Monthly Archives: Juli 2021

„Ich möchte Menschen für das UNIONHILFSWERK begeistern“

Seit Dezember 2020 sind Sie im UNIONHILFSWERK für das Fundraising zuständig.  Vorher waren Sie unter anderem Fundraiser und Geschäftsführer einer gemeinnützigen Natur- und Artenschutzorganisation. Was hat Sie bewogen, zum UNIONHILFSWERK zu wechseln?

Das erste, was mir positiv am UNIONHILFSWERK auffiel war der Leitsatz: „Wir sind Wegbegleiter.“  So unterschiedlich die Menschen sind, so verschieden sind auch ihre Lebenswege und die Schwierigkeiten und Aufgaben, die sie zu bewältigen haben. Ein schöneres Angebot als das, ihn zu begleiten, kann man einem Menschen fast nicht machen. Ich habe die Stellenanzeige für die Position „Referent Fundraising“ rein zufällig auf LinkedIn gesehen und habe sofort gedacht: Da mitzumachen könnte ich mir gut vorstellen! Ein bisschen hat das UNIONHILFSWERK also auch mich gefunden.

Was sind Ihre Aufgaben als Fundraiser im UNIONHILFSWERK und welche Ziele verfolgen Sie?

Die Aufgabe des Fundraisers ist es, Geld- und Sachspenden einzuwerben, um die Organisation in ihrer gemeinnützigen Tätigkeit zu unterstützen. In meinem Fall heißt das zu schauen, wo Kosten nicht gedeckt sind, wo finanzielle Engpässe bestehen, die durch Spenden behoben werden können, oder wo Projekte nicht gefördert werden und erst durch Spenden verwirklicht werden können. Ich spreche dann u.a. kommerzielle Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen an und frage, ob sie Mittel beisteuern können.
Mein Ziel ist es, Menschen für die Tätigkeiten und Projekte des UNIONHILFSWERK zu interessieren und begeistern, so dass sie das Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Freiwilligen und Ehrenamtlichen aus voller Überzeugung und möglichst über einen langen Zeitraum hinweg mit tragen und unterstützen.

Was macht Ihnen an diesem Job am meisten Spaß?

Die Zusammenarbeit mit anderen, aber auch das Konzeptionelle. Etwas aufzubauen bzw. das, was bereits vorhanden ist zu unterstützen und gegebenenfalls auszubauen, macht Freude. Dass meine Tätigkeit Mitmenschen, die teilweise in großen Schwierigkeiten stecken, zugute kommt, ist eine echte Motivation.

Was finden Sie aktuell besonders herausfordernd und wo sind die Lichtblicke?

Ich finde es wichtig, dass das UNIONHILFSWERK im Laufe der Zeit als eine Organisation wahrgenommen wird, die Spenden benötigt und zu schätzen weiß, weil damit Gutes bewirkt werden kann. Als Beispiel: Wenn ein alter Mensch, der in Berlin lebt, darüber nachdenkt, wem er einen Teil seines Vermögens vererben möchte, sollen ihm nicht nur Greenpeace, Amnesty und der Tierpark um die Ecke einfallen, sondern auch das UNIONHILFSWERK. Bis dahin ist es jedoch noch ein Stück Weg.

Corona war weiterhin präsent und bremste  auch an einigen Stellen. Homeoffice und Homeschooling zur gleichen Zeit resultierten allzu oft darin, dass Homeoffice noch spät abends oder an den Wochenenden nötig war. Ich bin froh, dass dieser Spuk nun hoffentlich vorbei ist – wer nicht. Lichtblicke waren hier die Freundlichkeit der Kolleginnen und Kollegen und der Vorgesetzten, die mir das Gefühl geben: „Wir kriegen das gemeinsam hin.“

Ein Blick in die Zukunft, sagen wir in das Jahr 2026: Was wünschen Sie sich beruflich und was privat?

Beruflich möchte ich gerne einen richtig guten Job beim UNIONHILFSWERK machen und das Fundraising zu einem effizienten Referat aufbauen. Eine konstruktive Zusammenarbeit und Synergien mit den anderen Fachbereichen bedeutet mir dabei viel.

Privat: Mein 10-jähriger Sohn Jaron soll weiter eine unbeschwerte Kindheit mit viel positivem Input haben.

