für Unternehmen, um Jawad Mohammadi die benötigte Unterstützung für die Berufsschule anbieten zu können. Das Servicebüro konnte unter anderem über das UNIONHILFSWERK-Projekt „Ausblicke“ einen Mentor vermitteln, der sich einmal die Woche mit Jawad Mohammadi trifft. Das Teilprojekt ARRIVO BERLIN Ausbildungscoaching begleitet ihn auf seinem weiteren Weg durch die Ausbildung, die im September 2020 angefangen hat. So erhält er „passgenaue Unterstützungsangebote wie Nachhilfe, Hilfe bei der Prüfungsvorbereitung oder bei Antragstellungen in Behörden Ämtern“, so Irena Büttner.

5 Jahre Lebensleistung

Diese Beispiele zeigen, dass der Weg zur Ausbildung häufig aus zahlreichen Schritten mit vielfältigen Maßnahmen und unterschiedlichen Partnern besteht – von verschiedenen Teilprojekten über Jobcenter, Jugendberufsagenturen bis hin zum UNIONHILFSWERK. Doch der Weg lohnt sich. Aktuelle Berichte zeigen, dass im September 2019 rund 40 Prozent der Geflüchteten aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern beschäftigt sind.

Arbeit verändert das Leben grundsätzlich, das erleben die Teilprojekte hautnah. Alexander Fourrestié vom Teilprojekt ARRIVO BERLIN Hospitality betont rückblickend das gemeinsam erreichte:

„Wir haben jetzt noch Kontakt mit Geflüchteten, die wir 2015 kennen- und schätzen gelernt haben. Viele von ihnen haben eine Familie gegründet und sind mittlerweile nach erfolgreich beendeter Ausbildung Fachkräfte, die mitten im Arbeitsleben stehen. Wenn wir sehen, wie diese sich innerhalb von 5 Jahren in Berlin ein neues Leben aufgebaut haben, empfinden wir großen Respekt vor dieser Lebensleistung.“

Sprach-Mentoring: Geflüchteten Menschen helfen, heimisch zu werden

1-zu-1-Prinzip

Alle Mentorings basieren auf dem 1-zu-1-Prinzip. Auf der einen Seite ist die Person, die unterstützt, der Mentor bzw. die Mentorin, und auf der anderen Seite die Person, die Unterstützung sucht (Mentee). Nach der Qualifizierung der ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren und nachdem beide Seiten herausgefunden haben, dass sie als Tandem zusammenpassen (Matching), treffen sie sich regelmäßig über mindestens ein Jahr.

Einstiegsqualifikation dieses Mal digital

Beim Hürdenspringer-Projekt in Tempelhof-Schöneberg erhalten geflüchtete Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft  in der Großbeerenstraße des LfG-B Unterstützung, die deutsche Sprache zu lernen bzw. ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Denn sich zu verständigen ist ein wichtiger Schlüssel, um in einem anderen Land heimisch zu werden.

Aufgrund der Corona-Pandemie erfolgte die dreiteilige Einstiegsqualifikation für die ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren dieses Mal digital. Ziel war es, sie auf die Arbeit mit geflüchteten Menschen vorzubereiten. „Dabei geht es um das Erkennen von eigenen Möglichkeiten, aber auch um die eigenen Grenzen bei der Arbeit mit Menschen, die Inhalte einer Sprachqualifikation und den Austausch untereinander“, sagt Projektleiterin Sabine Niels.

Spannendes Kennenlernen

Anfang Juli kamen die ersten zwei Tandems zusammen. „Bei der gegenseitigen Vorstellung waren die unterschiedlichen Sprachniveaus eine große Herausforderung“, erinnert sie sich. „Nach einigen, auch lustigen, Übersetzungsschwierigkeiten, waren alle in Gesprächen vertieft. Die Phase des Matchings wird immer mit Spannung erwartet. Außerdem ist die Freude über das persönliche Miteinander groß.“

Auf die Frage, worauf es bei diesem Engagement ankommt, betont die Projektleiterin, dass der Wille wichtig sei, sich einzulassen und den Kontakt miteinander zu suchen. Auch wenn Sprachvermittlung an erster Stelle stehe, gehe es auch immer darum, jemanden an seiner Seite zu haben, jemanden zu haben, der sich einmal in der Woche Zeit nimmt, um gemeinsam die Stadt zu erkunden.

Mit Begeisterung und Dankbarkeit dabei

Team Hürdenspringer Tempelhof-Schöneberg

Team Hürdenspringer Tempelhof-Schöneberg Foto: Patricia Kalisch

Mittlerweile gibt es bei den Hürdenspringern Tempelhof-Schöneberg bereits acht Tandems. Sabine Niels freut sich darüber, „dass alle mit Begeisterung und großer Dankbarkeit bei der Sache sind.“ Auch weitere Engagierte seien herzlich willkommen. „Wer sich für ein ehrenamtliches Engagement im Sprach-Mentoring interessiert, kann sich gerne von uns beraten lassen.“

Hürdenspringer Tempelhof-Schöneberg
Telefon: 030 / 22 32 76 24, E-Mail: hts@unionhilfswerk.de.