Wenn wir jetzt schon bei den privaten Wünschen sind: Wie tickt der Mensch Martin Bartsch?

Bei allen gelegentlichen Ungenauigkeiten: unter dem Strich richtig, hoffe ich!

Meer oder Berge?

Meer.

Bei welchem Film mussten Sie herzhaft lachen?

„Dumm und Dümmer“ mit Jim Carrey und Jeff Daniels, zumindest beim ersten Mal. Ich kenne viele, die dabei die Augen verdrehen (meine Frau z.B.), aber ich find‘ den Movie lustig.

Wovor haben Sie Angst?

Akute Ängste habe ich nicht, glücklicherweise. Klar habe ich einige Sorgen, und ich habe ein paar Vorstellungen von unschönen Dingen, die ich nicht erleben möchte. Aber solange nichts wirklich Schlimmes passiert, setze ich auf den dritten Paragraphen des Kölschen Grundgesetzes: Et hätt noch immer jot jejange.

Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürften: Wer wäre es und warum?

Ich würde gerne Buddha Siddhartha Gautama treffen und ihn fragen, wie genau man so eine Erleuchtung hinbekommt.

Von welchem Moment aus Ihrem Leben hätten Sie gern ein Video?

Ich habe mit 30 Jahren einen Bungee-Jump vom Hamburger Fernsehturm gemacht. Ein Freund von mir hat gefilmt, wie ich in 135 Meter Höhe windzerzaust auf der Außenrampe des Turms stehe und ganz grün vor Angst bin. Leider ist das Video verschollen, ich hätt’s gerne wieder.

Was mögen Sie an anderen Menschen?

Güte, Klugheit, Humor.

Wein oder Bier?

Warum oder?

3 Dinge, die Sie so richtig auf die Palme bringen?

Im Alltag?
Leute, die in den Öffis ihr Handy auf laut stellen.
Jede Art von Abzocke verdirbt mir die Laune.
20 verhakte Bügel und ich brauche einen – da drehe ich durch.

Kopf- oder Gefühlsmensch?

Warum oder? Ich meine, beides hat seine Berechtigung und beides sind Seiten derselben Medaille.

Ich bedanke mich herzlich für die Beantwortung der Fragen, lieber Herr Bartsch.

„Onboarding – gut ins Boot holen. So heißen wir neue Kolleg*innen willkommen“

Ein gelungener Start kann viel dazu beitragen, dass Mitarbeiterinnen und Kollegen engagiert und leistungsbereit ihre Aufgaben umsetzen, sich mit dem Träger identifizieren und Unternehmensziele zu den eigenen Zielen machen. Idealerweise arbeiten sie mit Freude und bleiben lange im Unternehmen. Ein wichtiger Nebeneffekt: Die Kolleg*innen sprechen oft und positiv mit Freund*innen, Nachbar*innen und Bekannten über das UNIONHILFSWERK und empfehlen den Träger somit als Arbeitgeber weiter. Jede*r Mitarbeiter*in im Unternehmensverbund ist ein*e wichtige*r Multiplikator*in.

Ob und wie willkommen sich ein neuer Kollege oder eine neue Kollegin in den ersten Tagen und Wochen fühlt, hängt von vielen Faktoren ab. Ist die Begrüßung des Vorgesetzten herzlich? Nimmt das Team sich Zeit für ein Kennenlernen? Gibt es eine gute Einarbeitung? Ist der neue Arbeitsplatz gut vorbereitet?
Hier passiert ganz viel vor Ort, in unseren Einrichtungen und Projekten, bei Ihnen in den Teams, auf den Wohnbereichen, in den WGs, in den Gewerken oder der jeweiligen Kita.

Bereits Traditionen: Unsere Willkommenstage und Willkommensordner

Lange schon gibt es aber auch übergreifende Maßnahmen, die vom Personalmarketing und der Unternehmenskommunikation, in Absprache mit der Geschäftsleitung, erdacht und umgesetzt werden.
So findet beispielsweise unser Willkommenstag seit vielen Jahren statt. An 15-20 Terminen pro Jahr stellen wir uns den neuen Kolleg*innen als Arbeitgeber vor, ermöglichen den Austausch auch mit bis dahin unbekannten Kolleg*innen aus den diversen Arbeitsbereichen und heißen  alle herzlich willkommen.
Coronabedingt konnten unsere Willkommenstage leider nicht mehr in Präsenz stattfinden und werden inzwischen digital angeboten. Dabei bekommt jede*r teilnehmende Mitarbeiter*in ein Frühstückspaket an den Ort geschickt, von wo aus er oder sie teilnimmt – egal ob im Büro, im Teamraum oder im Home Office.
Und wenn auch leider momentan nur virtuell – so gibt dieser Tag doch die Möglichkeit, Hintergründe zum neuen Arbeitgeber zu erfahren und Kolleg*innen aus anderen Unternehmensbereichen kennenzulernen.

Eine zusätzliche Willkommensmappe stellt den Träger, im Besonderen die jeweilige Gesellschaft bzw. den eigenen Unternehmensbereich vor und bietet außerdem Platz für Unterlagen, wie Gehaltsabrechnungen.

Jetzt neu: Unser Willkommenspaket mit besonderer Überraschung

Ab Juni 2021 erhält nun jede*r neue Mitarbeiter*in ein Willkommenspaket. Darin enthalten sind verschiedene kleine und größere Willkommensgeschenke sowie Informationsmaterial über das UNIONHILFSWERK und die USE.
Auch ein Willkommenskärtchen liegt bei: Und hier erwartet den*die neue Kolleg*in eine besondere Überraschung – das Kärtchen enthält unter anderem einen Bestellschein für ein neues Lieblingskleidungsstück. Jacke oder Kapuzenpullover können in verschiedenen Farben und Größen ausgesucht werden. Die Bestellung läuft über den*die Vorgesetzte*n und unser Intranet.

In der kleinen Willkommenskarte finden die neuen Mitarbeiter*innen außerdem die Einladung zum digitalen Willkommenstag und auch den Link, um sich dafür anzumelden.

Das machen wir selbst – weil wir’s können

Auch spannend: Aus dieser neuen Onboarding-Maßnahme ergeben sich einige Aufträge für verschiedene Unternehmensbereiche im UNIONHILFSWERK. Die Willkommenskarte wird beispielsweise im Digitaldruck der USE (Union Sozialer Einrichtungen gGmbH) gedruckt:

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Gepackt werden die Pakete  dann in unserer Zuverdienstwerkstatt des Fachbereichs Psychiatrie. Geschenke, Flyer & Broschüren sowie Willkommenskärtchen kommen ins Paket, das dann gut verschlossen werden muss.

 

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Und wie genau kommt das Paket dann tatsächlich zum neuen Mitarbeiter und zur neuen Kollegin?
Die Auslieferung in unsere über 100 Standorte übernimmt der Fahrdienst der USE. Vor Ort kann das Willkommenspaket dann personalisiert und überreicht werden.

Da ist die Freude groß – bei allen Beteiligten – und sicher auch bei den neuen Kolleg*innen, die sich herzlich willkommen geheißen fühlen.

Wie heißen Sie neue Kolleg*innen willkommen? Gibt es kleine Willkommenrituale in Ihrer Einrichtung? Schreiben Sie es gern in die Kommentare.

 

Leckere Gerichte zubereiten via Videokonferenz

Interesse an weniger Fleisch hat zugenommen

Unbedachter, sorgloser Fleischkonsum und die zahlreichen negativen Folgen übermäßiger Fleischproduktion für Tier, Umwelt und Mensch geraten auch in unseren Wohngemeinschaften und im Betreuten Einzelwohnen immer deutlicher in den Blick. Viele Menschen interessieren sich daher zunehmend für eine Ernährung mit weniger oder sogar ohne Fleischprodukte. Damit eine derartige Ernährung schmackhaft und vor allem ausgewogen ist, reicht es allerdings nicht immer, Fleisch lediglich wegzulassen. Vielmehr ist es häufig geboten, die pflanzlichen Produkte auf eine ganz besondere Weise zuzubereiten.

Virtuell gemeinsam kochen

Gemeinsam mit dem mir gut bekannten, zertifizierten Diätkoch Chris Bethke, der sich auf vegetarische und vegane Küche spezialisiert hat, habe ich nunmehr bereits zum zweiten Mal einen digitalen Koch-Workshop veranstaltet. Mittels einer »Videokonferenz habe ich alle interessierten Menschen, die in den Wohngemeinschaften und im Betreuten Einzelwohnen leben, sowie deren Betreuungspersonal in meine Küche eingeladen.

Die Teilnehmer*innen konnten bisher die Entstehung eines vegetarischen Burgers mit selbstgemachter BBQ-Sauce, einer Minestrone sowie einer vegetarischen Sauce Bolognese verfolgen und in ihrer eigenen Küche parallel selbst zubereiten.

Interaktives Format kam gut an

Durch die Konferenzschaltung war es jederzeit möglich, Fragen zu stellen – und beantwortet zu bekommen – sowie selbst Einfluss auf die Gestaltung der Vorführung zu nehmen, z.B. das Tempo mitzubestimmen oder den Kamerablick zu beeinflussen, wenn die Sicht auf einen bestimmten Vorgang nicht hinreichend deutlich war. Dieses interaktive Format – wie übrigens auch der Koch selbst – fanden großen Gefallen, wobei nach dem ersten Event gute und wichtige Verbesserungsvorschläge gemacht wurden, die in den zweiten Workshop einflossen.

Nächstes Koch-Event geplant

Beim nächsten Koch-Event sollen Pommes Frites aus Süßkartoffeln mit einer veganen Mayonnaise zubereitet werden. Angesichts der stark zurückgehenden Zahl der Corona-Infektionen werden wir dem Wunsch einiger Wohngemeinschaften nachkommen, mit den Bewohner*innen vor Ort zu kochen. Von den Teilnehmer*innen nehmen wir weiterhin sehr gerne Vorschläge für Gerichte entgegen. Guten Appetit!

„Der Austausch in der Gruppe fehlt!“

Ihr seid in der PflegeSelbsthilfe aktiv. Was bedeutet dieser Begriff?

Damit ist die Selbsthilfe im Umfeld von häuslicher Pflege gemeint: von einer Gesprächsgruppe über gemeinsame Aktivitäten bis hin zu nachbarschaftlicher Hilfe. Immer dann, wenn sich Gleichbetroffene gegenseitig unterstützen, sich mit ihrem Expertenwissen zur Seite stehen, gemeinsam aktiv werden, sich ermutigen und sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst helfen, spricht man von PflegeSelbsthilfe. Gruppenangebote der PflegeSelbsthilfe fördern und verbessern die Lebensqualität und Selbstbestimmung von sorgenden und pflegenden Angehörigen und hilfe- und pflegebedürftigen Menschen.

Wie kamt ihr ursprünglich zu eurem Engagement?

Die Zugangswege zu dieser besonderen freiwilligen Tätigkeit waren unterschiedlich. Im Fall einer Gruppenbegleiterin entstand der Kontakt bei einer Veranstaltung der Kontaktstelle und einem anschließenden Gespräch mit einer Mitarbeiterin: „Da mich der Umgang innerhalb der Gruppe miteinander und mit dem schwierigen Thema beeindruckt hat und mich dieses Thema auch betrifft, wenn auch aus einem anderen „Blickwinkel“, habe ich diese Aufgabe übernommen.“ In einem anderen Fall las der Gruppenbegleiter bei der Ehrenamtssuche eine Anzeige in der Berliner Woche. Aufgrund von beruflichen Vorerfahrungen mit Moderation und Gruppenbegleitung nahm er Kontakt zur Kontaktstelle auf und hat „die Entscheidung bis heute nicht bereut. Ich freue mich, dass ich am Leben anderer ein wenig teilhaben darf, sie in schwierigen Zeiten begleite, einen Erfahrungsaustausch in der Gruppe initiiere …; und sehe dies auch als Bereicherung für mein eigenes Leben.“

Wie hat die Pandemie eure freiwillige Tätigkeit verändert?

„Die Pandemie hat unser Engagement sehr verändert, weil die Gruppen nicht mehr oder nur geteilt in Kleingruppen stattfinden können. Es gibt auch viel mehr digitale und telefonische Kommunikation.“ „Der Kontakt mit den Einzelnen ist jetzt intensiver und kommt anders in die Tiefe.“ Doch eine Gruppe kann Themen besser auffangen und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Die Gruppenbegleiter*innen sind sich einig: Gruppentreffen sind vorzuziehen. Sie erleben weiterhin große Wertschätzung durch die Teilnehmenden, die sich über Anrufe freuen und „dass sich jemand kümmert“ oder sich bedanken, dass die Treffen weiterhin stattfinden können.

Wie ist die aktuelle Situation der pflegenden Angehörigen in euren Gruppen?

Die Pflegesituation ist durch die Pandemie insgesamt schwieriger geworden und die physische und psychische Belastung der Angehörigen stark gestiegen. „Es gibt wenig Möglichkeiten der Entlastung oder es ist schwer, das überhaupt zu organisieren, und durch die wegfallenden oder eingeschränkten Gruppentreffen auch weniger Gelegenheit zum Austausch in der vertrauten Gruppe.“

Die Isolation der pflegenden Angehörigen ist noch größer geworden als durch die Pflegesituation ohnehin schon. Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, um dem Alltag zu entfliehen, fehlen.  „Gerade bei Älteren gibt es zudem das Gefühl, ein Teil des Lebens wird durch die Einschränkungen genommen, den man nicht nachholen kann, z.B. die Entwicklung der Enkel, Treffen mit Freunden.“ „Manche haben Depressionen aufgrund der Verschlechterung der allgemeinen Lebensqualität durch die Pandemie und keine richtige Perspektive, wann sich das ändert.“

In zwei Gruppen sind in den letzten Monaten mehrere Angehörige verstorben. Neben Trauer und Einsamkeit muss nun auch viel Organisatorisches bewältigt werden: „Über die Bürokratie beklagen sich viele pflegende Angehörige. Zudem fehlt es, durch die aktuelle Situation an Unterstützung. Direkte Unterstützung gibt es in der Regel im Internet. Ältere Menschen werden hier benachteiligt, da sie oft keinen Internetanschluss besitzen bzw. sie keine Erfahrungen mit diesem Medium haben.“ Insgesamt wird in der aktuellen Situation deutlich, welch vielfältige Unterstützung die Gesprächsgruppen bieten können, indem sie persönliche Kontakte ermöglichen, Selbstsorge fördern und Informationen niedrigschwellig zugänglich machen.

Wie haltet ihr den Kontakt zu den Gruppenteilnehmer*innen in der Pandemie?

Wenn Gruppentreffen nicht möglich sind, hat sich vor allem der telefonische Kontakt bewährt. Dies ist eine Möglichkeit, Kontakt mit den Einzelnen zu halten, aber auch die Gruppe zusammenhalten zu können. Die Teilnehmenden freuen sich, dass „sich jemand kümmert, und ein Gruppenbegleiter ist sich sicher, „ohne die Telefonate gäbe es die Gruppe nicht mehr“. Der Kontakt mit den Einzelnen ist jetzt intensiver. Es wird aber auch versucht, den Kontakt der Gruppenteilnehmer*innen untereinander zu initiieren und beispielsweise Telefonate und Spaziergänge anzuregen.

Einige Gruppen können sich weiterhin vor Ort treffen, allerdings geteilt in zwei Kleingruppen, die im Wechsel stattfinden. Die Teilnehmenden sind froh, dass die Treffen überhaupt weitergehen können, wenn auch weniger häufig als sonst. Auch wird „das ganze Drumherum als umständlich empfunden, der Abstand, das Lüften, das Desinfizieren und Maskentragen“. Die Verständigung mit Maske ist insbesondere für Menschen mit Hörbeeinträchtigung erschwert.

Was wünscht ihr euch für eure Gruppe?

Die Einzelkontakte zu den Mitgliedern während der Pandemie zu pflegen, hat die Gruppe zusammengehalten, aber die Mitglieder sehnen sich nach Gruppentreffen, „weil sie in der Gruppe einfach mehr voneinander profitieren, da gibt es mehr Input für alle: Der Austausch in der Gruppe fehlt!“. Sie hoffen, bald wieder „eine lebendige Gruppe zu sein, in der die Teilnehmer*innen untereinander Kontakt haben und Begegnungen auch außerhalb der Gruppentreffen stattfinden“. Während der Pandemie sind auch neue Mitglieder hinzugekommen, mit denen der Austausch bisher nur telefonisch stattfinden konnte. Der Wunsch ist groß, sie endlich auch persönlich kennenzulernen und in der Gruppe zu begrüßen.

Kontakt
Kontaktstelle PflegeEngagement Reinickendorf
Sabine Freigang, Christine Gregor & Alexandra Knorr  I  Projektmitarbeiterinnen
Eichhorster Weg 32 | 13435 Berlin
Telefon: 030 / 41 74 57 52
E-Mail: pflegeengagement@unionhilfswerk.de

Digitale Antwort auf die Vereinsamung alter Menschen: neues Projekt geht an den Start

Künftig werden die Geräte über den Unionhilfswerk Landesverband e.V. rotierend an betagte kontakt- oder bewegungseingeschränkte Menschen ausgeliehen. Diese haben so die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen, die aufgrund der Pandemie nicht mehr persönlich stattfinden können – sei es der Austausch mit Angehörigen, die Gymnastik per Video oder die ‚Virtuelle Kaffeerunde‘.

Wachsende Vereinsamung alter Menschen

Statistische Hochrechnungen gehen davon aus, dass die Zahl der über 80-jährigen Personen durch demografische Entwicklungen bis zum Jahr 2030 allein in Berlin um etwa 62 Prozent steigen wird – auf rund 263.000 Personen. Viele dieser alten Menschen leben allein – sie haben keine Familie mehr oder Kinder und Enkel leben weit entfernt. Für die Integration und Alltagsbewältigung bedeutet diese Entwicklung, dass sie auf Unterstützung jenseits familiärer Strukturen angewiesen sind. Ehrenamtliche Besuchsdienste verbunden mit unterschiedlichsten Unterstützungen sind somit als Ersatz oder Ergänzung für familiäre, freundschaftliche oder nachbarschaftliche Beziehungen wichtiger denn je. Das trifft umso mehr in Zeiten der Covid-19-Pandemie zu.

Der Unionhilfswerk Landesverband Berlin e.V. setzt hier an: Mit dem Ziel, den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken, bieten die 17 Bezirksverbände unter anderem Besuchshilfen für ältere Menschen in schwierigen Lebenslagen an. Die Vereinsmitglieder begegnen auf diese Weise der Vereinsamung alter Menschen. Insgesamt sind rund 200 ehrenamtliche Helfer*innen vor Ort im Einsatz, um dort die vielfältigen Angebote zu realisieren, darunter auch die Besuchsdienste.

Durch die Corona bedingten Kontaktbeschränkungen war das persönlich häufig nicht möglich und kann über die angeschafften Tablets künftig noch stärker in digitaler Form stattfinden. Denn auch nach der Pandemie kann das Videogespräch mit den Enkeln zu mehr Lebensqualität führen.

Freiwillige helfen im Umgang mit der neuen Technik 

Einige der Freiwilligen werden das Projekt „Digitaler Besuchsdienst für betagte Mitbürger*innen“ betreuen und sich so für ein Miteinander der Generationen einsetzen. Sie sind technisch versiert und unterstützen die Senior*innen bei Bedarf im Umgang mit den Geräten und bringen Ihnen Grundfunktionen, wie Videogespräche, Surfen im Internet oder die E-Mail-Kommunikation näher.

Dr. Thomas Georgi, Vorsitzender des Unionhilfswerk Landesverband e. V. bedankt sich: „Wir freuen uns über die großzügige Förderung durch die Deutsche Postcode-Lotterie sehr. Sie ermöglicht älteren Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Durch die „digitalen Besuchsdienste“ kann der Kontakt zu den betagten und immobilen Menschen auch bei Krankheit und in der Pandemie bestehen bleiben. Diejenigen, die ihre Wohnung kaum noch verlassen können, erhalten so die Möglichkeit, an „digitaler Geselligkeit“ teilzunehmen und Abwechslung zu erleben. Dies kann erheblich dazu beitragen, den Lebensmut zu stärken und schützt auch vor Vereinsamung im Alter.“

Wir sagen: Vielen Dank für die Unterstützung!